Auf dem Weg zum Welterbe – Der Natur- und Kulturraum Grünes Band

Der Natur- und Kulturraum Grünes Band soll als gemischte Stätte in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen werden. Ziel ist es, die herausragenden Natur- und Kulturwerte dieses einzigartigen Landschaftsraums dauerhaft anzuerkennen und zu schützen. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfaltet sich mit fast 1400 km der längste Biotopverbund Deutschlands, der zugleich eine lebendige Gedächtnislandschaft darstellt, die europäische Geschichte und demokratischen Wandel eindrücklich erfahrbar macht.

Der Natur- und Kulturraum Grünes Band steht exemplarisch für die deutsche Geschichte: für die lange Zeit als ein Raum in der Mitte Deutschlands, die 40 Jahre Teilung und seit 1990 das wiedervereinigte Deutschland. Naturseitig hat sich insbesondere in der Zeit der deutschen Teilung die Natur den zuvor durch Nutzung überformten Raum zurückerobert und zu einem Hotspot der Biodiversität und Rückzugsgebiet für Arten in einer ansonsten intensiv genutzten Landschaft in der Mitte Europas entwickelt.

Kulturseitig handelte es sich der deutschen Teilung um einen zusammenhängenden Kultur- und Wirtschaftsraum. Beispielhaft hierfür stehen die Hanse im Norden, die mitteldeutsche Bergbau- und Wasserwirtschaft im Harz oder auch an der Werra sowie in Südthüringen der Spielzeugwinkel um Sonneberg. Sprache, Dialekt und Kulturgeschichte vereinen den Natur- und Kulturraum Grünes Band in seiner Breite.

 

Natur- und Kulturlandschaft mit doppelter Geschichte

Während der deutschen Teilung konnte sich entlang des unzugänglichen Grenzstreifens eine artenreiche Natur entwickeln. Nach 1990 entstand daraus eine zusammenhängende Lebenslinie – ökologisch, kulturell, gesellschaftlich.

Zugleich war die Grenze ein tiefer Einschnitt in einen ehemals gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsraum. Strukturen wurden zerrissen, Wirtschafts- und Kulturverbindungen sowie familiäre Bindungen jäh unterbrochen. Das sogenannte Zonenrandgebiet in der Bundesrepublik galt als strukturschwach und wurde staatlich gefördert. Die grenznahen Gebiete in der DDR waren Sperrzonen mit eingeschränktem Zugang und stark beschränkter Entwicklungsmöglichkeit.

Ein Raum, der verbindet

Heute wächst dieser Raum wieder zusammen – als Landschaft der Erinnerung, des Gedenkens und der Zukunft.

Das Natur- und Kulturraum Grünes Band steht beispielhaft:

  • für die bedeutsame Natur-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte in der Mitte Deutschlands,
  • für die friedliche Überwindung der deutschen Teilung,
  • für die Entwicklung der Demokratie in der Mitte Deutschlands.

 

Der Natur- und Kulturraum Grünes Band vereint den Einsatz für Umwelt- und Naturschutz, die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, insbesondere Demokratie-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Unter der Berücksichtigung Berlins umfasst er zehn Bundesländer und ist damit auch ein Sinnbild für den historisch gewachsenen Föderalismus in Deutschland. Er ist ein Band des Föderalismus.

Föderale Verankerung und Perlschnurmodell

Das geplante Welterbegebiet folgt dem Perlschnurmodell: Der ehemalige Kolonnenweg als durchgehendes Rückgrat verbindet zahlreiche Naturschutzgebiete, wie Perlen an einer Kette aufgereiht. Zehn Bundesländer sind an dem Vorhaben beteiligt: Neun Bundesländer liegen direkt am Grünen Band – Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Berlin engagiert sich aktiv als zehntes Bundesland im Nominierungsvorhaben wegen seiner besonderen Teilungsgeschichte.

Regionale Beteiligung

Veranstaltungen vor Ort sind ein zentraler Bestandteil des Vorhabens: vor Ort werden gemeinsam mit lokalen Partnerinnen und Partnern Regionalgespräche organisiert, thematische Schwerpunkte gesetzt und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Natur, Vergangenheit und Zukunft gefördert.

Das Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe“

Der BUND setzt sich bereits seit den frühen 1990er Jahren dafür ein, dass das Grüne Band in seiner Gesamtheit geschützt wird. Seit 2010 wird die Idee einer UNESCO-Welterbebewerbung diskutiert. Eine vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Machbarkeitsstudie unterstrich 2014 das große Potential und empfahl die Bewerbung als gemischte Welterbestätte voranzutreiben. Seit 2019 engagiert sich der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, zusammen mit dem BUND für das Grüne Band als gemischte Welterbestätte. Im Dezember 2023 beschloss die Kulturministerkonferenz, das Grüne Band als Naturerbe auf die Tentativliste der deutschen UNESCO-Welterbebewerbungen mit der Option der Erweiterung zu einer gemischten Welterbestätte aufzunehmen. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten fördert das Vorhaben seit September 2024 bis September 2027. Träger ist der BUND, der in enger Kooperation mit dem Deutschen Kulturrat arbeitet. Ziel des Vorhabens ist es, den Nominierungsprozess des Natur- und Kulturraums Grünes Band als gemischte Welterbestätte voranzubringen.

Publikationen

 

In Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, erscheinen seit der Ausgabe 6/2025 regelmäßig Beiträge zum Natur- und Kulturraum Grünes Band.

Zeitgemäße Erinnerungskultur

Lebendiger Teil unserer Erzählung

Das Weltkulturerbe stand im Mittelpunkt der Ausgabe 6/2025; bereits 2020 widmete sich eine Schwerpunktausgabe dem Natur- und Kulturraum Grünes Band.