- Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Ein stabiles kulturelles Fundament – Aktionstage für die Demokratie
- NEU! Politik & Kultur 5-6/26
- Einladung: Veranstaltung zum Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ im Europäischen Haus
- Personennachrichten
- Zwei Perspektiven auf Gaming als Kultur und Sport
- Jetzt noch bewerben: Neue Runde des Mentoring-Programms des Deutschen Kulturrats
- Interview der Woche „Die verborgenen Stimmen der Demokratie“
Sehr geehrte Damen und Herren,
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich in der neuen Ausgabe der Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, zu unserem ersten bundesweiten Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ geäußert. Das freut mich so, dass dieser Text den Start dieses kulturpolitischen Wochenreportes sein soll.
Lesen Sie deshalb gleich im Anschluss den Leitartikel des Bundespräsidenten „Ein stabiles kulturelles Fundament – Aktionstage für die Demokratie“ aus der neuen Politik & Kultur.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
2. NEU! Politik & Kultur 5-6/26
Der Mai steht vor der Tür, und ebenso die neue Ausgabe von Politik & Kultur. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich dem ersten Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ am 21.Mai 2026, initiert von der Initiative kulturelle Integration.
Eine Vielzahl von Schwerpunktartikeln befasst sich mit der aktuellen Lage der Demokratie in Deutschland, der Kulturförderung sowie Programmen für den Zusammenhalt im ländlichen Raum. Darüber hinaus werden die 15 Thesen zum Zusammenhalt in Vielfalt behandelt, die das Bündnis „Initiative kulturelle Integration” erarbeitet hat.
Den Leitartikel „Ein stabiles kulturelles Fundament“ schreibt der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Frank-Walter Steinmeier.
Ein stabiles kulturelles Fundament
Aktionstage für die Demokratie
Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Kultur ist für uns Menschen existenziell: Sie erweitert unseren individuellen und gesellschaftlichen Horizont, sie verschiebt immer wieder die Grenzen dessen, was wir denken, schaffen und erreichen können. Sprache, Kunst und Wissenschaft sind Zeugnisse dieser uns eigenen »zweiten Natur«. Der Philosoph Ernst Cassirer hat Kultur als einen »Prozess der fortschreitenden Selbstbefreiung des Menschen« charakterisiert – und auch unsere freiheitliche Demokratie ist eine der großen Errungenschaften dieses zivilisatorischen Weges.
Gerade wir Deutschen wissen, dass dieser Weg auch Rückschläge kennt und eine Demokratie immer nur so stark und stabil ist, wie das kulturelle Fundament, das sie stützt. Sie steht und fällt mit dem Respekt für ihre Werte, Grundsätze und Institutionen, aber auch mit den Freiräumen für Widerspruch und öffentliche Debatte, die sie eröffnet. Sie braucht den Austausch, der vom respektvollen Streit lebt, der überzeugen und nicht überwältigen will, in dem am Ende das bessere Argument zählt. An diese Notwendigkeit hat uns der im März verstorbene Jürgen Habermas immer wieder erinnert.
Wie in keiner anderen Staats- und Gesellschaftsform gehört es zum Wesenskern der liberalen Demokratie, den Rahmen zu setzen, dass Gedanken frei sind, dass Vielfalt in Freiheit und offen gelebt werden kann. Sie bietet Platz für Neues und Streitbares: Sei es in Forschung und Lehre, sei es in Fragen von Glauben und Weltanschauung, in der Freiheit des Wortes und der Kunst. Es ist kein Zufall, dass unser Grundgesetz diese Freiheiten ausdrücklich schützt. Demokratie lebt von Ideenreichtum, von Debatte und Vielfalt – und sie braucht Menschen, die mitmachen und sich beteiligen.
