24. KW: Radio bleibt

  1. Tor, Tor, Tor – warum das Radio bleibt
  2. Kultur ist Vielfalt und Heimat: Statement der Kultur in Sachsen-Anhalt unterzeichnen
  3. Die documenta 2027 unter Beobachtung
  4. 10 Jahre FREO – Politisches Panel: „Zwischen Wettbewerb und Wir-Gefühl – Solidarität als politische Überlebensstrategie“
  5. Veranstaltungstipp: Wie aus Trennung Zusammenhalt entsteht
  6. Text der Woche: Demokratie leben lassen – Wenn Förderung schrumpft, schrumpft auch der Diskurs
  7. Zum Schluss: Sommerfest des game – Verband der deutschen Games-Branche

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

gestern wurde das erste Spiel der Fußballweltmeisterschaft angepfiffen, und auch im Radio beziehungsweise als Audiostream war die WM zu hören. Damit kehrt ein Moment zurück, der untrennbar zur Geschichte des Radios gehört: die Live-Reportage vom Fußballplatz. Wer zuhört, sieht nichts — und ist doch gerade deshalb besonders intensiv dabei. Die Stimme des Reporters muss Bewegung, Tempo, Spannung, Enttäuschung und Jubel in Sprache verwandeln. Ein einziger Ruf kann genügen: „Tor, Tor, Tor!“

 

Der Schriftsteller Friedrich C. Delius hat diese Kraft des Radios in seiner 1994 erschienenen Erzählung „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ eindrucksvoll beschrieben. Sein Held, ein evangelischer Pfarrerssohn, erlebt am 4. Juli 1954 die Radioübertragung des WM-Endspiels als eine Art Befreiung. Der hymnische Ton, die Vergleiche der Spieler mit Helden und der Jubel über das Tor machen aus dem verschüchterten, stotternden Jungen einen, der zu Worten findet. Delius erzählt damit nicht nur von Fußball und Nachkriegszeit, sondern auch von Sprache, Selbstbewusstsein und der Macht des Hörens.

 

Für die Kulturpolitik ist das Radio von unschätzbarem Wert. Längere Interviews, sachliche Erläuterungen und kontroverse Diskussionen finden dort noch ihren Platz. Themen wie Künstlersozialversicherung, Urheberrecht, soziale Absicherung von Selbstständigen oder die Rahmenbedingungen des Kulturbetriebs lassen sich nicht in wenigen Schlagzeilen erklären. Im Radio können sie entfaltet und von verschiedenen Seiten betrachtet werden.

 

Das Radio leistet aber noch mehr. Es ist ein wichtiger Förderer von Musik: von Pop bis Jazz, von Schlager bis Neuer Musik. Was im Radio gespielt wird, erreicht Menschen, schafft Aufmerksamkeit und kann Künstlerinnen, Künstlern und Ensembles neue Bekanntheit verschaffen. Viele Sender veranstalten zudem Konzerte, unterhalten Orchester, Chöre oder Big Bands und tragen so zur kulturellen Vielfalt bei.

 

Die Fußball-Weltmeisterschaft erinnert nun daran, dass das Radio auch im digitalen Zeitalter eine Zukunft hat. Ob über UKW, DAB+, App oder Audiostream: Entscheidend ist nicht der technische Weg, sondern die Nähe, die entsteht. Wenn der Ball rollt und Millionen zuhören, zeigt sich erneut: Ein gutes Radio braucht kein Bild, um Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

 

Ihr

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur

 


 

2. Kultur ist Vielfalt und Heimat: Statement der Kultur in Sachsen-Anhalt unterzeichnen

 

„Heimat ist dort, wo Vielfalt gelebt und Kunstfreiheit verteidigt wird“ – unter diesem Leitgedanken haben Kulturakteurinnen und Kulturakteure aus Sachsen-Anhalt ein gemeinsames Statement veröffentlicht. Darin wenden sie sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und demokratiefeindliche Ideologien und bekräftigen: Die Freiheit der Kunst und Wissenschaft ist nicht verhandelbar. Sie ist Grundlage der Arbeit – und Maßstab der Haltung der Institutionen.

 

Das Statement kann von Kulturakteurinnen und Kulturakteuren aus Sachsen-Anhalt sowie bundesweit von Unterstützerinnen und Unterstützern unterzeichnet werden.

 

Hier können Sie das Statement lesen und unterzeichnen: www.kulturvielfaltheimat.de

 


 

3. Die documenta 2027 unter Beobachtung

 

Die documenta fifteen 2022 machte unter anderem mit antisemitischen Werken Negativschlagzeilen. Seitdem hat sich einiges getan, um einen derartigen Skandal bei der im nächsten Jahr anstehenden documenta zu verhindern. Susanne Rochholz vom Evangelischen Pressedienst (epd) fragte mich, was ich von den Neuerungen hält und ob es auf der documenta 2027 auch wieder zu antisemitischen Vorfällen kommen kann.

 

 


 

4. 10 Jahre FREO – Politisches Panel: „Zwischen Wettbewerb und Wir-Gefühl – Solidarität als politische Überlebensstrategie“

 

Wie können Verbände, Politik und Verwaltung gemeinsam kulturpolitische Entwicklungen voranbringen? Und wie gelingt es der freien Musikszene, ihre Vielfalt und dezentralen Strukturen zu bewahren und zugleich mit einer gemeinsamen Stimme in politische Entscheidungsprozesse hineinzuwirken? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des politischen Panels „Zwischen Wettbewerb und Wir-Gefühl – Solidarität als politische Überlebensstrategie“ im Rahmen des Jubiläums „10 Jahre FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland e. V.“

 

Das Panel diskutiert die Rolle von Netzwerken und Verbänden als Teil einer funktionierenden kulturpolitischen Infrastruktur.

 

Montag, 15. Juni, 17:30 Uhr
FREO VERNETZT – Zwischen Wettbewerb und Wir-Gefühl
bUm Berlin, Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin

 

Mit:

  • Dominique Mayr, Vorstand von FREO
  • Christian Fausch, Vorstandsvorsitzender von FREO
  • Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
  • Moderation: Lena Krause, Geschäftsführerin von FREO

 

 


 

5. Veranstaltungstipp: Wie aus Trennung Zusammenhalt entsteht, Grünes Band Deutschland als Weltnatur und -kulturerbe

 

In 55 Minuten auf den Punkt mit Prof. Hubert Weiger

 

Wie kann Verständigung auch dann gelingen, wenn Interessen unvereinbar scheinen – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und über Grenzen hinweg? Und welche Brücken kann der Naturschutz bauen, um den Zusammenhalt in Deutschland und Europa zu stärken?

 

Das Grüne Band zeigt eindrucksvoll, wie genau das gelingen kann: Aus dem Todesstreifen des Kalten Krieges ist mit Unterstützung von Menschen in Ost und West ein einzigartiger Natur- und Kulturraum entstanden. Entlang von über 12.500 Kilometern hat sich das größte zusammenhängende Naturschutzprojekt Europas entwickelt: ein Biotopverbund, der Lebensräume verbindet, Arten schützt und zugleich Menschen zusammenführt.

 

Wie aus Trennung neuer gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen und wie Verständigung trotz unterschiedlicher Interessen gelingen kann – darüber spricht Professor Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, im neuen Online-Format „In 55 Minuten auf den Punkt mit …“ der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW). Am Beispiel des einzigartigen Natur- und Kulturprojektes „Grünes Band“ wird ein Blick darauf geworfen, wie aus ehemaligen Grenzen gemeinsame Zukunftsperspektiven entstehen konnten.

 

  • Online am Dienstag, 16. Juni 2026 | 12:00-12:55 Uhr
  • Hier geht es zur Anmeldung

 


 

6. Text der Woche: Demokratie leben lassen – Wenn Förderung schrumpft, schrumpft auch der Diskurs

 

Schrecken Sie die Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien auch so? Dabei stehen uns in diesem Jahr noch drei weitere Landtagswahlen bevor! Umso erstaunlicher sind die geplanten Umstrukturierungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Denn sie sind mehr als haushaltspolitische Entscheidungen, sie betreffen den Kern unserer demokratischen Infrastruktur – jene Räume, in denen Öffentlichkeit entsteht und Konflikte ausgehandelt werden.

 

Gerade jetzt, in einer Zeit wachsender Polarisierung, algorithmischer Logiken, Klickökonomien und fortschreitender Desinformation, zeigt sich zugleich eine spürbare Demokratiemüdigkeit. Aus medienpolitischer Perspektive reicht der Blick über einzelne Projekte hinaus: Es geht um die Frage, wie widerstandsfähig unsere demokratische Öffentlichkeit künftig sein wird.

 

Çiğdem Uzunoğlu ist Direktorin des Grimme-Instituts und Autorin der Kolumne „Grimmes Stimme“

 

 


 

7. Zum Schluss: Sommerfest des game – Verband der deutschen Games-Branche

 

Am Dienstag fand das Sommerfest des game – Verband der deutschen Games-Branche e. V. in Berlin statt. Gemeinsam haben wir auf ein erfolgreiches Jahr der Zusammenarbeit angestoßen.

 

Besonders erfreulich das Handbuch Gameskultur 2.0 ist endlich erschienen! Alle Beiträge wurden umfassend aktualisiert und um neue Texte u. a. zu DDR und Ostdeutschland, Pop, Alter Technik & Neuer Kunst, Subversion & Demoszene sowie Künstlicher Intelligenz ergänzt. Ein guter Grund zum Feiern!

 

PS. Meine 10 Lieblings-Computerspiele

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