35. KW: Aussichtslos?

Themen im Newsletter:

  1. Aussichtslos?
  2. NEU! Politik & Kultur September 2025
  3. Einladung: Kunst und Kultur abseits der Metropolen
  4. Personennachrichten
  5. Text der Woche
  6. Zum Schluß: Olaf Zimmermann trifft Olaf Zimmermann

 


 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

im Star Trek Universum gibt es die Qowat Milat, einen romulanischen Orden von Kriegernonnen. Der fiktive Orden besteht ausschließlich aus Frauen und folgt dem Grundsatz der „absoluten Offenheit“, also einer radikalen Ehrlichkeit ohne Verschweigen oder taktisches Zurückhalten von Gefühlen und Gedanken. Ein zentrales Prinzip der Qowat Milat ist die „aussichtslose Sache“. Sie geben sich einer Aufgabe hin, die von Natur aus nahezu unmöglich erscheint oder die sonst niemand übernehmen würde. So ein bisschen wie in den Filmen der Mission Impossible Reihe, auch wenn die Qowat Milat Ehre in einer aussichtslosen Sache suchen, während Mission Impossible das scheinbar Unmögliche eher als Spannungselement nutzt. Beides aber ist Hollywood, Traumwelt, modernes Märchen. Aber Hollywood hat ein feines Gespür für die Wünsche der Menschen.

 

Oder wünschen Sie sich nicht gerade heute auch, Sie wären eine Qowat Milat Schwester oder zumindest Ethan Hunt und könnten die überall sichtbaren Probleme in der Welt beseitigen. Letztlich schauen wir der immer bedrohlicher werdenden Klimakatastrophe beständig tatenlos zu. Auch bei der Eindämmung der Kriegsgefahr in Europa fällt offensichtlich nur mehr Ausrüstung als Lösung ein. Und unser Land rückt in einer enormen Geschwindigkeit immer mehr nach Rechtsaußen. Aber eine wirklich erfolgversprechende Idee, wie wir diesen Trend stoppen können, haben wir, wenn wir es auch einmal mit „radikaler Ehrlichkeit“ versuchen, nicht.

 

Unsere Unehrlichkeit mit uns selbst ist mit Sicherheit mit dafür verantwortlich, dass die Klimakatastrophe immer heftiger über uns hereinbricht. Das ist eine Katastrophe mit Ansage, jeder, der wollte, hat sie über Jahrzehnte herankommen sehen. Anders verhält es sich beim Thema Krieg und Frieden. Hier war zumindest ich im festen Glauben, dass wir vernünftige Fundamente geschaffen hätten, die kriegerische Auseinandersetzung zumindest in Europa verhindern würden. Weit gefehlt. Und auch das Erstarken der Rechtsextremen in Deutschland hätte ich nach den geschichtlichen Erfahrungen in Deutschland für unwahrscheinlich gehalten. Doch gerade hier hätte sicherlich mehr radikale Ehrlichkeit geholfen, denn ein einfaches Zurufen, „Das schaffen wir“, war offensichtlich zu wenig.

 

Was jetzt bleibt, ist, dass wir eine vermeintlich „aussichtlose Sache“ im Sinne der Qowat Milat zu unserer Sache machen: Kampf für Frieden, Klimaschutz und gegen Extremismus. Ja, die Zeiten sind herausfordernd, wenn der letzte Trost nur noch aus Hollywood kommt.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates

 


 

2. NEU! Politik & Kultur September 2025

 

Die neue Ausgabe richtet den Schwerpunkt auf das Thema „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik„. Die Beiträge zum Thema finden Sie auf den Seiten 15 bis 27.

 

Im Leitartikel von Bischöfin Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland, geht es um Kultur und Religion, um gemeinsame Herausforderungen und Zusammenarbeit.

 

KulturPass

Soll der KulturPass abgeschafft werden? Eine eigene politische, keine verfassungsrechtliche Entscheidung ist jetzt gefragt.

 

Fokus: 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland
Interview mit Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

 

Leben an der Grenze
Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes, über das Grüne Band und über die Möglichkeit, Grenzen als Chancen zu begreifen.

 

Zukunftskompetenz
Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium über den Neustart der Kultur- und Kreativwirtschaft.

