KW 40: Kulturklimapolitik, Medienbild im Wandel: Jüdinnen und Juden in Deutschland, Neu: Politik & Kultur, …

..., Minister oder Ministerium?, 5. Mentoring-Runde „Frauen in Kultur & Medien“ , Zur Subskription: Diversität in Kulturinstitutionen, Text der Woche, Stellenausschreibung

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der gerade zurückliegende Bundestagswahlkampf war in weiten Teilen ein Klimawahlkampf. Bündnis 90/Die Grünen sind mit dem Ziel angetreten, Deutschland schneller als bislang auf den Pfad der Klimaneutralität zu bringen. Die SPD setzte insbesondere auf Innovationen in Unternehmen und erneuerbare Energien. Das Mantra von Olaf Scholz war, dass die Unternehmen nur darauf warten, endlich klimaneutraler zu wirtschaften und hier vor allem verlässliche Zusagen mit Blick auf die Stromversorgung brauchen. Die CDU holte den Ladenhüter Atomkraft wieder hervor und bedauerte, den Atomausstieg vor dem Kohleausstieg vereinbart zu haben. Und auch die FDP unterstrich, dass Klima ein wichtiges Thema sei. Sie setzte dabei vor allem auf die Erneuerungskraft aus den Unternehmen.

 

Die nächste Bundesregierung – egal wie sie auch immer zusammengesetzt sein wird – wird also das Thema Klima in den Mittelpunkt rücken. Und das ist auch richtig so. Man erinnere sich nur an die verheerenden Auswirkungen der Hochwasser im Juli dieses Jahres in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen, an das nun schon einige Jahre zurückliegende Elbehochwasser in Sachsen, an die Hochwasser im Jahr 2013 in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und anderen Ländern, an die Waldbrände in Brandenburg und anderes mehr.

 

Der menschengemachte Klimawandel ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern seine Auswirkungen sind bittere Realität – auch hier in Deutschland. Zuerst bekommen die Menschen sie zu spüren, die unmittelbar davon betroffen sind, die in den Hochwasser-, in den Waldbrandgebieten oder in Regionen mit Stürmen bzw. Tornados leben. Betroffen sind aber auch Kultureinrichtungen. Viele Städte und Gemeinden wurden an Flüssen gegründet. Flüsse eigneten sich zum Warentransport, sie trugen und tragen Menschen von A nach B, an Flüssen befinden sich zahlreiche historische Kulturorte und -einrichtungen. Historische Gärten oder auch das Weltnaturerbe Wattenmeer, die unter Welterbe stehenden Buchenwälder und andere mehr sind durch den Klimawandel akut gefährdet.

 

Klimapolitik in der jetzt anstehenden 20. Wahlperiode heißt also auch Kulturschutzpolitik. Es geht darum, Konzepte zu entwickeln, wie historische Kulturorte vor Hochwasser und anderen Katastrophen gesichert werden können. Dabei wird es darauf ankommen, einen Ausgleich zwischen Denkmalschutz, Erhalt der historischen Substanz und dem Schutz vor den Gefahren durch Hochwasser, Dürre oder Brände zu finden. In diesem Zusammenhang gilt es auch, die Häuser der Kulturinstitutionen in den Blick zu nehmen. Viele dieser Häuser sind nicht einmal annäherungsweise klimaneutral. Viele, wie z. B. umgenutzte Industriebauten, sind für ganz andere Zwecke einmal gebaut worden. Es wird auch darum gehen, die Gebäude unter Klimagesichtspunkten ganz neu zu betrachten, und vor allem sollten alle diejenigen, die beim Strukturwandel in den Braunkohlerevieren an Kulturnutzungen denken, genau abwägen, ob die Gebäude unter Klimagesichtspunkten dies überhaupt hergeben. Es wäre doch ein Hohn, wenn der Braunkohleabbau aus Klimaschutzgründen gestoppt, aber bei der Nachnutzung der Orte nicht auf Klimaneutralität geachtet würde.

 

Kulturklimapolitik bedeutet aber auch Stadtpolitik. Eine Stadtpolitik, die für Naturkatastrophen gerüstet ist, die Hochwasser verkraften kann – Schwammstadt ist dafür das Stichwort. Eine Stadtpolitik, die eine lebenswerte Stadt im Blick hat. Mit Innenstädten, in denen sich die Menschen gerne aufhalten. Eine Stadtpolitik, in der Kultur nicht allein ein Kostenfaktor ist, sondern Diskursräume bietet und damit zum Zusammenhalt beiträgt. Eine Stadtpolitik, in der Wohnen bezahlbar und vor allem klimagerecht ist. Gerade das Bauen ist derzeit ein Klimakiller. Hier kommt es darauf an, Klimaneutralität auch im Bauen umzusetzen. Architektinnen und Architekten sind daher besonders gefordert. Der Deutsche Kulturrat wird darum künftig ein besonderes Augenmerk hierauf richten, die Expertise aus seiner Mitgliedschaft noch stärker zu nutzen und dieses Thema klarer zu akzentuieren. Vielleicht wird die EU-Initiative eines Neuen Europäischen Bauhauses dieser Fragestellung weitere Impulse geben. Hingewiesen sei auf die Resolution der Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrates vom September 2019 zum Klimapaket der Bundesregierung Klimaschutz braucht kulturellen Wandel.

