09. KW: Weltsprache: KI hat auch Potenziale, die Welt zu verbessern

Themen im Newsletter:

  1. Weltsprache: KI hat auch Potenziale, die Welt zu verbessern
  2. Politik & Kultur 3/24
  3. Einladung: Online-Diskussion zum Equal Pay Day 2024
  4. Kulturmensch Christian Höppner
  5. Zur Person…
  6. Veranstaltungstipp: German Creative Economy Summit
  7. Text der Woche: Antisemitismus in deutschen Kultureinrichtungen Reflexionen und Handlungsempfehlungen von Mirjam Wenzel

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Künstliche Intelligenz (KI) bringt nicht wenige Gefahren gerade auch für den Kulturbereich mit sich. Aber sie hat auch großes Potenzial, die Welt zu verbessern. Eine der großen Chancen der KI ist es, die sprachliche Verständigung von Menschen untereinander, egal, woher sie kommen, egal, welche Bildung ihnen zuteilwurde, deutlich zu erleichtern.

 

Meine Fremdsprachenbegabung war immer eng begrenzt, vielleicht habe ich deshalb schon in meiner Jugend sehnsüchtig den Universalübersetzer aus „Star Trek“ herbeigewünscht – ein Gerät, mit dem in Echtzeit in viele Sprachen übersetzt werden kann. Jetzt wird das, was vor Kurzem noch Science-Fiction war, Realität.

 

Die Besatzungen vom „Raumschiff Enterprise“ haben ihren Universalübersetzer ständig im Einsatz. Ob zur Bewältigung von Alltagskommunikation unter der diversen Raumschiffbesatzung oder beim berühmten Erstkontakt mit fremden Welten, wo der Universalübersetzer oft, aber nicht immer funktioniert.

 

Trotz dieses hilfreichen Tools hat man sich bei „Star Trek“ nie nur auf den Universalübersetzer verlassen. Immer sind auch Personen auf den Raumschiffen, die als Kommunikationsoffiziere die kulturellen Feinheiten der Sprache erforschen.

 

Hier ist Nichelle Nichols als Lieutenant Uhura im „Enterprise“-Universum sicherlich die Bekannteste. Aber auch Linda Park hat als Ensign Hoshi Sato cineastische Berühmtheit erlangt. In der vierten Staffel von „Star Trek: Discovery“ trifft die Raumschiffbesatzung auf 10-C, eine nicht humanoide Lebensform, doch auch hier gelingt es, eine Kommunikationsebene zu finden. Die KI, die dieses Kunststück fertigbringt, nennt sich selbst Zora und hat ein Bewusstsein entwickelt. Aber das ist jetzt wirklich noch Science-Fiction.

 

Der Universalübersetzer aber wird sehr bald, höchstwahrscheinlich in unseren Mobiltelefonen integriert, Realität werden. Sprachbarrieren werden sich auflösen, im Urlaub und am Arbeitsplatz wird die Verständigung untereinander erleichtert. Sprachgrenzen, gerade auch für Einwanderer, werden fallen. Englisch als „Weltsprache“ wird an Bedeutung verlieren. Kulturelle Eigenheiten, die sich gerade auch in den unterschiedlichen Sprachen manifestieren, werden sich weiterentwickeln.

 

Die zukünftige Lingua franca ist das wunderbare babylonische Sprachgewirr, das mittels Universalübersetzer für alle verständlich wird. Eine, wie ich finde, schöne Aussicht.

 

Ihr

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 


 

2. Politik & Kultur 3/24

 

Die neue Ausgabe von Politik & Kultur richtet den Schwerpunkt auf das Thema „Hinschauen und Handeln – Sexualisierte Gewalt im Kulturbetrieb“. Die Beiträge zum Thema finden Sie auf den Seiten 15 bis 27.

 

Der Leitartikel zu „Antisemitismus in deutschen Kultureinrichtungen“ stammt von Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt.

