Klimaschutz braucht kulturellen Wandel

Resolution der Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrates zum Klimapaket der Bundesregierung

Berlin, den 26.09.2019. Gestern hat das Bundeskabinett das Klimapaket beschlossen. Nun stehen die Beratungen im Deutschen Bundestag und bei den zustimmungspflichtigen Teilen auch im Bundesrat an. Mit dem Klimapaket wurde der Weg zur Verankerung der Klimapolitik in der Gesamtpolitik eingeschlagen.

 

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrates teilt die Einschätzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichen werden, um das Ziel, die Erderwärmung bei maximal 1,5°C festzuschreiben, zu erreichen. Offenbar befürchtet die Politik, dass tiefgreifende Maßnahmen von den Bürgerinnen und Bürgern nicht mitgetragen würden. Die Bewältigung des Klimawandels ist eine Bewährungsprobe für die Demokratie. Notwendige Veränderungen im Umgang mit Ressourcen können in demokratischen Gesellschaften nicht verordnet werden. Vielmehr müssen die Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden, deren Bereitschaft sich auf neue Zukunftskonzepte einzulassen, darf aber auch nicht unterschätzt werden.

 

Aus Sicht des Deutschen Kulturrates darf Klimaschutz nicht isoliert betrachtet werden. Klimaschutz ist ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigen Entwicklung. Die Weltgemeinschaft hat mit der „UN-Agenda für Nachhaltige Entwicklung“ einen Weltzukunftsplan vereinbart. Darin lautet Ziel 13: „Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen zu ergreifen“. Es ist Zeit, diese und die weiteren Vereinbarungen mit Leben zu erfüllen und dem Raubbau an Ressourcen ein anderes Bild des guten Lebens entgegenzusetzen.

 

Nachhaltige Entwicklung ist eine kulturelle Herausforderung. Es gilt, alte Muster, Gewohnheiten und Gewissheiten zu hinterfragen und sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen, dabei aber auch kulturelle Traditionen und Techniken wieder neu zu beleben, wenn diese nachhaltige Prozesse unterstützen.

 

Kunst und Kultur sind prädestiniert für die anstehenden Veränderungsprozesse. Auch hier geht es darum, Grenzen zu überschreiten und das Unbekannte zu erkunden. Kunst und Kultur verkörpern eine Haltung und eröffnen einen Raum, in dem Bilder und Symbole der Nachhaltigkeit entstehen können. Kultureller Wandel heißt, nicht nur den Verlust an Bestehendem in den Blick zu nehmen, sondern mit Mut und Zuversicht Neues zu wagen. Es bedarf Haltung und Verantwortung für unsere Zukunft. Es gilt, eine umfassende Aufbruchstimmung zu stiften, das betrifft sowohl das Erreichen der Klimaziele als auch die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsagenda. Der Kulturbereich sieht sich hier in der Verantwortung.

 

Nachhaltige Entwicklung fordert alle: Die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen genauso wie die Politik und die Verwaltungen, angefangen von der Kommunal-, über die Landes- und Bundespolitik bis hin zur europäischen und internationalen Ebene.

 

Um diesen kulturellen Wandel zu gestalten, fordert der Deutsche Kulturrat:

  • die Chancen von Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung in den Vordergrund zu stellen,
  • die wirtschaftlichen Potenziale von Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung zu heben, das gilt insbesondere auch für die Kultur- und Kreativwirtschaft, die ein Innovationstreiber ist und Beiträge zur Transformation von Produktions- und Konsummustern leistet,
  • die Förder- und Vergaberichtlinien so zu ändern, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium wird und damit Impulse gesetzt werden,
  • die kulturelle Bildung und Umweltbildung deutlich zu stärken,
  • die Kultureinrichtungen und -institutionen in die Lage zu versetzen, sich Nachhaltigkeitsziele setzen und diese verfolgen.

 

Der Deutsche Kulturrat hat sich zur Umsetzung der „UN-Agenda für nachhaltige ausführlich Entwicklung“ mit der Stellungnahme „Umsetzung der Agenda 2030 ist eine kulturelle Aufgabe“ vom 15. Januar 2019 positioniert und hat die Beschäftigung mit diesem Thema zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit erklärt.

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