 

Das entscheidende Moment und auch die zentrale Herausforderung für den Kulturbereich ist meines Erachtens deutlich zu machen, dass Klima- und Nachhaltigkeitspolitik einen grundlegenden kulturellen Wandel bedeuten. Das Entscheidende wird dabei sein, zu verdeutlichen, dass Klima- und Nachhaltigkeitspolitik kein Verlust, sondern ein Gewinn ist. Ein Gewinn an Lebensqualität im ländlichen Raum, aber besonders auch in den Städten. Denn saubere Luft, der Schutz vor Naturkatastrophen, keine glühend heißen Sommer, sondern erträgliche Temperaturen, eine Nahversorgung, die einen Ort lebenswert machen und anderes, das alles bedeutet mehr Lebensqualität für alle Menschen. Der Kulturbereich kann mit seiner Expertise gerade auch im Design, in der Architektur und in der Stadtplanung einer der Motoren für die Nachhaltigkeitspolitik sein. Und er kann darüber hinaus die Diskursräume bieten, um den kulturellen Wandel für alle begreifbar zu machen. Selbst wenn die neue Regierung – wie auch immer sie zusammengesetzt sein wird – sich als Klimaregierung aufstellen wird, ohne Kultur und Kulturpolitik wird die Veränderung nicht gelingen. Daher gutes Klima für die Kultur, Kultur für gutes Klima!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Leseempfehlung: Schwerpunkt in der neuen Ausgabe von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, ist das Thema: Was bedeutet die Klimakrise für die Kultur?


 

Empfehlung zum Nachsehen: Aufzeichnung der Veranstaltung „Medienbild im Wandel: Jüdinnen und Juden in Deutschland“ vom 7. Oktober 2021

 

  • Welches Bild von Jüdinnen und Juden in den deutschen Medien wird gezeigt?
  • Wie wird über ‎Jüdinnen und Juden, über jüdisches Leben in Deutschland und über den Staat Israel ‎berichtet?

 

Wie wird sich mit dem Thema Antisemitismus in den Medien auseinandergesetzt? ‎

 

Zu diesen Fragen trafen sich gestern vor dem zweiten Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge in ‎Halle auf Einladung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, des Zentralrat der Juden in Deutschland und der Initiative kulturelle Integration ein hochkarätig besetztes Podium in der ‎Blumenthal-Akademie Berlin.

 

  • Schauen Sie die Veranstaltung hier nach.
  • Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

 

Erste Pressereaktionen:

 

Ein Thementag zum Medienbild von Jüdinnen und Juden in Deutschland. Dabei geht es nicht nur um die richtige Ansprache in Bild und Ton Tagesspiegel.

 

Kulturzeit hat einige Stimmen aus der Veranstaltung eingefangen. Sehen Sie hier den Bericht von gestern Abend ab Minute 16, 18.


 

Politik & Kultur Oktober 2021 ist erschienen!

 

Themen der Ausgabe:

  • Schwerpunkt: Nachhaltigkeit& Kultur
  • In der Verantwortung: Was bedeutet die Klimakrise für die Kultur
  • Bundestagswahl
  • Nach der Wahl: Was bedeuten die Wahlergebnisse für die Kultur? Was wird sich jetzt in der Kulturpolitik ändern?
  • Corona versus Kultur
  • Anderthalb Jahre in der Coronakrise: Wo stehen wir heute? – Einschätzungen und Berichte aus den Kulturinstitutionen
  • Hassrede
  • Vom Falschzitat über Beleidigungen zu Drohungen: Digitale Gewalt hat viele Gesichter. Was tun gegen Hass im Netz?
  • Medien
  • Nicht auf den ganz großen Wurf warten: Eine europäische Kommunikationsplattform ist gegenwärtig unrealistisch

 

Weitere Themen: Industriekultur, kulturpolitische Bilanz der 19. Wahlperiode, Kulturort Friedhof, digitale Kulturpolitik, Leiterinnerung, Burkina Faso: IT-Hochtechnologie, Stephan Erfurt im Porträt, Tanz in der DDR u.v.m.

