- Kulturaustausch zwischen Deutschland und Israel
- Institut für Neue Soziale Plastik: Resonanzen
- Ab jetzt vorbestellen: Handbuch Gameskultur 2.0
- Sachstand „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“
- Jetzt für den Publikumspreis für digitales Miteinander 2025 bewerben!
- Das große Versprechen Inklusion – Deutschlands Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel im Porträt
- Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
- Text der Woche: „Zweieinhalb Jahrzehnte Netzgeschichte: Der Grimme Online Award – Über den Wert unabhängiger Urteile“ von Çiğdem Uzunoğlu
- Zum Schluss
Sehr geehrte Damen und Herren,
zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen die Bundesrepublik Deutschland und Israel im Jahr 1965 offiziell diplomatische Beziehungen auf. Ihnen gingen bilaterale Kontakte voraus, zum Beispiel zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Histadrut, dem israelischen Gewerkschaftsbund, zwischen der Deutschen Sportjugend und israelischen Partnerorganisationen sowie nicht zuletzt zwischen einzelnen Vertreterinnen und Vertretern aus dem klassischen Kulturbereich.
Das Luxemburger Abkommen zwischen der Bundesrepublik, dem Staat Israel und der Conference on Jewish Material Claims Against Germany war 1952 geschlossen worden. In dem Abkommen verpflichtete sich Deutschland zu – so der israelische Begriff – »Entschädigungszahlungen« oder – so der deutsche Begriff – »Wiedergutmachungsleistungen«. Allein diese beiden Begriffe aus der Anfangszeit der offiziellen Kontakte markieren die Unterschiede in Zugängen und Lesarten der beiden Staaten. In Deutschland, dem Land der Täter, in dem nicht wenige derjenigen, die Schuld auf sich geladen hatten, wieder in Amt und Würden waren, wird von Wiedergutmachung gesprochen. In Israel, dem Land der Opfer, ist von einer zumindest ansatzweisen wirtschaftlichen Entschädigung die Rede. In beiden Ländern wurden die Zahlungen im Übrigen kontrovers diskutiert.
Deutschland und Israel, zwei Länder, die aufeinander bezogen sind und deren Beziehungen aufgrund der Schoa »besonders« sind. So war auch nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1965 nicht an »Normalität« zu denken. Dies war insbesondere im Kulturbereich spürbar – ein offizieller Kulturaustausch oder Aufführungen in deutscher Sprache in Israel waren noch längere Zeit unvorstellbar.
Beide Länder sind Einwanderungsländer. In beide Länder haben die Einwandererinnen und Einwanderer der letzten Jahrzehnte ihre Geschichte, ihre Kultur und ihre Traditionen mitgebracht. In Deutschland wird längst schon von »Kultur in Deutschland« und nicht mehr »deutscher Kultur« gesprochen, die israelische Kultur ist traditionell ein faszinierender Mix aus unterschiedlichen Traditionen.
Doch der Kulturaustausch zwischen Deutschland und Israel ist von Spezifika geprägt. Zuerst ist die Schoa zu nennen. Sie ist und bleibt ein wesentlicher Faktor in den deutsch-israelischen Beziehungen. Nicht allein auf Deutschland bezogen, aber auch in Deutschland relevant sind der Nahostkonflikt und hier besonders die BDS-Bewegung, die zu einem Boykott israelischer Produkte sowie von Künstlerinnen und Künstlern aufruft. Nicht nur, dass diese Kampagne an Parolen wie »Kauft nicht bei Juden« erinnert, sie bedeutet auch eine massive Einschränkung der Kunstfreiheit.
Auch der Gaza-Krieg nach dem furchtbaren Massaker der Hamas an Israelis am 7. Oktober 2023 hat zum Abbruch auch persönlicher Kontakte geführt. Der Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland oder auch mit deutschen Kulturinstitutionen ist davon nicht so stark betroffen, wie es in anderen Ländern der Fall ist, gleichwohl ist ein teils »stiller« und teils offener Boykott in einigen künstlerischen Bereichen festzustellen, der bis zu israelbezogenem Antisemitismus reicht. Meiner Ansicht nach muss dem entschieden entgegengetreten werden.
Ebenso gilt es, sich mit antisemitischen Codes und Bildsprachen auseinanderzusetzen. Antisemitismus ist in die deutsche Kulturgeschichte eingeschrieben, hier darf nicht mit dem Finger auf andere gezeigt werden. Innerhalb des Kultursektors wird sich in Deutschland damit auseinandergesetzt. Aber auch im internationalen Kulturaustausch oder bei internationalen Großereignissen, wie zum Beispiel der »documenta«, muss der Maßstab gelten, dass Antisemitismus keinen Platz finden darf. Ich bin davon überzeugt, dass hier alle sensibel und aufmerksam agieren müssen.