In diesem Jahr feiert unser Grundgesetz seinen 77. Geburtstag; zum 36. Mal begehen wir dieses Jubiläum in einem vereinten Land. Gleichzeitig sehen wir auch in unserem Land, dass die rasch aufeinander folgenden Krisen und Konflikte Spuren in unserem Zusammenleben hinterlassen. Das Verbindende scheint zu schwinden, über Trennendes wird unerbittlich gestritten, befeuert durch die sogenannten sozialen Netzwerke, in denen Häme, Hass und Hetze in Bruchteilen von Sekunden verbreitet werden. Das Zuhören, das Abwägen, der Kompromiss, der auf Vernunft gründet, all das droht dabei verloren zu gehen. Die Oberhand behalten allzu oft jene, die unsere Gesellschaft spalten, Menschen gegeneinander aufhetzen und das Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen untergraben wollen.
Mir als Bundespräsident ist es sehr wichtig, dass wir dagegenhalten und für unser freiheitliches Gemeinwesen aktiv werden: Indem wir dafür sorgen, dass sich Menschen begegnen, miteinander ins Gespräch und ins gemeinsame Handeln kommen. Ich freue mich sehr, Sie mit Ihrem Aktionstag »Zusammenhalt in Vielfalt« dabei an meiner Seite zu wissen.
Anlässlich des UNESCO-Welttags der kulturellen Vielfalt am 21. Mai rufen Sie dazu auf, mit kreativen Beiträgen Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft zu setzen – im Rahmen der Initiative kulturelle Integration (IKI). Sie wurde 2016 vom Deutschen Kulturrat mitbegründet und hat in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Ideen entwickelt, um diesen Zusammenhalt zu festigen. Ich bin Ihnen und allen, die sich an dieser Initiative beteiligen, dankbar für Ihre wertvolle Arbeit und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Aktionstag!
Mir als Bundespräsidenten war es ein Herzensanliegen, den ersten bundesweiten »Ehrentag« zu initiieren. Rund um den Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai sind Menschen in ganz Deutschland eingeladen, sich an Mitmach-Aktionen zu beteiligen und sich einzubringen – im Sportverein, im Betrieb, in Kunst und Kultur, in der Nachbarschaft. Unter dem Motto »Für Dich. Für uns. Für alle« geht es ums Miteinandersein und Füreinander-da-sein – und das darf bitte auch Spaß machen. Gemeinsam packen alle für ein paar Stunden mit an, um unser Land ein bisschen besser zu machen, das ist die Idee dahinter. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung, mit vielen Ideen und Beiträgen im Kleinen und auch im Großen Gutes zu bewirken – ob mit einer Aufräumaktion vor der eigenen Haustür, einer Lesung im nahe gelegenen Seniorenheim oder indem man ein Mitmachkonzert in der örtlichen Konzerthalle organisiert.
Zugleich soll der Tag ehrenamtliches Engagement sichtbar machen und würdigen: Wer noch nicht aktiv ist, hat beim Ehrentag die Chance, sich auszuprobieren und herauszufinden, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich einzubringen. Für alle, die sich bereits engagieren, bietet der Tag Gelegenheit, ihre wertvolle Arbeit in einen größeren Zusammenhang zu stellen, sich zu vernetzen und neue Mitstreiter zu gewinnen. Ich freue mich sehr, dass der Ehrentag bereits viele Unterstützerinnen und Unterstützer aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gewonnen hat und es in Kommunen im ganzen Land ein buntes Mosaik an Mitmach-Aktionen geben wird.
Beide Aktionstage verbindet, dass sie dann ein Erfolg werden, wenn sich möglichst viele unterschiedliche Menschen an ihnen beteiligen. Dazu lade ich herzlich ein! Stärken wir gemeinsam, was uns verbindet! Denn das ist es, was den Geist unserer Verfassung ausmacht: Das Miteinander in Freiheit und Vielfalt. Die Demokratie braucht uns alle.
3. Einladung: Veranstaltung zum Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ im Europäischen Haus
Die neue Ausgabe behandelt im Schwerpunkt das Thema „Was uns zusammenhält – Demokratie zwischen Vielfalt, Konflikt und Kompromissen“. Die Beiträge zum Thema finden Sie auf den Seiten 1, 15 bis 26.
Im Leitartikel schreibt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über den Geist unserer Verfassung: das Miteinander in Freiheit und Vielfalt.
