KW 30: Rassismus darf nicht geduldet werden

Themen im Newsletter:

  1. Politik & Kultur: Gegen Rassismus. Und für Vielfalt
  2. Energiesicherung: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Kulturbereich unterstützen
  3. Schreibwettbewerb L’Chaim: Jury tagte im Literaturhaus Berlin
  4. Lebenswerte Innenstädte mit Zukunft: Verbändeallianz legt Positionspapier vor
  5. Einladung: „Zukunft(s)land – Strukturen, Impulse und Allianzen für eine starke Kultur in ländlichen Räumen“
  6. NEU: Vier x Kulturrat im WEB
  7. Text der Woche: Klaus-Dieter Lehmann „Unterschiedslose Zerstörung. Russlands Vernichtungskrieg gegen die Ukraine trifft auch Kulturwerte“
  8. Zurück in die Mitte: Deutscher Kulturrat zieht um
  9. Zum Schluss: documenta fifteen

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes steht: »Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.« Dieser am 23. Mai 1949 vom Parlamentarischen Rat verabschiedete Artikel fußt auf Art. 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dort steht: »Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.« Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 verabschiedet. Sie wurde unter dem Eindruck des Verbrechens der Shoah und der Gräuel des Zweiten Weltkriegs erarbeitet. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben sich in Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes die Grundlagen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu eigen gemacht.

 

Sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als auch das Grundgesetz entstanden in einer Zeit, in der Rassismus allgegenwärtig und weitgehend akzeptiert war. Noch gab es den Widerstand von Rosa Parks gegen die Diskriminierung von Schwarzen in US-amerikanischen Bussen nicht, auch der Marsch nach Washington und die beeindruckende Rede von Martin Luther King lagen in weiter Ferne, um nur zwei US-amerikanische Beispiele zu nennen. Viele heutige Staaten Afrikas waren noch britische, französische oder portugiesische Kolonie. Die Freiheitsbewegungen in den afrikanischen Ländern begannen sich erst zu formieren. Die Hochphase der Apartheid in Südafrika begann gerade erst und dauerte bis in die 1980er Jahre.

 

Und in Deutschland? Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus war über zwölf Jahre während des Nationalsozialismus Staatsräson. Es wurde gehetzt und getötet. Menschen wurden ihrer Würde beraubt. Die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten richtete sich gegen alle, die nicht ihrem Menschenbild entsprachen. Die systematische Vernichtung der Juden in Deutschland und in Europa, einfach, weil sie Juden waren, ist historisch beispiellos. Die Verfolgung der Sinti und Roma, die Ausbeutung von sogenannten Fremdarbeitern, die als »Untermenschen« tituliert wurden, die Vernichtung durch Arbeit, dies alles war bis 1949 gegenwärtig. Es ist nicht weit entfernte Geschichte, es ist jüngste Vergangenheit. Die Spuren der Indoktrination und Hetze während des Faschismus in Deutschland wirken noch immer nach.

 

Meines Erachtens muss der Grundgesetzartikel, dass niemand wegen seiner Rasse benachteiligt werden darf, in diesem Kontext gelesen werden. Dennoch ist es wichtig und richtig, wenn heute die Formulierung »Rasse« hinterfragt wird, denn selbstverständlich gibt es keine Menschenrassen.

 

Die Diskussion über Rassismus in der Gesellschaft und auch im Kultur- und Medienbereich ist richtig, wichtig und notwendig. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe, krausen schwarzen Haaren oder anders geschnittenen Augen benachteiligt, zurückgesetzt oder gar angegriffen werden. Hier muss klar und unmissverständlich eingeschritten werden. Rassismus darf nicht geduldet werden.

 

Und selbstverständlich muss innerhalb des Kultur- und Medienbereiches geprüft werden, inwiefern rassistische Vorstellungen und Klischees einen Nährboden haben. Hier gilt es Texte, Ausstellungen und anderes mehr neu zu befragen, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Es muss darum gehen, dass Künstlerinnen und Künstler ganz unabhängig von ihrer Hautfarbe oder auch Herkunft gerade im Theater oder im Film eine Rolle spielen – und zwar im zweifachen Sinne, dass sie präsent sind und dass sie eine Figur, welche auch immer sie wollen, spielen können.

