- Ego-Shooter – Keine Debatte über Killerdrohnen weit und breit
- Verleihung des Deutschen Kulturpolitikpreises 2025
- NEU! Politik & Kultur 10/25
- Einladung: Wertewandel 1989-2025 mit der Stiftung Berliner Mauer
- „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“ jetzt vorbestellen
- Wolfram Weimer auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrats
- Einladung: Vorstellung der Studie „Resonanzen. Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen Bestandsaufnahme, Trends und Empfehlungen“
- Jetzt als Video: „Alles Pixel – Was hat Retrocomputing mit Kultur zu tun?“
- Text der Woche: „Unverzichtbar – Vertriebenenmuseen“ von Johann Hinrich Claussen
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor jetzt fast zwanzig Jahren hatten wir in Deutschland eine heftige Debatte über sogenannte Killerspiele. Politiker, Medien und Pädagogen stritten leidenschaftlich darüber, ob Jugendliche, die Ego-Shooter spielten, mental enthemmt würden und dadurch eine größere Gefahr darstellten, auch reale Gewalt auszuüben. Schlagzeilen bestimmten den Diskurs, Talkshows waren voll davon, und besonders konservative Kreise suchten nach Wegen, diese Spiele für Jugendliche unzugänglich zu machen. Manche gingen noch weiter und forderten ein generelles Verbot – nicht nur für Minderjährige, sondern auch für Erwachsene. Die Spiele, so die Meinung, befeuerten eine »Gewaltspirale«, die unsere Gesellschaft zu untergraben drohe.
Und heute? Während damals noch über virtuelle Gefahren diskutiert wurde, sind es inzwischen die realen Waffen, die den Alltag des Krieges verändern. Drohnenkriege haben sich von einer Randerscheinung zu einer zentralen Kriegsform entwickelt. Gegner und Infrastrukturen werden von ferngesteuerten Fluggeräten ausgeschaltet, gesteuert von Menschen, die oftmals hunderte oder gar tausende Kilometer entfernt sitzen. Sie lenken ihre Maschinen per Joystick und Bildschirm – nicht unähnlich den Spielkonsolen, die vor zwei Jahrzehnten so heftig kritisiert wurden. Der entscheidende Unterschied: Im Drohnenkrieg sterben echte Menschen.
Das Töten geschieht anonym, distanziert, emotionslos. Der Feind steht nicht mehr Auge in Auge gegenüber, sondern erscheint bestenfalls als kleine Gruppe von Lichtpunkten auf einem Monitor. Wenn er stirbt, hört man keine Schreie, sieht kein Blut, keine zerfetzten Körper. Alles bleibt abstrakt. Selbst der schlechteste Ego-Shooter lässt einen Spieler noch mehr Empathie für seinen virtuellen Gegner empfinden, als es den Drohnenpiloten heute im realen Krieg möglich ist.
Und die Entwicklung geht weiter. Während die ersten Drohnenkriege noch menschliche Steuerer erforderten, stehen wir nun vor dem Zeitalter autonomer Systeme. Diese Maschinen töten automatisch, effizient, ohne Skrupel – und die Verantwortung wird zwischen Algorithmen, Technikern, Generälen und Politikern diffus verteilt.
Was mich dabei umtreibt, ist die gespenstische Ruhe, mit der diese Entwicklung hingenommen wird. Es gibt kaum Proteste. Wo sind all die Politiker, die vor zwei Jahrzehnten in den Medien wortgewaltig auftraten, um selbst Erwachsenen Killerspiele zu verbieten? Wo bleibt der moralische Aufschrei, wenn nun nicht mehr Avatare, sondern reale Menschen im Fadenkreuz der Ego-Shooter stehen?
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates
PS. Kommende Woche erscheint kein kulturpolitischer Wochenreport, da ich im Urlaub bin.
2. Die Verleihung des Deutschen Kulturpolitikpreises 2025
Am Mittwoch haben wir den Deutschen Kulturpolitikpreis an Kulturstaatsministerin a.D. Prof. Monika Grütters verliehen. In einer feierlichen Veranstaltung in der Staatsbibliothek zu Berlin wurde Grütters langjähriges Engagement für die Kultur gewürdigt.
