- Wolfram Weimer und der kulturpolitische Scherbenhaufen
- Schwerpunkt in Politik & Kultur 3/26: Erinnerungsorte Deutsche Teilung
- Ideen für den Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“!
- Nicht euer Ernst? kulturweit droht das Aus
- Einladung zur Buchmesse Leipzig: Vorstellung Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel
- Save the Date: Vorstellung der April-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Die Revolution des Sehens. Wie das Mikroskop die Welt verändert hat“
- Text der Woche: TV im Transformationsmodus Neue Formen für das Bewegtbild von Çiğdem Uzunoğlu
Sehr geehrte Damen und Herren,
eine sehr schwierige kulturpolitische Woche geht zu Ende. Gestern Abend hat mich Daniel Zander von der Katholischen Presseagentur KNA nach meiner aktuellen Einschätzung gefragt. Ich habe ihm folgende Antworten gegeben.
Wir befinden uns ohne Not in einem kulturpolitischen Scherbenhaufen, und ich hoffe, dass Weimer nun die Scherben zusammenkehrt. Ob es die Berlinale war oder jetzt der Buchhandlungs-Preis – das lief zuletzt alles nicht gut ab. (siehe hierzu auch: Causa Berlinale – Deutscher Kulturrat nimmt Stellung und Kulturrat kritisiert gestrichene Nominierungen für Buchhandlungspreis).
Zum Ausschluss von drei Buchhandlungen vom diesjährigen Buchhandelspreis, nach einer Überprüfung durch den Verfassungsschutz sagte ich u.a.: Es ist einfach Quatsch gewesen, diese Anfrage an den Verfassungsschutz zu stellen. Damit wird nur das Narrativ bedient, dass der Kulturbetrieb ein links-grün versiffter Bereich sei, dem man mal zeigen will, wo der Hammer hängt. Dieses Bild gibt es schon seit längerer Zeit, hat aber mit der Realität nicht viel zu tun.
Wir haben jetzt etwa ein Jahr Bundesregierung hinter uns, aber klare kulturpolitische Ziele sind noch nicht zu sehen. Wir wissen nur, was alles nicht gemacht werden soll, wie beim Buchhandlungs-Preis.
Ich habe als größte Herausforderung für die Kulturpolitik des Bundes in dem Gespräch mit KNA den Umgang mit Künstlicher Intelligenz, die Widerstandsfähigkeit des Kulturbereichs in Krisensituationen und den Umgang mit den Einsparungen genannt. Dafür, davon bin ich fest überzeugt, brauchen wir endlich vernünftige Konzepte. Hier erwarten wir Antworten von Kulturstaatsminister Weimer.
Für einen Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, den zuletzt die Linksfraktion im Bundestag forderte, habe ich mich dezidiert nicht ausgesprochen. Ich glaube nicht, dass wir der Lösung näherkommen, indem wir jetzt den Rücktritt von Politikerinnen und Politikern fordern. Wir müssen den schwierigen Weg gehen und debattieren, auch über Fragen streiten.
Nächste Woche ist die Buchmesse in Leipzig, ich bin gespannt, ob Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nach der Absage der Verleihung des Buchhandelspreises zur Messe kommt und sich der Debatte stellen wird.
Wir sehen uns in Leipzig, Ihr
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
2. Schwerpunkt in Politik & Kultur 3/26: Erinnerungsorte Deutsche Teilung
Im Schwerpunkt der März-Ausgabe von Politik & Kultur geht es um das Grüne Band als Erinnerungsort Deutsche Teilung (Seite 1 und Seite 15-27).
Das Grüne Band: ein fast 1.400 km langer Geländestreifen, der von der Ostsee im Norden bis zum bayrisch-sächsisch-tschechischen Dreiländereck im Süden reicht, ist ein Symbol der friedlichen Revolution von 1989.
Unsere Autorinnen und Autoren beleuchten verschiedene Aspekte: Erinnerungsorte entlang des Grünen Bandes, Geschichte und Gegenwart auf beiden Seiten der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, die Bedeutung von Erinnerungskultur. Es geht auch um den Bewerbungsprozess für das Grüne Band als Welterbestätte mit Natur- und Kulturwerten der UNESCO.
Im Schwerpunkt kommen folgende Autorinnen und Autoren zu Wort:
- Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur
- Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
- Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur
- Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt
- Ansgar Lorenz, Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt
- Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein
- Monika Grütters, Staatsministerin a. D. für Kultur und Medien
- Hermann Parzinger, Archäologe und Executive President von Europa Nostra
- Franziska Kersten, SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien
- Katrin Budde, Ministerin für Wirtschaft und Technologie des Landes Sachsen-Anhalt a. D.
- Katharina Matheja, Direktorin der Abteilung Gärten in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg
- Christoph Martin Vogtherr,Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg
- Sebastian Krumbiegel, Sänger und Frontmann der Band »Die Prinzen«
- Ludwig Greven, Publizist
- Eckart von Hirschhausen, Arzt, Bestsellerautor und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen
- Liana Geidezis, Leiterin des Nationalen BUND Kompetenzzentrum Grünes Band
- Christian Stöber, Leiter des Grenzmuseums Schifflersgrund und Vorsitzender der AG Grenzmuseen;
- Beate Ziehres, Mitarbeiterin des Vereins »Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e. V.«
- Felix Ludwig, Gedenkstättenpädagoge an der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
- Manfred Nawroth, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Verbandes für Archäologie und Vizepräsident des Deutschen Kulturrates
- Leo Schmidt, Professor Emeritus für Denkmalpflege an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus
- Astrid M. Eckert, Historikerin
- Béatrice von Hirschhausen, Geografin am Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
- Carolin Leutloff-Grandits, Sozialanthropologin am Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
- Laure de Verdalle, Soziologin am Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
Ein Exemplar in Papierform können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen.
Die März-Ausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Erinnerungsorte Deutsche Teilung“ steht auch als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit.
3. Ideen für den Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“!
Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.
Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.
Einladung zum digitalen Infotreffen am 17. März von 17-18 Uhr
Wir werden Sie in dem digitalen Infotreffen über den Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt informieren, Ihre Fragen beantworten und Ideen zum Mitmachen anstoßen.
- Hier zum digitalen Infotreffen per Zoom anmelden, um die Einwahldaten zu erhalten.
- Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
- Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“
4. Nicht euer Ernst? kulturweit droht das Aus
Das Auswärtige Amt will die Förderung des internationalen Freiwilligendienstes „kulturweit“ im kommenden Jahr einstellen. Der letzte Jahrgang von 300 Freiwilligen soll im September 2026 für sechs Monate in verschiedene Länder reisen und wird dort die Idee der internationalen Völkerverständigung – letztmalig in diesem Programm – umsetzen.
Nach den drastischen Kürzungen bei der Deutschen Welle soll nun auch das internationale Kulturaustauschprogramm ‚kulturweit‘ eingestellt werden. Gerade in Zeiten, in denen nationalistische Ideen weltweit zunehmen, in denen die Gefahr eines weltweiten Krieges wieder näher rückt, ist die internationale Kompetenz und kulturelle Begegnung junger Menschen unterschiedlicher Herkunft von zentraler Bedeutung. Dass das Programm ‚kulturweit‘ nun beendet werden soll, ist nicht zu verstehen.
- Hier geht es zur ganzen Pressemeldung des Deutschen Kulturrates zu kulturweit
5. Einladung zur Buchmesse Leipzig: Vorstellung Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel
Auf der Leipziger Buchmesse stellt die Initiative kulturelle Integration (IKI) ihren bundesweiten Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt vor, der am UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 stattfinden wird.
Sebastian Krumbiegel, Frontsänger der Prinzen, spricht mit Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt, Bundesverband Musikunterricht und mir darüber, was Kultur und Musik zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen können und welche Rolle kulturelle Bildung dabei spielt. Moderiert wird unser Gespräch von Barbara Haack, Politik & Kultur.
- Zeit: Freitag, 20. März, 13 Uhr bis 13.30 Uhr
- Ort: Buchmesse Leipzig, Musik-Café, Halle 2, D 504
Wir laden Sie herzlich ein vorbeizukommen!
6. Save the Date: Vorstellung der April-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Die Revolution des Sehens. Wie das Mikroskop die Welt verändert hat“
Gemeinsam mit dem Zeiss Großplanetarium Berlin und rbb inforadio stellen wir am Freitag, dem 17. April, den Schwerpunkt der neuen Ausgabe von Politik & Kultur vor. Unter dem Titel „Die Revolution des Sehens. Wie das Mikroskop die Welt verändert hat” werden wir mit den Autorinnen und Autoren des Schwerpunkts über die faszinierende Welt der Mikroskopie und ihre Bedeutung für die Kultur diskutieren.
Den Link zur Anmeldung werden wir rechtzeitig versenden.
- Zeit:17. April 2026, 17:00 Uhr
- Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
7. Text der Woche: TV im Transformationsmodus
Neue Formen für das Bewegtbild von Çiğdem Uzunoğlu
Wir hatten zuletzt viel Besuch im Grimme-Institut, im Herbst und rund um die Jahreswende waren die Nominierungskommissionen zu Gast, Anfang Februar die Jurys für den Grimme-Preis. Unabhängig von Entwicklungen in einzelnen Kategorien – wie Info und Kultur, Fiktion oder Unterhaltung – waren bei den Gesprächen auf den Fluren oder beim Essen die Veränderungen in unseren Medienlandschaften ein vielfach strapaziertes, übergreifendes Thema: die Stärke des Linear-TV und gleichzeitig dessen Transformation durch das Streaming.
Grimme-Preis-prämierte Formate wie die »heute show« zeigen exemplarisch die Veränderung: Ein erheblicher Teil der Nutzung erfolgt hier inzwischen durch die Mediathek, also »on demand«, auch wenn der linear konsumierte Anteil unverzichtbar bleibt. Auch das gerade zu Ende gegangene »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« (IBES) gehörte zu den meistgenutzten Inhalten auf RTL+. Aber auch hier gilt: Ohne wöchentliche TV-Ausstrahlung würden viele Reality-Formate nicht die Reichweite erzielen, die sie haben – ob man sie mag oder nicht.
Aber: Erreichten große Sender – wie ARD, ZDF, RTL oder auch andere – noch vor wenigen Jahren regelmäßig über zwei Millionen der 14- bis 49-Jährigen, gelten solche Werte heute als Ausnahme und Quotenhit. Hier verändern sich die Reichweiten des einstigen Leit- und Massenmediums massiv.
Çiğdem Uzunoğlu ist Direktorin des Grimme-Instituts
und Autorin der Kolumne „Grimmes Stimme“.
Hier lesen Sie den ganzen Beitrag