 

Die Erinnerung daran, als Kind gerne Indianerhäuptling gewesen zu sein, hat in meinen Augen nichts Rassistisches. Im Gegenteil, Bettina Jarasch, die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen bei der Landtagswahl in Berlin, präsentierte sich dabei als selbstbewusste Frau – Häuptling wollte sie als Kind sein und nicht Prinzessin. Der Shitstorm gegen sie war unbegründet, ihre Bitte um Entschuldigung unlogisch. Ich gestehe, auch ich wollte als Kind gerne den bewunderten Indianerhäuptling spielen, musste mich aber meist mit der Rolle des eher ungeliebten Cowboys zufriedengeben. Kulturelle Aneignung ist ein Wesensmerkmal des Spiels und letztlich der Kultur.

 

Die Initiative kulturelle Integration, deren Sprecher ich bin, ein Zusammenschluss von 28 Institutionen und Organisationen, hat 2020 formuliert, dass sie sich entschieden gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und gegen jede Form von Ausgrenzung wendet und allen rassistischen und menschenfeindlichen Äußerungen und Positionen eine eindeutige Absage erteilt. Sie formulierte weiter »Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches, strukturelles Phänomen. Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration machen sich in ihrer eigenen Arbeit für die Einhaltung der Menschenrechte und gegen Rassismus stark. Sie treten für eine demokratische, vielfältige und offene Gesellschaft ein. Durch ihre Arbeit und die von ihr verfassten 15 Thesen »Zusammenhalt in Vielfalt« positioniert sich die Initiative kulturelle Integration entschlossen gegen alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft.« Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Am kommenden Montag ist mein Urlaub zu Ende und ich bin ich wieder im Büro zu erreichen. In wenigen Wochen ziehen wir um und sind dann in Berlin-Mitte (Chausseestraße 10, 10115 Berlin) zu erreichen. Ich freue mich sehr auf unser neues Domizil.

 


 

1. Gegen Rassismus. Und für Vielfalt.
Aktueller Schwerpunkt in Politik & Kultur 7-8/22

 

Lesen Sie hier alle Beiträge des Schwerpunktes:

 

 


 

2. Energiesicherung: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Kulturbereich unterstützen

 

Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck, MdB hatte am 25. Juli Verbandsvertreter zum „Follow-up Gipfel Energieeffizienz“ eingeladen.

 

Für den Deutschen Kulturrat habe ich bei dem Gipfel erklärt, dass wir die Maßnahmen zur Energiesicherung der Bundesregierung grundsätzlich unterstützen, dass der Kulturbereich, d.h. die Kultureinrichtungen, die Kulturwirtschaft und die soloselbstständigen Künstlerinnen und Künstler, von der Energiekrise existentiell betroffen sind und das obwohl die durch Corona ausgelösten Probleme im Kulturbereich noch nicht im Ansatz überwunden sind.

 

Der Kulturbereich ist sich auch in dieser neuerlichen Krise seiner Verantwortung bewusst und unterstützt die Maßnahmen zur Energieeinsparung der Bundesregierung.

 

Wir sind sehr froh, dass Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck bei dem Treffen am 25. Juli für die Bundesregierung sehr klar gesagt hat, dass es keine Planungen gibt, Kultureinrichtungen wegen der Energiekrise zu schließen. Dieses Mal sollen auch die soloselbständigen Künstlerinnen und Künstler nicht durch das Unterstützungsnetz des Bundeswirtschaftsministeriums fallen.

 

Lesen Sie zum Thema auch die Resolution des Deutschen Kulturrates vom 22. Juni: Energie für Kultur – Unterstützung von Kultureinrichtungen bei Energiekosten.

 


 

Kulturbereich 3. Schreibwettbewerb L’Chaim: Jury tagte im Literaturhaus Berlin

 

Am 4. Juli fand die Jurysitzung des Schreibwettbewerbs „L’Chaim: Schreib zum jüdischen Leben in Deutschland!“ in Berlin statt. In Anwesenheit der Kulturstaatsministerin Claudia Roth und des Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wählte die prominent besetzte Jury aus den insgesamt 182 Einreichungen die zehn zu prämierenden Texte in vier verschiedenen Preiskategorien aus.

 

Bis zur feierlichen Prämierung am 6. Oktober 2022 im Literaturhaus Berlin Fasanenstraße müssen sich die Preisträgerinnen und Preisträger noch ein wenig gedulden. Erst dann werden die zehn prämierten Texte in Anwesenheit der Jurymitglieder bekannt gegeben.

 

Der Jury gehören an: Lena Falkenhagen (Autorin und Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller), Jo Frank (Verleger und Geschäftsführer des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks), Lena Gorelik (Autorin), Dalia Grinfeld (stellvertretende Direktorin für Europäische Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League), Dr. Felix Klein (Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus), Kulturstaatsministerin Claudia RothDr. Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Prof. Dr. Mirjam Wenzel (Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt) und Olaf Zimmermann (Sprecher der Initiative kulturelle Integration und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats).