 

Weitere Themen der Ausgabe 3/24 von Politik & Kultur sind:

 

Künstliche Intelligenz und Kultur

Ein Blick auf den AI Act und seine Auswirkungen für Rechtsinhaber

 

Aktive Schüler
Schülerinnen und Schüler stehen gegen Rassismus und Antisemitismus ein und zeigen ihre Kunstwerke in Berlin

 

Frauentag
Gender-Show-Gap in Literatur und Bildender Kunst verstärken den Gender-Pay-Gap. Stimmen aus den Branchen

 

Design-City
Was die Region Frankfurt RheinMain richtig gemacht hat, um World Design Capital 2026 zu werden

 

Filmförderung
Lob und Tadel für den Entwurf des neuen Filmförderungsgesetzes. Das Urteil der Verbände ist sehr unterschiedlich

 

Außerdem: Baukultur in Turkmenistan; Weiterarbeit am Mythos in der Stiftung Weimarer Klassik, Vergütung beim Musik-Streaming, Friedhof Stahnsdorf als Netflix-Held, Axel Pape im Porträt u.v.m.

 

 

 


 

3. Einladung: Online-Diskussion zum Equal Pay Day 2024

 

Der 6. März 2024 ist Equal Pay Day: Er markiert die Differenz der Einkommen von Frauen und Männern. Alles, was Männer bis zu diesem Tag verdient haben, ist der Mehrverdienst gegenüber dem Einkommen von Frauen. Am Vortag zum Equal Pay Day, Dienstag, den 5. März 2024, veranstaltet der Deutsche Kulturrat von 16 bis 17 Uhr eine Online-Diskussion „JaAberUnd“. Wir diskutieren über die Fragen: Woran liegt es, dass der Gender-Pay-Gap im Kulturbereich in einigen Sparten noch immer so hoch ist? Wieso gibt es nach wie vor einen deutlichen Gender-Show-Gap? Wie kann gegengesteuert werden?

 

  • Gabriele Schulz, Stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrats
  • Dagmar Schmidt, Bildende Künstlerin und Sprecherin des  Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler
  • Katja Lucker, Geschäftsführerin der Initiative Musik

 

  • Moderation: Barbara Haack

 

 

Die jüngste Studie des Deutschen Kulturrats „Baustelle Geschlechtergerechtigkeit. Datenreport zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Arbeitsmarkt Kultur“ hat es gezeigt: Nach wie vor sind Gender-Pay-Gap und Gender-Show-Gap im Kulturbereich, abhängig von der Sparte, immer noch eklatant hoch. Im Großen und Ganzen verdienen die Beschäftigten in Kultur- und Medienberufen weniger als der Durchschnitt in anderen Berufen. Und Frauen verdienen noch einmal weniger als Männer. Obwohl der Gender-Pay-Gap im Kulturbereich in einigen Tätigkeitsbereichen zurückgegangen ist, befindet er sich insgesamt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Lesen Sie zum Thema unsere neue Studie „Baustelle Geschlechtergerechtigkeit“:

 

Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann
Baustelle Geschlechtergerechtigkeit
Datenreport zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Arbeitsmarkt Kultur

 

ISBN 978-3-947308-36-1, 236 Seiten, 22,80 Euro

 

 

 

 

  • Die Studie ist natürlich auch über jede Buchhandlung lieferbar.

 


 

4. Kulturmensch Christian Höppner

 

Gestern hat Christian Höppner den Deutschen Musikrat als Generalsekretär verlassen. Nach 20 Jahren Tätigkeit als Generalsekretär hat er auf eigenen Wunsch seinen Vertrag nicht mehr verlängert.

 

Musik liegt ihm im Blut. Bereits als Schüler spielte er in evangelischen Gottesdiensten Bach-Kantaten. Damit war der Pfad gelegt für seine Liebe zur Barockmusik – der, wie er zu sagen pflegt, „wahren Rockmusik“ und vor allem zum großen Johann Sebastian Bach. Organisch folgte ein Studium der Instrumentalmusik und Musikpädagogik sowie anschließend ein Dirigierstudium.

