33. KW: Kulturstaatsminister – 100 Tage Bilanz

  1. Kulturstaatsminister: 100 Tage Bilanz
  2. Einladung: POKE & PEEK auf der Gamescom in Köln
  3. Gute Nachrichten: Der Deutsche Kulturrat auf Instagram
  4. Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur
  5. Text der Woche: Klangvoll, aber gefährdet – Musikinstrumente aus geschütztem Holz
  6. Zum Schluss: Die Schönheit der Natur, z.B. Schleimpilze

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

es stehen sehr wichtige kulturpolitische Aufgaben in dieser Legislaturperiode an. Zum Beispiel muss der Schutz von Urheberinnen und Urhebern gegenüber Anbietern von Künstlicher Intelligenz, die sich seit Jahren nach Lust und Laune bei urheberrechtlich geschützten Inhalten bedienen, endlich verbessert werden. Dabei geht es insbesondere auch um die Sicherung der Marktchancen von Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

 

Auch in der Frage der sozialen Lage von Künstlerinnen und Künstlern ist vieles noch unerledigt. Zu all diesen wichtigen Fragen habe ich in den ersten 100 Tagen der Amtszeit von Wolfram Weimer noch keine sichtbaren Bewegungen wahrgenommen.

 

Gut finde ich Wolfram Weimers Idee für eine Digitalabgabe, die große Internetkonzerne wie die Google-Mutter Alphabet, Facebook und Co. treffen soll. Ich bin sehr gespannt, wie er seine Kabinettskolleginnen und Kollegen von diesem „Plattform-Soli“ überzeugen will und wie er sicherstellt, dass die Erträge aus der Abgabe dem Kulturbereich auch wirklich zugutekommen.

 

Von großer Bedeutung wird außerdem das Gedenkstättenkonzept sein, dass für diesen Herbst angekündigt wurde. Hier wird sich zeigen, welches Verständnis von Erinnerungskultur künftig in der Bundesregierung handlungsleitend sein wird.

 

In einem zentralen Punkt hat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aber verrannt. In seiner eigenen Behörde kann er ein Verbot einer gendergerechten Sprache verordnen, wenn er das für wirklich notwendig hält. Nun geht er aber eindeutig zu weit und sagte: „Diese Linie empfehle ich auch jenen Institutionen, die mit öffentlichen Mitteln arbeiten – von Museen über Stiftungen bis hin zu Rundfunkanstalten. Wer im öffentlichen Auftrag spricht, sollte eine Sprache wählen, die für alle nachvollziehbar ist und breite Akzeptanz findet.“

 

Die von ihm genannten öffentlich geförderten Institutionen wie Museen (z.B. Stiftung Preussischer Kulturbesitz), Stiftungen (z.B. die Kulturstiftung des Bundes) oder der Rundfunk (z.B. die Deutsche Welle) sprechen aber dezidiert nicht im öffentlichen Auftrag. Die Idee der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Kunstfreiheit ist es ja gerade, dass diese Institutionen in ihrem Wesenskern unabhängig sind. Deswegen müssen sie auch unabhängig darüber entscheiden können, wie sie sich äußern. Das sollte ein Kulturstaatsminister wissen.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates

 

PS. Dieser kulturpolitische Wochenreport erscheint schon heute, da ich mich in den nächsten Tagen der „Schönheit von Schleimpilzen“ widme. Der nächste kulturpolitische Wochenreport erscheint wieder regulär am 22. August.

 


2. Einladung: POKE & PEEK auf der gamescom in Köln
Am 21. August 2025 diskutieren wir mit Experten und Expertinnen aus Retro-, Maker-, Demo- und Hacker-Szene auf dem gamescom congress in Köln über alte Computer, neue Kunst und digitale Emanzipation.

 

Peek & Poke: Von alten Computern und neuer Kunst

 

Auf dem Podium sind:

  • Georg Basse, Vorstandsmitglied Verein zum Erhalt klassischer Computer e.V.
  • Tobias Kopka, Kurator gamescom congress, Curatomic
  • Prof. Dr. Linda Breitlauch, Professorin Game Design an der Hochschule Trier, Skilltree GmbH
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat e.V.

 

Moderation: Matthias Kremin, Programmchef WDR 3

 

Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und im Oktober auf WDR 3 gesendet.

