- gamescom: Computer in der DDR – Erforschen und Bewahren
- Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik: Schwerpunkt in der nächsten Politik & Kultur
- Einladung: Kunst und Kultur abseits der Metropolen
- Dossier „Dokumente, Bilder, Filme. Das Bundesarchiv“
- Schreib für Hanau! Deine Worte für Zusammenhalt in Vielfalt
- Interview der Woche: María López-Fanjul y Díez del Corral über Das »Heilende Museum« im Bode-Museum
Sehr geehrte Damen und Herren,
noch bis Sonntagabend ist die gamescom in Köln im vollen Gange. Der Deutsche Kulturrat ist mit drei Veranstaltungen auf der Messe vertreten. Gestern durfte ich zum Beispiel mit der Projektmanagerin des Computerspielemuseums Berlin, Nicole Hanisch und dem Journalisten und Sammler, René Meyer, auf der Messe über „Computer in der DDR – Erforschen und Bewahren“ diskutieren. Ausgangspunkt war unser Schwerpunkt in Politik & Kultur zum Thema „Verpixelte Welt – von alten Computern und neuer Kunst“.
Was hat das Thema mit Kultur zu tun, werden Sie vielleicht fragen? Viel!
Schauen Sie mit mir zurück. Die 1980er Jahre waren die Dekade der Heimcomputer. Millionen Menschen entdeckten in Ost und West die digitale Welt auf erschwinglichen 8-Bit-Maschinen. Für mich persönlich stehen zwei Computer stellvertretend für diese Epoche: der Commodore 64 (C64) und der Kleincomputer 85 (KC85). Zwei Rechner, die nicht nur technisch unterschiedlich sind, sondern auch in zwei gegensätzlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen entstanden.
Der Commodore 64 – Massenphänomen im Westen
Der C64 wurde im August 1982 auf der Consumer Electronics Show in Chicago vorgestellt und entwickelte sich rasch zum meistverkauften Heimcomputer der Welt (über 17 Millionen Geräte). Der C64 stand für westliche Konsumvielfalt: ein Massenprodukt, beworben in Kaufhäusern, unterstützt durch eine riesige Spiele- und Softwareindustrie. Er wurde Symbol für den Einstieg einer ganzen Generation in die Welt der Computer.
Der KC85 – Ingenieurskunst unter Planwirtschaft
Der KC85 wurde ab 1984 in der DDR entwickelt und produziert, zunächst als KC85/2 und KC85/3, später ab 1987 als KC85/4. Hersteller war der VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen. Die technische Basis bildete der U880, ein Z80-kompatibler DDR-Prozessor. Der KC85 war technisch solide und durch ein modulares Bussystem erweiterbar. Er fand weite Verbreitung in Schulen, Pionierhäusern und Betrieben.
BASIC und die Schnittstellen zur Welt
Beide Systeme hatten BASIC, eine einfach zu lernende Computersprache, als Einstieg. Der C64 BASIC V2.0 (Microsoft-Dialekt), mit direktem Zugriff auf Speicher über PEEK und POKE, sehr beliebt für Spiele und Experimente. Über Userport und seriellen IEC-Bus konnte der C64 mit Druckern, Laufwerken, Modems oder Eigenbau-Schaltungen verbunden werden. Der KC85 lief mit KC-BASIC und später BASIC-Interpreter unter CAOS. Auch hier war die direkte Speicherprogrammierung wichtig. Über den Modulbus konnten Erweiterungen wie Diskettenstationen, Interfaces oder selbstgebaute Geräte angeschlossen werden. In beiden Fällen öffneten die Schnittstellen den Rechner zur Außenwelt: von blinkenden LEDs bis hin zu selbstgebauten komplizierten Steuerungen.
Nerds gestern und heute
In den 1980er Jahren waren es Jugendliche, die mit Lötzinn, Kassettenrekordern und viel Geduld ihre Rechner erkundeten – im Westen unterstützt durch Magazine wie 64’er oder Happy Computer, im Osten durch Zeitschriften wie Jugend und Technik oder AGs in Pionierhäusern.
