46. KW: Humboldt Forum: „Nagelprobe“ bestanden

  1. Humboldt Forum: „Nagelprobe“ bestanden
  2. Kultur braucht Inklusion – Zweites Werkstattgespräch des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung
  3. Gesellschaft und Bundeswehr: Auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache der Erinnerung
  4. Die Rote Liste
  5. Kulturempfang SPD: Starke Kultur, soziale Demokratie, vielfältige Gesellschaft!
  6. Jetzt kostenfrei als E-Book: „Mein kulturpolitisches Pflichtenheft“
  7. Prämierung: Slammt Tacheles! Poetry-Slam zum jüdischen Leben in Deutschland | Best-of long version
  8. Text der Woche: Ein Novum in der Kulturaußenpolitik von Barbara Gessler
  9. Zum Schluss

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
am Anfang stand ein Dissens: Der Deutsche Kulturrat hatte in seiner Stellungnahme „Zur Zukunft des Humboldt Forums“ vom 12. Dezember 2022 formuliert „Erstaunlicherweise ist das Gebäude auch nicht für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen konzipiert. Das gilt für den Zugang zu den verschiedenen Orten, für die Leitsysteme und anderes mehr.“ und weiter ausgeführt „Gleichfalls gilt es, am Bau mit Blick auf inklusiven Zugang nachzubessern.“.

 

Diese pointierten Aussagen sorgten für Widerspruch bei den Verantwortlichen in der Stiftung Humboldt Forum. In einem persönlichen Gespräch zwischen Vorstand der Stiftung Humboldt Forum, namentlich dem Generalintendanten Hartmut Dorgerloh und Technik Vorstand Hans-Dieter Hegner, und dem Präsidenten des Deutschen Kulturrates Christian Höppner und mir im Januar dieses Jahres wurde von Seiten der Stiftung Humboldt Forum mit Nachdruck darauf verwiesen, dass bereits beim Bau alles dafür getan wurde, um barrierearm zu sein und daher die Aussage in der Stellungnahme nicht zuträfe.

 

Die Stiftung Humboldt Forum beließ es nicht beim Protest, sondern lud zur Ortbegehung ein. Am vergangenen Montag fand deshalb das zweite Treffen der Werkstattgesprächsreihe „Kultur braucht Inklusion“ im Humboldt Forum statt.

 

An der gemeinsamen Gesprächsreihe des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und des Deutschen Kulturrates nehmen einerseits Vertreterinnen und Vertreter von Behindertenverbänden und Selbsthilfeorganisationen teil. Sie sind teilweise Expertinnen und Experten in eigener Sache, sodass an den Gesprächen hörbehinderte und taube Menschen, Blinde oder auch im Rollstuhl sitzende Menschen vertreten sind. Andererseits gehören dem Kreis Vertreterinnen und Vertreter aus der Mitgliedschaft des Deutschen Kulturrates an. Gemeinsam diskutieren wir Fragen zur Inklusion im Kultur- und Medienbereich. Dabei stehen drei Themen im Vordergrund: Barrierefreiheit für das Publikum, Zugang zur künstlerischen Ausbildung für Menschen mit Behinderungen sowie Zugang zum Arbeitsmarkt.

 

Geplant ist, Ende 2024 gemeinsame Teilhabeempfehlungen vorzulegen, in denen skizziert wird, welche Handlungsbedarfe im Kulturbereich selbst bestehen, um das Menschenrecht auf Teilhabe an Kunst und Kultur zu verwirklichen. Es soll ebenso darauf eingegangen werden, was Politik und Verwaltung tun müssen, damit Menschen mit Behinderungen Kultur schaffen, als Künstlerinnen und Künstler gesehen und gehört werden sowie dass Menschen mit Behinderungen Kultureinrichtungen nutzen können, selbstverständlich wie alle anderen auch und nicht nur an Tagen mit besonderen Angeboten.

 

Beim Besuch im Humboldt Forum wurde einmal mehr klar, wie heterogen die Gruppe von Menschen mit Behinderungen ist und wie unterschiedlich daher die Bedarfe sind. Beim Bau des Humboldt Forums, einem Neubau mit einer historischen Fassade an drei Seiten, bestand die Chance einer von vorneherein barrierearmen Bauplanung und -umsetzung. Diesem Anliegen wird das Gebäude weitgehend gerecht. Das trifft auf Aufzüge, auf ein Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte, einen Medienguide mit der Auswahlmöglichkeit Deutsche Gebärdensprache, behindertengerechte Toiletten, eine mit Liege und Dusche und anderem mehr zu. Bereits während des Baus und vor der Eröffnung lud die Stiftung Humboldt Forum sogenannte Fokusgruppen ein, die aus eigener Anschauung die Barrierefreiheit auf den Prüfstand stellten.

 

Auch wenn an der einen oder anderen Stelle von den Expertinnen und Experten noch Verbesserungsbedarf benannt wurde, wurde im Großen und Ganzen dem Gebäude ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Humboldt Forum, namentlich der Vorstand Technik, Hans-Dieter Hegner, und die Geschäftsführerin der Stiftung Humboldt Forum Service GmbH, Friedrun Portele-Anyangbe, ermutigten den Gesprächskreis, offene Punkte und Mängel in der Barrierefreiheit offen anzusprechen. Vieles zeigt sich tatsächlich erst in der Nutzung und ist nach wie vor im „Praxistest“.
Die Stiftung Humboldt Forum hat die Ortsbegehung oder anders gesagt die „Nagelprobe“ bestanden. Gratulation!

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Die Findungskommission der documenta ist gestern Abend komplett zurückgetreten. Die Krise der documenta nimmt kein Ende. In meinem Buch „Mein kulturpolitisches Pflichtenheft“ (Seite 29) habe ich versucht einen Lösungsweg aufzuzeigen. Warum wird die documenta nicht in eine Stiftung des bürgerlichen Rechtes überführt? Der Staat (Kassel, Land Hessen und Bund) als Geldgeber ist Teil des Kuratoriums der Stiftung, zivilgesellschaftliche Verbände bilden im Kuratorium das Gegengewicht und stellen damit sicher, dass die Kunstfreiheit unangetastet bleibt. Die Stiftung bestellt die jeweiligen verantwortlichen Kuratorinnen und Kuratoren. Und die Stiftung schafft dauerhafte beständige Verwaltungsstrukturen.

 


 

2. Kultur braucht Inklusion – Zweites Werkstattgespräch des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung

 

Am Montag, dem 13. November 2023 fand das zweite Werkstattgespräch „Kultur braucht Inklusion“ des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, und des
Deutschen Kulturrates im Humboldt Forum statt.

 


 

3. Gesellschaft und Bundeswehr: Auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache der Erinnerung

 

Welche Rolle spielt aktuell das Gedenken an getötete Soldatinnen und Soldaten in unserer Erinnerungskultur? Wie geht die Bundeswehr selbst mit ihrer Geschichte um? Wie ist mit Denkmälern für Soldatinnen und Soldaten zu verfahren? Welche Rolle spielt dabei der Kulturbereich?

 

Gestern Abend fand im Deutschen Bundestag eine gemeinsame Diskussionsveranstaltung der Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages und des Deutschen Kulturrates unter Titel „Gesellschaft und Bundeswehr: Auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache der Erinnerung“ statt.

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussion (vlnr.): Katrin Budde MdB (Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien), Wolfgang Schneiderhan (Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge), Dr. Eva Högl (Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages), Harald Asel (rbb24 Inforadio), Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur), Jan Korte MdB (Die Linke).

 

  • Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und wird am 19. November 2023, um 11:00 und um 20:00 Uhr bei rbb24 Inforadio ausgestrahlt.
  • Lesen Sie hier den Schwerpunkt zum Thema in Politik & Kultur nach.

