8. KW: Rahmenbedingungen für die Kulturwirtschaft nachhaltig verbessern

  1. Rahmenbedingungen für die Kulturwirtschaft nachhaltig verbessern
  2. Vorschau: Schwerpunkt der März-Ausgabe Politik & Kultur
  3. Keine Verzwergung der Deutschen Welle
  4. Stellenausschreibung: Interessant und herausfordernd – Arbeiten beim Deutschen Kulturrat
  5. Datenreport zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Arbeitsmarkt Kultur
  6. Text der Woche: Vandalismus und Missachtung in NS-Gedenkstätten – Ein Interview mit Elke Gryglewski

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

insgesamt 238.000 Unternehmen und freiberuflich Selbstständige prägen in Deutschland das Bild der Kultur- und Kreativwirtschaft. Rund zwei Millionen Erwerbstätige sind in den elf Teilmärkten beschäftigt. 2023 erwirtschaftete die Branche einen Umsatz von 204,6 Milliarden Euro. Diese beeindruckenden Zahlen machen deutlich, welchen Stellenwert die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland hat.

 

Die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Die Märkte haben sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht vollständig erholt. Zwar sicherten die Hilfsmaßnahmen während der Pandemie das unmittelbare Überleben der Unternehmen, gleichwohl haben sich die Nutzungsgewohnheiten von Kunst und Kultur verändert. Hinzukommt, dass in einigen Teilmärkten Auswirkungen erst mit einem gewissen Nachlauf eintreten.

 

Eine einschneidende Veränderung ist KI. KI verändert Produktionsprozesse und wirkt sich damit entscheidend auf den Arbeitsmarkt Kultur insgesamt aus. Arbeitsplätze werden in sehr großer Zahl wegfallen oder neue Kompetenzen werden verlangt, hier kommt es mit Blick auf die abhängig Beschäftigten darauf an, dass sie durch Fort- und Weiterbildung in den Betrieben gehalten werden können.

 

Für Selbstständige, speziell Solo-Selbstständige, ist die Situation weitaus schwieriger, aber auch hier wird Fort- und Weiterbildung unerlässlich sein. KI bietet neue Chancen, noch zielgruppengerechter das Marketing auszurichten. Die Kehrseite könnte sein, noch mehr des immer Gleichen anzubieten, Ungewöhnliches oder Unbekanntes nicht mehr zu wagen und damit die kulturelle Vielfalt empfindlich zu beeinträchtigen.

 

Eine wichtige Herausforderung in dieser Wahlperiode wird sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass KI genutzt und angewendet werden kann, dieses aber nicht zum Schaden der Kultur- und Kreativwirtschaft erfolgt. Wesentliche Stellschrauben bietet hier das Urheberrecht, aber genauso das Kartellrecht. Nach wie vor von großer Bedeutung mit Blick auf die Rahmenbedingungen ist das Steuerrecht. Bereits seit den 1980er Jahren macht sich der Deutsche Kulturrat für ein kulturfreundliches Steuerrecht stark. Manches wurde erreicht, einiges steht aber noch aus oder bedarf dringend einer Aktualisierung. So wichtig direkte Förderprogramme für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft sind, so bedeutsam und nachhaltig ist die indirekte Kulturförderung durch das Steuerrecht.

 

Kunst, Kultur und Medien sind auch eine Ware. Es kann und muss damit Geld verdient werden, dass dies gelingt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft sich immer wieder durch neue Werke und Dienstleistungen auszeichnet, dass sie Impulse für andere Branchen setzen kann und nicht zuletzt dass sie einen wichtigen Beitrag für Nachhaltigkeit leisten kann, belegen die Kultur-Unternehmerinnen und -Unternehmer sowie die Kultur-Unternehmen Tag für Tag.

 

Aber damit das in diesen stürmischen Zeiten so bleibt, muss die Politik endlich die Rahmenbedingungen für die Kulturwirtschaft nachhaltig verbessern. Die Hauptverantwortung dafür liegt bei Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Das erste Regierungsjahr ist schon fast vorbei!

 

 

Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

 

PS. Gerade hat der Deutsche Kulturrat in Kooperation mit KreativBund – Bundeszentrum Kultur- und Kreativwirtschaft ein umfangreiches Dossier zum „Kosmos Kulturwirtschaft“ herausgegeben. Auf 88 Seiten kommen Kulturunternehmerinnen und -unternehmer ebenso wie Künstlerinnen und Künstler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Politik zu Wort. Hier kann das Dossier kostenfrei als E-Paper (pdf) gelesen werden.

 


 

2. Vorschau: Schwerpunkt der März-Ausgabe Politik & Kultur

 

Der März steht vor der Tür, und ebenso die neue Ausgabe von Politik & Kultur.

 

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich dem Kultur- und Naturraum Grünes Band und besonders seiner Bedeutung sowie politisches und gesellschaftliches Symbol.