 

Der Wettbewerb ist eine neuerliche Aktion der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Initiative kulturelle Integration, um im dritten Jahr nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle ein Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts zu setzen.

 


 

4. Lebenswerte Innenstädte mit Zukunft: Verbändeallianz legt Positionspapier vor

 

Innenstädte müssen für alle Menschen und Generationen ein lebenswertes Zuhause bieten. Dieses Ziel verfolgt eine außergewöhnliche Verbändeallianz unterschiedlicher Interessen und legt gemeinsame Positionen vor. Sie wollen den Wandel zusammen anpacken.

 

Der Deutsche Städtetag, der Handelsverband Deutschland, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, das Deutsche Institut für Urbanistik und der Deutsche Kulturrat machen sich stark für Innenstädte mit Zukunft. Ihr Appell richtet sich an Bund und Länder sowie alle Akteure in den Städten.

 

Zentrale Positionen sind:

 

  • Der öffentliche Raum muss neu ausgerichtet werden für Begegnung und Erlebnis, für mehr Grün, für Handel und Gastronomie, Kultur, für emissionsfreie Mobilität, für Spiel- und Sportplätze.
  • Der Mix aus Wohnen, Arbeiten, Handel, Wirtschaften und Erleben machen die Innenstadt attraktiv und lebenswert. Die Lebensqualität der Menschen hängt entscheidend von guten Wohn-, Arbeits- und Entlohnungsbedingungen ab.
  • Kunst und Kultur locken die Menschen in die Innenstädte. Sie bieten Raum für Begegnung, Miteinander und Diskurs der Stadtgesellschaft.
  • Der Handel wird zunehmend digitaler, ist und bleibt aber zentraler Anziehungspunkt. Das neue Einkaufsverhalten führt zu Strukturverschiebungen, Strategien und Konzepte sind gefordert. Der stark mittelständisch geprägte Innenstadthandel kann die notwendigen Zukunftsinvestitionen nicht aus eigener Kraft stemmen.
  • Den Wandel zu gestalten, erfordert einen langen Atem und neue Formen des Zusammenwirkens von Bund, Ländern und Kommunen, von Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
  • Transformationen müssen finanzierbar sein. Dafür ist ein Sonderprogramm Innenstadt des Bundes mit 500 Millionen Euro jährlich über fünf Jahre nötig.

 

Lesen Sie hier den gesamten Text.

 


 

5. Einladung: „Zukunft(s)land – Strukturen, Impulse und Allianzen für eine starke Kultur in ländlichen Räumen“

 

Ländliche Räume tragen auf ganz unterschiedliche Weisen einen Großteil zum vielfältigen Kulturangebot in Deutschland bei. Wie aber dürfen wir uns die Zukunft ländlicher Räume im kulturellen Kontext vorstellen? Wie können wir kulturelle Infrastrukturen in ländlichen Räume stärken, sichtbar machen und vorhandene Potentiale nutzen und ausbauen?

 

Mit Blick auf diese Fragen veranstalten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Deutsche Kulturrat die Mitte September stattfindende, zweitägige Konferenz „Zukunft(s)land – Strukturen, Impulse und Allianzen für eine starke Kultur in ländlichen Räumen“.

 

Datum: 14. & 15.09.2022
Ort: An den Speichern 10, 48157 | Münster-Coerde

 

Die 2-tägige, teilhybride Konferenz beleuchtet den Status Quo und die Entwicklungs­potenziale kultureller Strukturen ländlicher Räume. Ziel ist es, den aktuellen Diskurs zu kulturellen Infrastrukturen in Stadt und Land mit Fokus auf Letzterem abzubilden und ausgehend vom Beispiel Westfalen-Lippe den Blick auf die Bundesebene zu werfen.

 

Im Fokus steht die praktische Ausrichtung der Konferenz, die sich in erster Linie an Künstler:innen, Kulturschaffende, Kultureinrichtungen und Kulturverwaltungen richtet. Das Programm besteht aus Impulsen, und Podien sowie – an Tag 2 – aus Workshops und einer abschließenden Exkursion zum Center for Literature auf Burg Hülshoff.

 

  • Hier geht es zum Programm!
  • In Kürze können Sie sich hier digital anmelden.

 


 

6. NEU: Vier x Kulturrat im WEB

 

Seit mehr als 25 Jahren ist kulturrat.de die Hauptseite des Deutschen Kulturrates. Alle Stellungnahmen, Pressemitteilungen und weitere Informationen über die Arbeitsweise des Kulturrates und seiner Gremien sind hier zu finden.

 

Aus der Zeitung ins Netz: Politik & Kultur, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, gibt es jetzt auch online unter: politikkultur.de.

 

Ab sofort sind dort tagesaktuelle Informationen, Interviews, Artikel, Porträts, Rezensionen und vieles mehr zur Kulturpolitik in Deutschland, Europa und der Welt verfügbar.

 

Die erste Ausgabe von Politik & Kultur ist 2002 erschienen. Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Zeitung des Deutschen Kulturrates erscheint nun politikkultur.de.

 

Unter kulturelle–integration.de stellt sich die Initiative kulturelle Integration vor. Auf der Webseite sind die 15 Thesen zu „Zusammenhalt in Vielfalt“ sowie Informationen zu den 28 Mitgliedern der Initiative aus Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Medien, Sozialpartnern, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zu finden.

 

Darüber hinaus informiert die Website über Jahrestagungen und Kooperationsveranstaltungen der Initiative und stellt spannende „Projekte der Woche“ und engagierte „Menschen des Monats“ vor.

 

Anlässlich der Fachtagung „Frauen in Führung“ launchte der Deutsche Kulturrat die neue Webseite frauen-in-kultur-und-medien.de. Auf dieser Webseite werden Aktivitäten rund um den Diskurs zur Gleichstellung in Kultur und Medien zusammenzutragen, unterschiedliche Akteurinnen, nationale und regionale Initiativen sichtbar gemacht und Studien vorgestellt.

 


 

7. Text der Woche: Klaus-Dieter Lehmann „Unterschiedslose Zerstörung. Russlands Vernichtungskrieg gegen die Ukraine trifft auch Kulturwerte“

 

Russland führt einen brutalen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Städte mit einer Millionenbevölkerung werden flächendeckend bombardiert. Betroffen sind nicht nur Menschen und Sachwerte, betroffen sind durch die Bombardierungen auch Kulturwerte und Kunstwerke. Es handelt sich nicht um eine perfide Strategie, wie wir sie etwa aus der Kriegspraxis des Zweiten Weltkrieges durch den unglaublichen Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten und die sich anschließende einseitige Inanspruchnahme der Sowjetunion von Kulturgut als Reparationsleistung kennen, es ist einfach das gewollte Ergebnis von chaotischen Militärschlägen, die unterschiedslos zerstören. Zusätzlich finden wahllos Plünderungen statt, bei denen Soldaten sich aus den Museen mit Kunstwerken bedienen. Diese Kriegspraxis der massiven Zerstörung, die auch die Auslöschung des kollektiven Gedächtnisses zum Ziel hat, ist eine krasse Missachtung des geltenden Völkerrechts, formuliert in der Haager Landkriegsordnung von 1907.

 

Klaus-Dieter Lehmann ist Kulturmittler. Er war Präsident des Goethe-Instituts und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie Generaldirektor der Deutschen Bibliothek.

 

 


 

8. Zurück in die Mitte: Deutscher Kulturrat zieht um

 

Ende August/Anfang September zieht das Team des Deutschen Kulturrates – nach einer kurzen Übergangszeit am Ostkreuz – zurück nach Berlin-Mitte:

 

in die
Chausseestraße 10
10115 Berlin.

 

Unser neues Büro liegt direkt gegenüber den berühmten Dorotheenstädtischen Friedhof. Er ist 17.000 Quadratmetern groß und steht vollständig unter Denkmalschutz. Zahlreiche bedeutende und prominente Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Unter ihnen: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottlieb Fichte, Heinrich Mann, Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Egon Bahr, Thomas Brasch, Paul Dessau, Steffy und Hanns Eisler, John Heartfield, Ernst Litfaß, Herbert Marcuse und Johannes Rau.

 

Der Bahnhof Friedrichstraße und der Berliner Hauptbahnhof liegen in unmittelbarer Umgebung.

 


 

9. Zum Schluss: documenta fifteen

 

Die documenta fifteen kommt nicht zur Ruhe. Lesen Sie dazu den Artikel „Skandal mit Ansage – Antisemitismus bei der documenta fifteen“ von Gabriele Schulz und mir vom 29. Juni 2022.

 

Außerdem empfehle ich den Antisemitismus-Schwerpunkt in der Juni-Ausgabe von Politik und Kultur.

 

 

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