 


 

4. Die Rote Liste

 

Mit der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen, einer Analogie zu den bekannten „Roten Listen“ bedrohter Tier- und Pflanzenfamilien, stellt der Deutsche Kulturrat gefährdete Kulturinstitutionen, -vereine und -programme vor. Ziel der Roten Liste ist es, auf den Wert einzelner Kultureinrichtungen und Initiativen hinzuweisen.

 

Benachrichtigen Sie uns über die Lage Ihnen bekannter Kultureinrichtungen und Kulturinitiativen! Senden Sie uns dazu Ihre Vorschläge zur Aufnahme auf die Rote Liste an ed.ta1712968527rrutl1712968527uk@ku1712968527p1712968527.

 

 

 


 

5. Kulturempfang SPD: Starke Kultur, soziale Demokratie, vielfältige Gesellschaft!

 

Datum: Dienstag, den 28.11.2023
Uhrzeit: Von 16:45 Uhr bis 21:00 Uhr
Ort: Deutscher Bundestag | Paul-Löbe-Haus | Konrad-Adenauer-Str. 1, 10557 Berlin

 

Die SPD-Fraktion im Bundestag diskutiert im Rahmen des Kulturempfangs über den Wert von kreativer und künstlerischer Arbeit in unserer Gesellschaft.

 

u.a. mit:

 

  • Bund: Katrin Budde, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien
  • Länder: Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Kultur & Gesellschaft: Julia Grosse, Artistic Director CONTEMPORARY AND (C&) & Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat.
  • Moderation: Helge Lindh, MdB, Kultur- und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

 

 


 

6. Jetzt kostenfrei als E-Book: „Mein kulturpolitisches Pflichtenheft“

 

Sieben Monate nach Erscheinen meines kulturpolitischen Pflichtenheftes neigt sich die gedruckte Auflage ihrem Ende zu. Danke für Ihr großes Interesse!

 

Das Buch ist ab sofort auch als kostenfreies E-Book (PDF-Datei) verfügbar.

 

 

Olaf Zimmermann
Mein kulturpolitisches Pflichtenheft
978-3-947308-38-5, 216 Seiten

 


 

7. Prämierung: Slammt Tacheles! Poetry-Slam zum jüdischen Leben in Deutschland | Best-of long version

 

Am 9. Oktober 2023, dem Jahrestag des antisemitischen Anschlags auf die Synagoge in Halle an der Saale, wurden die Spoken-Word-Performer des Poetry Slam-Wettbewerbs „Slammt Tacheles! Poetry-Slam zum jüdischen Leben in Deutschland“ im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung geehrt. Der Wettbewerb hat ein positives Zeichen für die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland gesetzt.

 

 


 

8. Text der Woche: Ein Novum in der Kulturaußenpolitik von Barbara Gessler

 

Seit 2016, als mit einer Gemeinsamen Mitteilung von Kommission und Europäischem Auswärtigen Dienst (EAD) der Startschuss für internationale Kulturbeziehungen der EU gegeben wurde, versucht Brüssel in enger Abstimmung mit den Mitgliedstaaten und ihren nationalen Kulturinstituten eine moderne und attraktive gemeinsame Kulturaußenpolitik zu entwickeln. Eine vom Europäischen Parlament initiierte sogenannte vorbereitende Maßnahme mit dem Titel „European Spaces of Culture“ zählt zu den innovativsten Initiativen in diesem Zusammenhang, blieb aber in seiner Sichtbarkeit weitgehend auf Experten beschränkt.

 

Barbara Gessler ist Referatsleiterin „Kapazitätsaufbau im Hochschulbereich“ in der Exekutivagentur EACEA. Zuvor war sie Referatsleiterin Creative Europe bei der Europäischen Kommission.

 

 


 

9. Zum Schluss

 

Letzte Woche habe ich das Computerspielemuseum in Berlin besucht. Bestand der Sammlung: Über 35.000 originale Datenträger mit Computerspielen und Anwendungen, über 350 verschiedene Konsolen und Computersysteme.

 

Jede und Jeder, in jedem Alter kann hier spielen. Meine Besuchsempfehlung!

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