6. KW: Kulturwirtschaft: Nach den Sternen greifen

  1. Kulturwirtschaft: Nach den Sternen greifen
  2. Neuerscheinung: Mit Kultur Geld verdienen – Das Dossier „Kosmos Kulturwirtschaft“
  3. Stellenausschreibungen
  4. Kulturmensch Béatrice Portoff
  5. Einladung: Lesung der Texte des Schulwettbewerbs zur Erinnerung an das rassistische Attentat in Hanau
  6. Rita Süssmuth: Streitbare Kämpferin für Kunst, Kultur und für Frauenrechte
  7. Text der Woche von Çiğdem Uzunoğlu
  8. Zum Schluss: Games sind ein bedeutendes Kulturgut

 


 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
sagenhafte 2 Milliarden US-Dollar Umsatz machte Popstar Taylor Swift mit ihrer Eras-Tour (2024–2025). Ihr Vermögen wird nach dem Rückkauf der Rechte an ihren ersten Alben auf 1,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat mit seinem weltweit tätigen Buchkaufhaus ein Milliarden-Vermögen gemacht und zählt zu den fünf reichsten Personen der Welt. Der Streamingdienst Spotify konnte im vorletzten Jahr bei einem Umsatz von mehr als 16 Milliarden Dollar zum ersten Mal in seiner 17-jährigen Geschichte einen Gewinn verzeichnen.

 

Mit Kultur kann offensichtlich Geld umgesetzt werden, manchmal sogar sehr viel, manchmal kommt der Gewinn schnell, manchmal dauert es lange, oder, auch das ist nicht so selten, es wird es eine Pleite. Doch nur ein winziger Bruchteil der im Kulturmarkt tätigen Unternehmerinnen und Unternehmer bzw. Unternehmen können von solchen Umsatzzahlen, wie sie die amerikanischen Popgrößen und die großen Mediengiganten erwirtschaften, träumen. Sehr viele drehen jeden Cent mehrmals um, überlegen jede Investition und schätzen dennoch ihre selbstständige Tätigkeit.

 

Ich erinnere mich noch sehr gut an jene ersten Zeiten als Galerist in Köln, in denen ich regelmäßig überlegte, ob ich an das klingelnde Telefon gehen sollte oder besser nicht. Es konnte im besten Fall ein Kunde sein, im schlechteren – und das kam leider häufig vor – war es die Bank, die mit mir über die roten Zahlen auf meinem Konto sprechen wollte. Dennoch war ich mit Herzblut selbstständig. Ich habe nach den Sternen gegriffen, wollte natürlich zu den Großen gehören, mit der Zeit verloren die Anrufe ihren Schrecken und meine Familie und ich konnten gut vom Verkaufen zeitgenössischer Kunst leben. Aber die Wegstecke war steinig und mühsam.

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass Unternehmerinnen und Unternehmer diesen Griff zu den Sternen als Triebfeder brauchen, unabhängig davon, ob er sich einlöst oder nicht. Insbesondere diejenigen, die persönlich haften, weil sie soloselbstständig oder Inhaber eines Unternehmens sind, brauchen eine starke innere Motivation oder sogar besser eine Obsession. Das gilt für Künstlerinnen und Künstler wie für Vermarkterinnen oder Vermittler. Dass dann die meisten in der Realität weit entfernt von Superstars wie Taylor Swift landen und oftmals im regionalen Umfeld arbeiten, ist kein Versagen, sondern der Vielfalt im Kulturwirtschaftsuniversum geschuldet.

 

Kein Stern steht allein am Fundament. Das Universum besteht aus kleinen und großen, aus entstehenden und verglühenden Sternen. In der Kultur- und Kreativwirtschaft gibt es auch die großen Stars und die vielen kleinen Sternchen. Um dieses einmalige Universum geht es in diesem Dossier.

 

Ihr

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

 


 

2. Neuerscheinung: Mit Kultur Geld verdienen – Das Dossier „Kosmos Kulturwirtschaft“

 

In Kooperation mit KreativBund – Bundeszentrum Kultur- und Kreativwirtschaft hat der Deutsche Kulturrat das Dossier „Kosmos Kulturwirtschaft“ herausgegeben, die Kultur- und Kreativwirtschaft umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Hiermit wird deutlich gemacht, welchen wichtigen Stellenwert die Branche in Deutschland hat.

