Mit welchen Herausforderungen muss man klarkommen, wenn man „grün“ drehen möchte?
Man muss sich zuallererst Zeit nehmen, denn jeder Bereich, jeder Ablauf muss auf seine Nachhaltigkeit überprüft werden. Essenziell ist, dass man alle Beteiligten dabei mitnimmt. Dann besteht die Herausforderung darin, sich immer wieder zu informieren, was es Neues gibt. Man muss einfach gucken, was es für neue Geräte gibt, was die neuesten Entwicklungen sind, wie teuer die Sachen sind etc. Der persönliche Austausch – auch innerhalb Europas – ist dabei ganz wichtig. Man muss immer wieder mit den Anbietern und Dienstleistern sprechen. Und einfordern, dass die einfach noch mehr LED-Lampen etc. kaufen. Wenn die Nachfrage nicht da ist, die wir generieren, dann kaufen die Dienstleister die Sachen nicht. D. h., wir müssen immer wieder daran erinnern, dass es einen Bedarf gibt.
Sie tauschen sich mit Experten aus anderen europäischen Ländern über „Grünes Drehen“ aus. Wie ist dabei die Position Deutschlands im internationalen Vergleich? Wird hier viel „grün“ gedreht oder hängt man eher hinterher?
Ich würde nicht sagen, dass Deutschland hinterher hängt. Aber jedes Land hat eine andere Philosophie. In Belgien wird das „Grüne Drehen“ von Fördergremien unterstützt oder sogar erwartet. Da werden die letzten fünf Prozent der Fördersumme erst ausgezahlt, wenn nachgewiesen wird, dass „grün“ gedreht wurde. Das gibt es in Deutschland – noch – nicht. Aber wir sind im guten Mittelfeld. Und es gibt eine gute Vernetzung über die Förderung, die die Sache sehr vorantreibt. Das „Grüne Drehen“ wird auf alle Fälle immer wichtiger und ist auch bei den Sendern angekommen.
Wie Sie sagen, gibt es verschiedene Förderungsmöglichkeiten. Sie haben schon den „Grünen Drehpass“ angesprochen, den die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein vergibt. Inwiefern erfahren Sie noch weitere Unterstützung von staatlichen Stellen?
Die Filmförderungen erkennen seit dem 24. November 2017 Ansätze für nachhaltiges Produzieren an und stellen damit klar, dass sie die Mehrkosten für „Grünes Drehen“ auch förderrechtlich mittragen.
Seit wann dreht Studio Hamburg „grün“?
„Notruf Hafenkante“ hat 2014 den „Grünen Drehpass“ bekommen. Anfang 2013 hatte bereits „Das Großstadtrevier“ einen erhalten. Serien sind natürlich dafür prädestiniert, einen „Grünen Drehpass“ einzuführen. Mittlerweile hat jede Serie der Studio Hamburg Production Group den „Grünen Drehpass“. Man hat einfach Zeit, das Vorhaben nachhaltig anzugehen, mit den Menschen zu sprechen und sie immer wieder zu motivieren. In der Regel läuft eine Serie mehr als drei, vier Monate im Jahr. Wohingegen ein Fernsehfilm nur 22 bis 25 Drehtage hat.
Aber über die Jahre werden auch immer mehr Fernseh- und Kinofilme bei uns „grün“ gedreht. Wir haben eine Arbeitsgruppe innerhalb der Studio Hamburg Production Group, die sich das „Grüne Büro“ nennt und die schon viele Änderungen in die Wege geleitet hat. Dabei kamen wir auch auf die Idee, anzufangen, eine Show „grün“ zu drehen. So wurde für das ZDF eine der „Quiz-Champion-Shows“ mit Johannes B. Kerner nachhaltig produziert und hat den „Grünen Drehpass“ bekommen. Toll ist auch, dass unser Chef, Michael Lehmann, ein großer Befürworter und Unterstützer dieser Sache ist. Er fördert die Mitarbeiter und das „grüne“ Vorhaben sehr stark. Das ist nicht selbstverständlich. Aber wenn der Kopf auch Energie und Unterstützung zeigt, dann setzt man sich auch mit Leidenschaft für die Sache ein.
Wenn Sie heute zurückblicken, wie groß war am Anfang die Bereitschaft, als Sie das „Grüne Drehen“ für „Notruf Hafenkante“ einführen wollten?
Es bedurfte einiger Gespräche. Die Leute arbeiten natürlich viel – und wenn man mit was Neuem kommt, bedeutet das erstmal mehr Arbeitszeit und Aufwand. Mit einer Änderung des Systems tun die Leute sich oft auch schwer. Aber nachdem sich gezeigt hatte, dass man mit kleinen Änderungen am Anfang viel bewirken kann, kommt schnell ein Erfolgs-erlebnis. Und für mich war es wirklich ein tolles Erlebnis. Nach höchstens einem halben Jahr haben die Leute wirklich toll mitgemacht. Und wenn nach einem Jahr eine Hauptdarstellerin zu mir kommt und sagt: „Du, ich habe da was gesehen, wollen wir das nicht nachhaltiger machen?“, merkt man, es ist angekommen. Und jeder guckt, wie man noch „grüner“ drehen kann. Als Produktionsleiter ist man morgens und abends immer am Drehort. Da wurde ich immer häufiger auf bestimmte Punkte angesprochen, die man noch ändern könnte. Die Menschen arbeiten oft als Freie bei verschiedensten Produktionen, die den „Grünen Drehpass“ haben und da sehen sie unterschiedliche nachhaltige Sachen. Dadurch kommt eine Lawine ins Rollen.
Vielen Dank.
Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 1/2018.
