KW 47: Sphex funerarius, FDP: Statusfeststellungsverfahren und KSK, McDonald’s und Initiative kulturelle Integration…

... McDonald’s und Initiative kulturelle Integration: Jeder Mensch ist #mehralseinhashtag!, Veranstaltungen, Kulturpolitischer Text der Woche: Kulturpolitik in Frankreich, Die Erfolgsgeschichte der selbstverwalteten Kulturförderfonds

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bitte hören Sie nicht gleich auf zu lesen, weil ich nicht mit Kultur beginne, sondern mit der Sphex funerarius, einer wunderschönen und äußerst interessanten Grabwespe.

 

In diesem Sommer hatte ich das Glück, diese eigentlich schon seit einigen Jahrzehnten in Berlin als verschollen geltende Wespe im Grunewald einige Tage lang beobachten zu können. Diese Wespe fängt Heuschrecken, paralysiert sie und trägt sie fliegend und hüpfend in ihr vorher gegrabenes Nest ein.

 

Wenn die Sphex genügend Heuschrecken eingetragen hat, legt sie ein Ei auf den gelähmten Tieren ab, verschließt das Nest und fängt bald mit dem Graben eines weiteren Nestes an. Wenn sich das Tier von meinen Beobachtungen gestört fühlte, beschwerte es sich mit einer fast melodischen Lautfolge.

 

Um die Sphex beobachten zu können, lag ich oft stundenlang in einer Sandkuhle. Vorbeilaufende Spaziergänger fragten regelmäßig, ob sie mir helfen könnten. Nachdem ich sie davon überzeugt hatte, dass es mir gut gehe und ich vollkommen freiwillig im Dreck liege, kamen wir regelmäßig über mein seltsames Tun ins Gespräch.

 

Was beobachten Sie, Wespen? Sichtbar schüttelte sich mein Gegenüber vor Angst und Abscheu. Ich erzählte ihnen dann von diesen wunderbaren Tieren, ihrer Brutfürsorge, ihrer Ausdauer beim Heuschrecken transportieren und beim Nestbau. Aber danach haben wir fast immer gemeinsam die Schönheit dieser Tiere bewundert.

 

Die Sphex ist wunderschön, dunkelorange und schwarz, teilweise weiß behaart, hat große Fassettenaugen, lange Beine, starke Mundwerkzeuge. Die Schönheit der Natur kann man nur in der Natur beobachten. Und Schönheit zu erkennen, ist eine Kulturtechnik. Ob wir etwas schön finden, unterliegt einer Wertung, die durch gesellschaftliche Konventionen geprägt wird.

 

Immer mehr Umweltschützer verstehen, dass der Schutz der Natur, ohne dass die Menschen sie schön finden, nicht funktionieren kann. Was schön ist, hat unser Interesse, was schön ist, wollen wir erhalten.

 

Insektenarten verlassen in Scharen die Erde, sie sind Vorboten eines fundamentalen Wandels unseres Klimas und des verantwortungslosen Einsatzes von Insektiziden. Wir zerstören die Welt, auf der auch wir leben. Vielleicht wird sich der Mensch anpassen, aber sicher nur unter großen Opfern. Ich glaube, wir sollten das Experiment nicht wagen und endlich anfangen, das zu schützen, was wir schön finden.

 

Fangen wir doch bei den Insekten an, einfach nur weil sie schön sind. Und in den nächsten Sommern kann ich hoffentlich weiter Sphex funerarius beobachten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Die FDP-Bundestagsfraktion hat einen Antrag „Fairness für Selbstständige – Statusfeststellungsverfahren reformieren, Altersvorsorge ermöglichen, Kranken- und Arbeitslosenversicherung öffnen“ in den Deutschen Bundestag eingebracht, in dem sie fordert: „Die Pflichtversicherung einzelner Selbstständigen-Gruppen in der gesetzlichen Rentenversicherung wird abgeschafft“. Ob die FDP weiß, was das für die Existenz der Künstlersozialversicherung bedeuten könnte? Ich hoffe, sie wusste es nicht und ich hoffe, die FDP-Bundestagsfraktion wird deshalb diese Forderung noch einmal überdenken. Einige der Forderungen der FDP zum Statusfeststellungsverfahren dagegen finde ich richtig gut.

