Berlin, den 13.06.2023. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Kulturrat haben in einem gemeinsamen Pressegespräch die Engagementstrategie der Bundesregierung bewertet und Vorschläge zur Stärkung des Ehrenamts in Sport und Kultur gemacht.
Michaela Röhrbein, DOSB-Vorstand Sportentwicklung, sagte: „Ehrenamt wird in Sonntagsreden oft beschworen, aber in der Realität hat sich für Ehrenamtliche in den letzten Jahren kaum etwas verbessert. Die Herausforderungen für Sport und Kultur Ehrenamtliche zu gewinnen und zu halten werden stattdessen immer größer. Der Sport weist weiterhin die höchste Engagementquote auf, allerdings ist diese in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Es ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft, das Ehrenamt zu mobilisieren und das Engagement im Sport und in der Kultur zu stärken.“
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, sagte: „Bürgerschaftliches Engagement ist sowohl im Kultur- als auch im Sportbereich unverzichtbar: Das aktive gemeinsame Schaffen im Kultur- und Sportverein ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Oftmals sind Vereine Träger von Kultureinrichtungen vor Ort. So wird die Mehrzahl der kleineren Museen nicht staatlich, sondern von bürgerschaftlichem Engagement getragen. Auch in der Soziokultur und in vielen Bereichen des kulturellen Amateurschaffens ist das ehrenamtliche Engagement essenziell. Aktuell stellen sich zahlreiche Herausforderungen, u. a. gilt es den Generationenwechsel im Engagement zu begleiten und die Anerkennungskultur zu stärken. Dafür sollte die Politik die Kompetenz der Verbände stärker einbeziehen.“
Im Rahmen der Verbändeanhörung haben DOSB und Deutscher Kulturrat Stellungnahmen zur Engagementstrategie verfasst, die unter folgenden Links abrufbar sind:
- DOSB-Stellungnahme zur Engagementstrategie
- Stellungnahme des Deutschen Kulturrats zur Engagementstrategie
In seiner Stellungnahme hebt der Deutsche Kulturrat folgende Schwerpunkte hervor:
1. Entlastung von Bürokratie und Qualifizierung
Um ehrenamtlich Aktive zu halten und neue zu gewinnen, ist die Entlastung der Vereinsvorstände von Bürokratie von zentraler Bedeutung. Hierzu gehören Veränderungen im Gemeinnützigkeitsrecht und die weitere Entbürokratisierung des Zuwendungsrechts.
2. Anerkennungskultur (Auszeichnungen, Sonderurlaub und Rentenanerkennung)
Ehrenamtliches Engagement ist Dienst an der Gemeinschaft und verdient daher eine besondere Anerkennung. Hierzu zählen Auszeichnungen und Ehrungen für Aktive.
Eine besondere Form der Anerkennung ist die Gewährung von Sonderurlaub. Manches Engagement im Kulturbereich, wie z. B. die Vorbereitung eines Festivals, ist so aufwendig, dass es nicht neben der normalen Berufstätigkeit geleistet werden kann. Engagierte nehmen sich, um diesem Engagement nachkommen zu können, derzeit Erholungsurlaub. Ein Sondertatbestand Ehrenamtliches Engagement in der Kultur im Bundesurlaubsgesetz wäre eine besondere Anerkennung des kulturellen und zugleich gesellschaftlichen Engagements.
Darüber hinaus sollte im Zuge der Erarbeitung der Engagementsstrategie geprüft werden, inwiefern besonders zeitintensives Engagement mit Rentenpunkten anerkannt werden kann.
3. Inklusion und Teilhabe
Inklusion und Teilhabe heißt nicht nur bürgerschaftliches Engagement für Behinderte, sondern ebenso Engagement mit und von Behinderten. Bislang ist viel zu wenig bekannt, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Der Bund sollte zentral über Assistenzmöglichkeiten informieren.
4. Freiwilligendienste
Freiwilligendienste wie das FSJ Kultur sind ein wichtiges bürgerschaftliches Engagement junger Menschen, die diese Bildungszeit auch zur Berufsorientierung nutzen. Damit mehr junge Erwachsene mit Behinderungen selbst ein FSJ absolvieren können, sollte das FSJ im Bundesteilhabegesetz aufgenommen werden.
Darüber sollte die Vergütung für das FSJ angehoben werden, um jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien die Teilnahme zu ermöglichen.
5. Förderung
Förderprogramme können wichtige Impulse zur Unterstützung und Weiterentwicklung des Engagements leisten. Einiges wurde hier in den letzten Jahren angestoßen. Allerdings zeigt sich auch sehr häufig, dass für Vereine die Antragsfristen viel zu kurz sind und bei der Konzeption von Programmen unzureichend berücksichtigt wird, dass das Gegenüber ehrenamtlich tätig ist. Eine Verlängerung von Antrags- und