KW 35: Kulturpolitikabstinenz der Medien, Neue Politik & Kultur, Kolonialismus und Mission, …

... Bestandsaufnahme "Rechts", Kulturpolitik des AA, Jahrestagung der Initiative kulturelle Integration, Heimat, Fridays for Future - Demonstration #AlleFürsKlima, Buchempfehlung der Woche, Zwei von 27

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Abonnenten von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, halten in diesen Tagen gerade die 106. Ausgabe in der Hand. Eigentlich wollten wir ja die hundertste Ausgabe feiern, aber das haben wir schlicht vergessen.

 

Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten erscheint unsere kulturpolitische Zeitung nun, zuerst nur vier Mal im Jahr, dann viele Jahre alle zwei Monate und seit Anfang dieses Jahres sogar 10 Mal im Jahr. Gegründet wurde die Zeitung aus einem Akt der Notwehr, weil die klassischen Medien dem Thema Kulturpolitik immer weniger Platz einräumten. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren sogar noch verschärft.

 

Die Kulturseiten in den Zeitungen sind noch dünner geworden, die Übernahme von Agenturmeldungen hat noch einmal zugenommen und das bei einer Abnahme der Anzahl der zuliefernden Agenturen. Das Fernsehen hat sich fast gänzlich aus der ernsthaften kulturpolitischen Berichterstattung verabschiedet und selbst ein Nischenprogramm wie Kulturzeit auf 3sat hat sich dem feuilletonistischen Mainstream ergeben. Letztlich sind es nur noch die Kulturwellen im Hörfunk und einige wenige der großen Tageszeitungen, die die kulturpolitische Fahne manchmal hochhalten.

 

Die kulturpolitische Abstinenz der Medien hat tiefe Spuren in der Politik besonders des Bundes hinterlassen. Wenn Politiker sehen, dass ihre Themen medial keine Verbreitung erfahren, suchen sie neue Themen, die pressegefälliger sind. Jeder rote Teppich, egal wer auch immer, bei welchem Event auch immer, über ihn schreitet, ist eine Meldung wert. Und selbst die kleinste Auszeichnung einer Buchhandlung, eines Theaters, eines Verlages bringt mehr Presseresonanz als kulturpolitische Debatten im Deutschen Bundestag. Das zeigt Wirkung!

 

Die Medien gestalten Kulturpolitik mit, nicht weil sie die Politik kontrollieren und kritisieren, sondern weil sie nur einen kleinen Teil der Kulturpolitik protegieren.

 

Kulturpolitische Themen in den großen Nachrichtensendungen von ARD und ZDF sind die absolute Ausnahme, zumal gerade hier die Berichterstattung über eine Ausstellung oder eine neue Inszenierung fälschlicher weise mit einer Berichterstattung über Kulturpolitik verwechselt wird. Vollkommen kulturpolitikfrei sind die meinungsbildenden Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

 

Man stelle sich einmal vor, die Medien würden nur noch schöne Naturfilme zeigen und in den Zeitungen nur noch über das wunderbare Balzverhalten einiger Vögel schreiben. Keine Berichte über den Klimawandel oder das Artensterben, keine Debatte über den besten Weg wie wir die ökologischen Herausforderungen meistern können. Undenkbar? Ja richtig, doch genau diese Situation haben wir vielfach in der Kulturberichterstattung.

 

Was war in diesem Jahr bei den Bayreuther Festspielen die wichtigste Frage in den Medien: Wo blieb Angela Merkels Mann?