 


 

McDonald’s und Initiative kulturelle Integration: Jeder Mensch ist #mehralseinhashtag!

 

Hashtags verleiten dazu, Menschen online sehr schnell in eine „Schublade“ zu stecken. Am 18. November 2019 startete die Social-Media-Kampagne #mehralseinhashtag von McDonald’s Deutschland in Zusammenarbeit mit der Initiative kulturelle Integration. Grundlage für die Arbeit der Initiative und zugleich Denkanstoß für die #mehralseinhashtag-Kampagne sind die 15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt in Vielfalt.

Mit der Kampagne soll ein gemeinsames Zeichen gegen genau dieses Schubladen-Denken und für Toleranz, Vielfalt und Offenheit gesetzt werden. Dabei kommen nicht nur McDonald’s Mitarbeiter, sondern auch Prominente wie Olivia Jones und Hans Sarpei zu Wort.

 

Die prominenten Unterstützer sind für zwei Wochen deutschlandweit auf digitalen Plakatflächen zu sehen und weisen aufmerksamkeitsstark und teils provokant auf die Botschaft der Kampagne hin. Neben McDonald’s Deutschland Chef Holger Beeck sind sie darüber hinaus die Protagonisten des Kampagnenfilms.

 

Ein Beispiel von sechs aus der Kampagne: Die Kämpferin. Jenny wurde wegen ihrer Lernbehinderung oft gemobbt. Am Ende hat sie jedem gezeigt: „Man erreicht alles, wenn man nur will.“

 

Unter der Kampagne #mehralseinhashtag haben wir in Zusammenarbeit mit McDonald’s Deutschland unseren Grundgedanken und damit auch unsere 15 Thesen greifbar gemacht: Zusammenhalt in Vielfalt funktioniert! McDonald’s ist ein Unternehmen, das eine solche Vielfalt lebt und sich für diese stark macht. Wir hoffen, dass noch mehr Unternehmen diesem Beispiel folgen.

 

Weitere Informationen zur Kampagne von McDonald’s finden Sie hier.

 


 

Veranstaltungen:

 

29.11. KLIMASTREIK: Deutscher Kulturrat unterstützt auch den zweiten Klimastreik von Fridays For Future

 

Auch viele Akteure aus Kunst und Kultur haben am 20. September beim größten Klimastreik aller Zeiten ein starkes Zeichen für den Klimaschutz gesetzt.

 

Am 29.11. gehen wir erneut bundesweit auf die Straßen, um unserem Unmut über die Klimapolitik der Bundesregierung auszudrücken. Gemeinsam mit Fridays For Future, Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialverbänden fordern wir einen #NeustartKlima!

 

www.klima-streik.org

 

 

01.12. Wie wollen wir arbeiten?

 

  • Sonntag, 01.12.2019
  • 11:00 -12:30 Uhr
  • Haus der Berliner Festspiele, Auf der großen Bühne
  • Eintritt frei

 

In der dritten Ausgabe der Diskussionsreihe „Reden über Veränderung“ sprechen Michael Akinlaton, Fabian Hinrichs, Christoph Magnussen und Anna Ott über die Zukunft der Arbeit.

 

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturrates, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Initiative kulturelle Integration und der Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur.

 

Die Veranstaltung wird live im Digitalkanal „Deutschlandfunk- Dokumente und Debatten“ übertragen und zeitversetzt in der Sendung „Stunde 1“ gesendet.

 

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier!

