KW 50: Kleiner kulturpolitischer Jahresrückblick

Themen im Newsletter:

  1. Kleiner kulturpolitischer Jahresrückblick
  2. Stellungnahme: Zur Zukunft des Humboldt Forums
  3. Deutscher Bundestag: Dauer-Krise Künstlereinkommen
  4. Hörempfehlung: Prinzip Gießkanne? – Corona-Kultur-Hilfe in der Kritik
  5. Einladung: Die Gewinnertexte des Schreibwettbewerbs L’Chaim gehen auf Lesereise durch Deutschland
  6. Umweltministerkonferenz: Bewerbung Grünes Band Deutschland für UNESCO-Weltnaturerbe
  7. Dossier: Land-Art(?) – Kultur in ländlichen Räumen
  8. Einladung zum digitalen Salon am 17.1.23: Friedhof als Fokus von Kulturpolitik: Geht das?
  9. Text der Woche: „Pack ma’s! Künftige Wege musealer Praxis im Museum Fünf Kontinente München “ von Uta Werlich

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu, das für den Kulturbereich im Allgemeinen und sicherlich auch für jeden einzelnen von Ihnen sehr herausfordernd war. Neben der nach wie vor andauernden Coronapandemie, den weiterhin spürbaren Folgen an den Kulturorten, bei Kulturmessen und insgesamt den Kulturveranstaltungen bedeutet der Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres einen weiteren tiefen Einschnitt.

 

Am 21. März 2022 fand die Wahl des neuen Vorstands des Deutschen Kulturrates statt. Der neue Vorstand, Prof. Christian Höppner, Boris Kochan und Dagmar Schmidt, hat unmittelbar nach seinem Amtsantritt das neue Thema Ukraine-Hilfe in den Blick genommen. Wir haben über Hilfsangebote informiert und uns bei der Bundesregierung für Unterstützungsmaßnahmen stark gemacht.

 

Nach wie vor haben wir die Coronapandemie im Blick. Das Programm NEUSTART KULTUR wird vom Deutschen Kulturrat begleitet und für die Mittel ausreichenden Stellen Partei ergriffen.

 

Seit Sommer dieses Jahres macht sich der Deutsche Kulturrat für einen Kulturfonds Energie des Bundes stark, mit dem die heftig angestiegenen Energiekosten für Kulturorte und -veranstalter abgefedert werden sollen. Die Verhandlungen hierzu laufen zwar noch, aber ich bin zuversichtlich, dass am 1. Februar 2023 der Kulturfonds Energie des Bundes mit einem Volumen von bis zu 1 Mrd. Euro starten und rückwirkend zum 1. Oktober 2022 eine Unterstützung bei den gestiegenen Energiekosten beantragt werden kann. Darüber hinaus setzen wir uns bei den Ländern für Maßnahmen zur Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern ein.

 

Die Fachausschüsse des Deutschen Kulturrates sind in neuer Besetzung zusammengetreten. Manche konnten sich in diesem Jahr erst einmal zu ihrer konstituierenden Sitzung treffen, andere wiederum haben bereits intensiv getagt und Stellungnahmen vorbereitet. Drei adhoc-AGs mit spezifischen Fragestellungen wurden eingerichtet und haben ihre Aufgabe, die Vorbereitung einer Stellungnahme für den Sprecherrat, bereits erfüllt.

Als besondere Veranstaltungen in diesem Jahr sind die Jahrestagung der Initiative kulturelle Integration zum Thema Rassismus, die Tagung „Frauen in Führung“ sowie die Tagung zu Kultur in ländlichen Räumen zusammen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe hervorzuheben.

 

Die Initiative kulturelle Integration hat zusammen mit der Kulturstaatsministerin, mit dem Zentralrat der Juden und dem Antisemitismusbeauftragten den Schreibwettbewerb „L’Chaim“ ausgelobt. Die zehn Preisträgerinnen und Preisträger wurden am 6. Oktober im Literaturhaus in Berlin feierlich prämiert.

 

Preisträgerin des Deutschen Kulturpolitikpreises war in diesem Jahr die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy. Sie erhielt den Preis im feierlichen Rahmen am 21. September in der Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Die Zeitung Politik & Kultur erschien wiederum zehn Mal. Das Themenspektrum reichte vom Kulturland Israel über Fotografie, den Ukraine-Krieg, Mode, Antisemitismus, Rassismus, die documenta 15, Archäologie, Museen bis hin zur Hygienekultur. Und natürlich wurden fortlaufend aktuelle kulturpolitische Themen aufgegriffen.

