KW 48: Identität, JaAberUnd: Brauchen Künstler eine bessere Interessenvertretung?, Neuerscheinung: Politik & Kultur Dezember/Januar, …

... Kulturpolitisches Fachforum der FES, Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise, Text der Woche, Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur Europas, Maecenata Studie

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

als in den 1980er Jahren Aids, ich war damals Galerist, zuallererst in unseren Reihen sehr, sehr viele Opfer forderte, war es absolut erforderlich, dass die Gesellschaft den Blick auf Homosexuelle radikal ändert. Männer, die Sex mit Männern haben, gehörten zu den ersten Opfern der Immunschwächekrankheit. Damals fanden große Teile der Gesellschaft, dass Aids eine Art gerechte Strafe für Menschen sei, die nicht der Norm entsprachen. Wir Kunsthändler, zusammen mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, organisierten damals die ersten Unterstützungsmaßnahmen für an Aids Erkrankte und machten lautstark auf ihre Situation aufmerksam.

 

In den Jahrzehnten danach hat sich der Blick auf die sexuelle Orientierung ausdifferenziert: LGBT-QIA*, also lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intergeschlechtlich, asexuell, * weitere Geschlechtsidentitäten, zeigen den verständlichen Wunsch von Menschen auf, die eigene Identität zu benennen und von der Gesellschaft richtigerweise zu erwarten, dass sie diese Identität nicht nur anerkennt, sondern sicherstellt, dass aus ihr keine Nachteile erwachsen.

 

Ähnliche Gründe haben auch in den letzten Jahren zur Bildung der Black-Lives-Matter-Bewegung geführt. Die Bewegung entstand vor sieben Jahren, um gegen Gewalt gegen Schwarze bzw. People of Color in den USA kämpfen zu können. Mittlerweile ist sie weltweit vertreten und prangert richtigerweise rassistische Gewalt an.

 

So unterschiedlich die Black-Lives-Matter- und LGBTQIA*-Bewegungen sind, so deutlich sind ihre Gemeinsamkeiten: Identitäten deutlich zu machen.

 

Doch wie verträgt sich die immer stärkere Ausdifferenzierung in unserer Gesellschaft mit dem Grundsatz der Gleichheit, der in Artikel 3 unseres Grundgesetzes festgeschrieben ist? Den bahnbrechenden Ideen der Französischen Revolution – liberté, égalité, fraternité – haben wir auch das Prinzip der Gleichheit jedes Menschen zu verdanken. Um Gleichheit zu erreichen, muss Ungleichheit deutlich benannt und beseitigt werden, aber Ziel muss sein, zu einer Gesellschaft von Gleichen unter Gleichen zu kommen.

 

Viele Diskussionen in den letzten Jahren entfernen sich aber von dieser Maxime. Nicht mehr die inklusive Gesellschaft scheint das Ziel zu sein, sondern eine Gesellschaft der Identitäten. Zur Gleichheit gehört, dass Unterschiede unwichtiger werden, dass alle Menschen die gleiche Chance auf ihre persönliche Entwicklung haben, z. B. durch Bildung.

 

Ich würde mich freuen, wir würden wieder öfter gemeinsam um diese Ideale kämpfen, als unsere Unterschiede zu zelebrieren.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 


 

JaAberUnd #3: 01.12. um 18 Uhr online + live: Brauchen Künstlerinnen und Künstler eine bessere Interessenvertretung?

 

JaAberUnd, die Debattenplattform von Politik & Kultur geht in die dritte Runde!

 

Diesmal werden anlässlich der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kulturbereich die Fragen diskutiert:

 

  • Brauchen Künstlerinnen und Künstler eine bessere Interessenvertretung?
  • Was verlangen Kunstschaffende von Interessensvertretungen?
  • Und was wünschen sich Verbände von Künstlerinnen und Künstlern?

 

Der Musiker Till Brönnner hatte in einem Video gesagt: „Wir in der Veranstaltungs- und Kulturbranche sind noch immer zu leise, weil wir keine ernstzunehmende Gewerkschaft haben.“ Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, hatte ihm in einem Offenen Brief geantwortet. Jetzt diskutieren sie miteinander.