Kunstfreiheit
Nicht selten kann Kunstfreiheit eine Zumutung sein: Sie trotzdem auszuhalten, macht eine funktionierende Demokratie in ihrem Kern aus
Haber-Verfahren
Positionen der Kulturministerinnen und -minister der Länder zum Einsatz des Verfassungsschutzes bei der Kulturförderung
Iran
Bedroht, aber nicht verloren: Wie lässt sich Irans Kulturerbe trotz jahrzehntelanger Dauerkrisen und Krieg nachhaltig schützen
Medienrat
Neues Gremium mit Sitz in Weimar soll den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Blick nehmen und den Auftrag prüfen
Außerdem: Editorial: Vielfalt: Föderalismus als Rettung!; Verfassungsschutz zwischen Kunstfreiheit und Extremismusabwehr; Jüdische Bildung und Mobilität als Innovationstreiber; Iranische Filmkultur; 250 Jahre USA: Die Erfindung der amerikanischen Architektur; Demokratische KI u.v.m.
- Ein Exemplar in Papierform können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen
- Die Mai-Juni-Doppelausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Was uns zusammenhält“ steht hier auch als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit
4. Personennachrichten
Gitte Zschoch wird neue Generalsekretärin des Goethe-Instituts
Die Kulturmanagerin Gitte Zschoch wird neue Generalsekretärin des Goethe-Instituts. Das hat das Präsidium laut Pressemitteilung beschlossen. Zschoch übernimmt das Amt am 18. Juli von Johannes Ebert. Bundesaußenminister Johann Wadephul bestätigte die Wahl offiziell. Gitte Zschoch ist seit 2021 Generalsekretärin des „Instituts für Auslandsbeziehungen“, das unter anderem für den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig verantwortlich ist. Davor arbeitete sie bereits in verschiedenen Positionen für das Goethe-Institut, zuletzt als Direktorin der Dependance in der Demokratischen Republik Kongo. Johannes Ebert, seit 2012 Generalsekretär, wird künftig die Leitung in Athen übernehmen, um seine Laufbahn im Ausland abzuschließen. Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland mit derzeit 154 Häusern in 100 Ländern.
Francesco Angelico wird neuer Generalmusikdirektor in Hannover
Der Dirigent Francesco Angelico wird neuer Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover. Angelico war seit 2017 als Generalmusikdirektor am Hessischen Staatstheater tätig und seit 2024 als Chefdirigent des Staatsorchesters Kassel. Außerdem ist er seit 2025 als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien tätig. Für seine Fähigkeiten wurde er mit dem Deutschen Dirigentenpreis und dem Österreichischen Musiktheaterpreis Goldener Schikaneder ausgezeichnet.
Brigitte Franzen ist neue Direktorin des Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung
Die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Brigitte Franzen ist seit dem 1. April 2026 Direktorin des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung in Berlin. Von 2024 bis 2026 leitete sie die Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und war zuvor Direktorin des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt am Main. Franzen forscht und publiziert seit den 1990er Jahren zur Kunst und Kultur der Bauhauszeit sowie der Weimarer Republik. Am Bauhaus-Archiv, das derzeit saniert wird, plant sie unter anderem ein neues Programm zu den »Bauhaus Art Schools«, bei dem die HfG Offenbach eine zentrale Rolle spielen soll.
Michael Grisko ist neuer Präsidialsekretär der Sächsischen Akademie der Künste
Der Literatur- und Medienwissenschaftler Michael Grisko ist seit dem 1. April 2026 neuer Präsidialsekretär der Sächsischen Akademie der Künste und folgt auf Klaus Michael. Zu Griskos beruflichen Stationen zählen unter anderem die Mitarbeit beim Kulturmagazin »Kulturzeit« von ZDF/3sat sowie die wissenschaftliche Leitung des Buddenbrookhauses bis 2008. Zudem ist er Herausgeber zweier Schriftenreihen zur Kulturpolitik und zum Stiftungswesen und engagiert sich ehrenamtlich als Vorstand der Hilde und Olaf Werner Stiftung zur Förderung des Stiftungswesens.