 

Neben seiner beruflichen Tätigkeit zuerst als Leiter einer Musikschule und seit nunmehr 20 Jahren als Generalsekretär des Deutschen Musikrates, seiner eigenen künstlerischen Arbeit und seit Jahrzehnten der Lehrtätigkeit in der Universität der Künste ist das kulturpolitische Engagement ein fester Bestandteil von Höppners Leben. Zuerst musikpolitisch im Deutschen Tonkünstlerverband, im Landesmusikrat Berlin und im Deutschen Musikrat und dann im Deutschen Kulturrat, dessen Präsident er ist.

 

Sein hohes Interesse, die Arbeits- und Wirkweisen der anderen Kulturbereiche kennenzulernen, zu verstehen und dabei fest in der Musik verwurzelt zu sein, zeichnet ihn aus. Christian Höppner ist ein begnadeter Kommunikator, hat stets das große Ganze im Blick, ohne das Verständnis für die Feinheiten und Besonderheiten einzelner Bereiche zu verlieren. So vertritt er beispielsweise den Deutschen Kulturrat im Rundfunkrat der Deutschen Welle und legt als Haushaltsberichterstatter den Finger in die Wunde von Ansprüchen an die Deutsche Welle einerseits und den zur Verfügung stehenden Mitteln andererseits. Als Präsident des Deutschen Kulturrates schafft er es stets mit Humor und Geschick, das große, vielstimmige Orchester der verschiedenen Positionen zu dirigieren.

 

Christian Höppner vermag es, selbst bei sehr kontroversen Debatten die Ruhe zu bewahren und die Fäden in der Hand zu behalten, um schließlich ein befriedigendes Ergebnis zu erreichen. Als Musiker hat er ein ausgesprochenes Gefühl für „Timing“. Wir freuen uns, dass er sich künftig noch mehr diesem Ehrenamt widmen kann.

 


 

5. Zur Person…

 

Bundesverdienstorden für Generalmusikdirektor Kent Nagano

Kent Nagano, Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters der Freien und Hansestadt Hamburg, ist durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet worden. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung von Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien. Nagano zeichne neben seinen künstlerischen Qualitäten ebenso sein musikpädagogisches Engagement aus, durch welches er musikalische Begeisterung weit in die Gesellschaft hinein vermittele, so Brosda in seiner Laudatio.

 

Komponistin Unsuk Chin erhält Ernst von Siemens Musikpreis
Der Ernst von Siemens Musikpreis geht dieses Jahr an Unsuk Chin. Mit ihren Werken hat die international renommierte südkoreanische Komponistin „der neuen Musik neue Wege aufgezeigt und ein breites Publikum begeistert“, wie es in der Jurybegründung heißt. Die Auszeichnung für herausragende Lebensleistungen ist mit 250.000 Euro dotiert. Die mit je 35.000 Euro ausgestatteten Förderpreise Komposition gehen an die Isländerin Bára Gísladóttir, Daniele Ghisi aus Italien sowie Yiqing Zhu aus China. Die Preisverleihung findet am 18. Mai 2024 im Herkulessaal der Münchner Residenz statt.

 

Christiane Florin neue Abteilungsleiterin beim Deutschlandradio
Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Christiane Florin leitet seit dem 15. Februar die aktuelle Kulturberichterstattung der Deutschlandradio-Programme. Die neue Abteilung Kultur aktuell ist eine Zusammenführung der bisher getrennten Abteilungen Digitale Angebote und aktuelle Kultur (Deutschlandfunk Kultur) und Aktuelle Kultur (Deutschlandfunk). Ziel ist die Stärkung und bessere Koordinierung der an den Sendestandorten in Köln und Berlin vorhandenen Kultur-Fachexpertise. Florin koordiniert künftig die inhaltliche und strategische Neuausrichtung in diesem Bereich.

