10. KW: Gemeinsam für die Kunst-Freiheit eintreten

  1. Gemeinsam für die Kunst-Freiheit eintreten
  2. DLF-Kultur: Berlinale unter Kontrolle – Wohin sich unsere Kulturpolitik entwickelt
  3. Ideen für den Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“!
  4. Hör-Tipp: WDR 3 Forum zum Tanz
  5. Kulturmensch Sandra Hüller
  6. Am Sonntag ist Internationaler Frauentag – und es gibt auch in der Kultur noch viel zu tun
  7. Krieg im Iran – Vor neun Jahren haben wir uns in Politik & Kultur ausführlich mit dem Iran, dem Land der Widersprüche beschäftigt
  8. Text der Woche: Die SPK und die Welt (4) – Das marokkanische Museumswunder von Marion Ackermann

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Mittwoch dieser Woche tagte der Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) und beriet über die Zukunft der Berlinale. Der Aufsichtsrat bestätigte die weitere Zusammenarbeit mit Intendantin Tricia Tuttle und gab Empfehlungen für die Stärkung des Festivals ab. Unter anderem wurde die Einrichtung eines beratenden Forums empfohlen und die Ausarbeitung eines Verhaltenskodex für die in der KBB zusammengefassten Einrichtungen, Berlinale, Berliner Festspiele mit dem Gropius Bau und Haus der Kulturen der Welt.

 

Der Deutsche Kulturrat hat bereits 2024 unterstrichen, dass Verhaltenskodizes eine Möglichkeit sind, Antisemitismus, Rassismus oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Hierzu liegen bereits etliche Beispiele von Fachverbänden, aber auch von Kultureinrichtungen vor, die zur gelebten Praxis im Kulturbetrieb gehören. Eine Vorlage von Verhaltenskodizes als Fördervoraussetzung lehnt der Deutsche Kulturrat allerdings weiterhin ab. Es geht vielmehr darum, den vertrauensvollen Diskurs in den Kulturinstitutionen sowie zwischen Publikum, Künstlerinnen und Künstlern sowie Verantwortlichen in Kultureinrichtungen zu stärken.

 

Nach der Erleichterung mit Blick auf die Berlinale wurde bekannt, dass drei von einer Fachjury für den Deutschen Buchhandlungspreis nominierte Buchhandlungen von Seiten des BKM von der Nominierungsliste genommen wurden. Zu den drei in Vorjahren bereits mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichneten Unternehmen (Zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen) lägen dem Verfassungsschutz Erkenntnisse vor, hieß es. Erstmals hatte das BKM das sogenannten Haber-Verfahren angewandt und zu den von der Fachjury nominierten Einrichtungen eine Anfrage an den Verfassungsschutz gestellt.

 

Im Deutschlandfunk Kultur habe ich mich für den Deutschen Kulturrat zu dem Fall geäußert. Ich sagte u.a., dass es nicht sein kann, dass es bei der Vergabe von Preisen an Kulturschaffende eine Art von Regelanfrage beim Verfassungsschutz gibt. Das widerspricht dem Grundgesetz. Das ganze Gespräch können Sie hier nachhören.

 

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat sich unmissverständlich hinter die inkriminierten Buchhandlungen gestellt und sich mit ihnen solidarisch erklärt. Die Vorsitzenden des Sortimenter-Ausschusses des Börsenvereins Christiane Schulz-Rother, Martin Riethmüller und Christian Liesegang erklärten für den Ausschuss, „dass bei der Vergabe von staatlichen Fördermitteln und Auszeichnungen grundlegende Voraussetzungen geprüft werden dürfen und die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien gewahrt bleiben muss. Was wir jedoch entschieden kritisieren, ist die konkrete Ausgestaltung und Anwendung des sogenannten ,Haber-Verfahrens‘. Die Art und Weise der Umsetzung ist für uns nicht akzeptabel.“ Sie unterstrichen, dass eine öffentliche Stigmatisierung ohne rechtliches Gehör stattfindet. Für die betroffenen Buchhandlungen, die allesamt privatwirtschaftlich geführt werden, kann sich diese Stigmatisierung geschäftsschädigend auswirken. Weiter werfen sie dem BKM mangelnde Transparenz vor. „Das Haber-Verfahren entbehrt in seiner derzeitigen Form der notwendigen Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Objektivität. Den betroffenen Einrichtungen werden die konkreten, auf nachrichtendienstlichen Einschätzungen basierenden Vorwürfe nicht transparent mitgeteilt.“

 

Bei einem Podiumsgespräch, dass die SPD-Bundestagsfraktion gestern zu beiden Vorgängen, Berlinale und Deutscher Buchhandlungspreis, durchführte, war die Sorge vieler Akteure aus dem Kulturbereich, egal ob privatwirtschaftlich arbeitend oder öffentlich gefördert, deutlich spürbar. Ich habe hier meine Kritik an den Maßnahme noch einmal verdeutlicht. Viele der Anwesenden hielten ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit der Kunst. Sie erinnerten daran, dass die Demokratie vom Widerstreit von Meinungen und Positionen lebt. Gerade die Kunst kann hier einen wertvollen Beitrag leisten. Ebenso wurde sich klar gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit positioniert.

 

Meine herzliche Bitte: Lassen Sie uns gemeinsam für die Kunst-Freiheit eintreten. Wenden wir uns gemeinsam gegen Einschränkungen dieser Freiräume oder jedwede Boykottaufrufe. Treten wir zusammen für eine Debatten- und Streitkultur ein, die der Polarisierung der Gesellschaft entgegenwirkt.

 

Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

 


 

2. DLF-Kultur: Berlinale unter Kontrolle – Wohin sich unsere Kulturpolitik entwickelt

 

Hier meine gestrige Einschätzung zur Causa Berlinale und der Causa Buchhandlungspreis beim Deutschlandfunk Kultur (05. März 2026, 08:08 Uhr).

 


 

3. Ideen für den Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“!

 

Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.

 

Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.

 

Einladung zum digitalen Infotreffen am 17. März von 17-18 Uhr

 

Wir werden Sie in dem digitalen Infotreffen über den Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt informieren, Ihre Fragen beantworten und Ideen zum Mitmachen anstoßen.

 

  • Hier zum digitalen Infotreffen per Zoom anmelden, um die Einwahldaten zu erhalten.
  • Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
  • Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“

 


 

4. Hör-Tipp: WDR 3 Forum zum Tanz

 

Am Samstag, 28.02.26, wurde im Aalto-Theater in Essen der diesjährige Deutsche Tanzpreis vom Dachverband Tanz verliehen. Gemeinsam mit WDR 3 haben wir eine Podiumsdiskussion über die deutsche Tanzszene, die Bedeutung von Tanz in der Gesellschaft und die Notwendigkeit, sich für eine stärkere politische Förderung des Tanzes einzusetzen, geführt.

 

Auf dem Podium:

 

Preisträger und Preisträgerin des Deutschen Tanzpreis 2026: Choreograf Christian Spuck und Tanzprofessorin Gabriele Brandstetter, Tanzjournalistin Dorion Weickmann und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. Moderation: Matthias Kremin, WDR.

 

Ausstrahlung der Sendung am Sonntag, 08.03.2026, um 19 Uhr auf WDR 3. Danach kann sie in der Mediathek des WDR abgerufen werden.

 

 


 

5. Kulturmensch Sandra Hüller

 

Der Silberne Bär der diesjährigen Berlinale ist ein weiterer Höhepunkt in Sandra Hüllers bereits von Preisen und Auszeichnungen begleiteter Schauspiel-Karriere. Sie erhielt ihn für ihre Rolle der Rose im gleichnamigen Film (Regie: Markus Schleinzer). 1978 im Thüringer Suhl geboren, begann Hüller schon als Schülerin, Theater zu spielen, besuchte dann die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Es folgten Engagements an renommierten Häusern wie dem Schauspiel Leipzig, dem Theater Basel, den Münchner Kammerspielen oder dem Schauspielhaus Bochum, daneben übernahm sie zahlreiche Gast-Engagements. In der Spielzeit 2024/2025 führte sie mit der Inszenierung von »Penthesile:a:s« am Neuen Theater in Halle erstmals Regie.

 

Bereits für ihre erste große Filmrolle in »Requiem« (Regie: Hans-Christian Schmid) wurde sie mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2006 ausgezeichnet. Es folgten u. a. Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes, den Europäischen Filmpreis, die British Academy Film Awards und für einen Oscar, letzteres für ihre Hauptrolle in »Anatomie eines Falles«, ein Film, in dem sie eine erfolgreiche Schriftstellerin spielt, deren Mann zu Tode kommt.

 

Bis zum Schluss wird nicht klar, ob sie hier »mitgeholfen« hat. Im gleichen Jahr spielte sie Hedwig Höß, die Frau des Auschwitz-Kommandanten, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ort der Massenvernichtung lebt, dessen Geräusche, Schreie, Schüsse, Hundegebell sie zwar täglich hört, aber scheinbar nicht wahrnimmt, sondern ihr beschauliches Familienleben und ihren Garten pflegt. 2016 spielte sie an der Seite von Peter Simonischek dessen gestresste Management-Tochter in »Toni Erdmann«. Die kleine Filmografie-Auswahl zeigt bereits die großartige und fast grenzenlose Wandelbarkeit dieser Schauspielerin, die immer wieder in besonders herausfordernde und höchst unterschiedliche Rollen steigt und diese auf buchstäblich unnachahmliche Weise ausfüllt. Wir gratulieren zum Berliner Bären 2026.

 


 

6. Am Sonntag ist Internationaler Frauentag – und es gibt auch in der Kultur noch viel zu tun

 

Der Bericht des Deutschen Kulturrates „Es geht voran. Sachstand Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien“ verrät die Nachricht: Es geht zwar voran, aber es ist auch noch viel zu tun.

 

Der Bericht enthält Daten zur Geschlechtergerechtigkeit im Bereich von Kultur und Medien:

 

  • Wie steht es mit Frauen in Führungspositionen und der Partizipation von Frauen an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung?

 

Neben zahlreichen Daten und Fakten enthält der Band Artikel von 38 Autorinnen und Autoren aus Verbänden, der Kulturverwaltung, der Kulturförderung und der Wissenschaft. Sie schreiben über die Situation in den einzelnen Bundesländern und die Lage in verschiedenen Sparten des Kulturbetriebs. Sie verdeutlichen, was bereits geschieht, um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen, und zeigen Handlungsbedarfe auf, um die Situation weiter zu verbessern.

 

 

  • Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie den Bericht bestellen
  • Hier geht es zur Buchvorschau
  • Hier können Sie eine ausführliche Rezension des mdr lesen

 

Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann (Hg.)
Es geht voran – Sachstand Geschlechter-
gerechtigkeit in Kultur und Medien
328 Seiten, ISBN- 978-3-947308-68-2, 22,80 Euro

 

 


 

7. Krieg im Iran – Vor neun Jahren haben wir uns in Politik & Kultur ausführlich mit dem Iran, dem Land der Widersprüche, beschäftigt

 

Der Schwerpunkt „Land der Widersprüche: Kultur im Iran“ aus der Zeitung Politik & Kultur 1/2017 beleuchtete den Einfluss politischer Repression auf ein Land mit einer reichen Kunst- und Kulturszene. Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran wirkt der Schwerpunkt von damals wieder erschreckend aktuell.

 

Hier können Sie das kostenlose E-Paper der Ausgabe 1/17 mit dem Schwerpunkt „Land der Widersprüche: Kultur im Iran“ herunterladen.

 


 

8. Text der Woche: Die SPK und die Welt (4) – Das marokkanische Museumswunder von Marion Ackermann

 

Es ist stets bemerkenswert, wenn Objekte aus den Sammlungen und Archiven der SPK ihre Lebendigkeit anschaulich entfalten und, ganz im Sinne der Vision der SPK, »Menschen, Zeiten und Räume« miteinander verbinden. Zuletzt wurde dies in Marokko spürbar, wo wir mit der Fondation Nationale des Musées (FNM) eine strategische Partnerschaft initiiert haben. Den Auftakt bildeten Workshops mit dem Goethe-Institut Rabat im Rahmen von CoMuse, unserem Kollaborativen Museum, das völlig neue Wege in der transkulturellen Museumsarbeit geht.

 

Dieses international einzigartige Projekt richtet seinen Fokus auf die Zusammenarbeit mit Partnern aus den Regionen, aus denen die Objekte stammen, die das Ethnologische Museum und Museum für Asiatische Kunst bewahren. In diesem Fall ging es um Wachszylinderaufnahmen aus dem Berliner Phonogrammarchiv, einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer Tonaufnahmen traditioneller Musik und Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Darunter befinden sich auch Aufnahmen von marokkanischer Instrumentalmusik, eingespielt von Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkriegs.

 

Marion Ackermann ist Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

 

Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

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