 

Kulturausschuss
Sven Lehmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, im Gespräch über Schwerpunkte und Vorhaben.

 

Außerdem: Editorial: Aussichtlos? Über Herausforderungen der Gegenwart; Neustart für das Mentoringprogramm des Deutschen Kulturrates; Kulturgutschutz: was jetzt nötig ist; Karikaturist Klaus Stuttmann im Porträt u.v.m.

 

  • Ein Exemplar in Papierform können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen.
  • Die Septemberausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“ steht hier als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit.

 


 

3. Einladung: Kunst und Kultur abseits der Metropolen

 

Ich lade Sie herzlich zu unserer besonderen Veranstaltung zu unserem Schwerpunkt der Politik & Kultur-Mai-Ausgabe „Kunst und Kultur auf dem Land“ ein, thematisch passend in einem Künstleratelier auf dem Land.

 

Thema der Podiumsdiskussion ist: „Kunst und Kultur abseits der Metropolen – Chancen, Hürden und Perspektiven in ländlichen Räumen“ mit:

 

 

  • Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern
  • David Adler, Kulturlandbüro
  • Michael Heckert, Bildender Künstler
  • Claudia Kapellusch, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler M-V e.V.
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates e.V.

 

Moderation: Frank Breuner, NDR

 

Das Podium wird vom NDR aufgezeichnet und am Sonntag, den 7. September 2025, von 19:00 bis 20:00 Uhr auf NDR 1 Radio MV ausgestrahlt. Außerdem wird ein Kamerateam des NDR die Veranstaltung vor Ort begleiten

 

Termin: Donnerstag, 4. September 2025, 12:00–14:00 Uhr
Ort: Atelier des Bildenden Künstlers Michael Heckert, Rappenhagen 6, 17509 Kemnitz OT Rappenhagen

 

Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2025 per E-Mail aned.vm1765523547-kbb@1765523547ofni 1765523547 erforderlich. Die Plätze sind begrenzt!

 

  • Hier können Sie alle Artikel aus dem Schwerpunkt „Raus aufs Land!? – Kunst und Kultur auf dem Land“ der Mai-Ausgabe von Politik & Kultur lesen.

 


 

4. Personennachrichten

 

Lydia Steier wird Intendantin der Ruhrtriennale für die Spielzeiten 2027 bis 2029
Die amerikanische Regisseurin Lydia Steier tritt ab November 2026 die Nachfolge von Ivo Van Hove an. Die bisher jüngste Intendantin der Ruhrtriennale zählt zu den gefragtesten Regisseurinnen ihrer Generation. Sie inszenierte unter anderem an der Opéra national de Paris, bei den Salzburger Festspielen sowie an der Staatsoper Unter den Linden, in Genf, New York und Tokio und leitete als Operndirektorin das Theater Luzern. Für ihre Intendanz plant sie, einen Fokus auf Begegnung und Teilhabe zu legen.

 

Matthias Rädel soll General Manager der Bayreuther Festspiele werden
Der profilierte Theatermanager Matthias Rädel ist zum General Manager der Bayreuther Festspiele berufen worden. Er verfügt über langjährige Erfahrung im betriebswirtschaftlichen Bereich, seit 2006 ist er Stellvertretender Geschäftsführender Direktor und Leitender Controller an der Deutschen Oper Berlin. Die Berufung erfolgt im Zuge einer Umstrukturierung, die Intendantin Katharina Wagner mehr Freiraum für die künstlerische Leitung schaffen soll. Sie steht noch unter dem Vorbehalt des Abschlusses der Vertragsverhandlungen sowie der Zustimmung der Gesellschafter der Bayreuther Festspiele.

 

Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025
Der Osteuropahistoriker und Publizist Karl Schlögel wird in diesem Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Er gilt als einer der profiliertesten Kenner Osteuropas. In seinen Arbeiten betreibt er eine anschauliche und lebendige Geschichtsschreibung und erzählt die Kultur- und Zeitgeschichte Russlands und Osteuropas neu. Seit dem russischen Angriffskrieg tritt er als streitbarer Kritiker Putins und als Stimme für eine souveräne Ukraine hervor. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000Euro dotiert.