 

 

08.12. Kultur der Dunkelheit: Projektion und Diskussion im Zeiss-Großplanetarium, mit Vorstellung der neuen Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Kultur der Dunkelheit“

 

  • Sonntag, 08.12.2019
  • 17:00 – 19:00 Uhr
  • Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin

 

Die Betrachtung des Sternhimmels gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Denn die Beschäftigung mit dem Sternhimmel war notwendig zur Bestimmung der Zeit und zur Erstellung von Kalendern. Die Erforschung der Welt, das Erreichen unbekannter Länder und Kontinente wäre ohne Sternkunde nicht möglich gewesen.

 

Heute wird wieder verstärkt über Umweltschutz diskutiert. Doch Umwelt wird dabei im Wesentlichen als Luft, Boden und Wasser definiert. Der Himmel spielt keine Rolle. Doch auch die Aufhellung des Nachthimmels hat direkte Konsequenzen für Mensch und Natur, denn das Leben auf der Erde hat sich in Jahrmillionen an den Rhythmus von Helligkeit und Dunkelheit angepasst.

 

Die Finsternis hat ihren Schrecken verloren, seit der Mensch das Kunstlicht in die Welt getragen hat. Er hat damit Städte geschaffen, die nie schlafen. Fabriken, die rund um die Uhr laufen. Konsumtempel, die niemals schließen.

 

Aber wir brauchen die Dunkelheit! Tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren. Nachtaktive Tiere brauchen sie für die Nahrungssuche und manche (z. B. Glühwürmchen) sogar für die Fortpflanzung. Pflanzen benötigen den Rhythmus für die Photosynthese. Unser Leben mag heute ohne künstliches Licht nicht mehr vorstellbar sein, doch muss deshalb Alles in einem endlosen 24-Stunden-Tag erleuchtet werden?

 

Worin liegt die Kraft der Dunkelheit, warum hat sie Kunst und Kultur schon immer fasziniert? Welche kulturellen Veränderungen gibt es, wenn die Dunkelheit verschwindet? Warum brauchen wir eine neue Kultur der Dunkelheit?

 

Programm

 

  • Begrüßung durch Tim Florian Horn (Direktor des Zeiss-Großplanetariums) und Einführungsvortrag „Rettet die Nacht“
  • Begrüßung durch Olaf Zimmermann (Herausgeber von Politik & Kultur und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates) und Vorstellung der Dezember/Januar-Ausgabe Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, mit dem Themenschwerpunkt „Kultur der Dunkelheit“

 

Anschließende Podiumsdiskussion mit:

 

  • Dr. Andreas Händel (ehemaliger Leiter des Planetarium Osnabrück und Sprecher der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e.V.)
  • Dr. Sibylle Schroer (wissenschaftliche Koordinatorin der Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei)
  • Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates)

 

Das Gespräch wird von Harald Asel (INFOradio) moderiert, aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt von INFOradio ausgestrahlt.

 

Tickets (9.00 Euro, erm. 7.00 Euro) können hier direkt über das Zeiss-

Großplanetarium gebucht werden.

 

 

08.01. Zukunft mit-gestalten. Lässt sich Heimat bauen?

 

Wann: Mittwoch, 08.01.2020 ab 19 Uhr
Wo: Bürgerhaus, Stadtteilverein Bahnstadt e.V., Gadamerplatz 1, 69115 Heidelberg

 

Im Spannungsfeld von Vergangenheit und Zukunft, von gewachsenen Lebensreformen und neuem digitalem Zeitalter, von Nostalgie und Utopie, wollen wir erkunden, was eine Stadt lebenswert macht. Denn Städte sind seit je Orte der Utopien, Orte der Kunst, der Imagination, der Heimat. Die gesellschaftliche Verantwortung der Architektinnen und Architekten und aller anderen am Planungs- und Bauprozess Beteiligten rück immer mehr in den Vordergrund. Denn Architektur ist gebaute Gesellschaft.

 

Wie gelingt es Planungskultur zur Mitwirkung im eigenen Lebensumfeld anzuregen?Wie schaffen wir es, kooperative Strukturen zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung zu entwickeln?Welchen Beitrag können Stadtplaner und Architekten für die Beheimatung von Menschen leisten und was hindert sie daran?