 

Auf 88 Seiten kommen Kulturunternehmerinnen und -unternehmer ebenso wie Künstlerinnen und Künstler sowie Politikerinnen und Politiker zu Wort. Deutlich wird die Besonderheit der Kulturwirtschaft: Ihre Produkte sind gleichzeitig Kulturgut und Ware. Dass das Ziel, mit Kulturprodukten Geld zu verdienen, der Qualität keinen Abbruch tun muss, wird in vielen Texten und Interviews klargestellt. Im Gegenteil: Die besondere Stärke der Kultur- und Kreativwirtschaft liegt in der Verbindung von unternehmerischem Denken und kreativen Methoden.

 

Mit Kultur Geld verdienen – Kosmos Kulturwirtschaft
Ein Politik & Kultur-Dossier
Hg. v. Olaf Zimmermann und Theo Geißler
ISBN 978-3-947308-72-9
ISSN 2199-1685
88 Seiten, 5,90 Euro

 

Das Dossier kann einzeln zum Preis von 5,90 Euro versandkostenfrei im Online-Shop des Deutschen Kulturrates bestellt werden. Es ist selbstverständlich auch über jede Buchhandlung lieferbar.

 

 

 


 

3. Stellenausschreibungen

 

Wir suchen Verstärkung in unserer Geschäftsstelle in Berlin!

 

Referentin bzw. Referent Kommunikation (w/m/d) beim Deutschen Kulturrat

Wir suchen zum 1. April 2026 eine Referentin bzw. einen Referenten Kommunikation (w/m/d). In dieser unbefristeten Vollzeitstelle arbeiten Sie an der öffentlichen Darstellung des Spitzenverbandes der Bundeskulturverbände, betreuen Presse- und Online-Kommunikation und wirken redaktionell an Politik & Kultur sowie an Dossiers und Publikationen mit.

 

 

Studentische Hilfskraft (w/m/d) beim Deutschen Kulturrat

Die Werksstudierenden-Stelle bietet Einblicke in die Kulturpolitik und vielfältige Aufgaben: von der Gremienvorbereitung über die Organisation von Veranstaltungen bis hin zur Text- und Bildbearbeitung für unsere Zeitung „Politik & Kultur” sowie für unsere Online-Kommunikation. Gesucht werden engagierte Studierende mit Interesse an Kulturpolitik, eigenverantwortlichem Arbeiten und Teamgeist.

 

 


 

4. Kulturmensch Béatrice Portoff

 

Béatrice Portoff steht für ein Kulturverständnis, das auf Austausch, Vernetzung und gegenseitiger Förderung basiert. Die Juristin ist Präsidentin der GEDOK, der Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen. In Straßburg geboren und in Luxemburg und Brüssel aufgewachsen, kam Béatrice Portoff früh mit europäischen Perspektiven in Berührung. Dieses Interesse begleitet sie bis heute. Nach ihrem Studium führten ihre beruflichen Stationen sie nach Kalifornien und Asien. In Peking arbeitete sie für eine EU-Delegation, in Hongkong absolvierte sie einen juristischen Master und war anschließend als Anwältin tätig, wobei sie sich auf Kooperationen zwischen China und der Europäischen Union spezialisierte. Japan, das Béatrice Portoff bereits 1985 kennengelernt hatte, blieb ein prägender Bezugspunkt: In Tokio engagierte sie sich als Generalsekretärin eines französisch-japanischen Frauenclubs. Die Vernetzung und Förderung von Frauen begleitet sie bis heute. So ist Portoff Mitglied im International Women’s Club, dessen Präsidentin sie 2017 war. Ihr langjähriges Engagement für kulturellen Austausch, für Literatur und für die europäische Idee findet heute seinen Ausdruck in ihrer Arbeit als Präsidentin der GEDOK. Der Verband, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, wurde 1926 von Ida Dehmel als spartenübergreifende, bewusst unpolitische Gemeinschaft gegründet, um Künstlerinnen Arbeits- und Sichtbarkeitsräume zu eröffnen. Heute ist die GEDOK das älteste und europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen mit über 2.800 Mitgliedern in 23 Ortsgruppen.