 

Im Jahr 2022 sind drei Dossiers als Beilage zur Politik & Kultur erschienen. Das Dossier „On the Road” widmet sich 20 Jahre Kulturstiftung des Bundes, im Dossier „Yes we can“ geht es um Frauen in Führung und schließlich im Dossier „Land(Art)“ steht die Kultur im ländlichen Raum im Mittelpunkt.

 

Ich gehe ab Mitte der kommenden Woche in den Weihnachtsurlaub. Der nächste kulturpolitische Wochenreport erscheint deshalb erst am 06.01.2023.

Für die Festtage und den Jahreswechsel wünschen ich Ihnen und Ihren Familien alles Gute, Gesundheit und Zuversicht!

 

„Friede auf Erden“, ist der zentrale Wunsch der christlichen Weihnachtsbotschaft, ich denke, egal ob Christ oder nicht, wir wünschen uns alle seine Erfüllung.

 

Ihr

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 


 

2. Stellungnahme: Zur Zukunft des Humboldt Forums

 

Im Jahr 2021 wurde das Humboldt Forum in Berlin in drei Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, im September 2022 erfolgte die feierliche Eröffnung des letzten, des vierten, Teilabschnitts. Auch nach der vollständigen Eröffnung reißen die Diskussionen um die Struktur, die Präsentation und die inhaltliche Ausrichtung des Humboldt Forums nicht ab. Ein Grund hierfür ist, dass das Humboldt Forum mit überbordenden und bisweilen gegenläufigen Erwartungen unterschiedlicher Akteure geradezu überfrachtet wurde und als Platzhalter für kulturpolitische Debatten, wie z. B. um den Kolonialismus, steht. Das historisierende Gebäude bildet eine weitere Bürde für zeitgemäße öffentliche Programme. Das größte Hindernis für das Humboldt Forum ist jedoch, dass vier Institutionen in einem Haus zusammenarbeiten müssen, in dem keine zuhause ist.

 

Trotz der Hypothek, die das Humboldt Forum zu tragen hat, sieht der Deutsche Kulturrat die Chance, dass es zu einem Ort entwickelt werden kann, an dem reflektiert wird, wie Deutschland die Welt und wie die Welt Deutschland sieht.

 


 

3. Deutscher Bundestag: Dauer-Krise Künstlereinkommen

 

Am 13.12. hat der Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages zu einem öffentlichen Fachgespräch zur sozialen Lage von Künstlerinnen und Künstlern geladen. Als Sachverständige waren anwesend: Lisa Basten, ver.di, Cilgia Gadola, Bundesverband Freie Darstellende Künste (Projekt Systemcheck), Heinrich Schafmeister, Bundesverband Schauspiel, Katharina Uppenbrink, Initiative Urheberrecht, und Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat.

 

  • Die Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages kann hier in voller Länge nachgeschaut werden.
  • Lesen Sie hier außerdem die Kurzmeldung zur Anhörung.

 

4. Hörempfehlung: Prinzip Gießkanne? – Corona-Kultur-Hilfe in der Kritik

 

Deutschlandfunk Kultur kritisierte Mitte November unter dem Titel „Die Kunst des Lobbyierens“ die Vergabe von Fördermitteln aus den Coronanothilfeprogramm „Neustart Kultur“. Der Deutsche Kulturrat fragte darauf, gibt es eigentlich den vom Deutschlandfunk Kultur beschriebenen Skandal?

 

In der von Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlten Sendung „Keine Bedarfsförderung, sondern das Prinzip Gießkanne“ stellen sich die Journalisten ihren Kritikern im direkten Gespräch. Die Aufzeichnung fand am 7. Dezember 2022 im Rahmen des Kulturpolitischen Salons im Deutschen Theater Berlin statt. Der Kulturpolitische Salon ist ein gemeinsames Diskussionsforum von: Deutscher Kulturrat, Deutscher Bühnenverein, Deutsches Theater Berlin und Deutschlandfunk Kultur.

 

Es diskutierten: Thorsten Jantschek, Abteilungsleitung Digitale Angebote und aktuelle Kultur, Deutschlandfunk Kultur, Max Kuball, Journalist, Deutschlandfunk Kultur, Dr. Karin Lingl, Geschäftsführerin Stiftung Kunstfonds, Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat. Moderation: Hans Dieter Heimendahl, Deutschlandfunk Kultur

 

Hier können Sie das Gespräch nachhören.