Christine Stein ist neue Geschäftsführerin der Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles (VdO)
Die Rechtsanwältin Christine Stein übernimmt die Geschäftsführung der Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles (VdO). Bereits seit 2022 ist sie als Syndikusrechtsanwältin für die VdO tätig und leitet seit 2025 die Rechtsabteilung, deren Führung sie auch weiterhin innehaben wird. Stein verfügt über langjährige Erfahrung im Arbeits- und Tarifrecht der darstellenden Künste. In den letzten Jahren wirkte sie maßgeblich an der Weiterentwicklung des Manteltarifvertrags NV Bühne mit und trug zur Optimierung von Schutz- und Vergütungsregelungen bei.
Raphaela Weeke wird neue Kaufmännische Geschäftsführerin im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Raphaela Weeke ist seit dem 1. Mai die Kaufmännische Geschäftsführerin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Kulturwirtin und -managerin hat langjährige Erfahrung in der Leitung von Hamburger Kulturinstitutionen; unter anderem arbeitete sie als Referentin für Finanzen, Rechnungswesen und Controlling bei den Deichtorhallen sowie im Controlling am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Zuletzt war Weeke Verwaltungsdirektorin und Mitglied der Geschäftsführung am Theater Lüneburg.
5. Zwei Perspektiven auf Gaming als Kultur und Sport
Computerspiele sind einer der größten Kulturmärkte. Seit einigen Jahren entwickelt sich aus dem Games-Bereich dynamisch der E-Sport: der sportliche Wettkampf mit Computerspielen, meist nach festen Regeln, in Ligen oder Turnieren. Gespielt wird einzeln oder in Teams, zum Beispiel in Strategie-, Shooter-, Sport- oder Kampfspielen.
Gemeinsam mit Otto Fricke, dem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), habe ich mich über E-Sport, Gaming und die Frage unterhalten, was Kultur und Sport voneinander lernen können.
Es geht um das, was Sport und Kultur verbindet, um fairen Wettbewerb, die Rolle von KI, die Demokratisierung des E-Sports durch Sportvereine und darüber, ob Gaming Menschen zusammenbringt oder vereinzelt. Ein ungewöhnliches Gespräch, finde ich.
- Hier geht es zum Gespräch.
- Weitere Informationen zu E-Sport findet man auch im neuen „Handbuch Gameskultur“ des Deutschen Kulturrates.
6. Jetzt noch bewerben: Neue Runde des Mentoring-Programms des Deutschen Kulturrats
Hoch qualifizierte weibliche Kulturschaffende, die bereits vielfältige berufliche Erfahrungen gesammelt haben und nun eine Führungsposition beziehungsweise eine bessere Sichtbarkeit anstreben, können sich für das bundesweite 1:1-Mentoring-Programm bewerben.
- Bewerbungsschluss ist der 03. Mai 2026.
- Im September/Oktober starten die Tandems dieser neunten Runde.
- Das Mentoring-Programm läuft jeweils über sechs Monate.
- Die Ausschreibung und Bewerbungsunterlagen finden Sie hier.
7. Interview der Woche „Die verborgenen Stimmen der Demokratie“. Claudia Gatzka im Gespräch mit Theresa Brüheim
Wer spricht in der Demokratie – und wer bleibt ungehört? Die Historikerin Claudia Gatzka untersucht im Forschungsprojekt »Verborgene Stimmen der Demokratie«, wie sich Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik jenseits von Wahlen und Institutionen politisch äußerten. Im Interview erklärt sie, warum gerade diese oft übersehenen Stimmen entscheidend für das Verständnis von Demokratie sind – und was sich aus der Vergangenheit für den Umgang mit digitaler Öffentlichkeit heute lernen lässt.
- Claudia Gatzka leitete das Forschungsprojekt »Verborgene Stimmen der Demokratie« der Gerda Henkel Stiftung und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- Theresa Brüheim ist die Leiterin sie Chefin vom Dienst von Politik & Kultur
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