 

 


 

5. Wir laden Sie herzlich ein: Lesung der Texte des Schulwettbewerbs zur Erinnerung an das rassistische Attentat in Hanau

 

Die Initiative kulturelle Integration und ihre Mitgliedsverbände, dbb beamtenbund und tarifunion sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund vertreten durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft laden Sie in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz herzlich zur feierlichen Lesung der Texte des Schulwettbewerbs „Schreib für Hanau! Deine Worte für Zusammenhalt in Vielfalt“ ein. Dabei werden Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland ihre Beiträge präsentieren, in denen sie sich mit Rassismus und anderen Formen von Ausgrenzung auseinandersetzen. Die Veranstaltung ist dem Gedenken der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau am 19. Februar 2020 gewidmet.

 

Die prominente Jury des Wettbewerbs wählte unter hundert Einreichungen aus zehn Bundesländern zehn Texte und eine Gruppenarbeit für die Präsentation in der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der wir Sie herzlich einladen:

 

  • Wann: 10. Februar 2026, 18 Uhr
  • Wo: Wilhelm-von-Humboldt-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin
  • Hier geht es zur Anmeldung

 


 

6. Rita Süssmuth: Streitbare Kämpferin für Kunst, Kultur und für Frauenrechte

 

Der Deutsche Kulturrat trauert um Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth. Rita Süssmuth ist am Montag dieser Woche im Alter von 88 Jahren verstorben. Mit Rita Süssmuth verlieren wir eine streitbare Kämpferin für Kunst, Kultur und für Frauenrechte. Bis ins hohe Alter war Rita Süssmuth hellwach und engagiert. Sie hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Der Deutsche Kulturrat wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Deutsche Kulturrat hat Rita Süssmuth im Jahr 2000 mit seiner höchsten Auszeichnung, dem Kulturpolitikpreis, ausgezeichnet und damit ihr großartiges Engagement für Kunst und Kultur gewürdigt.

 

Rita Süssmuth war die treibende Kraft, als es um die Verhüllung des Reichstags durch Christo und Jeanne Claude ging. Sie hat sich intensiv für die Kunst im Reichstagsgebäude und die Kunstsammlung des Deutschen Bundestags eingesetzt. Darüber hinaus hatte sie als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit ein besonderes Augenmerk auf die spezifische Situation von Frauen im Kultur- und Medienbetrieb gelegt.

 


 

7. Text der Woche: „Digitale Souveränität ist nicht verhandelbar! Zum Einreiseverbot der HateAid-Geschäftsführerinnen in die USA“ von Çiğdem Uzunoğlu

 

Die von den USA verhängten Einreiseverbote gegen die Geschäftsführerinnen von HateAid sind alles andere als eine diplomatische Fußnote. Sie markieren einen Punkt, an dem eine abstrakte Debatte plötzlich sehr konkret wird – persönlich, politisch und machtvoll. Wer diesen Vorgang als Randnotiz abtut, verkennt seine Tragweite: Hier wird nicht nur eine zivilgesellschaftliche Organisation attackiert, sondern das europäische Verständnis davon, wie digitale Räume reguliert und geschützt werden sollen.

 

Dass ausgerechnet Akteurinnen ins Visier geraten, die sich auf Grundlage europäischen Rechts gegen digitale Gewalt und Hassrede engagieren, ist kein Zufall. Der Fall macht sichtbar, was längst Realität ist: Digitale Souveränität ist kein technisches Detail und kein Zukunftsthema – sie ist eine gegenwärtige Machtfrage. Und sie ist nicht verhandelbar!

 

Çiğdem Uzunoğlu ist Direktorin des Grimme-Instituts

 

  • Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

 


 

8. Zum Schluss: Games sind ein bedeutendes Kulturgut

 

Am Mittwoch Abend sprach ich mit Sascha Ziehn auf WDR 3 Resonanzen über das neue „Handbuch Gameskultur 2.0„.

 

Games sind ein bedeutendes Kulturgut, davon bin ich überzeugt. Im Gespräch geht es um die kulturelle Kraft von Computerspielen, über Ego-Shooter, Suchtgefahren und die pure Lust am Gaming.

 

Hier kann man das Gespräch nachhören.

 

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