KW 31: Energiekrise: Müssen Kultureinrichtungen geschlossen werden?

Themen im Newsletter:

  1. Energiekrise: Müssen Kultureinrichtungen geschlossen werden?
  2. Wie weiter mit der Documenta? Ein Gespräch zwischen Johann Hinrich Claussen und Olaf Zimmermann
  3. Aufruf: Unser Gemeinwesen gründet auf gelebter Solidarität
  4. Einladung: Kultur in ländlichen Räumen
  5. NEU: Vier x Kulturrat im WEB
  6. Interview der Woche: Das Meridian-Festival geht trotz Krieg weiter
  7. Zurück in die Mitte: Deutscher Kulturrat zieht um
  8. Zum Schluss

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat uns vor knapp zwei Wochen versichert, dass die Bundesregierung eine Schließung von Kultureinrichtungen wegen der Energiekrise nicht plane. In unserem föderalen System bedeutet das aber nicht, dass Kommunen oder die Länder sich genau so verhalten.

 

Auch irritiert eine Pressemitteilung der Kulturstaatsministerin Claudia Roth vom 3. August in der steht: „Ziel ist es, auch bei Notfallszenarien die Schließung von Einrichtungen möglichst zu vermeiden“. „Möglichst zu vermeiden“ bedeutet, dass Schließungen eben doch nicht ausgeschlossen werden.

 

Etwas anders klang es gestern. Kulturstaatsministerin Claudia Roth hatte zu einem Gespräch mit den Kulturministerinnen und -ministern der Länder unter dem Vorsitz der nordrhein-westfälischen Kulturministerin Ina Brandes und dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller zu den Auswirkungen der Energiekrise auf den Kulturbereich eingeladen. Danach gab es ein klares Statement aller Beteiligten in einer Pressemitteilung, dass Kultureinrichtungen ihren Betrieb fortsetzen sollen und in der Energiekrise nicht geschlossen werden.

 

Es ist aber enttäuschend, dass weder Kulturstaatsministerin Claudia Roth noch Ina Brandes als Vorsitzende der Kulturministerkonferenz in der o.g. Pressemitteilung ein Wort darüber verloren haben, dass sie die Kultureinrichtungen in der Energiekrise finanziell unterstützen werden, um die massiv steigenden Kosten aufzufangen.

 

Die dramatisch steigenden Energiekosten belasten öffentliche und öffentlich-geförderte Kultureinrichtungen und -institutionen, aber auch die privaten Kulturstrukturen, die Kulturwirtschaft und die Künstlerinnen und Künstler erheblich. Für die nächste Zeit sind beträchtliche Steigerungen an Kosten für Strom und Wärme zu erwarten, nicht zuletzt aufgrund der steigenden Energiekosten auf dem Weltmarkt.

 

Öffentliche und öffentlich-geförderte Kultureinrichtungen und -institutionen sowie Einrichtungen der kulturellen Bildung haben in der Regel relativ feste Sachkostenetats, die den in den letzten Jahren üblichen, relativ niedrigen Energiekosten entsprechen. Zusätzlich zu den steigenden Energiekosten können durch coronabedingt eingebaute Lüftungsanlagen, damit die Betriebe Besucher und Besucherinnen zulassen können, weitere Kosten entstehen. Der im öffentlichen Kulturbetrieb bestehende Investitionsstau trägt leider dazu bei, dass viele Häuser nicht energieeffizient arbeiten können, wodurch die Kosten steigen. Weiter ist der Denkmalschutz zu berücksichtigen, der in historischen Gebäuden, die unter einem besonderen Schutz stehen, Baumaßnahmen zur Energieeffizienz erschwert.

 

Der Deutsche Kulturrat fordert daher Bund, Länder und Kommunen auf, zusätzliche Mittel für Nebenkostennachzahlungen und -anpassungen von öffentlichen und öffentlich-geförderten Kultureinrichtungen und -institutionen bereits in diesem Jahr bereitzustellen, für die Jahre 2023 und folgende die Etats für Nebenkosten von öffentlichen und öffentlich-geförderten Kultureinrichtungen und -institutionen dem Bedarf entsprechend zu erhöhen, weitere Haushaltsmittel für Investitionen in die bauliche Substanz von Kultureinrichtungen kurzfristig bereitzustellen, damit die Gebäude energieeffizienter, ökologischer und vor allem nachhaltiger unterhalten werden können.