 

Am 01.12.2020 diskutieren:

 

  • Till Brönner, Trompeter
  • Nina George, Schriftstellerin und Präsidentin des European Writers‘ Council
  • Hans-Werner Meyer, Schauspieler und Gründungsmitglied des Bundesverband Schauspiel
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat und Herausgeber Politik & Kultur

 

  • Moderation:
    Barbara Haack, Journalistin

 

Einschalten, zuhören, fragen und mitdiskutieren bei „JaAberUnd – Die Debattenplattform von Politik & Kultur“ unter:

 

 

Mehr zu JaAberUnd:


Aus der Zeitung direkt ins Netz: Die Themen aus Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, gibt es nicht nur in der Print- und Online-Version zu lesen, sondern die Redaktion diskutiert auch mit Gästen, Zuschauerinnen und Zuschauern live und online im Talk-Format „JaAberUnd – Die Debattenplattform von Politik & Kultur“. Unser Thema, Ihre Meinung: Bei „JaAberUnd“ stehen ein oder mehrere Themen aus Politik & Kultur im Fokus des Gespräches mit den Gästen. Aber auch die Zuschauerinnen und Zuschauer sind eingeladen, online und live via Twitter und YouTube mit zu diskutieren und Fragen zu stellen.

 


 

Neuerscheinung: Politik & Kultur Dezember/Januar

 

Themen der Ausgabe:

 

  • Von Richter bis Turrell
    Wie funktioniert der Kunstmarkt? – Künstler, Galeristen, Sammler & Kritiker
  • Corona versus Kultur
    Das Update: Von pandemiebedingten Investitionen, selbständigen Kulturunternehmern & Hoffnungen für 2021
  • Bundeskulturministerium
    Wahljahr 2021: Kommt das Ministerium für die Kultur mit Bündnis 90/Die Grünen? Robert Habeck im Gespräch
  • AKBP
    Innen & Außen in enger Verbindung: Rückschau und Ausblick auf die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik
  • Medienpolitik in 2020
    Jahresrückblick: Medienstaatsvertrag, Medienkonzentrationsrecht, Jugendschutzgesetz, Presseförderung und mehr

 

Weitere Themen: Kultur versus Religion?, Ida-Dehmel Jahr 2020, Musikmanager Joe Chialo & Carola Lentz im Porträt, 5 Minuten Urheberrecht: Urhebervertragsrecht, Stadtentwicklung, Samsami fragt: Ilit Azoulay im Gespräch, Sammlung Werner Nekes, Ost-West-Perspektiven: Thomas Oberender im Gespräch, Goethes Welt: Südafrika, Erinnerungskultur mit Games u.v.m.

 

  • Politik & Kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates. Sie wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler.

 

 

  • Die Doppelausgabe Dezember/Januar von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Von Richter bis Turrell: Wie funktioniert der Kunstmarkt? – Künstler, Galeristen, Sammler & Kritiker“ steht für die Newsletter-Abonnementen exklusiv vorab als kostenfreies E-Paper (pdf-Datei) zum Herunterladen bereit.

 


 

Heute: 7. Kulturpolitisches Fachforum der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

Wie können Kunst & Kultur sowie kulturelle Räume geschützt und gestärkt werden, gerade auch vor dem Hintergrund des 2. Lockdown im November? Wie können Kulturschaffende Begegnungs-, Erfahrungs- und Streiträume gestalten und wie Zukunft erkunden?

 

27. 11.2020 13:30 – 15:15 Uhr Zoom

 

Echoräume des Schocks! Wie uns die Corona-Zeit verändert, was sie offenbart und wie wir Kunst und Kultur stärken können

 

Was hat uns die Corona-Zeit offenbart und wie hat sie uns verändert?
Wie steht es um den Kultur- und Kunstbereich, auch vor dem Hintergrund des 2. Lockdown im November?
Wie muss er gestärkt werden?
Welche Lehren haben wir aus dem ersten Lockdown gezogen?
Wie können wir Kunst, Kultur und kulturelle Räume noch besser als bisher stärken und schützen?
Wie wird die New-Normal-Kultur aussehen?