Heute lebt diese Szene in einer weltweiten Retro-Community weiter. Nerds restaurieren ihre alten C64 und KC85, entwickeln moderne Erweiterungen wie SD-Karten-Laufwerke oder Internetadapter und tauschen sich auf Messen und in Foren aus. Sie verbindet die Faszination für die direkte, verständliche Technik und das gemeinsame Staunen darüber, wie viel künstlerisches Potential in 8-Bit-Maschinen steckte. Auf der diesjährigen gamescom wurde die Retro-Area geradezu von Interessentinnen und Interessenten überrannt.
Fazit – Zuneigung über Grenzen hinweg
Der C64 und der KC85 verkörpern zwei Systeme – Kapitalismus und Planwirtschaft – und doch waren sie Träger derselben Leidenschaft. Ob mit sattem SID-Sound oder einfachem Piepston: Beide schufen Welten voller Spiel, Kreativität und Neugier. Meine „systemübergreifende Zuneigung“ gilt daher nicht nur zwei Computern, sondern auch den Menschen, die sie damals wie heute mit Leben erfüllen. Alte Technik kann heute auch zur Brücke zwischen Ost und West werden. Besonders wichtig erscheint mir, dass die ingenieurtechnische Leistung beim Computerbau in der damaligen DDR deutlich mehr anerkannt werden sollte.
Das alles wird aber nur funktionieren, wenn das Wissen um diese Dinge nicht verloren geht. Genauso wie wir Bücher, Filme, Fotografien und anderes archivieren, müssen wir auch technische Güter, die auch Teil unserer kulturellen Identität sind, für die Nachwelt intensiver aufbewahren, pflegen und erforschen. Hier gibt es, das wurde in dem Gespräch auf der gamescom deutlich, noch sehr viel zu tun.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates
2. Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik: Schwerpunkt in der nächsten Politik & Kultur
Nächste Woche erscheint die September-Ausgabe unserer Zeitung Politik & Kultur!
Darin geht es unter anderem um die Begegnung von Kirche und Kultur, die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, das Jubiläum „75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland“ – und vieles mehr.
Im Schwerpunkt steht diesmal die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.
Bis dahin finden Sie hier die vergangenen Ausgaben, mit den Schwerpunkten „POKE & PEEK – Verpixelte Welt“, „Welterbe“ und viele mehr.
3. Einladung: Kunst und Kultur abseits der Metropolen
Ich lade Sie herzlich zu unserer besonderen Veranstaltung zu unserem Schwerpunkt der Mai-Ausgabe „Kunst und Kutur auf dem Land“ ein, thematisch passend in einem Künstleratelier auf dem Land.
Thema der Podiumsdiskussion ist: „Kunst und Kultur abseits der Metropolen – Chancen, Hürden und Perspektiven in ländlichen Räumen“ mit:
- Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern
- David Adler, Kulturlandbüro
- Michael Heckert, Bildender Künstler
- Claudia Kapellusch, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler M-V e.V.
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates e.V.
Moderation: Frank Breuner, NDR
Das Podium wird vom NDR aufgezeichnet und am Sonntag, den 7. September 2025, von 19:00 bis 20:00 Uhr auf NDR 1 Radio MV ausgestrahlt. Außerdem wird ein Kamerateam des NDR die Veranstaltung vor Ort begleiten.
Termin: Donnerstag, 4. September 2025, 12:00–14:00 Uhr
Ort: Atelier des Bildenden Künstlers Michael Heckert, Rappenhagen 6, 17509 Kemnitz OT Rappenhagen.
Eine Anmeldung ist bis zum 27. August 2025 per E-Mail an *protected email* erforderlich. Die Plätze sind begrenzt!
- Hier können Sie alle Artikel aus dem Schwerpunkt „Raus aufs Land!? – Kunst und Kultur auf dem Land“ der Mai-Ausgabe von Politik & Kultur lesen.
