9. KW: Bundeskulturministerium, Gutachten im Kolonialismusstreit, Das demokratische Gespräch in der Krise, …

... Politik & Kultur 03/2019, Haus der Kulturverbände in Berlin, BAMF + Initiative kulturelle Integration, Migrantentagebuch

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Carsten Brosda, der Vorsitzende der neuen Kulturministerkonferenz der Länder, sagte bei unserer Veranstaltung »Wachgeküsst« am 28. Januar in Berlin, dass unsere ständige Forderung nach einem Bundeskulturministerium auf ihn leicht neurotisch wirke (siehe Video). Ein inte­ressantes Bild, das der Hamburger Kultursenator da gebraucht hat, denn ein neurotisches Verhalten wird bekanntermaßen durch eine Neurose ausgelöst, unter der eine leichtgradige psychische Störung verstanden wird, die durch einen Konflikt verursacht wird. Genauso ist es.

 

Es gibt seit Jahren vermeidbare Konflikte bei der Kulturzuständigkeit auf der Bundesebene, die – zumindest auf mich – verstörend wirken.

 

Neben der für die innere Kulturpolitik zuständigen Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist Annette Widmann-Mauz Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, Michelle Müntefering für Internationale Kulturpolitik und Dorothee Bär für das Kulturthema Digitalisierung. Die Kulturwirtschaft untersteht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, kulturelle Bildung ist im Ressort von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek beheimatet. Apropos Heimat, das neue Kulturressort Heimat in der Bundesregierung verantwortet Innenminister Horst Seehofer. Auch der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer muss nicht gänzlich ohne Kulturverantwortung auskommen, er ist für die Computerspieleförderung zuständig. Sozialminister Hubertus Heil kümmert sich um die Künstlersozialkasse, Justizministerin Katarina Barley um das Urheberrecht und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner um das Programm »Landkultur«. Auch die Familienministerin Franziska Giffey und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller haben in ihrem Ressort Verantwortung für Kulturbereiche. Eigentlich ist das ganze Bundeskabinett ein veritables Kulturkabinett.

 

Es ist erfreulich, welche Bedeutung Kulturpolitik auf der Bundesebene mittlerweile erreicht hat. Mit einem bisschen guten Willen hätte man in dieser Legislaturperiode diesen Bedeutungszuwachs mit einem eigenständigen Bundeskulturministerium krönen können.

 

Der Deutsche Kulturrat hatte vor 21 Jahren die deutliche Stärkung der Kulturpolitik auf der Bundesebene gefordert. Die im Herbst 1998 erfolgte Benennung eines Kulturstaatsministers und die Einrichtung des Kulturausschusses im Deutschen Bundestag waren die unmittelbaren Folgen unserer Forderung. Diese Geschichte kann in unserem neuen Buch „Wachgeküsst: 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998 – 2018“ nachgelesen werden.

 

Die deutliche Aufwertung des Bundeskabinetts zum Kulturkabinett zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Ein Bundeskulturministerium, spätestens in der nächsten Legislaturperiode, ist nicht mehr aufzuhalten: Vielleicht habe ich aber gerade nur einen neurotischen Schub, warten wir es ab.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Prof. Dr. Matthias Theodor Vogt, der das im „Kulturpolitischen Wochenreport“ 8 KW und 7 KW von mir kritisierte Gutachten verfasst hat, mit dem nach meiner Ansicht die ehrenamtliche Vorsitzende des Fachverbandes Afrikanistik eingeschüchtert werden soll, bat mich, Ihnen seine hier abrufbare Erwiderung zugänglich zu machen. Außerdem bat er mich auch mitzuteilen, dass er sich in seinem Berufsleben immer für eine Stärkung der Zivilgesellschaft eingesetzt hat. Beides mache ich gerne. Aber machen Sie sich selbst ein Bild.

 


 

Das demokratische Gespräch in der Krise: Wir müssen reden! Aber mit wem? Und wie?

 

Drohen Grundprinzipien der offenen Gesellschaft ihre Gültigkeit zu verlieren? Eine Diskussionsrunde am 20. Februar im Berliner Kulturforum St. Matthäus mit dem Deutschen Kulturrat, Autoren und einer Vertreterin der evangelischen Kirche, ist jetzt beim Deutschlandfunk jetzt hier nachhörbar (60 Minuten).

 

Podium: Sebastian Kleinschmidt, Autor; Julia Helmke, Deutscher Evangelischer Kirchentag; Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat; Ludwig Greven, Publizist; Moderation: Hans Dieter Heimendahl

 

Die Autonomie der Künste und die Unabhängigkeit der Medien, offene Grenzen in Europa oder das Recht auf Asyl: Grundprinzipien unserer Gesellschaft, die bislang von einer breiten Mehrheit getragen wurden, werden zunehmend infrage gestellt und drohen ihre Gültigkeit zu verlieren. Wie gehen wir mit diesen Veränderungen um? Können wir mit dem Diskurs den Diskurs retten?

 

Zweimal im Jahr stellen sich der Deutsche Kulturrat, das Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Stiftung St. Matthäus in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur der Frage nach aktuellen gesellschaftlichen Umbrüchen und ihren kultur- und gesellschaftspolitischen Konsequenzen.

 


 

Heimat, Heimat, Heimat: Politik & Kultur 03/2019 ist erschienen

 

Themen:

 

  • Heimat – Kunst: Zwischen Kulturerbe, Integration und Zukunftsperspektiven
  • Digitalisierung: Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen des digitalen Kapitalismus kann der Kulturbereich mittragen?
  • Dekolonialisierung: Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes erfordert die Einbeziehung von Politik und Gesellschaft.
  • Autoren in der Türkei: Türkische Schriftsteller schreiben an Zensur und Repression vorbei – doch Gerichte verurteilen weiter.
  • Kinoförderung: Das Zukunftsprogramm Kino soll den Bestand fördern, kommt aber nur langsam voran.

 

Außerdem: Frauen in der Filmbranche, Frauen in der Außenpolitik, 1:1-Mentoringprogramm des Deutschen Kulturrates: Frauen in Kultur und Medien, Spezialbibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, Kulturpolitik in Schweden, Hochschulen in Brasilien u.v.m.

 

Politik & Kultur, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler. Sie erscheint zehnmal jährlich, informiert zu kulturpolitischen Fragestellungen und widmet zusätzlich in jeder Ausgabe einem aktuellen Thema einen Schwerpunkt.

 

Politik & Kultur ist in Bahnhofsbuchhandlungen, auf Flughäfen, im Online-Shop sowie im Abonnement erhältlich. Alle Politik & Kultur-Ausgaben können hier als E-Paper (pdf-Datei) kostenfrei geladen werden. Hier können Sie das Politik & Kultur-Jahresabonnement bestellen.

 

Die März 2019-Ausgabe von Politik & Kultur steht auch im Internet als pdf-Datei zum Herunterladen für Sie bereit.

 

Die Ausgaben erscheinen jeweils am 01. Februar, 01. März, 01. April, 01. Mai, 1. Juni, 01. Juli, 01. September, 01. Oktober, 01. November und 01. Dezember.

 


 

Zukunftsprojekt: Haus der Kulturverbände in Berlin

 

Der Deutsche Kulturrat musste in den vergangenen Jahren mehrmals umziehen. Auch unsere derzeitigen Räumlichkeiten werden uns voraussichtlich nur noch zwei bis drei Jahre zur Verfügung stehen. Wir wissen, viele von Ihnen haben das gleiche Problem. Einige teilen durch die gleiche Adresse unser Schicksal direkt. Deshalb wird der Deutsche Kulturrat jetzt frühzeitig aktiv, um neue Büros für sich und interessierte Verbände aus dem Kulturbereich ausfindig zu machen. Ziel ist es, einen Ort in Berlin zu finden, der uns eine langfristige Perspektive bieten kann.

 

Unseren Referenten Jens Kober habe ich damit beauftragt, diese Aufgabe zu übernehmen. Er wird nicht nur die Suche nach neuen Büroräumen koordinieren, sondern auch die Bedarfe ermitteln. Wir unternehmen den Versuch, die Bedürfnisse aller Interessierten zu bündeln, um so gemeinsam ein Haus der Kulturverbände in Berlin zu verwirklichen. Ob unserer Bemühungen erfolgreich sein werden, können wir natürlich heute noch nicht versprechen. Wir werden Sie aber über den Fortgang der Suche regelmäßig informieren.

 

Wir bitten alle, die Interesse an einem solchen Projekt in Berlin haben, Kontakt mit Jens Kober (ed.ta1558684400rrutl1558684400uk@re1558684400bok.j1558684400) aufzunehmen.

 


 

Initiative kulturelle Integration führte Gespräche mit dem BAMF

 

Mit dem Präsidenten Dr. Hans-Eckhard Sommer des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg und weiteren leitenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen führten am 27.02.2019 Vertreter der Initiative kulturelle Integration Gespräche über eine engere Zusammenarbeit bei Fragen der Integration von Geflüchteten. Es war bereits das zweite Gespräch dieser Art und untermauert die gute Kooperation zwischen der Initiative und dem BAMF.

 


 

Lesen Sie hier den vierter Eintrag im Migrantentagebuch: „Zwischen hier und dort“ von Marwa Abidou.

Vorheriger Artikel8. KW: Koloniales Erbe, Einmischung unerwünscht, Stellungnahme, …
Nächster Artikel10. KW: Heimat Spezial: Heimaterzählungen, Heimat im Doppelpack, …