 

Diskussion mit

 

  • Salomé Dastmalchi, Regisseurin und Schauspielerin
  • Tanja Dückers, Schriftstellerin
  • Helge Lindh, MdB und Mitglied der AG Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion
  • Milo Rau, Regisseur und Autor
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats

 

  • Moderation: Seyda Kurt, freie Journalistin

 

 


 

Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise

 

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu den Maßnahmen des Bundes für Solo-Selbständige und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

 

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu den Maßnahmen der einzelnen Bundesländer im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

 


 

Text der Woche: Henning Mohr „Zukunftsfragen – Wie innovationsfähig ist der Kulturbereich?“

 

Die Coronakrise trifft die Kultur besonders – auch weil dieses gesellschaftliche Feld schon vorher eine Vielzahl von Problemen hatte, die nun wie unter einem Brennglas vergrößert sichtbar werden. Zwar gilt das Feld der Kunst und Kultur auf der Programmebene bis heute als Nährboden für Kreativität und damit auch für Innovationen. Gleichzeitig verweisen kulturpolitische Debatten eigentlich schon seit Jahrzehnten auf die vielfältigen Schwierigkeiten, die kulturelle Infrastrukturen in Bezug auf Transformationsfragen und die damit verbundenen Anpassungen an den gesellschaftlichen Wandel haben.

 

Henning Mohr ist Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft.

 

Lesen Sie den Text hier!

 


 

Herzliche Einladung zur digitalen Konferenz zu Geschlechtergerechtigkeit in Kultur & Medien Europas

im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ausgerichtet vom Deutschen Kulturrat

 

Die Tagung nimmt die EU-Ratsschlussfolgerungen zu „Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur“, die am 1. Dezember 2020 verabschiedet werden, zum Anlass, die Diskussion um dieses Thema in der europäischen Fachöffentlichkeit weiterzuführen. Dabei werden insbesondere Akteure einbezogen, die in europäischen kulturellen und zivilgesellschaftlichen Institutionen mit der Umsetzung von Maßnahmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit befasst sind. Zugleich zielt die Tagung darauf ab, ein möglichst breites Spektrum an Initiativen, Netzwerken und Projekten aus den EU-Mitgliedstaaten sowie aus verschiedenen künstlerischen Sparten abzubilden.

 

Die Konferenz können Sie per Livestream verfolgen, am Dienstag, den 8. Dezember 2020 von 10:00 bis 16:30 Uhr.

 

Die Chat-Funktionen steht allen Teilnehmenden offen.

 

Auf den Podien der Panels & Workshops sind u.a. vertreten:

 

  • Prof. Monika Grütters MdB, Federal Government Commissioner for Culture and the Media;
  • Graça Fonseca, Minister of Culture, Portugal;
  • Mariya Gabriel, EU Commissioner for IRCE&Y;
  • Prof. Dr. Susanne Keuchel, President of the German Arts Council;
  • Renate Punka, Managing Director at Janis Roze Publishers, President of Latvian Publishers Association;
  • Anna Serner, CEO of the Swedish Film Institute;
  • Prof. Helmut Anheier, PhD, past President Hertie School of Governance; Carlien Scheele, Director of the European Institute for Gender Equality (EIGE),
  • Teja Reba, City of Women, Ljublijana

 

Die Konferenz ist überwiegend auf Deutsch, immer mit englischen Untertiteln – bzw. umgekehrt.

 

Weitere Informationen erhalten Sie gerne von Dr. Cornelie Kunkat (Tel.: 030 – 226 05 28 12, Email: ed.ta1611469296rrutl1611469296uk@ta1611469296knuk.1611469296c1611469296).

 


 

Umfrage für die nächste Maecenata Studie: Herausforderungen für Organisationen während der Corona-Pandemie

 

Viele Wirtschaftsbetriebe profitieren von den Hilfsprogrammen der Regierung. Die Studie des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft „Ein Rettungsschirm für die Zivilgesellschaft?“ konnte aufzeigen, dass dem gegenüberstehend die Herausforderungen sowie Bedarfe der Zivilgesellschaft über weite Strecken in der öffentlichen Wahrnehmung und von der Agenda der politischen Verantwortlichen ausgeblendet wurden. Und das, obwohl ihre Akteurinnen und Akteure einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet haben und weiterhin leisten.

 

Um den tatsächlichen Bedarf während der Corona-Krise, auch in Hinblick auf den fortlaufenden Pandemie-Verlauf in der Folgestudie gesammelt darstellen zu können, möcht das Maecenata-Institut gerne von wissen:

 

  • Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?
  • Welche Hilfe wünschen Sie sich?
  • Aber auch: Was leisten Sie während der Pandemie und tragen somit zur Überwindung dieser bei?

 

Die Umfrage des Maecenata Instituts richtet sich an alle zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen.

 

Hier geht es zur Umfrage.

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