4. Dossier „Dokumente, Bilder, Filme. Das Bundesarchiv“
In dem Dossier „Dokumente, Bilder, Filme. Das Bundesarchiv“ von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, wird ein besonderer Schwerpunkt gesetzt, der die Wahrnehmung dieser Oberen Bundesbehörde in der Öffentlichkeit als eine der größten und bedeutendsten Kulturinstitutionen Deutschlands stärkt.
Auf 88 Seiten schreiben 26 Autorinnen und Autoren über die vielfältigen Bestände, die diversen Wege es zu nutzen und digitale Herausforderungen des Bundesarchivs. Einzelbeispiele und persönliche Geschichten geben darüber hinaus Zeugnis von der Bandbreite der Möglichkeiten.
Dokumente, Bilder, Filme. Das Bundesarchiv
Ein Politik & Kultur-Dossier
Hg. v. Olaf Zimmermann und Theo Geißler
ISBN 978-3-947308-66-8 / ISSN 2199-1685
88 Seiten, 5,90 Euro
Das Dossier kann einzeln zum Preis von 5,90 Euro versandkostenfrei im Online-Shop des Deutschen Kulturrates bestellt werden. Es ist selbstverständlich auch über jede Buchhandlung lieferbar.
5. Schreib für Hanau! Deine Worte für Zusammenhalt in Vielfalt
Zum Schulstart mitmachen: Bundesweiter Schulwettbewerb zum Kreativen Schreiben gegen Rassismus und Ausgrenzung.
Der Wettbewerb der Initiative kulturelle Integration in Kooperation mit ihren Mitgliedsverbänden, dem dbb beamtenbund und tarifunion und dem Deutschen Gewerkschaftsbund ist Teil des Aktionstags Hanau, den der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gemeinsam mit der Initiative kulturelle Integration ins Leben gerufen hat, um die Namen der Opfer des Anschlags in Hanau vom 19. Februar 2020 nicht zu vergessen und ein deutliches Zeichen gegen jegliche Form von Rassismus und Ausgrenzung zu setzen.
Kern des Aktionstags ist ein Wettbewerb an Schulen. Nach dem Schultheatertreffen „HANAU – Schultheater für Zusammenhalt in Vielfalt“ (2023), dem Kunstwettbewerb „Junge Kunst für Hanau“ (2024) und zuletzt dem Musikwettbewerb „Ohren auf für Hanau!“ (2025), steht nun das Kreative Schreiben im Zentrum des diesjährigen Schulwettbewerbs.
Infos zum Wettbewerb
- Hier geht es zur Ausschreibung.
- Einsendeschluss: 22. Oktober 2025.
6. Interview der Woche: María López-Fanjul y Díez del Corral über das „Heilende Museum“ im Bode-Museum
Besuche von Kunstmuseen können Stress und Ängste reduzieren und die psychische Gesundheit verbessern, steht auf der Webseite des Bode-Museums. Wozu braucht es dann noch ein »Heilendes Museum«?
Um das genau herauszufinden. Den meisten ist nicht bekannt, wie gut ein Museumsbesuch tun kann. In Kanada gibt es seit 2018 Kunst auf Rezept. Auch in Großbritannien, Belgien und der Schweiz werden Museumsbesuche von den Krankenkassen bezahlt.
Was bieten Sie konkret an?
In einem der Haupträume der Dauerausstellung haben wir Objekte aus unserem Bestand mit Exponaten aus anderen Kulturen zusammengebracht, die alle Personen darstellen, die meditieren, von Hercules, über die Heilige Magdalena bis Buddha, in den verschiedenen Traditionen, der christlichen, buddhistischen, stoizistischen oder islamischen. So können die Besucher verstehen, dass Meditation ein Mittel ist, das schon immer benutzt wurde. Dazu gibt es die Möglichkeit, in dem Raum zu meditieren auf Kissen, die bereit liegen, oder einer Bank. Wir bieten sechs verschiedene Meditationen an über eine Handy-App oder den Audio-Guide.
María López-Fanjul y Díez del Corral ist Kunsthistorikerin und Kuratorin des »Heilenden Museums« im Bode-Museum.
Ludwig Greven hat das Interview geführt und ist freier Journalist und Autor
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