49. KW: Bündnis der Mitte – Zusammenhalt in Vielfalt

  1. Bündnis der Mitte – Zusammenhalt in Vielfalt
  2. Schwerpunkt in Politik & Kultur 12/25-1/26
  3. Antisemitismus im Kulturbereich – Anhörung fand im Bundestag statt
  4. Kulturmensch Brigitte Dethier
  5. Jetzt – Handbuch Gameskultur 2.0 mit Rabatt vorbestellen
  6. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
  7. Text der Woche: „Über die Macht der Bilder“ von Johann Hinrich Claussen

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

damit das Zusammenleben und der Zusammenhalt in Vielfalt gelingen, sind alle in Deutschland lebenden Menschen gefordert. Die Mitglieder der vor fast zehn Jahren ins Leben gerufenen Initiative kulturelle Integration haben in ihren 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“ formuliert:

 

„Die Menschen in Deutschland wie in anderen Ländern haben große Herausforderungen zu bewältigen. Die Auswirkungen der Pandemie der letzten Jahre, der fortschreitende Klimawandel, die Globalisierung und geopolitische Veränderungen, die damit verbundenen Migrationsbewegungen sowie der Krieg in Europa und in vielen Regionen der Welt verunsichern auch hierzulande viele Menschen. Bestehende Gewissheiten brechen weg. Vertraute Gewohnheiten werden zunehmend infrage gestellt. Allzu schnell wird dabei vergessen, welche Umbrüche in Deutschland und Europa bereits gemeistert wurden. Ziel des europäischen Einigungsprozesses bleibt es, für ein demokratisches und friedliches Europa einzutreten, das dem kulturellen Austausch dient. – Die Initiative kulturelle Integration steht für eine Gesellschaft, die vorausschauend Herausforderungen annimmt, um sie gemeinsam zu gestalten.“

 

In der Initiative kulturelle Integration arbeiten 28 Institutionen zusammen: vier Bundesministerien, die Kulturministerkonferenz, die kommunalen Spitzenverbände, die Sozialpartner, die Kirchen und Religionsgemeinschaften, die Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen. Ihre Arbeitsschwerpunkte unterscheiden sich. Der Deutsche Kulturrat koordiniert die Arbeit der Initiative.

 

Die Mitglieder der Initiative sind nicht in jeder Frage einer Meinung. Was sie aber eint, ist die feste Überzeugung, dass das Zusammenleben in Deutschland nur durch Zusammenhalt in Vielfalt gelingen kann. Sie teilen die Einschätzung, dass in Deutschland vieles zunächst unüberwindlich Erscheinende dann doch gemeistert wurde, wie das Ankommen vieler Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016. Sie wissen ebenso, dass so manches, was zunächst leicht und selbstverständlich erscheint, wie die Vereinigung der beiden deutschen Staaten, ein extrem mühseliger Weg ist, zu dem selbst 35 Jahre nach der staatlichen Einheit immer noch Verletzungen, das Gefühl der Zurücksetzung und Missverständnisse gehören. Sie treten klar und unmissverständlich für Meinungsfreiheit ein und wenden sich ebenso entschieden gegen Hass und Hetze. Sie wissen um die Chancen der Religionsgemeinschaften, Dialoge zu stiften und Brücken über Konfessions- und religiöse Grenzen zu bauen und akzeptieren ebenso das Trennende von Religionen. Sie vertrauen auf das gemeinsame Miteinander in der Kommune, am Arbeitsplatz, im Netzwerk oder im Verein.

 

Ihnen ist bewusst, dass das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft anstrengend sein kann, dass es Aushandlungsprozesse bedarf und vor allem die Bereitschaft zum Kompromiss. Das ist genau das Gegenteil von Polarisierung. Es ist ein Eintreten für die breite Mitte der Gesellschaft, die die Demokratie trägt. Die Initiative kulturelle Integration ist ein Bündnis der Mitte.

 

Am 21. Mai 2026, dem Welttag der kulturellen Vielfalt, ruft die Initiative kulturelle Integration auf, ein Zeichen für den Zusammenhalt in Vielfalt zu setzen. Jeder und jede kann sich an diesem bundesweiten Aktionstag beteiligen: als Botschafter der Initiative kulturelle Integration oder durch eigene Aktionen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Erste Anregungen sind hier, auf der Seite der Initiative kulturelle Integration, zu finden.

 

Lassen Sie uns zeigen, wie unser Stadtbild ist: unterschiedlich, von Geschichte, Wirtschaft und Kultur geprägt, gestaltet von den Menschen, die hier leben. Gemeinsam in aller Vielfalt!

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates +
Sprecher der Initiative kulturelle Integration

 

PS. Ich habe mich bei der Anhörung zu den Deutsch-Israelischen Kulturbeziehungen und Antisemitismus im Kulturbereich im Bundestag am vergangenen Mittwoch klar für den Verbleib von Israel im Eurovision Song Contest (ESC) ausgesprochen. Ich freue mich, dass gestern die Europäische Rundfunkunion (EBU) entschieden hat, dass israelische Künstlerinnen und Künstler auch weiterhin beim ESC auftreten dürfen.