 

Andrée Sfeir-Semler erhält den ART COLOGNE-Preis für Kunstvermittlung
Die Beiruter Galeristin Andrée Sfeir-Semler wird für ihre interkulturelle Vermittlung zwischen der zeitgenössischen Kunst des Westens und des Nahen Ostens ausgezeichnet. Als frühe Entdeckerin und Förderin bildender Künstlerinnen und Künstler aus der arabischen Welt genießt sie in der Kunstszene seit langem hohe Wertschätzung, und feiert nun das 40-jährige Bestehen ihrer Galerie in Hamburg sowie das 20-jährige Jubiläum ihres Hauses in Beirut. Der ART COLOGNE-Preis für Kunstvermittlung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der Koelnmesse und dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) vergeben.

 

Sonja Anders ist die neue Intendantin am Thalia Theater
Seit August steht Sonja Anders an der Spitze des Thalia Theaters in Hamburg und folgt damit auf Joachim Lux. Für sie ist es eine Rückkehr: Bereits Anfang der 2000er Jahre arbeitete sie hier als Dramaturgin. Seither führten sie Stationen ihrer Laufbahn unter anderem an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, zum Deutschen Theater Berlin und zuletzt als Intendantin ans Schauspiel Hannover. Anders gilt als Theatermacherin mit klarem Ton, die auf Dialog und ein feministisches, diverses Theater setzt.

 


 

5. Text der Woche: „Kulturkampf? Über falsche Empörung und notwendige Gelassenheit“ von Johann Hinrich Claussen

 

Es ist viel die Rede davon, dass in Deutschland gegenwärtig ein mächtiger Kulturkampf, wenn nicht gar ein Kulturkrieg tobe. Ich weiß nicht recht. Im Vergleich zu anderen Weltgegenden empfinde ich die Lage hierzulande noch als ziemlich friedlich. Auch frage ich mich, wer hier mit welchen echten Argumenten oder unlauteren Absichten einer kulturpolitischen Mobilmachung das Wort redet. Natürlich will ich nicht leugnen, dass unsere offene Gesellschaft Gegner, ja – Feinde hat, die zurzeit vor Kraft nicht laufen können. Aber hilft es da, selbst martialische Fanfaren anzustimmen?

 

Ich will stattdessen eine Gegenthese ausprobieren. Sie lautet: »Es herrscht in Deutschland momentan kein Kulturkampf. Liebe Leute, bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!« Womit ich diese These begründe? Mir fällt auf, dass sich die kulturkämpferischen Aufregungen, die in enger Folge durch die Medien gejagt werden, zumeist umgekehrt proportional zu ihren Anlässen verhalten. Es geht da sehr häufig um lächerliche Kleinigkeiten. Vielleicht ist also eher unsere Aufgeregtheit das Problem als die Wirklichkeit?

 

Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

 


 

6. Zum Schluß: Olaf Zimmermann trifft Olaf Zimmermann

 

Seit Jahren werden wir, der Biologe Dr. Olaf Zimmermann, vom Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) und ich immer mal wieder in den Medien verwechselt.

 

Mein Namensvetter ist der bekannteste Fachmann für invasive Insekten und Quarantäneschädlinge in Deutschland. Aktuell liegt sein Fokus auf dem Monitoring und der Bekämpfung des Japankäfers, der in Deutschland gehäuft nachgewiesen wurde und als meldepflichtiger Quarantäneschädling über 400 Wirtspflanzen extrem gefährdet. Ebenso intensiv befasst er sich gerade mit der Baumwollkapseleule, einem wärmeliebenden Falter mit hohem Schadpotenzial in Flächenkulturen, der sich zunehmend auch in Deutschland ausbreitet.

 

Jetzt haben wir uns in meinem Büro getroffen und über sogenannte „Schädlinge“ und ihre Wirkung auf die menschliche Kultur gesprochen. Meine kleine Sammlung von Kästen mit präparierten Schadinsekten, die früher in Schulen bei der Ausbildung zur Arterkennung und Schädlingskunde eingesetzt wurden, hat ebenfalls für viel Gesprächsstoff gesorgt.

 

 

 

 

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