 

Eine Vielzahl von Artikeln befasst sich mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze: Unsere Autorinnen und Autoren berichten von Grenzmuseen und gelebter Erinnerungskultur, dem überraschenden Artenreichtum entlang der 1393 Kilometer langen Strecke, den Fragen zu Demokratie und deutscher Einheit sowie der Debatte um den Welterbestatus.

 

Den Leitartikel „Sieg der Freiheit – Das Grüne Band und seine Rolle in Berlin“ schreibt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner.

 


 

3. Keine Verzwergung der Deutschen Welle

 

Die Deutsche Welle muss in diesem Jahr 21 Millionen Euro aus ihrem Etat einsparen. In einer Krisensitzung haben sich am Dienstag, den 17.02.2026 der Rundfunkrat und der Verwaltungsrat der Deutschen Welle mit den von der Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing, vorgestellten Kürzungsplänen beschäftigt. Sie haben sich eindeutig hinter die Intendantin und die von ihrem Haus erarbeiteten Vorschläge gestellt.

 

Sie haben zugleich betont, dass jede einzelne Kürzung schmerzhaft ist und die Arbeit der Deutschen Welle in ihrem Kern treffen wird. Das Programm wird leider reduziert. Dringend benötigte Investitionen sollen in die Zukunft geschoben werden.

 

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, lehnt Kürzungen bei der Deutschen Welle generell ab. Gerade heute sind seriöse, vertrauenswürdige Medien wichtiger denn je. Die Deutsche Welle genießt weltweit einen sehr guten Ruf und konnte Reichweite und Wirkung ausdehnen. Gerade Menschen, die für Demokratie, Freiheit und westliche Werte eintreten, nutzen die Deutsche Welle. Sie finden hier ihre Informationen.

 

  • Hier geht es zu dem Statement von Prof. Christian Höppner: Präsident des Deutschen Kulturrates, Mitglied des Rundfunkrats der Deutschen Welle, Vorsitzender des Programmausschusses der Deutschen Welle und Haushaltsberichterstatter
  • Hier geht es zum Statement des Deutschen Kulturrats vom 25. November 2025

 

 


 

4. Stellenausschreibung: Interessant und herausfordernd – Arbeiten beim Deutschen Kulturrat

 

Wir suchen Verstärkung in unserer Geschäftsstelle in Berlin!

 

Referentin bzw. Referent Kommunikation (w/m/d) beim Deutschen Kulturrat

Wir suchen zum 1. April 2026 eine Referentin bzw. einen Referenten Kommunikation (w/m/d). In dieser unbefristeten Vollzeitstelle arbeiten Sie an der öffentlichen Darstellung des Spitzenverbandes der Bundeskulturverbände, betreuen Presse- und Online-Kommunikation und wirken redaktionell an Politik & Kultur sowie an Dossiers und Publikationen mit.

 

  • Bewerbungen bis 27. Februar 2026 per Mail an: Gabriele Schulz, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrates, *protected email*
  • Hier geht es zur Ausschreibung

 


 

5. Datenreport zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Arbeitsmarkt Kultur

 

Im Datenreport werden Zahlen zu Erwerbstätigen im Arbeitsmarkt Kultur, dem Frauenanteil, dem Einkommen und dem Gender-Pay-Gap zusammengestellt und bewertet. Der Datenreport geht sowohl auf Soloselbstständige als auch auf abhängig Beschäftigte im Kulturbereich ein.

 

Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann
Baustelle Geschlechtergerechtigkeit
Datenreport zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Arbeitsmarkt Kultur
ISBN 978-3-947308-36-1, 236 Seiten, 22,80 Euro

 

  • Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie die Studie bestellen.
  • Hier geht es zum kostenlosen PDF.
  • Hier geht es zur Buchvorschau.

 

 


 

6. Text der Woche: Vandalismus und Missachtung in NS-Gedenkstätten – Ein Interview mit Elke Gryglewski

 

Wir sprechen über Vandalismus und Missachtung in NS-Gedenkstätten, insbesondere über das Verhalten von jungen Menschen und Schulklassen, die sich bei Besuchen und Führungen unangemessen verhalten, schmähen, beleidigen, beschädigen. Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Gedenkstätte, was hören Sie von Kollegen und Kolleginnen an anderen Institutionen?

 

Wir machen alle die Erfahrung, dass sich das Klima verändert hat. Wir erleben in Bergen-Belsen auch, dass beispielsweise ein Schüler in der Ausstellung den Hitlergruß zeigt. Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, sagt, dass so etwas bei ihm fast täglich passiert. Kolleginnen aus Sachsenhausen haben berichtet, dass sich Schüler demonstrativ umdrehen und mit den Rücken zum Guide stellen. Man muss noch differenzieren zwischen den alten und neuen Bundesländern. Aber auch bei uns hat sich die Situation erheblich verschlechtert.

 

Elke Gryglewski ist Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten und
Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Das Interview führte Barbara Haack. Sie ist Chefin vom Dienst von Politik & Kultur.

 

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