Das Institut für Neue Soziale Plastik hat zu dem Thema gerade eine ausführliche Studie vorgelegt, die ich sehr empfehle.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates
2. Institut für Neue Soziale Plastik: Resonanzen – Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen
Eine aktuelle Studie des Institut für Neue Soziale Plastik „Resonanzen – Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen. Bestandsaufnahme, Trends und Empfehlungen“ bietet eine umfassende Situationsanalyse der Kulturbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel zwei Jahre nach dem Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg. Auf Grundlage des erweiterten Kulturbegriffs des Auswärtigen Amts, beleuchtet die Studie unterschiedliche Bereiche des Kulturaustauschs wie Begegnungsforen, Wissenschaft und Forschung, Jugend- und Schulaustausch, gesellschaftlicher Dialog sowie Austausch in den Künsten.
RESONANZEN DIE DEUTSCH-ISRAELISCHEN KULTURBEZIEHUNGEN
Bestandsaufnahme, Trends und Empfehlungen
Von Gila Baumöhl und Hannah Dannel
Mit einem Vorwort von Stella Leder und einem Grußwort von Olaf Zimmermann
- Hier kann die Studie geladen werden
PS. Am 3. Dezember 2025, gibt es ein öffentliches Fachgespräch im Kulturausschuss des Deutschen Bundestages (Beginn um 14.30 Uhr) zu den Deutsch-israelische Kulturbeziehungen und dem Antisemitismus im Kulturbereich. Ich darf bei diesem Gespräch den Deutschen Kulturrat vertreten. Nähere Informationen folgen im kommenden kulturpolitischen Wochenreport.
3. Ab jetzt vorbestellen: Handbuch Gameskultur 2.0
Das erfolgreiche Handbuch Gameskultur 2020 des Deutschen Kulturrates bekommt ein Update. Am 12. Dezember erscheint die vollständig überarbeite und stark erweiterte zweite Auflage: Das Handbuch Gameskultur 2.0.
Ab jetzt kann man das neue Handbuch Gameskultur 2.0 zum Subskriptionspreis von 19,80€ vorbestellen und sparen!
Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.
Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:
- Warum sind Games Kultur?
- Können Computerspiele sogar Kunst sein?
- Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
- Sind Games immer gewalthaltig?
- Darf man Erinnerungskultur spielen?
- Was haben Spiele mit Sport zu tun?
- Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?
Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0
362 Seiten, ISBN:978-3-947308-70-5, bis zum 12.12.25 19,80€, danach 24,80€
- Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie das Buch vorbestellen
- Hier können Sie einen Blick in das Handbuch Gameskultur 2.0 werfen
4. Sachstand „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“
Der neue Bericht des Deutschen Kulturrates „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“ verrät die gute Nachricht: Es geht voran. Der Band macht aber auch deutlich: Es ist noch viel zu tun.
Der Bericht enthält Daten zur Geschlechtergerechtigkeit im Bereich von Kultur und Medien:
- Wie steht es mit Frauen in Führungspositionen und der Partizipation von Frauen an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung?
Neben zahlreichen Daten und Fakten enthält der Band Artikel von 38 Autorinnen und Autoren aus Verbänden, der Kulturverwaltung, der Kulturförderung und der Wissenschaft. Sie schreiben über die Situation in den einzelnen Bundesländern und die Lage in verschiedenen Sparten des Kulturbetriebs. Sie verdeutlichen, was bereits geschieht, um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen, und zeigen Handlungsbedarfe auf, um die Situation weiter zu verbessern
5. Jetzt für den Publikumspreis für digitales Miteinander 2025 bewerben!
Als Mitglied der Initiative „Digital für alle“ möchten wir Sie gerne auf den Publikumspreis für digitales Miteinander 2025 aufmerksam machen.
Zum sechsten Mal werden Initiativen, Organisationen und Projekte ausgezeichnet, die sich für mehr digitale Teilhabe und den Zusammenhalt in unserer Demokratie einsetzen – im digitalen Raum oder mithilfe digitaler Technologien und so unser digitales Miteinander stärken.
In diesem Jahr wird der Preis in zwei Kategorien verliehen: Digitale Demokratie undDigitale Teilhabe.
- In der Kategorie Digitale Demokratie, gefördert von der Bertelsmann Stiftung, können sich gemeinnützige Projekte und Organisationen bewerben, die eine Verbindung schaffen von digitalen Technologien und der Förderung der Demokratie
- In der Kategorie Digitale Teilhabe, gefördert von Sopra Steria, werden in diesem Jahr besonders gemeinwohlorientierte Projekte für Kinder und Jugendliche und Bezugspersonen in ihrem direkten Umfeld, z. B. Eltern, Großeltern und Lehrkräfte, gesucht. Die Projekte sollen dabei helfen, dass Kinder und Jugendliche gut am digitalen Leben teilhaben können und sie dabei stärken, sich sicher, selbstbewusst und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen.
Der Preis ist mit 2.500 Euro Preisgeld dotiert sowie mit dem Zugang zu den Netzwerken der Bertelsmann Stiftung und Sopra Steria.
- Die Bewerbung ist bis einschließlich Mittwoch, 19. November 2025, hier online möglich
- Die Gewinnerprojekte werden am 10. Dezember im Rahmen einer digitalen Preisverleihung verkündet, die hier live ausgestrahlt wird.