 

Es diskutieren:

 

  • Prof. Michael Braum (Direktor Internationale Bauausstellung Heidelberg)
  • Dr. Brigitte Dahlbender (Landesvorsitzende BUND Baden Württemberg)
  • Prof. Dr. Susanne Keuchel (Präsidentin Deutscher Kulturrat)
  • Prof. Dr. Thomas Potthast (Ethikzentrum der Universität Tübingen)
  • Klaus Staeck (Künstler und ehemaliger Präsident der Akademie der Künste)
  • Prof. Dr. Hubert Weiger (Ehrenvorsitzender BUND)

 

Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe, die der Deutschen Kulturrat gemeinsam mit dem BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschenland unter dem Titel „Heimat: Was ist das?“ durchführt.

 

Der Eintritt ist frei.
Bitte melden Sie sich an unter: ed.ta1576336466rrutl1576336466uk@re1576336466boK.J1576336466

 

 

28.01. Fachtagung Erinnerungskultur der Initiative kulturelle Integration

 

Save the Date

 

75 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz: „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abgeschlossen“ (These 13)

 

Am 28. Januar 2020, einen Tag nach dem Holocaust-Gedenktag „75 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz“, wird die Initiative kulturelle Integration eine Fachtagung zur Erinnerungskultur veranstalten, welche sich mit der Standortbestimmung und dem Ausblicks auf die Aufgaben und Herausforderungen der Erinnerungsarbeit in der Zukunft beschäftigt.

 

Wann: 28. Januar 2020, 10:00 – 17:00 Uhr
Wo: Berlin, Ort wird noch bekannt gegeben

 

Weitere Informationen folgen in Kürze!

 


 

Texte:

 

Der kulturpolitische Text der Woche: „Ein Recht auf Kultur – Die Eckpfeiler der Kulturnation Frankreich“

 

Kultur ist ein wichtiger Eckpfeiler der französischen Identität, und der Schutz und die Förderung der französischen Sprache sowie der Kultur haben einen herausragenden politischen Stellenwert. Unter dem Schlagwort der kulturellen Ausnahme, der „exception culturelle“, wurde 1993 eine explizit protektionistische Kulturpolitik gesetzlich verankert. Das Gesetz besagt, dass Kulturprodukte und -dienstleistungen nicht wie normale Handelsgüter behandelt werden dürfen, sondern unter besonderem staatlichem Schutz stehen.

 

Lesen Sie den spannenden Text der Direktorin des Goethe-Instituts Frankreich, Barbara Honrath, über die Kulturpolitik in Frankreich hier.

 

 

Die Erfolgsgeschichte der selbstverwalteten Kulturförderfonds. Die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der Kulturförderfonds stellen ihre Arbeit vor

 

  • Wie sind die Kulturförderfonds in der Bundesrepublik aufgestellt?
  • Welche Förderungen vergeben sie?
  • Welche Projekte unterstützen sie?
  • Und wie vergeben sie Bundesgelder staatsfern?

 

Politik & Kultur hat dem Deutschen Literaturfonds, dem Deutschen Übersetzerfonds, dem Fonds Darstellende Künste, dem Fonds Soziokultur, dem Musikfonds und der Stiftung Kunstfonds diese und andere Fragen gestellt.

 

Lesen Sie auf den Seiten 4 und 5 in der Ausgabe 11/2019 die Antworten der Geschäftsführenden der jeweiligen Kulturförderfonds: Wend Kässens, Jürgen Jakob Becker, Holger Bergmann, Norbert Sievers, Gregor Hotz und Karin Lingl.

 

Darüber hinaus finden Sie auf Seite 6 von Politik & Kultur 11/2019 ein umfängliches Gespräch mit Norbert Sievers zur Entstehung und Entwicklung des Fonds Soziokultur.

 

  • Politik & Kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates. Sie wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler.

 

 

  • Die November 2019-Ausgabe von Politik & Kultur steht hier auch als kostenfreies E-Paper (pdf-Datei) zum Herunterladen bereit.
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