In seiner Laudatio hob Bundestagspräsident a.D. Dr. h.c. Wolfgang Thierse die Beharrlichkeit, Streitbereitschaft und Sachorientierung von Monika Grütters hervor, deren besonderes Engagement für Kulturschaffende während der Coronapandemie auch in den Begrüßungen von Prof. Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, und Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates, betont wurde.
Grütters dankte in ihrer Rede für die gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturrat und unterstrich die Bedeutung des Dialogs zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Beide, Thierse wie Grütters, plädierten eindringlich dafür, den Satz „Der Staat schützt und fördert die Kultur“ ins Grundgesetz aufzunehmen.
3. NEU! Politik & Kultur 10/25
Die neue Ausgabe richtet den Schwerpunkt auf das Thema „Wertewandel 1989 – 2025“. Die Beiträge zum Thema finden Sie auf den Seiten 17 bis 30.
Im Leitartikel beschäftigt sich Oliver Lepsius, Professor für Öffentliches Recht und Verfassungstheorie an der Universität Münster, mit Verfassungsfragen: Sollte es Volksabstimmungen über die Verfassung geben? Auf welche Weise verändert sich die Verfassung im Lauf der Zeit? Warum gab es im Rahmen der Wiedervereinigung keine neue Verfassung für Gesamtdeutschland?
Kulturelle Integration
Die Initiative kulturelle Integration ruft für den 21. Mai 2026 zum bundesweiten Tag der kulturellen Vielfalt auf.
Abschied
Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, verabschiedet sich nach 22 Jahren. Ein Gespräch mit Theo Geißler
Die SPK und die Welt
Marion Ackermann, Präsidentin der SPK, startet eine neue Kolumne über den internationalen Kompass ihres Hauses
Neue Studie
Eine Studie des Instituts für Museumsforschung untersucht erstmals den konkreten »Return on Investment« von Museen.
documenta
Blick zurück und nach vorn
Außerdem: Editorial: Ego-Shooter – Keine Debatte über Killerdrohnen weit und breit; Katrin Göring-Eckardt über das Grüne Band; Outsourcing im Kulturbetrieb; Hannah Arendt und Walter Benjamin; Musikalische Stolpersteine in Berlin u.v.m.
- Ein Exemplar in Papierform können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen.
- Die Oktoberausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Wertewandel 1989-2025“ steht hier als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit
4. Einladung: Wertewandel 1989-2025 mit der Stiftung Berliner Mauer
In einer Zeit, in der scheinbar festgefügte Grundsätze ins Wanken geraten, blickt die frisch aus dem Druck erschienene Oktoberausgabe von Politik & Kultur auf die Werte der Friedliche Revolution von 1989 – und fragt:
- Welche Werte prägten die Akteurinnen und Akteure damals?
- Welche davon tragen bis heute – und können uns Orientierung geben?
Wir laden Sie herzlich ein zur Präsentation dieser besonderen Schwerpunktausgabe, die in Kooperation mit der Stiftung Berliner Mauer entstanden ist. Im Anschluss diskutieren wir mit Autorinnen und Autoren der Ausgabe auf dem Podium über ihre Perspektiven auf den Wertewandel von 1989 bis heute.
Mit Marianne Birthler, Dr. Judith Enders, Prof. Axel Klausmeier, Olaf Zimmermann und Hans-Dieter Heimendahl in der Moderation.
Deutschlandfunk Kultur überträgt die Diskussion zeitversetzt.
Zeit: Mittwoch, 8. Oktober 2025, 18:30 Uhr
Ort: Besucherzentrum, Bernauer Str. 119, 13355 Berlin
- Hier geht es zur Anmeldung
5. Jetzt vorbestellen: „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“
Am 6. Oktober 2025 erscheint der neue Bericht des Deutschen Kulturrates: „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“!
Der Bericht enthält Daten zur Geschlechtergerechtigkeit im Bereich von Kultur und Medien:
Wie steht es mit Frauen in Führungspositionen und der Partizipation von Frauen an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung?