 


 

5. Einladung: Lesereise der Gewinnertexte des Schreibwettbewerbs L’Chaim

 

Was ist „In my Jewish Bag“; wer ist bei den Zuckermanns willkommen; wie findet eine Jüdin ein Date, ohne zu sagen, dass sie Jüdin ist; was ist, wenn eine Jüdin nicht jüdisch aussieht und was ist eigentlich jüdisches Aussehen. Dies sind nur einige Themen der zehn prämierten Texte des Schreibwettbewerbs „L’Chaim: Schreib zum jüdischen Leben in Deutschland!„.

 

Lesen Sie die Texte hier. Oder noch besser, veranstalten Sie eine Lesung und lassen andere an den Texten teilhaben. Die Beiträge vermitteln einen Eindruck vom jüdischen Leben heute. Schauen Sie dazu in das Best-of der Prämierung.

 

Wir laden alle Institutionen, die Lesungen veranstalten, ein, die zehn prämierten Texte deutschlandweit bekannt zu machen. Wenn Sie eine Lesung mit den zehn prämierten Texten, gegebenenfalls auch mit den Autorinnen und Autoren, veranstalten wollen, wenden Sie sich aned.ta1721214480rrutl1721214480uk@no1721214480itarg1721214480etni 1721214480.

 


 

6. Umweltministerkonferenz: Bewerbung Grünes Band Deutschland für UNESCO-Weltnaturerbe

 

Bei der 99. Umweltministerkonferenz am 25. November 2022 in Goslar wurde der Beschluss zur Bewerbung des Grünen Bandes für die deutsche UNESCO-Vorschlagsliste von allen Ländern angenommen. Wir freuen uns sehr! Nun muss noch die Kulturministerkonferenz zustimmen.

 

Mehr dazu: Lesen Sie hier die Ausgabe 6/2020 von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Vom Grenzstreifen zum Kulturerbe: Das Grüne Band„.

 


 

7. Dossier: Land-Art(?) – Kultur in ländlichen Räumen

 

„Gleichwertige Lebensverhältnisse“ zwischen Stadt und Land sind in Deutschland noch nicht überall erreicht. Ziel ist es, in Ballungsräumen ebenso wie in ländlichen Gebieten „ausgeglichene soziale, infrastrukturelle, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Verhältnisse“ anzustreben.
 
Das Dossier „Land-Art(?)“, das der Deutsche Kulturrat gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe vorlegt, richtet den Fokus auf die Frage: Wie kann das Kulturangebot auf dem Land weiter ausgebaut und gefördert werden? Denn die Sehnsucht nach Kultur hängt nicht vom Wohnort ab, sie ist ein Teil unseres Menschseins.

 


 

8. Einladung zum digitalen Salon am 17.1.23: Friedhof als Fokus von Kulturpolitik: Geht das?

 

Unsere Friedhofskultur ist identitätsstiftender, integraler Bestandteil unseres gesamtgesellschaftlichen Kulturverständnisses ­– und findet dennoch kaum größere kulturpolitische Beachtung. Woran liegt das, und was muss sich ändern, damit auch Friedhöfe ­ähnlich wie Theater und Museen in den kulturpolitischen Fokus rücken? Darüber darf ich am 17.1.23 um 14.00 Uhr sprechen.

 


 

9. Text der Woche: „Pack ma’s! Künftige Wege musealer Praxis im Museum Fünf Kontinente München “ von Uta Werlich

 

„Viel ist in den letzten Jahren in den deutschen Museen und Sammlungen, die sich mit nichtwestlichen Kulturen und Künsten befassen, in Bewegung geraten. Vor allem die im Vorfeld der Eröffnung des Berliner Humboldt Forums geführten Diskussionen haben deutlich gemacht, dass die Kolonialgeschichte nach wie vor ein blinder Fleck in der deutschen Erinnerungskultur und im institutionellen Gedächtnis deutscher Museen ist. Infolgedessen begannen viele Einrichtungen, ihre Sammlungen aus globalhistorischer Perspektive neu zu befragen und alternative Wege in der Präsentation und Vermittlung zu erproben. Auch in München stellen wir uns die Frage, wie wir mit der teils problematischen Geschichte der von uns verwahrten Sammlungen umgehen wollen? Wie können wir bessere Zugänge zu den Beständen schaffen? (…)“

 

Uta Werlich ist Direktorin des Museums Fünf Kontinente in München.

 

Vorheriger ArtikelKW 49: Porentief rein: Reinheit und Unreinheit sind eine notwendige Divergenz
Nächster ArtikelKW 1: 2023: Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft