47. KW: Warum wir mehr Universalgelehrte und Universalkünstler brauchen

  1. Warum wir mehr Universalgelehrte und Universalkünstler brauchen
  2. Einladung „JaAberUnd“: Das Bewahren bewahren – ein Studiengang in Gefahr
  3. Zusammenhalt in Vielfalt: Vorankündigung Politik & Kultur 12/25
  4. Ab jetzt vorbestellen: Handbuch Gameskultur 2.0
  5. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
  6. Text der Woche: „Künstliche Intelligenz und das Urheberrecht: Wo stehen wir? – Erläuterungen zur aktuellen Rechtslage“ von Jonathan Pukas

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

von meinem Großvater bekam ich als Kind ein dickes Buch über die „Welten der Entdecker“ geschenkt. In ihm war eine Abbildung von Alexander von Humboldt 1856 in seiner Bibliothek an der Oranienburgerstraße in Berlin. Als Kind liebte ich diese Abbildung und glaubte fest daran, dass alle Wissenschaftler und auch alle Künstler irgendwie auch heute so leben, überhäuft mit Büchern, Plänen, Naturobjekten und Kunstwerken, aus aller Herren Länder, aus allen Disziplinen. In dem Bild sitzt der „kleine“ von Humboldt inmitten seiner „großen“ Wissensschätze aus aller Welt.

 

Heute weiß ich, dass es nur wenige Universalgelehrte und Universalkünstler gibt. Alle spezialisieren sich. Wissenschaftler betrachten oft nur einen winzigen Ausschnitt ihres Forschungsbereiches und Künstlerinnen und Künstler sind oftmals ebensolche Spezialisten, in einem engen Feld der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik.

 

Aber, es wird immer deutlicher, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht in einzelne Disziplinen passen. Klimawandel, digitale Transformation, Artensterben, globale Energiefragen, Migrationsbewegungen oder medizinische Risiken – all das sind Probleme, die sich nicht mit dem Blick nur eines einzigen Faches lösen lassen. Die moderne Wissenschaft ist hoch spezialisiert, und diese Spezialisierung hat zweifellos Fortschritte ermöglicht. Gleichzeitig erzeugt sie aber Wissensinseln, zwischen denen kaum Austausch stattfindet. Viele Forschende kennen ihren Bereich perfekt, aber nicht mehr das Gesamtbild, in das ihre Erkenntnisse eingebettet sind. Dadurch entstehen Lücken, Missverständnisse und manchmal sogar widersprüchliche Entwicklungen, die niemand mehr überblickt. Die KI ist hierfür ein gefährliches Beispiel.

 

Gerade deshalb wären Menschen, die mehrere Denkweisen verbinden können, heute so wertvoll: moderne Universalgelehrte, die Naturwissenschaften, Technik, Kultur, Kunst und Gesellschaft gleichzeitig im Blick haben. Sie können Zusammenhänge erkennen, die Spezialisten entgehen, und Muster sehen, die nur sichtbar werden, wenn man mehrere Perspektiven miteinander verknüpft.

 

Dazu gehören auch die Künstlerinnen und Künstler, die zusätzlich abstrakte Zusammenhänge emotional erfahrbar machen. Sie übersetzen komplexe Wirklichkeit in Bilder, Klänge oder Erzählungen, die gesellschaftliche Diskussionen anstoßen.

 

In einer Welt, die immer schneller und vielschichtiger wird, braucht es also nicht nur einzelne Spezialisten, sondern besonders Persönlichkeiten, die das Ganze im Blick behalten können. Menschen, die zwischen Disziplinen vermitteln, Grenzen überschreiten und Ideen aus verschiedenen Bereichen zusammenführen. Nicht, weil die Spezialisierung falsch wäre, sondern weil sie allein nicht ausreicht.

 

Moderne Universalgelehrte – ob Wissenschaftler oder Künstler – können Orientierung geben, Perspektiven verbinden und Lösungen entwickeln, die nicht an den Grenzen einzelner Fachgebiete stehenbleiben. Genau diese Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu denken, könnte heute entscheidend sein, wenn wir die großen Probleme unserer Zeit tatsächlich verstehen und bewältigen wollen.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates

 


 

2. Einladung „JaAberUnd“: Das Bewahren bewahren – ein Studiengang in Gefahr

 

In der dreizehnten Folge der Online-Debattenplattform „JaAberUnd“ von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, steht die Zukunft des Studiengangs Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik (KRG) an der HTW Berlin im Fokus.

 

Die Teilnahme ist vor Ort und online möglich.

 

Im Rahmen der Diskussion wird die breite fachliche Ausrichtung des Studiengangs vorgestellt und seine kulturpolitische Bedeutung für Museen, Archive, die Denkmalpflege und Grabungsbetriebe hervorgestellt. Dabei wird aufgezeigt, in welchen Bereichen Absolventinnen und Absolventen als qualifizierte Fachkräfte tätig sind und es werden Fragen beantwortet wie: Welche Rolle spielt die Restaurierung für den Erhalt des kulturellen Erbes? Was würde eine mögliche Schließung des Studiengangs für den Kulturbereich bedeuten?

 

Es diskutieren:

  • Prof. Dr. Annabella Rauscher-Scheibe, Präsidentin der HTW
  • Mitglied des Verbands der Restauratoren
  • Prof. Dr. Lutz Strobach, Professor für Konservierung und Restaurierung technischem Kulturguts
  • Benjamin Mikuteit, Student des Studiengangs KRG
  • Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Deutschen Verbandes für Archäologie
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat und Herausgeber von Politik & Kultur

Moderation: Barbara Haack, Leitung Kommunikation des Deutschen Kulturrates

 

Termin: Montag, 24.11.2025, 19-20:00 Uhr

Ort: Halle B-3 auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Wilhelminenhofstraße 75A, 12459 Berlin

Möglichkeiten der Teilnahme: Live auf YouTube oder mit Anmeldung vor Ort in der Halle B-3

 


 

3. Zusammenhalt in Vielfalt: Vorankündigung Politik & Kultur 12/25

 

Nächste Woche wird die Doppelausgabe für Dezember und Januar unserer Zeitung Politik & Kultur erscheinen. Lassen Sie sich überraschen.

 

Themen sind unter anderem:

 

Schwerpunkt Zusammenhalt in Vielfalt – Die Thesen der Initiative Kulturelle Integration

Kein Wort für alle Wörter – Die Bedeutung der Sprache für vielfältige Gesellschaften

Analoge Dokumentation – Über die Abschaffung von Katalogen und Karteikästen in Bibliotheken

Resonanzen – Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen

Neue Ästhetiken – gemeinsame Produktionen von Theatern mit inklusiven Gruppen

 


 

4. Ab jetzt vorbestellen: Handbuch Gameskultur 2.0

 

Das erfolgreiche Handbuch Gameskultur 2020 des Deutschen Kulturrates bekommt endlich ein Update. Am 12. Dezember erscheint die vollständig überarbeite und stark erweiterte zweite Auflage: Das Handbuch Gameskultur 2.0.

 

Ab jetzt kann man das neue Handbuch Gameskultur 2.0 zum Subskriptionspreis von 19,80€ vorbestellen und sparen!

 

Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.

 

Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:

 

  • Warum sind Games Kultur?
  • Können Computerspiele sogar Kunst sein?
  • Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
  • Sind Games immer gewalthaltig?
  • Darf man Erinnerungskultur spielen?
  • Was haben Spiele mit Sport zu tun?
  • Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?

 

Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0 
362 Seiten, ISBN:978-3-947308-70-5, bis zum 12.12.25 19,80€, danach 24,80€

 

  • Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie das Buch vorbestellen
  • Hier können Sie einen Blick in das Handbuch Gameskultur 2.0 werfen

 


 

5. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!

 

Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.

 

Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.

 

Unter den hochgeladenen künstlerischen Beiträgen erhalten die besten Einreichungen eine besondere Würdigung bei der Veranstaltung der Initiative kulturelle Integration und des Deutschen Kulturrates am 21. Mai 2026 in Berlin.

 

Der Musiker und Komponist Sebastian Krumbiegel von den Prinzen widmet seinen neuen Song „Keine Angst“ dem Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration.

 

Der Song liefert einen Vorgeschmack auf das im nächsten Jahr erscheinende Soloalbum und ist der erste Kreativbeitrag zum Aktionstag.

 

  • Hier kommen Sie zum Song „Keine Angst“

 

Informationen zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt

 

  • Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
  • Hier kommen Sie zu den Botschafterinnen und Botschaftern des Aktionstags und können auch Ihr Bild einreichen.
  • Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“

 


 

6. Text der Woche: „Künstliche Intelligenz und das Urheberrecht: Wo stehen wir? – Erläuterungen zur aktuellen Rechtslage“ von Jonathan Pukas

 

Kaum ein Rechtsgebiet steht durch die Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz so sehr im Rampenlicht wie das Urheberrecht. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass weitreichende technische Veränderungen diese Rechtsmaterie seit jeher besonders prägen. Der Zeitstrahl solcher Umwälzungen ließe sich bis zur Erfindung des mechanischen Buchdrucks im 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Er legte den Grundstein für das urheberrechtliche Ausschließlichkeitsrecht, kraft dessen beispielsweise Autorinnen und Autoren eine Vergütung für die Nutzung ihrer Werke verlangen oder konkurrierende Nutzungen verbieten können.

 

Dieser Tradition folgend kommt es nicht von ungefähr, dass sich das Urheberrecht mit dem Aufkommen von Large Language Models und KI-gestützten Chatbots wie OpenAI’s »ChatGPT« zu einem der Taktgeber der Debatte rund um künstliche Intelligenz entwickelt hat. Im Zentrum steht dabei die hochbrisante Frage, ob künstliche Intelligenz ohne direkte Zustimmung betroffener Rechteinhaber (also zum Beispiel Urheber oder Verwerter wie Verlage) mit deren Werken trainiert werden darf. An diese Kernproblematik knüpfen auch eine Vielzahl weiterer praxisrelevanter Fragen an.

 

Jonathan Pukas ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei NORDEMANN in Berlin

 

  • Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.
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