38 Autorinnen und Autoren aus Verbänden, der Kulturverwaltung, der Kulturförderung und der Wissenschaft setzen sich mit dem Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Themenbereichen auseinander. Sie verdeutlichen, was bereits geschieht, um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen, und zeigen Handlungsbedarfe auf, um die Situation weiter zu verbessern. Es zeigt sich: Es geht voran, aber es ist noch viel zu tun.
Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann
Es geht voran – Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien
328 Seiten, ISBN- 978-3-947308-68-2, Subskriptionspreis bis zum 6. Oktober 17,80 Euro, danach 22,80 Euro
6. Wolfram Weimer auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrats
Am Donnerstag fand die alljährliche Mitgliederversammlung des Deutschen Kulturrats statt. Gemeinsam mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer diskutierten wir über aktuelle kulturpolitische Themen wie Erinnerungskultur, Kulturbauten und den Umgang mit künstlicher Intelligenz und großen Medienplattformen.
7. Einladung: Vorstellung der Studie „Resonanzen. Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen Bestandsaufnahme, Trends und Empfehlungen“
Das Institut für Neue Soziale Plastik lädt gemeinsam mit den kulturpolitischen Sprecherinnen von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen zur Studienvorstellung „Resonanzen – Die deutsch-israelischen Kulturbeziehungen. Bestandsaufnahme, Trends und Empfehlungen“ ein. Die Studie beleuchtet erstmals seit dem Gaza-Krieg die Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Israel – von Begegnungsforen über Forschung und Jugendaustausch bis hin zu Kunstprojekten – und bietet praxisnahe Empfehlungen für künftige Projekte.
Auf dem Podium diskutieren:
- Stella Leder, Geschäftsführerin Institut für Neue Soziale Plastik
- Barbara Mundel, Intendantin der Münchner Kammerspiele
- Gabriele Schulz, stellv. Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrats
- Stephan Vopel, Leiter des Berliner Büros der Bertelsmann Stiftung
- Katarzyna Wielga-Skolimowska, Künstlerische Direktorin des Stiftungsrats der Kulturstiftung des Bundes
Zeit: 16. Oktober 2025 um 16:30 Uhr
Ort: Deutscher Bundestag
- Hier geht es zur Anmeldung
- Die Studie ist ab dem 30. September 2025 hier online verfügbar, die Druckversion erscheint am 7. Oktober 2025
8. Jetzt als Video: „Alles Pixel – Was hat Retrocomputing mit Kultur zu tun?“
Alles Pixel – Was hat Retrocomputing mit Kultur zu tun? Darüber wurde am 13. September 2025 im Rahmen Classic Computing 2025 des Vereins zum Erhalt klassischer Computer e.V. diskutiert – bei „JaAberUnd“, der Debatten-Plattform von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrats.
Es diskutierten:
- Hans Hübner, Vorsitzender Verein zum Erhalt klassischer Computer e.V.
- Clemens Krause, Computermuseum Stuttgart
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Herausgeber von Politik & Kultur
Moderation: Barbara Haack, Leitung Kommunikation Deutscher Kulturrat
- Hier können Sie die Online-Diskussion nachhören und -sehen.
- Warum dieses Thema? Lesen Sie hier die Gründe in Politik & Kultur nach: „Verpixelte Welt – Von alten Computern und neuer Kunst“.
9. Text der Woche: „Unverzichtbar – Vertriebenenmuseen“ von Johann Hinrich Claussen
Zahlen sind nicht alles. Eine Kultureinrichtung ausschließlich nach der Quantität des Besuchs zu beurteilen, ist unbarmherzig und falsch. Aber ganz ohne Zahlen geht es auch nicht. Wenn kaum jemand kommt, wird es schwer. So im Fall des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen. Etwa 5.700 Menschen sollen es im Jahr besuchen. Deshalb soll sein Inhalt nach Essen ziehen und Teil des dortigen Ruhrmuseums werden. Ob dies eine echte Fusion oder eher eine Auflösung ist, kann ich nicht beurteilen. Der Ratinger Fall hat mich dazu gebracht, eine – wenn auch sehr unvollständige – Recherche über die Besuchszahlen bei Vertriebenenmuseen durchzuführen.
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland
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