 

  • Politik & Kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates. Sie wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler.
  • Sie erscheint zehnmal jährlich und ist erhältlich in Bahnhofsbuchhandlungen, an großen Kiosken, auf Flughäfen und im Abonnement: Einzelpreis: 4,00 Euro, im Abonnement: 30,00 Euro (inkl. Porto), im Abonnement für Studierende: 25 Euro (inkl. Porto).
  • Die Ausgabe 10/21 von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „In der Verantwortung: Was bedeutet die Klimakrise für die Kultur?“ steht für Leserinnen und Leser des Newsletters hier als kostenfreies E-Paper (pdf-Datei) zum Herunterladen bereit.

 

Wird aus der Beauftragten bald ein Ministerin oder Minister, vielleicht sogar mit eigenem Ministerium?

 

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrates hat am 30. September die folgenden 11 Forderungen für die Koalitionsvereinbarung beschlossen. Darunter auch unsere Forderung nach der Einrichtung eines eigenständigen Bundeskulturministeriums.

 

Eine ausführliche Darstellung unserer 11 Forderungen mit Begründungen finden Sie hier.

 


 

5. Mentoring-Runde „Frauen in Kultur & Medien“ ist gestartet

 

Der Deutsche Kulturrat bietet seit 2017 ein Mentoring-Programm für Frauen an, die eine Führungsposition im Kultur- und Medienbereich anstreben und auf mindestens zehn Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Letzten Freitag startete die 5. Runde mit einem Treffen der Mentes und ihren Mentorinnen und Mentoren.

 

Weitere Informationen zu dem Programm finden Sie hier.

 


 

Nur noch fünf Tage zur Subskription: Diversität in Kulturinstitutionen 2018-2020

 

Diversität in Kultureinrichtungen ist ein zentrales Thema. In diesem Band werden die Ergebnisse einer erstmaligen Befragung von bundesgeförderten Kultureinrichtungen und -institutionen zur Diversität in ihren Einrichtungen vorgestellt. Es geht darum, wie viele Frauen und Männer in den Einrichtungen arbeiten, wie die Altersstruktur der Beschäftigten aussieht, wie hoch der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist und wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Behinderung beschäftigt werden.

 

Weiter wird untersucht, wie divers das Publikum und das Programm sind. In abschließenden Handlungsempfehlungen wird aufgezeigt, was die Einrichtungen und was die Kulturpolitik leisten kann, um mehr Diversität zu ermöglichen.

 

Eckhard Priller, Malte Schrade, Gabriele Schulz & Olaf Zimmermann
Diversität in Kulturinstitutionen 2018-2020
Hg v. Olaf Zimmermann für die Initiative kulturelle Integration
ISBN 978-3-947308-34-7
104 Seiten

 

  • Bestellen Sie „Diversität in Kulturinstitutionen 2018-2020“ zum Subskriptionspreis von 9,60 Euro – noch bis zum 12.10.2021 portofrei. Die Auslieferung erfolgt am 13.10.2021.
  • Ab dem 13.10.2021 beträgt der Preis dann regulär 12,80 Euro. Dann ist die Studie auch über jede Buchhandlung lieferbar.

 

Zur Buchvorschau
Zum Online-Shop

 

Am 13. Oktober 10.30 Uhr wird die Studie presseöffentlich vorgestellt. Wenn Sie als Medienvertreter Interesse an einer Teilnahme an der Präsentation in der Katholischen Akademie in Berlin haben, wenden Sie sich bitte an Theresa Brüheim, Referentin für Kommunikation (Telefon: 030/226 05 28 – 15, ed.ta1635132215rrutl1635132215uk@mi1635132215eheur1635132215b.t1635132215).


 

Text der Woche: Mojib Latif „Abenteuer des Geistes – Was macht uns zufrieden?

 

„Wir müssen verstehen, dass das Schicksal unserer Erde auf dem Spiel steht und wir müssen versuchen, das Wohl unserer Erde mit den Entwicklungen in Einklang zu bringen, die mit der Modernisierung einhergehen.“ Diese Worte stammen vom Industriellen Aurelio Peccei, der 1968 zusammen mit Alexander King von der OECD den Club of Rome gegründet hat. Die Mitglieder des Clubs treten für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit ein. Ihnen gemeinsam war und ist die Sorge um den Planeten.

 

Mojib Latif ist Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.

Lesen Sie den Text hier!


 

Stellenausschreibung: Wissenschaftliche Mitarbeit & Projektassistenz

 

Der Deutsche Kulturrat sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Wissenschaftliche Mitarbeit und eine Projektassistenz für den Arbeitsbereich Geschlechtergerechtigkeit.

 

 

Vorheriger ArtikelKW 39: Regierungsbildung und die Kultur; 1. Deutscher Kulturpolitikpreis an Josef Schuster, Neuerscheinung: Politik & Kultur Oktober, …
Nächster ArtikelKW 41: Wie divers sind Deutschlands Kulturinstitutionen?, Forderungen an die nächste Bundesregierung, Industrielles Welterbe, Neu: Politik & Kultur, …