KW 14: Grenzen des Wachstums, Unterstützungen für die Ukraine aus dem Kulturbereich, …

... Text der Woche, Stellenausschreibung, Personalia

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Bericht „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome war für mich in vieler Hinsicht wegweisend. Er machte eindringlich deutlich, dass das Handeln der Menschen, wenn nicht rechtzeitig umgesteuert wird, in eine weltweite Umweltkatastrophe führt. Er war ein Weckruf, die Umweltzerstörung zu beenden, und er war ein Aufruf, das Bevölkerungswachstum mit mehr Geburtenkontrolle zu bremsen. Ein Thema, das in heutigen Debatten erstaunlicher­weise kaum noch eine Rolle spielt.

 

Als ich geboren wurde, 1961, lebten auf der Erde etwas mehr als drei Milliarden Menschen. Im Jahr, in dem der Bericht „Grenzen des Wachstums“ erschien, 1972, waren es schon fast vier Milliarden Menschen. Heute, 50 Jahre später, leben fast acht Milliarden Menschen auf der Erde. Neben dem schonungslosen globalen Wirtschaften ist die Bevölkerungsexplosion einer der zentralen Auslöser der Umweltkrise, in der wir uns befinden.

 

Die Auseinandersetzung mit der Natur und damit auch mit den Folgen der Umweltzerstörung beschäftigt mich als leidenschaftlichen Naturbeobachter bereits mein gesamtes Leben. Und obwohl unbestritten in den vergangenen 50 Jahren einiges erreicht wurde, scheint es so zu sein, als würde die Zeit zum Handeln immer schneller ablaufen. Ähnlich dem Sand in einer Sanduhr, der, wenn sich das Ende nähert, immer schneller durch den Trichter zu laufen scheint. Wer mit offenen Augen die Natur beobachtet, sieht die dramatischen Veränderungen.

 

Bei allem Einsatz gegen Naturzerstörung und dafür, Grenzen des Wachstums zu markieren, muss sich auch der Kulturbereich fragen, ob das Wachstum nicht auch hier seine Grenzen hat. Immer mehr Menschen wollen von der Kultur leben. In der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das Umsatzwachstum das Kriterium, um Erfolg zu messen. Es wird sich verglichen mit dem Fahrzeugbau und der Maschinenbauindustrie, um die eigene Relevanz am Umsatzvolumen und vor allem am Beitrag der Bruttowertschöpfung aufzuzeigen. Mehr Spielstätten, mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mehr Verkäufe sind scheinbar die Kriterien, um Erfolg zu beschreiben. Fast jede Messe muss mit einem Publikums- und Umsatzgewinn enden. Öffentliche Kultureinrichtungen brauchen mehr und am besten ungewöhnliche Orte, um die Arbeiten zu zeigen, Orte zu transformieren, sie umzunutzen. So manche alte Fabrikhalle, die unter Klimagesichtspunkten längst verschrottet sein sollte, öffnet ihre Türen für die Kultur bzw. wird zu einem neuen Kulturort. Designerinnen und Designer entwerfen immer neue Formen für Produkte, die niemand braucht. Einige Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft gehören in das perfide Spiel um immer mehr Wachstum – mehr Modekollektionen pro Jahr, mehr Werbung, mehr neue Verpackung für das immer Gleiche.

 

Ja, auch die Nachhaltigkeitsdebatte hat im Kulturbereich Einzug gehalten. Nachhaltigkeitsagenten sollen in Kulturinstitutionen beim Umdenken und vor allem verändertem Handeln helfen. Betriebsökologische Ziele waren schon in der letzten Wahlperiode Teil der Erfolgskontrolle bei von der Kulturstaatsministerin geförderten Institutionen. Die Kulturstiftung des Bundes hat das Programm „Zero“ aufgelegt, das Kultureinrichtungen die Chance bietet, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen und vor allem das eigene Handeln stärker an ökologischen Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Die Kulturstaatsministerin will zusätzlich mit „Green Culture“ einen eigenen Akzent zu dem Thema in dieser Wahlperiode setzen (Fraktionsbeschluss von Bündnis90/Die Grünen vom 28. September 2020: GREEN CULTURE – Klimapolitik in den Mittelpunkt von Kulturpolitik stellen.)

 

Vieles wird derzeit auf den Weg gebracht, für mich gehört zu dieser Reflexion dazu, selbstkritisch zu fragen, ob es nicht auch Wachstumsgrenzen für den Kulturbetrieb gibt – und so es denn so sein sollte, wie damit umgegangen werden sollte. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein immer mehr auch in der Kultur infrage gestellt werden sollte.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann

 

PS. Der nächste kulturpolititische Wochenreport erscheint, wegen der Ostertage, erst am 22. April.

 


 

Immer mehr: Grenzen des Wachstums auch in der Kultur?

 

Der Bericht des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ ist 50 Jahre alt geworden. Politik & Kultur, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, nimmt dies in der druckfrischen Ausgabe 4/22 zum Anlass und fragt: Wo liegen heute die Grenzen des Wachstums in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur?