6. Das große Versprechen Inklusion – Deutschlands Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel im Porträt
Als Kind hatte Jürgen Dusel ein Sehvermögen von etwa vier Prozent, mittlerweile ist er blind. Heute ist der 1965 in Würzburg geborene Jurist Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist nach einem Jura-Studium in Mannheim und Heidelberg als Volljurist bei der Hauptfürsorgestelle des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Rostock ins Berufsleben gestartet. Bevor er 2018 als Nachfolger von Verena Bentele vom Bundeskabinett zum Behindertenbeauftragten der Bundesregierung bestellt wurde, leitete er unter anderem die Heimaufsicht und das Integrationsamt des Landes Brandenburg, zuletzt war er als Landesbehindertenbeauftragter Brandenburgs tätig.
Jürgen Dusels Weg ist einzigartig und gleichzeitig ein Beispiel für gelungene Inklusion und Teilhabe. Dass sein Weg zur Inklusion maßgeblich durch Musik geprägt wurde, ist vielleicht Zufall – auf jeden Fall aber bemerkenswert. Nach der Blockflöte, die fast jedes Kind in der Grundschule in die Hand gedrückt bekommt, begann er im Alter von fünf Jahren Klavier zu spielen. »Irgendwann haben meine Eltern realisiert, dass ich das absolute Gehör habe.« Sie förderten seine Begabung und meldeten ihn an der Musikschule Mannheim an. Das sehbehinderte Kind in der Musikschule adäquat zu unterrichten, war Anfang der 1970er Jahre durchaus eine Herausforderung für Schule und Lehrkräfte.
Dusel erinnert sich an »großartige Musiklehrer«: Eine engagierte Lehrerin ließ ihn klassische Stücke spielen – »Mozart, Haydn-Tänze und was die Kinder dann so lernen«. Dann kam ein spanischer Musiklehrer in sein Leben, der Improvisation, Komposition und Jazz unterrichtete. Das Ergebnis war, dass Dusel in verschiedenen Bands spielte: »Bei den Schulbands war es wurscht, ob man gut sehen kann oder nicht. Entscheidend war, dass man gut zusammenspielt. Das hat tatsächlich dazu geführt, dass ich nach dem Abitur überlegt habe, ob ich nicht Musiker werden will.«
Bekanntermaßen entschied er sich dann doch für ein Jurastudium. Heute sagt er selbst: »Seitdem weiß ich, dass nur die kreativen Juristen die guten Juristen sind.« Dass Dusels musikalische Ausbildung ein Erfolg war, hat sicher auch dazu beigetragen, die vielen Herausforderungen anzunehmen und zu meistern, denen ein sehbehinderter Mensch während der Ausbildung und auch später begegnet. Dusel sagt: »Ich hatte Eltern, die mich unterstützt haben. Das wissen wir jetzt auch aus Studien: Eltern spielen eine zentrale Rolle. Das war 1965, als ich geboren wurde, genauso wie 2025. Daran hat sich leider nicht viel geändert.«
Andreas Kolb ist Redakteur von Politik & Kultur
- Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.
7. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.
Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.
Unter den hochgeladenen künstlerischen Beiträgen erhalten die besten Einreichungen eine besondere Würdigung bei der zentralen Veranstaltung der Initiative kulturelle Integration und des Deutschen Kulturrates am 21. Mai 2026 in Berlin.
Der Musiker und Komponist Sebastian Krumbiegel von den Prinzen widmet seinen neuen Song „Keine Angst“ dem Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration.
Der Song liefert einen Vorgeschmack auf das im nächsten Jahr erscheinende Soloalbum und ist der erste Kreativbeitrag zum Aktionstag.
- Hier kommen Sie zum Song „Keine Angst“
Informationen zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt
- Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
- Hier kommen Sie zu den Botschafterinnen und Botschaftern des Aktionstags und können auch Ihr Bild einreichen.
- Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“
8. Text der Woche: „Zweieinhalb Jahrzehnte Netzgeschichte: Der Grimme Online Award – Über den Wert unabhängiger Urteile“ von Çiğdem Uzunoğlu
Unglaublich, wie sehr das Netz in den vergangenen 25 Jahren unser Leben durchdrungen hat – mal laut, mal leise, beharrlich, unwiderruflich. Das ist mir noch einmal klar geworden, anlässlich des 25. Geburtstags des Grimme Online Awards, den wir Anfang Oktober feiern konnten.
Das Netz hat unsere Kultur verschoben, unsere Werte herausgefordert und unser Miteinander neu vermessen. Wir lernen anders, denken anders, wirken anders. Auch die Geschichten, die wir uns erzählen, folgen neuen Regeln – den Algorithmen, den Aufmerksamkeiten, den Klicks. Doch wem gehört dieses digitale Terrain eigentlich? Wer bestimmt, was Qualität ist? Und woran lässt sich Glaubwürdigkeit messen in einer Welt, die sich minütlich neu sortiert?
Çiğdem Uzunoğlu ist Direktorin des Grimme-Instituts
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9. Zum Schluss
Beim St. Michael-Jahresempfang 2025 der Katholischen Kirche am Montag hatten wir einmal mehr ein gutes Gespräch mit der neuen Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing.