Freiheit

Die Alternative für Deutschland (AfD) verfolgt ihre vermeintlichen Gegner mit einem so tiefen Hass, wie ich ihn in der politischen Auseinandersetzung noch nicht gekannt habe. In den letzten Wochen durfte ich es selbst erleben, was es heißt, von der AfD medial zum Abschuss frei gegeben zu werden.

 

Meine Kritik an den Talkshows im Ersten und im ZDF wurde von der AfD als Angriff auf ihren Propagandaspielplatz gesehen. Umgehend wurde eine Grafik erstellt, mein Porträt wurde neben den bekannten drei Affen – nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen – gedruckt, und das garniert mit der Lüge, dass ich gefordert hätte, dass in den Talkshows nicht mehr über die Migrationsprobleme gesprochen werden dürfte. Massenhaft wird das Bild geteilt, kommentiert beispielsweise mit „Heil Hitler“. Viral durchdringt es das Netz.

 

Auch bei meiner Kritik an der geplanten Übernahme des Vorsitzes des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages durch die AfD setzte die Partei die gleichen medialen Maßnahmen ein. Bildcollagen, Hasstexte, werbetechnisch professionell bearbeitet, im Netz massenhaft verbreitet. Die AfD verfügt nicht nur im Internet über eine große Basis. Auch die Zeitung »Junge Freiheit« hat Einfluss, da ihre Autorinnen und Autoren längst den etablierten Pressemarkt unterwandert haben.

 

So hetzt die Junge Freiheit-Autorin Birgit Kelle in Focus-Online gegen den Deutschen Kulturrat, indem sie den Anschein erzeugt, wir seien käuflich. „Zumindest für die Regierung entpuppt sich die Förderung des Kulturrates“, so schreibt sie, „somit als gut investiertes Geld“. Dass die rechte Journalistin schon Gast in allen von mir kritisierten Talkshows war, erklärt sich schon fast von selbst. Die AfD hat ihre Unterstützer erfolgreich platziert, sie bespielt die sozialen Medien gekonnt, sie bestimmt mit ihrer Provokation seit Monaten die Debatte, in den Talkshows und weit darüber hinaus.

 

Die neue Rechte hat dem Kulturbereich den Krieg erklärt. Der Kulturpolitische Sprecher der AfD Bundestagsfraktion Marc Jongen will uns „entsiffen“.

 

Vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen, nicht nur uns, soll, wenn es nach der AfD ginge, die öffentliche Förderung gestrichen werden. Polen und Ungarn lassen grüßen.

 

Vor 90 Jahren hat die Barbarei in Deutschland auch so begonnen!
Und wir? Wir reden im Kulturbereich immer noch so, als wäre nichts gewesen. Hier ein bisschen kulturelle Bildung, dort ein roter Teppich bei einer Preisverleihung. Leute, die Freiheit steht auf dem Spiel!

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 04/2018.

Olaf Zimmermann
Olaf Zimmermann ist Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur
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