 

  • Günther Bachmann, Berater für nachhaltige Entwicklung, leitet den Fokus ein und berichtet unter anderem von seiner Begegnung mit Dennis L. Meadows, einem der Hauptautoren des Bericht des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Mojib Latif, Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, stellt gemeinsam mit Andreas Huber, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, 24 neue Fragen für unsere Zukunft und thematisiert die Notwendigkeit einer kulturellen Revolution hin zu mehr Nachhaltigkeit. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, weist auf die Bedeutung von Innovationsförderung, Investitionsstärkung und Bildungsexpansion für die Klimapolitik hin. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), beantwortet die Frage: Wie viel kostet unsere Zukunft? Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Matthias Schmelzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, macht Vorschläge für eine Postwachstumsgesellschaft. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Carolin Baedeker, Manfred Fischedick und Christa Liedtke vom Wuppertal Institut, schildern, wie sich das Wuppertal Institut verstärkt für künstlerische Forschung öffnet und wie Kunst und Kultur als Transformationshebel eingesetzt werden können. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur, Olaf Zimmermann, fragt in seinem Kommentar, ob der Kulturbereich seine Wachstumsgrenze bereits überschritten hat. Lesen Sie den Beitrag hier.
  • Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, fordert, dass das „Wachstum“ der Zukunft auf Nachhaltigkeit und einer gerechteren Verteilung beruhen muss. Lesen Sie den Beitrag hier.

 


 

Ukraine: Unterstützungen aus dem Kulturbereich

 

Wir stellen auf unserer Website unter www.kulturrat.de/ukraine gebündelte Informationen aus dem Kultur- und Medienbereich zum Krieg in der Ukraine zusammen. Die Seite informiert über aktuelle Maßnahmen aus dem Kulturbereich, Spendenaufrufe und Unterstützungsmaßnahmen. Staatliche wie auch zivilgesellschaftliche Förderer aus allen kulturellen Bereichen werden dabei von uns in den Blick genommen.

 

Die Solidarität und die Hilfsbereitschaft aus dem Kultur- und Medienbereich für die Ukraine ist sehr groß. Es gibt zahlreiche Aktionen und Initiativen, die Hilfe für die in Not geratene Kulturszene und Kultureinrichtungen organisieren und Hilfe für geflüchtete Menschen aus dem Kulturbereich anbieten. Auf unserer Website machen wir das sichtbar und bieten damit denjenigen, die Hilfe brauchen und denjenigen, die sich engagieren wollen, einen Anlaufpunkt. Die Seite wird kontinuierlich erweitert und aktualisiert. Selbstverständlich werden auf dieser Seite auch die Unterstützungsmöglichkeiten für Kulturschaffende aus Russland aufgeführt, die mutig dem Regime in Moskau die Stirn bieten.

 

Themenbereiche:

 

 

Der Deutsche Kulturrat ruft auch weiterhin Kulturverbände und Kulturorganisationen, die ihrerseits Hilfe und Unterstützung anbieten, auf, dies uns mitzuteilen, damit die Informationen möglichst schnell und unkompliziert vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Melden Sie uns Ihre Informationen unter ed.ta1664739683rrutl1664739683uk@ts1664739683op1664739683.

 

Aktuelle Meldung:

 

Rettung von Kulturgütern der Ukraine – „Der Staat ist deutlich langsamer als die Bürger“ Viele, oftmals auch private Initiativen helfen, um ukrainische Kulturgüter vor der Zerstörung im Krieg zu schützen. Doch schnelle finanzielle Unterstützung vom Bund innerhalb weniger Tage sei nötig, sagt Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat. Olaf Zimmermann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann (DLF, 04.04.2022). Hören Sie das Gespräch hier nach.

 


 

Text der Woche: Johann Hinrich Claussen „Soziale Ächtung. Ein legitimes Mittel?“

 

Die gegenwärtige Diskussion, wie mit Putin-nahen Künstlern aus Russland umzugehen sei, erinnern mich an ein Gespräch, das ich vor einigen Jahren mit einem alten Bankkaufmann geführt habe. Wir sprachen über die Finanzkrise 2008, ihre Gründe, Abgründe und Folgen. Der alte Mann war entsetzt über das, was sich da in seinem ehemaligen Arbeitsfeld abspielte, und fühlte sich durch die skandalösen Vorgänge in seiner Berufsehre verletzt. Nicht zuletzt empörte ihn, dass die Hauptverantwortlichen mehr oder weniger ungeschoren davongekommen waren. Weder seien sie für ihre Verfehlungen bestraft worden, noch hätten sie Vermögenseinbußen hinnehmen müssen. Den Schaden hatten andere – ganze Volkswirtschaften und ungezählte Einzelpersonen. Mit einer Mischung aus Resignation und Trotz erklärte er schließlich: „Da bleibt dann nichts anderes übrig als die soziale Ächtung.“

 

Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

 

Lesen Sie den Text hier!