 

Für den privaten Kultursektor, also die Kulturwirtschaft und die Künstlerinnen und Künstler braucht es schnell ein großes spezifisches Unterstützungsprogramm. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat uns zugesagt, dass dieses Mal die soloselbständigen Künstlerinnen und Künstler, nicht wie bei den Coronahilfen des Bundeswirtschaftsministers in den ersten Monaten der Pandemie, durch das Rost fallen werden.

 

Dieser Herbst und Winter wird zum dritten Mal in Folge zu einer großen Herausforderung für den Kulturbereich. Wie schon in der Pandemie stehen wir auch jetzt in der Energiekrise in der Gefahr, dass Kultureinrichtungen aus symbolischen Gründen geschlossen werden könnten. Schon jetzt diskutieren Kommunalpolitiker, ob man denn das Hallenbad am Ort schließen kann, aber das Theater weiter spielen darf.

 

Meine Position ist eindeutig: Kultureinrichtungen dürfen in diesem Herbst und Winter nicht wieder geschlossen werden. Weder Corona noch der Energienotstand dürfen zum abermaligen Schließen führen.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 


 

2. Wie weiter mit der Documenta? Ein Gespräch zwischen Johann Hinrich Claussen und Olaf Zimmermann

 

Diese Documenta wurde zum Skandal. Es gibt Experten, die vom größten Antisemitismusskandal nach 1945 sprechen. Die Medien berichten ohne Unterlass über den tiefen Fall der einst wichtigsten Kunstausstellung der Welt. Aber was geschieht hier eigentlich? Wer macht was?

 

  • Hören Sie das aktuelle Gespräch zwischen Johann Hinrich Claussen und Olaf Zimmermann hier.

 


 

3. Aufruf: Unser Gemeinwesen gründet auf gelebter Solidarität

 

Der Angriffskrieg auf die Ukraine, die Corona-Pandemie und weltweit gestörte Lieferketten haben Preissteigerungen vor allem für Energie und Nahrungsmittel ausgelöst, die von Menschen mit geringen bis durchschnittlichen Einkommen kaum noch zu stemmen sind.

 

Es ist ein gutes Zeichen, dass Vertreter der Diakonie, von ver.di, der EKD, des VdK, den Paritätern, der AWO, den Tafeln, dem Städte- und Gemeindebund, u.a. mit uns gemeinsam diesen Aufruf starten.

 

 


 

4. Einladung: „Zukunft(s)land – Strukturen, Impulse und Allianzen für eine starke Kultur in ländlichen Räumen“

 

Ländliche Räume tragen auf ganz unterschiedliche Weisen einen Großteil zum vielfältigen Kulturangebot in Deutschland bei. Wie aber dürfen wir uns die Zukunft ländlicher Räume im kulturellen Kontext vorstellen? Wie können wir kulturelle Infrastrukturen in ländlichen Räume stärken, sichtbar machen und vorhandene Potentiale nutzen und ausbauen?

 

Mit Blick auf diese Fragen veranstalten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Deutsche Kulturrat die Mitte September stattfindende, zweitägige Konferenz „Zukunft(s)land – Strukturen, Impulse und Allianzen für eine starke Kultur in ländlichen Räumen“.

 

Datum: 14. & 15.09.2022
Ort: An den Speichern 10, 48157 | Münster-Coerde

 

Die 2-tägige, teilhybride Konferenz beleuchtet den Status Quo und die Entwicklungs­potenziale kultureller Strukturen ländlicher Räume. Ziel ist es, den aktuellen Diskurs zu kulturellen Infrastrukturen in Stadt und Land mit Fokus auf Letzterem abzubilden und ausgehend vom Beispiel Westfalen-Lippe den Blick auf die Bundesebene zu werfen.