 


 

2. Schwerpunkt in Politik & Kultur 12/25-1/26

 

Im Schwerpunkt der Dezember-/Januar-Doppelausgabe von Politik & Kultur geht es um „Zusammenhalt in Vielfalt“.

 

Unsere Autorinnen und Autoren nähern sich der Frage, wie Zusammenhalt in Vielfalt gelingen kann und wo es Probleme und Herausforderungen gibt, aus verschiedenen Perspektiven. Dazu beleuchten Vertreterinnen und Vertreter von Mitgliedern der Initiative kulturelle Integration einzelne der 15 Thesen der Initiative: ein umfassender Blick auf Fragen der kulturellen Integration und der Vielfalt in unserem Land.

 

Im Schwerpunkt „Zusammenhalt in Vielfalt“ kommen folgende Autorinnen und Autoren zu Wort:

 

  • Saša Stanišić, deutsch-bosnischer Schriftsteller, unter anderem Träger des Deutschen Buchpreises
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur
  • Natalie Pawlik, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, zugleich Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus
  • Matthias Quent, Professor für Soziologie und Rechtsextremismusforscher an der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Hans Vorländer, Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung sowie Direktor des Mercator Forum Migration und Demokratie
  • Sanem Kleff, Direktorin der Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und Vorsitzende von Aktion Courage
  • Karim El-Helaifi, Gründungsmitglied der Vereine Schülerpaten Berlin und Schülerpaten Deutschland sowie Vorstandsvorsitzender der neuen deutschen organisationen (ndo)
  • Daniela Schneckenburger, Beigeordnete des Deutschen Städtetages für Integration, Migration, Bildung, Kultur, Sport und Gleichstellung
  • Marc Elxnat, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund
  • Julia Sagasser, Referentin für Kulturpolitik beim Deutschen Städte- und Gemeindebund
  • Jörg Freese, Beigeordneter für Jugend, Schule, Kultur und Gesundheit des Deutschen Landkreistages
  • Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands
  • Anne Gidion, Prälatin und Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union
  • Jakob Johannes Koch, Musiker und Theologe und seit dem Jahr 2000 Kulturreferent der Deutschen Bischofskonferenz
  • Ali Mete, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime (KRM)
  • Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie Vize-Präsident des European Jewish Congress und des World Jewiss Congress
  • Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)
  • Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzring e.V.
  • Hasnain Kazim, Autor und Schriftsteller
  • Stefan Körzell, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB
  • Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Professor für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Axel Klausmeier, Direktor und Vorstand der Stiftung Berliner Mauer

 

 

Ein Exemplar in Papierform können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen

Die Winter-Doppelausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Zusammenhalt in Vielfalt“ steht hier auch als E-Paper (PDF-Datei) zum kostenfreien Herunterladen bereit

 


 

3. Antisemitismus im Kulturbereich – Anhörung fand im Bundestag statt

 

Der Deutsche Kulturrat und seine 285 Mitgliedsverbände stemmen sich mit ganzer Kraft gegen jedwede Form des Antisemitismus. Das wurde bei der Anhörung im Deutschen Bundestag deutlich.

 

Der Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages widmet seine 11. Sitzung am vergangenen Mittwoch einem Fachgespräch zu Deutsch-Israelischen Kulturbeziehungen und Antisemitismus im Kulturbereich.

 

Eingeladen waren Hetty Berg, Jüdisches Museum Berlin; Dr. Marcus Funck, Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin); Stella Leder, Institut für Neue Soziale Plastik; Prof. Dr. Meron Mendel, Bildungsstätte Anne Frank; Chaim Noll, Schriftsteller und Journalist; Dr. Josef Schuster, Zentralrat der Juden in Deutschland und Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat.

 

Für die Bundesregierung sprach Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

Der Kulturbereich muss dort, wo es Antisemitismus in den eigenen Reihen gibt, zuallererst selbst handeln und dagegenwirken. Um diese Arbeit erfolgreich erledigen zu können, sind erhebliche Ressourcen notwendig zur Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch zur Absicherung von Veranstaltungen mit jüdischen Künstlerinnen und Künstler. Hier könnte der Kulturstaatsminister mit einem großen Förderprogramm eine deutliche Unterstützung leisten.

 

Die gesamte Anhörung kann hier nachgesehen werden und die schriftliche Stellungnahme Deutscher Kulturrat zur Anhörung kann hier abgerufen werden.

 

Hier erste frei zugängliche Pressestimmen zur Anhörung:

 

 

 


 

4. Kulturmensch Brigitte Dethier

 

Bereits im Jahr 2009 wurde Brigitte Dethier mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet: Für ihre Inszenierung »Noch 5 Minuten« durfte sie sich gemeinsam mit dem belgischen Choreografen Ives Thuwis-De Leeuw über die Auszeichnung in der Kategorie »Beste Inszenierung im Kinder- und Jugendtheater« freuen.