 

Ja, ich weiß, gegen den Trend der medialen Verdummung anzukämpfen, ist wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Und trotzdem, wie Don Quijote, werden wir auch in der Zukunft gegen die kulturpolitische Abstinenz fast aller Medien anrennen. Danke für Ihr Interesse an Politik & Kultur!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 


Neuerscheinung: 106. Ausgabe von Politik & Kultur

 

Der Leitartikel in dieser Ausgabe „Wie sieht die Kulturnation des 21. Jahrhunderts aus?“ verfasste Ralph Brinkhaus, MdB Vorsitzender des CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

 

Weitere Themen der Ausgabe 9/2019 von Politik & Kultur sind:

 

Schwerpunkt „Mission (im)possible? – Untrennbar verbunden: Kolonialismus und Mission“
Mission und Kolonialismus ist eine komplexe Geschichte voller Ambivalenzen. Es gibt kein einfaches Schwarz oder Weiß, aber ebenso klar ist, dass Mission nicht ohne eine koloniale Einbindung denkbar war.

 

Große Koalition
Halbzeitbilanz: Was hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode bereits in der Kulturpolitik umgesetzt?

 

• Ethnologische Museen
Überkommene Vorstellungen überdenken: Wie geht es weiter mit den ethnologischen Museen in Europa und Afrika?

 

Frauen im Widerstand
Vergessene Heldinnen der deutschen Geschichte: Erinnerung an die Widerstandskämpferinnen gegen den Nationalsozialismus

 

Lokale Medienvielfalt
Illusion oder Wirklichkeit: Lokale Medien brauchen Unterstützung bei der digitalen Transformation

 

Außerdem: Pro Quote Film, Geschlechtergerechte Sprache, Europäische Kulturhauptstadt 2019: Plowdiw, Goethes Welt: Kulturpolitik in der Ukraine, Chinas politische Förderung in Afrika, Martin Roth-Initiative, Zukunft des Internets, ARD-Faktenfinder u.v.m.

 

Politik & Kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates. Sie wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler.

 

• Sie erscheint zehnmal jährlich und ist erhältlich in Bahnhofsbuchhandlungen, an großen Kiosken, auf Flughäfen und im Abonnement: Einzelpreis: 4,00 Euro, im Abonnement: 30,00 Euro (inkl. Porto), im Abonnement für Studierende: 25 Euro (inkl. Porto).

 

• Die September 2019-Ausgabe von Politik & Kultur, mit dem Schwerpunkt Kolonialismus und Mission, steht hier auch als kostenfreies E-Paper (pdf-Datei) zum Herunterladen bereit.

 


Pressevorstellung: Mission (im)possible? – Untrennbar verbunden: Kolonialismus und Mission

 

Der Schwerpunkt „Mission (im)possible? – Untrennbar verbunden: Kolonialismus und Mission“ in der neuen Politik & Kultur wurde gestern Vormittag im Rahmen eines Pressegespräches von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur, und Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche (EKD), in Berlin vorgestellt.

 

Lesen Sie hier die Zusammenfassung der epd!

 


Druck von rechts: Eine Bestandsaufnahme

 

Eine Recherche von ARD und SZ dokumentiert, wie Theater, Opernhäuser und Museen von der Neuen Rechten unter Druck gesetzt und bedroht werden. Eine beängstigende Chronik.

 

Lesen Sie den Artikel hier nach!

 


Deutscher Kulturrat will auswärtige und innere Kulturpolitik zusammen organisieren

 

Die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel hat für das ifa eine sehr spannende Untersuchung unter dem Titel „Transnationale Auswärtige Kulturpolitik – Jenseits der Nationalkultur – Voraussetzungen und Perspektiven der Verschränkung von Innen und Außen“ vorgelegt.

 

Im Deutschlandfunk Kultur kommentierte Olaf Zimmermann die Studie für den Deutschen Kulturrat. DLF-Kultur schreibt: „In der Debatte um die neue Ausrichtung der deutschen auswärtigen Kulturpolitik unterstützt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel. Diese plädiert in einer Studie unter anderem dafür, auswärtige und innere Kulturpolitik zusammen zu denken und keine unterschiedlichen Maßstäbe anzusetzen. Diesen Gedanken finde er richtig, sagte Zimmermann im Deutschlandfunk Kultur. Es fasziniere ihn, dass jemand an den Grundfesten rüttele. Aber für Zimmermann ist es wichtig, darüber nachzudenken, ob die Struktur richtig sei – also, dass auswärtige Kulturpolitik im Außenministerium angesiedelt ist und die innere Kulturpolitik bei der Kulturstaatsministerin im Kanzleramt. Für ihn sei die Studie von Sigrid Weigel ein schlagendes Argument, darüber nachzudenken, die auswärtige und die innere Kulturpolitik nicht nur zusammen zu denken, sondern auch strukturell zusammen zu organisieren.“

 


03.09.2019: Zweite Jahrestagung der Initiative kulturelle Integration

 

Im dritten Jahr ihres Bestehens lädt die Initiative Integration am 3. September 2019 ab 10.00 Uhr zu ihrer Jahrestagung in die Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums in Berlin.

 

Einen „Klimawandel in der Kommunikation“ weg von der „Empörungsdemokratie“ fordert der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen der Universität Tübingen, der den Eröffnungsvortrag halten wird.

 

Das Programm der Jahrestagung sowie das Anmeldeformular finden Sie hier.
• Die Teilnahme an der Jahrestagung ist kostenlos.

 


06.09.-07.09.2019: Geht Heimat immer nur verloren oder kann sie neu entstehen?

 

Ein kritischer Blick auf den Kulturbegriff Heimat. Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt mit dem BUND, mit Unterstützung durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung.

 

Hier geht es zum Programm

 


20.09.2019: Fridays for Future – Demonstration #AlleFürsKlima

 

Am 20. September 2019 findet der dritte globale Klimastreik statt. Weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Pariser Klima-Abkommens und gegen die anhaltende Umweltzerstörung demonstrieren. Der Klimawandel verlangt schnelles, tiefgreifendes Handel. Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zeigt den Weg auf.

 

Der Deutsche Kulturrat unterstützt den Aufruf von „Fridays for Future“ und ruft alle Kulturschaffenden und Kulturinteressierten auf, sich am 20. September 2019 an der Demonstration #AlleFürsKlima zu beteiligen.

 


Wie viel Integrationskraft haben Computerspiele? – WDR 3 sendet Aufzeichnung von der gamescom

 

Auf der Gamescom in Köln diskutiert WDR-Moderator Max von Malotki mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Kultur und aus der Gamer-Szene. Die Veranstaltung ist in Kooperation mit dem Deutschen Kulturrat und der Initiative kulturelle Integration entstanden. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

• Sendehinweis: Forum, 29. September 2019, 18.04 – 19.00 Uhr, WDR 3 oder sofort im WDR3-Podcast

 


Buchempfehlung der Woche: Wachgeküsst – 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998 – 2018

 

Das Buch „Wachgeküsst. 20 Jahre neuen Kulturpolitik des Bundes 1998-2018“ bietet einen Überblick über die wichtigsten Themen der Bundeskulturpolitik der letzten zwanzig Jahre.

 

Urheberrecht, Kulturgutschutz, Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, Provinienzforschung, Filmförderung, Religion, Medien, Stiftungsreform, Künstlersozialversicherung, Kulturwirtschaft, Computerspiele, Erinnerungspolitik, Reformation, Digitalisierung, Kulturfinanzierung, Inklusion, Vielfalt und Diversität, das komplizierte Verhältnis zwischen Bund und Ländern in Kulturfragen, Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, …

 

Wer wissen will, was die neue Bundeskulturpolitik seit 1998 ausmacht und sich darüber informieren will, wie der Weg für eine sichtbare Bundeskulturpolitik bereitet wurde, für den ist das Buch unverzichtbar.

 

Hg. v. Olaf Zimmermann
Redaktion: Gabriele Schulz
ISBN: 978-3-947308-10-1, 492 Seiten, 22,80 EURO

 

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