 

Zeit: 21. August 2025, 10:30–11:30 Uhr
Ortgamescom congress Köln

 

  • Hier können Sie alle Artikel aus dem Schwerpunkt „Verpixelte Welten – Von alten Computern und neuer Kunst“ der Juli-August Ausgabe von Politk & Kultur lesen.
  • Hier gibt es das spannendes Gespräch vom 30. Juni aus dem Computerspielemuseum Berlin zun Nachhören.
  • Am 13. September findet eine Podiumsdiskussion über die Schnittstelle zwischen Kunst und „Classic Computing“ auf der Classic Computing Messe 2025 statt.

 


 

3. Gute Nachrichten: Der Deutsche Kulturrat auf Instagram

 

Seit Kurzem ist der Deutsche Kulturrat auch auf Instagram aktiv. Dort geben wir künftig Einblicke in unsere kulturpolitische Arbeit, unsere Positionen sowie in die redaktionellen Themen von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates.

 

  • Folgen Sie dem offiziellen Account @deutscher_kulturrat – wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

 

Wichtiger Hinweis: Es existiert ein weiterer Instagram-Account unter dem Namen @deutscherkulturrat, der fälschlicherweise vorgibt, uns zu vertreten. Dieser steht nicht mit uns in Verbindung. Bitte folgen Sie diesem Account nicht und melden Sie ihn gegebenenfalls.

 


 

4. Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur

 

Wie es um die Kunstfreiheit bestellt ist, diese Frage wird in Beiträgen von 107 Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Dimensionen beleuchtet. Das Themenspektrum reicht vom Streitfall Kunstfreiheit, dem Spannungsfeld von Kunstfreiheit und Recht, dem Bogen von Einschüchterung bis Zensur sowie Ausgrenzung und Boykott. In den Blick genommen werden Fragen des Jugendschutzes und der Selbstkontrolle, der Sonderfall Religion sowie Bedrohungen von rechts und von links. Es geht um Hass im Netz sowie um Grenzüberschreitungen in der Popkultur – etwa beim Gangsta Rap. Reflektiert wird das Thema kulturelle Aneignung und wie Postkolonialismus und Antisemitismus zusammenhängen.

 

 

Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur
Herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler, Redaktion Gabriele Schulz
320 Seiten, ISBN-13 978-3-947308-64-4, Preis 20,80 Euro.

 


 

5. Text der Woche: Klangvoll, aber gefährdet – Musikinstrumente aus geschütztem Holz
Holz bringt Musik zum Klingen. Seit Jahrtausenden ist der Werkstoff Holz untrennbar mit der Welt der Musik verbunden. Kein anderes Material wird so häufig und vielfältig im Instrumentenbau verwendet. In Afrika beispielsweise entstehen aus einheimischen Hölzern traditionelle Trommeln und Kalimbas, in Asien kunstvoll gefertigte Saiten- und Blasinstrumente, jedes mit einem ganz eigenen, charakteristischen Klang. In Europa wiederum erlangte insbesondere der Geigenbau im italienischen Cremona Weltruhm, wo Meister wie Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri im 17. und 18. Jahrhundert Instrumente schufen, die bis heute als unerreicht gelten.

 

Schon damals war die Wahl des richtigen Holzes eine hohe Kunst, denn jedes Bauteil einer Geige, von der Decke bis zum Griffbrett, beeinflusst den Klang. Bis heute spielt die Auswahl hochwertiger Hölzer eine entscheidende Rolle im Instrumentenbau. Besonders tropische Arten wie Ebenholz, Mahagoni oder Palisander sind wegen ihrer ästhetischen und akustischen Eigenschaften begehrt. Ihre feine Struktur, hohe Dichte und gute Bearbeitbarkeit machen sie zu idealen Klanghölzern.
Gerald Koch ist Wissenschaftler und Kurator der Xylothek am Thünen-Institut für Holzforschung.

 

  • Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

 


 

6. Zum Schluss: Die Schönheit der Natur, z.B. Schleimpilze

 

Natur und Kultur gehören für mich eng zusammen. Besonders beschäftige ich mich mit der Schönheit von Natur. Hier als kleine Beispiele die Schönheit von Schleimpilzen.

 

Schleimpilze sind keine Pilze, sondern Amoebozoen mit einer amöboiden Phase und einem Plasmodium (eine einzige, vielkernige Zelle); sie ernähren sich, indem sie z. B. Bakterien, Pilzsporen und Algen per Phagozytose aufnehmen, und bilden auf Totholz/Laub Sporangien (Fruchtkörper zur Sporenbildung). Eine einzelne Spore ist nur etwa 8 µm groß, das Plasmodium kann über 1 m² erreichen.

 

  • Hier kann man die ungewöhnlichen Schönheiten anschauen.
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