 

Im Fokus steht die praktische Ausrichtung der Konferenz, die sich in erster Linie an Künstler und Künstlerinnen, Kulturschaffende, Kultureinrichtungen und Kulturverwaltungen richtet. Das Programm besteht aus Impulsen, und Podien sowie – an Tag 2 – aus Workshops und einer abschließenden Exkursion zum Center for Literature auf Burg Hülshoff.

 

 


 

5. NEU: Vier x Kulturrat im WEB

 

Seit mehr als 25 Jahren ist kulturrat.de die Hauptseite des Deutschen Kulturrates. Alle Stellungnahmen, Pressemitteilungen und weitere Informationen über die Arbeitsweise des Kulturrates und seiner Gremien sind hier zu finden.

 

Aus der Zeitung ins Netz: Politik & Kultur, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, gibt es jetzt auch online unter: politikkultur.de.

Ab sofort sind dort tagesaktuelle Informationen, Interviews, Artikel, Porträts, Rezensionen und vieles mehr zur Kulturpolitik in Deutschland, Europa und der Welt verfügbar.

 

Die erste Ausgabe von Politik & Kultur ist 2002 erschienen. Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Zeitung des Deutschen Kulturrates erscheint nun politikkultur.de.

 

Unter kulturelle–integration.de stellt sich die Initiative kulturelle Integration vor. Auf der Webseite sind die 15 Thesen zu „Zusammenhalt in Vielfalt“ sowie Informationen zu den 28 Mitgliedern der Initiative aus Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Medien, Sozialpartnern, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zu finden.

 

Darüber hinaus informiert die Website über Jahrestagungen und Kooperationsveranstaltungen der Initiative und stellt spannende „Projekte der Woche“ und engagierte „Menschen des Monats“ vor.

 

Anlässlich der Fachtagung „Frauen in Führung“ launchte der Deutsche Kulturrat die neue Webseite frauen-in-kultur-und-medien.de. Auf dieser Webseite werden Aktivitäten rund um den Diskurs zur Gleichstellung in Kultur und Medien zusammenzutragen, unterschiedliche Akteurinnen, nationale und regionale Initiativen sichtbar gemacht und Studien vorgestellt.

 


 

6. Interview der Woche: Das Meridian-Festival geht trotz Krieg weiter – Tanja Dückers spricht mit Evgenia Lopata

 

Trotz Krieg in der Ukraine findet das internationale Lyrikfestival Meridian in Czernowitz nahe der rumänischen Grenze statt. Tanja Dückers spricht mit Evgenia Lopata, die bisher in der westukrainischen Stadt geblieben ist und das Literaturfestival seit 2013 leitet.

 

Evgenia Lopata ist eine ukrainische Kulturmanagerin und Übersetzerin. Sie leitet das international bekannte Literaturfestival Meridian Czernowitz. Tanja Dückers ist Schriftstellerin und Journalistin.

 

 


 

7. Zurück in die Mitte: Deutscher Kulturrat zieht um 

 

Ende August/Anfang September zieht das Team des Deutschen Kulturrates – nach einer kurzen Übergangszeit am Ostkreuz – zurück nach Berlin-Mitte:

 

in die
Chausseestraße 10
10115 Berlin.

 

Unser neues Büro liegt direkt gegenüber den berühmten Dorotheenstädtischen Friedhof. Er ist 17.000 Quadratmetern groß und steht vollständig unter Denkmalschutz. Zahlreiche bedeutende und prominente Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Unter ihnen: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottlieb Fichte, Heinrich Mann, Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Egon Bahr, Thomas Brasch, Paul Dessau, Steffy und Hanns Eisler, John Heartfield, Ernst Litfaß, Herbert Marcuse und Johannes Rau.

 

Der Bahnhof Friedrichstraße und der Berliner Hauptbahnhof liegen in unmittelbarer Umgebung.

 


 

8. Zum Schluss

 

Mit David Vuillaume, Geschäftsführer des Deutschen Museumsbundes und seiner Stellvertreterin Sylvia Willkomm haben wir über den Schwerpunkt „Zukunft der Museen“ in der November-Ausgabe von Politik & Kultur gesprochen. Nach dem Gespräch haben die Museumsexperten meine kleine Lehrmittelsammlung in meinem Büro begutachtet.

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