 


 

Wir suchen: Bürosachbearbeiterin/Bürosachbearbeiter

 

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Bürosachbearbeiter/eine Bürosachbearbeiterin für eine unbefristete Stelle in Vollzeit

Wir suchen eine Kraft, die mit Freude und Tatkraft folgende Aufgaben übernimmt: Terminplanung und -koordination für die Geschäftsführung, für Gremiensitzungen des Deutschen Kulturrates in Abstimmung mit dem ehrenamtlichen Vorstand; Führung des Terminkalenders, Vorbereitung von Terminmappen; Reiseplanung und -buchungen entlang der Vorgaben des Bundesreisekostengesetzes; Beschaffungen/Bestellwesen entlang der Vorgaben des Bundeshaushaltsrechts und der VOL, Betreuung des Online-Shops des Deutschen Kulturrates einschließlich Publikationsversands; Veranstaltungsplanung und -koordination, Mitwirkung an der Veranstaltungsdurchführung inkl. Koordination und Absprachen mit externen Dienstleistern; Büroorganisation, Telefonzentrale, schriftliche und mündliche Beantwortung von Standardanfragen, Ablage, Betreuung des Servers, Pflege des Adressverteilers, Versand von Sitzungsunterlagen, allg. Postausgang

 

Wir erwarten:

 

  • Abgeschlossene Berufsausbildung
  • Mehrjährige Berufserfahrung und sehr gute Kenntnisse und Erfahrungen im Büromanagement
  • sehr gute Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit gängiger Office-Software sowie technisches Verständnis
  • sehr gute mündliche und schriftliche Ausdrucksweise
  • Stressresistenz

 

Wir bieten:

 

  • eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem kleinen Team
  • eine Vergütung nach TVöD 5a-Ost sowie betriebliche Altersversorgung
  • eine unbefristete Stelle in Vollzeit

Bitte senden Sie Ihre Unterlagen bis zum 20.04.2022 ausschließlich per Mail an ed.ta1664739683rrutl1664739683uk@gn1664739683ubrew1664739683eb1664739683.

 

Zur Stellenausschreibung

 


 

Wir suchen: Studentischer Mitarbeitender (m/w/d)

 

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen studentischen Mitarbeitenden (m/w/d).

 

Wir bieten:

 

  • vertiefte Einblicke in die diversen Arbeitsabläufe einer kulturpolitischen Interessenvertretung,
  • erste praktische Erfahrungen im Bereich politische Kommunikation einer zivilgesellschaftlichen Organisation,
  • vielseitige Aufgaben in der Geschäftsstelle – vom Vorbereiten von Gremiensitzungen über Veranstaltungen (hybrid wie digital) bis hin zur Erstellung von Pressespiegeln der vom Deutschen Kulturrat betreuten Projekten,
  • ein kleines kollegiales Team in der Mitte des politischen Berlins.

 

Die zu besetzende Stelle umfasst dabei folgende Aufgaben:

 

  • Unterstützung des Office Managements,
  • selbständige Recherche, Aufbereitung und Erstellung von Bild- und Textmaterialien,
  • Unterstützung der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen in ihrer Arbeit,
  • Zuarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung von Gremiensitzungen und Veranstaltungen,
  • Unterstützung im Bereich Online-Kommunikation und bei der Pflege des CMS,
  • Text-Lektorat für diverse Veröffentlichungen des Deutschen Kulturrates.

 

Was wir erwarten:

 

  • ein grundlegendes Interesse an Kulturpolitik,
  • ein Grundstudium in den Fächern Politik-, Kultur- oder Medienwissenschaften oder vergleichbaren Bereichen,
  • eigenverantwortliches und sorgfältiges Arbeiten,
  • Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift auf muttersprachlichem Niveau,
  • sicherer Umgang mit gängigen Internet- und MS Office-Anwendungen (Kenntnisse in Adobe Photoshop sind von Vorteil),
  • gute Umgangsformen, insbesondere im Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Interessenvertretungen und politischer Institutionen.

 

Die Stelle umfasst maximal 19,5 Stunden pro Woche und wird mit einem Stundenlohn von 12,00 Euro in den ersten sechs Monaten, danach 12,50 Euro vergütet.

 

Wir freuen uns über aussagekräftige Bewerbungen bis zum 22.04.2022 ausschließlich per Mail an: ed.ta1664739683rrutl1664739683uk@dn1664739683abarb1664739683.k1664739683.

 

Zur Stellenausschreibung.

 


 

Personalia: Herzlichen Glückwunsch, Gabriele Schulz! 30-jähriges Dienstjubiläum beim Deutschen Kulturrat

 

Am 1. April dieses Jahres (kein Scherz) war Gabriele Schulz 30 Jahre beim Deutschen Kulturrat beschäftigt. Sie begann als Studentische Mitarbeiterin, arbeitete dann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und ist seit 2008 Stellvertretende Geschäftsführerin. Gabriele Schulz ist inzwischen so etwas wie das lebende Gedächtnis des Deutschen Kulturrates und ohne Sie würde es den Deutschen Kulturrat in seiner heutigen Form nicht geben. DANKE Gabi!

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