- Zuerst Erhalt des Originals und dann seine Digitalisierung
- Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“: Tombola-Gewinne vergeben
- Einladung zur Veranstaltung: Kultur – Fundament der Demokratie?
- Das Handbuch Gameskultur 2.0
- Text der Woche: Medienrat überprüft die Auftragserfüllung von ARD, ZDF und Deutschlandradio
- Zum Schluss: Besuch in der Schatzkammer
Sehr geehrte Damen und Herren,
Georg Ruppelt, der ehemalige Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, zeigte mir vor mehr als zehn Jahren einen besonderen Schatz der Bibliothek, bibliophile Bücher, die mit der Fore-edge-Painting-Technik bemalt sind. Beim Fore-edge Painting wird der gebundene Buchblock in eine Schräglage gebracht und filigran mit Pinsel und Farbe bearbeitet. Nach dem Trocknen der Malerei wird der Buchblock in die ursprüngliche Form versetzt und der Schnitt entweder vergoldet oder mit einer Marmorierung versehen. Das Fore-edge Painting wird nur sichtbar, wenn der Buchblock schräg gebogen wird. Besonders raffiniert ist das Double-Fore-edge, hier ist beim Auffächern in die Gegenrichtung ein anderes Bild zu sehen.
Das Fore-edge Painting wurde insbesondere in Großbritannien im 18. und 19. Jahrhundert gepflegt. Am Beispiel der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek sind die wertvollen Bücher auch ein Zeugnis der engen Verbundenheit des Hauses Hannover mit dem Haus Windsor.
Bücher mit Fore-edge Paintings lassen auf den ersten Blick die kostbare Malerei nicht erkennen, sie wirken wie »normale« Bücher mit Goldschnitt. Fore-edge Painting verbirgt oft erotische Motive, gerne auch auf religiösen Büchern oder Bibeln. Die Bücher zeugen von höchster handwerklicher und künstlerischer Meisterschaft und zugleich von viel Ironie und augenzwinkernder Kennerschaft.
Schriftliches Kulturgut ist mehr als Träger von Informationen, wie das Beispiel der Bücher mit Fore-edge Painting zeigen. Allein das Material und die Haptik geben Auskunft über frühere Zeiten. Ist es ein wertvolles Material, wurde es kunstvoll handgeschrieben, oder handelt es sich um einen Druck? Ist es minderwertiges Papier, das in Kriegs- oder Notzeiten bedruckt wurde? Wurde das Werk oft gelesen, wurde es von Ort zu Ort transportiert, gekauft, verkauft und wiederverkauft? Welche Exlibris oder vielleicht auch Widmungen sind zu finden? Wie ist der Einband beschaffen, wurde pfleglich oder liederlich damit umgegangen?
Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Fotografien stellen einen Ausschnitt des kulturellen Erbes dar. Welche Bedeutung das schriftliche Kulturgut hat, wird oft erst deutlich, wenn der Verlust droht. So beim Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im September 2004 oder dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im März 2009.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, hatte Mitte März den geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt und eine Diskussion befeuert, sollte die Digitalisierung nicht der Ersatz für die physische Aufbewahrung von Schriftgut sein.
Zur Begründung der Entscheidung, hatte Kulturstaatsminister Weimer gesagt, dass die Sammlung körperlicher Medienwerke bis weit in die Zukunft hinein nicht mehr zeitgemäß sei; die Deutsche Nationalbibliothek solle sich stärker auf die digitale Sammlung konzentrieren.
Auch wenn nach heftigem öffentlichem Protest, auch des Deutschen Kulturrates, die Entscheidung über den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wieder offen ist, bleibt die grundsätzliche Frage bestehen. Ist das Sammeln körperlicher Medienwerke nicht mehr zeitgemäß.
Schriftliches Kulturgut ist mehr als Träger von Informationen, es ist Zeugnis von Vergangenheit und Gegenwart in seiner Materialität und in seinem Inhalt. Deshalb gilt für mich eine klare Prioritätenkette: zuerst Erhalt des Originals und dann seine Digitalisierung.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur
2. Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“: Tombola-Gewinne vergeben
Mit mehr als 450 Aktionen, Veranstaltungen und künstlerischen Beiträgen in allen Bundesländern war der erste Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ der Initiative kulturelle Vielfalt am 21. Mai 2026 ein großer Erfolg. Zahlreiche Menschen, Einrichtungen und Organisationen setzten dabei vielfältige Zeichen für kulturelle Vielfalt, gesellschaftliche Teilhabe und ein demokratisches Miteinander.