 

In diesem Jahr wurde ihr der Preis für das Lebenswerkt verliehen. »Die Jury ehrt mit Brigitte Dethier eine Kinder- und Jugendtheaterregisseurin und Theaterleiterin, die in ihrer Arbeit Kinder und Jugendliche stets ernst genommen hat. Durch ihr Wirken hat das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland an Kraft und Ausstrahlung gewonnen«, heißt es in der Begründung. Brigitte Dethier war als Leiterin und Regisseurin an verschiedenen Kinder- und Jugendtheatern tätig, u. a. am Jugendtheater Schnawwl des Nationaltheaters Mannheim und zuletzt 20 Jahr lang als Intendantin und Regisseurin am Jungen Ensemble Stuttgart.

 

Daneben engagierte sie sich in internationalen Verbänden und Organisationen für die Förderung des professionellen Kinder- und Jugendtheaters, u. a. als Vorsitzende der deutschen ASSITEJ, der internationalen Vereinigung für das Kinder- und Jugendtheater.

 


 

5. Jetzt – Handbuch Gameskultur 2.0 mit Rabatt vorbestellen

 

Das erfolgreiche Handbuch Gameskultur 2020 des Deutschen Kulturrates bekommt endlich ein Update. Am 12. Dezember erscheint die vollständig überarbeite und stark erweiterte zweite Auflage: Das Handbuch Gameskultur 2.0.

 

Bis zum 12. Dezember kann das neue Handbuch Gameskultur 2.0 zum Subskriptionspreis von 19,80€ vorbestellt werden!

 

Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.

Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:

 

  • Warum sind Games Kultur?
  • Können Computerspiele sogar Kunst sein?
  • Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
  • Sind Games immer gewalthaltig?
  • Darf man Erinnerungskultur spielen?
  • Was haben Spiele mit Sport zu tun?
  • Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?

 

Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0 
362 Seiten, ISBN:978-3-947308-70-5, bis zum 12.12.25 19,80€, danach 24,80€

 

  • Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie das Buch vorbestellen
  • Hier können Sie einen Blick in das Handbuch Gameskultur 2.0 werfen

 


 

6. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!

 

Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.

 

Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.

 

Unter den hochgeladenen künstlerischen Beiträgen erhalten die besten Einreichungen eine besondere Würdigung bei der Veranstaltung der Initiative kulturelle Integration und des Deutschen Kulturrates am 21. Mai 2026 in Berlin.

 

Der Musiker und Komponist Sebastian Krumbiegel von den Prinzen widmet seinen neuen Song „Keine Angst“ dem Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration.

 

Der Song liefert einen Vorgeschmack auf das im nächsten Jahr erscheinende Soloalbum und ist der erste Kreativbeitrag zum Aktionstag.

 

  • Hier kommen Sie zum Song „Keine Angst“

Informationen zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt

 

  • Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
  • Hier kommen Sie zu den Botschafterinnen und Botschaftern des Aktionstags und können auch Ihr Bild einreichen.
  • Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“

 


 

7. Text der Woche: „Über die Macht der Bilder – Die Bedeutung von Ochs und Esel “ von Johann Hinrich Claussen

 

Ein Stück Weihnachtsfolklore hat mich kürzlich wieder über die Notwendigkeit historischer Aufarbeitung und deren Grenzen nachdenken lassen. Es geht um »Ochs und Esel«. Auch wer mit dem Christentum kaum noch eine Berührung hat, kennt diese beiden Figuren. In Weihnachtskrippen stehen sie um das neugeborene Christkind herum, ebenso sind sie auf Altarbildern zu sehen oder auf der diesjährigen Briefmarke zum Weihnachtsfest (95 Cent).
Sie gehören einfach dazu. Besonders bei spätmodernen Städtern, die keine Ahnung von realer Landwirtschaft haben, lösen die beiden unmittelbares Wohlwollen mit einem Schuss jahresendzeitlicher Rührung aus. Wenige dürften wissen, dass Ochs und Esel in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht vorkommen. Noch weniger Menschen ist bewusst, dass die beiden Krippentiere ursprünglich eine judenfeindliche Bedeutung hatten.

 

Im Neuen Testament und in der antiken Theologie war man emsig bemüht nachzuweisen, dass alle Christus-Ereignisse in den heiligen Schriften des Alten Testaments vorhergesagt wurden. Das diente der Legitimation des neuen Glaubens und erlaubte es ihm, sich als Erfüllung und Überbietung des alten Glaubens auszuweisen.

 

Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

  • Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

 

 

 

Vorheriger Artikel48. KW: Zur kulturpolitischen Stimmung im Deutschen Bundestag
Nächster Artikel50. KW: Neues Gedenkstättenkonzeption des Bundes – Absage an Geschichtsrevisionismus