 

Deutscher Drehbuchpreis 2024 geht an Sandra Schröder
Mit der Goldenen Lola für das beste unverfilmte Drehbuch wurde in diesem Jahr Sandra Schröder für ihr Drehbuch „Als Bestie bin ich aufgewacht“ ausgezeichnet. Die Jury lobte ihr Werk als „eine beeindruckende Erzählung über die Überlebens- und Anpassungsfähigkeit des Menschen in feindlicher Umgebung.“ Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Außerdem nominiert waren die Drehbücher „Das Herz keine Mördergrube« von Petra Lüschow und „Mama!“ von Uli Klingenschmitt.

 

Jessica Keilholz-Busch neue Direktorin des Franz Marc Museums in Kochel
Jessica Keilholz-Busch löst zum 15. April die langjährige Direktorin des Kocheler Franz Marc Museums Cathrin Klingsöhr-Leroy ab. Die Kunsthistorikerin war zuvor im Lehmbruck-Museum Duisburg tätig und hat dort als Kustodin für Klassische Moderne und Wilhelm Lehmbruck Ausstellungen kuratiert. Der Schwerpunkt Franz Marc soll in Kochel beibehalten werden, aber Keilholz-Busch plane, den Maler und seine tiefe Naturverbundenheit in die Jetztzeit zu holen. Sie möchte daher eine Reihe mit aktueller Kunst etablieren, womöglich zum Thema Nachhaltigkeit.

 


 

6. Creative Entrepreneurship: Was macht ein Kreatives Unternehmen aus?
Datum: 6. März 2024

Uhrzeit: 16:50–17:35 Uhr
Ort: Kampnagel-Gelände (Stage: K6), Hamburg

 

Was macht Kreatives Unternehmertum im Jahr 2024 aus? Was tun Startups und etablierte Unternehmen damit Spinnereien Platz haben, Innovationen entstehen und Kreativität zum Businesscase wird? Wie funktioniert Führung in Kreativunternehmen?

 

Darüber sprechen:

 

  • Kati Eismann, Globaler Marketingdirektor bei Adam Hall Group
  • Birte Hackenjos, Geschäftsführer Haufe Group SE
  • Boris Kochan, Präsident des Deutschen Designtags und Vizepräsident des Deutschen Kulturrats
  • Oliver Rosenthal, Leiter Central Europe Creative Works, Google

 

 

New Education: mit Creative Technologies Bildung und Gesellschaft verändern

Datum: 7. März 2024
Uhrzeit: 14:30–15:15 Uhr
Ort: Kampnagel-Gelände (Stage: K2), Hamburg

 

Das Panel diskutiert über die Potenziale einer Einbeziehung der Kultur- und Kreativwirtschaft in die deutschlandweite Bildungslandschaft.

 

Es diskutieren:

 

  • Tamara Friede, Community Managerin bei TUMO Center for Creative Technologies
  • Boris Kochan, Präsident des Deutschen Designtags und Vizepräsident des Deutschen Kulturrats
  • Prof. Susanne Lengyel, Vizepräsidentin des Deutschen Designtags e.V. und Präsidentin der Technischen Hochschule Georg Agricola
  • Dr. Andreas Meyer, Gründer & Partner bei VERLAGSCONSULT

 

Der German Creative Economy Summit ist der nationale Branchentreff der Kreativwirtschaft, der Akteurinnen und Akteuren der Kreativwirtschaft ein Forum für den Austausch mit Politik, Wissenschaft und Verwaltung bietet, um die Rahmenbedingungen für Handeln, Wirken und Wirtschaften in Deutschland nachhaltig zu verbessern.

 

 


 

7. Text der Woche: Antisemitismus in deutschen Kultureinrichtungen:
Reflexionen und Handlungsempfehlungen 
von Mirjam Wenzel

 

Der israelbezogene Antisemitismus stellt heute die umstrittenste Form antisemitischer Äußerungen und Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden sowie als jüdisch wahrgenommene Menschen und Einrichtungen und zugleich die am meisten verbreitete Form von Antisemitismus im Kultur- und Wissenschaftsbereich dar.

 

Mirjam Wenzel ist Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt

 

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