Eine Woche nach dem Aktionstag wurden nun alle Aktionspartner, die ihre Veranstaltungen im Aktionskalender angemeldet hatten, über ihre Tombola-Gewinne informiert. Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein breites Bündnis von 28 Vertreterinnen und Vertretern aus Sozialpartnern, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – hatten zahlreiche Preise zur Verfügung gestellt, um das Engagement der Mitwirkenden zu würdigen.
Auch nach dem 21. Mai geht das vielfältige Engagement weiter: Im Aktionskalender sind weiterhin zahlreiche Veranstaltungen zu finden, die zum Mitmachen und Entdecken einladen.
3. Einladung zur Veranstaltung: Kultur – Fundament der Demokratie?
Am 3. Juni 2026 lädt das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat und der Stiftung Bauhaus Dessau zu einer Diskussion über den Zustand unserer demokratischen Kultur ein.
In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und zugespitzter Kulturdebatten wird der Frage nachgegangen, wie ein offener, pluralistischer Kulturbegriff gestärkt werden kann. Die Veranstaltung beleuchtet Spannungen zwischen „Leitkultur“ und Vielfalt und fragt nach den Folgen für das demokratische Miteinander. Musikalisch begleitet wird der Abend von Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“), die Moderation übernimmt Andreas Hillger.
Es diskutieren:
- Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes
- Carena Schlewitt, Intendantin von HELLERAU – Europäische Zentrum der Künste in Dresden
- Barbara Steiner, Vorständin und Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Zeit: Mittwoch, 03.06.2026, 18 Uhr
Ort: Stiftung Bauhaus Dessau, Aula, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau
Teilnahme: Der Eintritt ist frei. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter: uba.de/kultur
4. Das Handbuch Gameskultur 2.0
Das erfolgreiche Handbuch Gameskultur aus dem Jahr 2020 des Deutschen Kulturrates hat ein Update bekommen: Das Handbuch Gameskultur 2.0.
Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde stark erweitert.
Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:
- Warum sind Games Kultur?
- Können Computerspiele sogar Kunst sein?
- Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
- Sind Games immer gewalthaltig?
- Darf man Erinnerungskultur spielen?
- Was haben Spiele mit Sport zu tun?
- Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?
Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0
362 Seiten, ISBN:978-3-947308-70-5
- Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie das Buch bestellen
- Blick in das Handbuch Gameskultur 2.0 werfen
- Hier in den Podcast zum Buch reinhören
5. Text der Woche: „Die Qualität im Blick – Neuer Medienrat von ARD, ZDF und Deutschlandradio“ von Helmut Hartung
Seit über 50 Jahren entscheidet die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) über den Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland und empfiehlt den Landesparlamenten die Festsetzung des von ihr ermittelten Rundfunkbeitrages. Die Empfehlung hat de facto Gesetzeskraft.
Fünf Präsidenten von Landesrechnungshöfen, drei Wirtschaftsprüfer, zwei Betriebswirtschaftler, zwei Rundfunkrechtler, ein Historiker, ein Rundfunktechniker, ein Politikwissenschaftler, ein Medienwissenschaftler – darunter sechs Professorinnen oder Professoren – geben alle zwei Jahre ihre »Empfehlung« ab. Diese 16 Experten sind Mitglieder der Beitragskommission, vorgeschlagen von den Ländern und bestätigt durch die Ministerpräsidentenkonferenz. Der gültige Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag legt fest, dass die KEF, unter Beachtung der Programmautonomie, den von den Rundfunkanstalten angemeldeten Finanzbedarf fachlich zu überprüfen und zu ermitteln hat.
Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.
Helmut Hartung ist Chefredakteur von medienpolitik.net
6. Zum Schluss: Besuch in der Schatzkammer
Joseph Hoppe, Leiter des Berliner Zentrums Industriekultur (links) und Dietmar Ruppert, Bereichsleitung Depot und Transporte (rechts) haben mir am Dienstag das Depot des Deutschen Technikmuseums in Berlin gezeigt. Ich bereite gerade einen Schwerpunkt für Politik & Kultur, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, zur Zukunft der Museumsdepots vor.
Das Depot des Deutschen Technikmuseums Berlin ist der verborgene Teil einer sehr großen technikhistorischen Sammlung. Das Deutsche Technikmuseum hat rund 150.000 Sammlungsobjekte, davon etwa 4.000 in den Ausstellungen; der größte Teil lagert in Depots. Fahrzeuge, Maschinen, Geräte, Modelle, Dokumente und viele weitere Zeugnisse der Technikgeschichte. Dort werden die Objekte bewahrt, erforscht, restauriert und für künftige Ausstellungen vorbereitet.
Ich habe viel bei dem Besuch gelernt und wunderbare kulturelle Schätze gesehen. Für mich als leidenschaftlicher Sammler ist ein solcher Ort ein Stück des Paradies.