- Arroganz – Die Selbstverständlichkeit der Sprachelite
- NEU! Politik & Kultur 7-8/26
- Der Sprecherrat des Deutschen Kulturrates
- Danke: Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration
- Rentenkommission: Alterssicherung im Kulturbereich steht vor einer Ausweitung
- Vorsitz des Beirats der Stiftung Digitale Spielekultur gewählt
- Text der Woche: Wie frei ist die öffentlich geförderte Kunst? Das prekäre Grundrecht der Kunstfreiheit von Nils Weinberg
- Zur Person: Regine Möbius von Stiftung Haus der Geschichte in Bonn verabschiedet
- Zum Schluss: Weimers Sinneswandel
Sehr geehrte Damen und Herren,
jeder Mensch hat besondere Begabungen, das macht ihn aus. Nur selten hat ein Mensch sehr viele Begabungen, aber auch diese Begrenztheit macht den Menschen aus. Einige Menschen sind sehr sprachbegabt, das ist beneidenswert, aber es ist eben eine Begabung, die die Ressource an Begabungen mit aufbraucht. Ich habe diese Begabung nicht, leider, Fremdsprachenkenntnisse sind bei mir Fehlanzeige.
Nun erlebe ich um mich herum eine Lust, mitten in Deutschland sich am liebsten mit einer Fremdsprache, dem Englischen, zu verständigen. In meinem Berliner-Kiez kann man in manchen Restaurants nur noch in Englisch bestellen.
Im akademischen Milieu ist es geradezu Mode geworden, Treffen in englischer Sprache zu veranstalten. Ich wehre mich dagegen. Einen Beirat einer großen deutschen Kultureinrichtung habe ich gerade verlassen, weil man eine Übersetzung Deutsch: Englisch und zurück, nicht anbieten wollte und nur Englisch als Arbeitssprache zulässt. Andere respektieren meinen Wunsch nach einer simultanen Übersetzung. Gerade in Zeiten, in denen diese Treffen meist im Netz stattfinden, ist das technisch weitgehend problemlos zu organisieren.
Überall wo eine Übersetzung angeboten wird, wird sie aber nicht nur von mir, sondern von fast allen Deutsch-Muttersprachlern intensiv genutzt. Auch viele Osteuropäer sind sichtbar dankbar für meine Intervention. Dass alle gut Englisch sprechen können, ist nämlich eine Behauptung einer kleinen Sprachbegabungselite und hat mit der Realität wenig zu tun.
Vor Kurzem war ich bei einer Mitgliederversammlung. Der Verein hatte, und das finde ich sehr erfreulich, einen US-Amerikaner als neues Mitglied aufgenommen, der wie ich sprachunbegabt ist und nur seine Muttersprache spricht. Sofort wurde vom Vorstand des Vereins die Sitzungssprache auf Englisch umgestellt, ohne auch nur die Frage zu stellen, ob das für einige der anderen Mitglieder ein Problem darstellen könnte. Ich habe mir erlaubt, weiter Deutsch zu sprechen.
Diese Art der akademischen Arroganz, geht mir zunehmend auf die Nerven. Ich bin dafür, dass wir unsere Treffen so inklusiv wie möglich anbieten und selbstverständlich sollen Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, eine Hilfe erhalten, damit sie sich einbringen können. Aber die Arbeitssprache in Deutschland ist Deutsch. Wir ringen seit Jahren um kulturelle Vielfalt und versuchen uns der amerikanischen digitalen Übermacht entgegenzustemmen, das sollten wir auch beim Thema Sprache auch machen. Das hat nichts mit Deutschtümelei zu tun, sondern mit Kultur.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur
2. NEU! Politik & Kultur 7-8/26
Die neue Ausgabe von Politik & Kultur richtet den Schwerpunkt auf das Thema „Hauptsache live! Konzerte, Festivals, Shows: vor und hinter der Bühne“. Die Beiträge dazu finden Sie auf den Seiten 17 bis 32.
Im Leitartikel schreibt Nils Weinberg, Wissenschaftler am Lehrstuhl für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, über das Grundrecht der Kunstfreiheit.
Weltkulturerbe
Berliner Mauer: Am 13. August jährt sich der Bau des bekannten Symbols des Wettstreits der Systeme, das endlich Weltkulturerbe werden sollte.
Kulturfördergesetz
Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra gibt Auskunft zum neuen Kulturfördergesetz, das u. a. Kunst und Kultur als Staatsziel verankert.
Bundespräsident
Krise der Repräsentation: Die politischen Institutionen verlieren in der Öffentlichkeit an Respekt – wie beim Staatsoberhaupt zu sehen. Was ist zu tun?
RTL übernimmt Sky
In Konkurrenz mit globalen Plattformen: Die Bertelsmann-Sendergruppe wird durch die Sky-Übernahme zum drittgrößten Pay-TV-Anbieter.
Außerdem: Was ist von Europas Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 geblieben?; Fünf Jahre Humboldtforum; Museen in der Migrationsgesellschaft; Kulturerbe in Bundesgewässern; Biennale in Venedig; Zustand der Filmkritik u.v.m.
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- Die Ausgabe steht als E-Paper (PDF-Datei) auch kostenfrei zum Herunterladen bereit
3. Sprecherrat des Deutschen Kulturrates
Am Donnerstag hat die letzte Sitzung vor der Sommerpause des Sprecherrats des Deutschen Kulturrates in Berlin stattgefunden. Als wichtigstes politisches Organ des Deutschen Kulturrates sind im Sprecherrat die neun Sektionen des Kulturrates vertreten. Dort werden gemeinsam politische Stellungnahmen und Positionierungen sowie die jährlichen und langfristigen Arbeitsprogramme des Deutschen Kulturrates beschlossen.
Die gestrige Sitzung war besonders produktiv: Es wurden fünf Stellungnahmen zu den Themen „Kultur macht stark“, Vor- und Nachlässe, Bürokratieabbau und Verwaltungsvereinfachung, Urheberrecht sowie Kulturfinanzierung verabschiedet. Mehr dazu folgt in Kürze.
4. Danke: Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration
Am 21. Mai fand der erste bundesweite Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt der Initiative kulturelle Integration erfolgreich statt. Mehr als 450 Aktionen, Veranstaltungen und künstlerische Beiträge in allen Bundesländern machten am UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt sichtbar: In Deutschland engagieren sich zahlreiche Menschen, Einrichtungen und Organisationen für kulturelle Vielfalt, gesellschaftliche Teilhabe und ein demokratisches Miteinander. Von Schulaktionen, Konzerten, Lesungen und Ausstellungen über Begegnungsformate, Diskussionsveranstaltungen und künstlerische Beiträge bis hin zu Aktionen von Medien, Kommunen, Religionsgemeinschaften, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Initiativen reichte das Spektrum.
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten! Sie haben den ersten Aktionstag mit Leben und Engagement gefüllt – und so zu einem Erfolg werden lassen. Als Zeichen der Anerkennung und des Dankes haben die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein breites Bündnis von 28 Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – zahlreiche Preise für die Tombola zur Verfügung gestellt: von einer Cello-Stunde mit Christian Höppner, Professor für Violoncello an der Universität der Künste Berlin, über einen Einblick in die private Kunstsammlung von Florian Peters-Messer bis hin zu einer Currywurst mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas.
Damit soll allen Mitmachenden ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung für ihr Engagement im Rahmen des ersten Aktionstags Zusammenhalt in Vielfalt zukommen.
Wir freuen uns auf den zweiten Aktionstag der Initiative kulturelle Integration im kommenden Jahr und sagen noch einmal: Herzlichen Dank für Ihr Engagement – Sie haben gezeigt, wie Zusammenhalt in Vielfalt gelingen kann!
5. Rentenkommission: Alterssicherung im Kulturbereich steht vor einer Ausweitung
Die von der Bundesregierung Anfang dieses Jahres eingerichtete Alterssicherungskommission (Rentenkommission) hat am Dienstag dieser Woche ihre Empfehlungen vorgelegt. In den 32 Empfehlungen wird auf diverse Fragen der Alterssicherung eingegangen.
Die erste Einschätzung zeigt, dass für Selbstständige aus dem Kultur- und Medienbereich insbesondere die Empfehlungen 21 und 22 relevant sind, in denen es um die generelle Einbeziehung von Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung geht. Selbstständige Künstlerinnen und Künstler sowie Publizistinnen und Publizisten sind bereits jetzt in der Künstlersozialversicherung pflichtversichert. D.h. sie werden von dieser möglichen Neuregelung nicht betroffen sein. Andere wie z.B. Architektinnen und Architekten sind in Versorgungswerken versichert, auch für sie wird sich durch diese Empfehlungen der Alterssicherungskommission nichts ändern.
Derzeit gibt es verschiedene Systeme der Alterssicherung im Kultur- und Medienbereich. Während die einen beispielsweise durch die Künstlersozialversicherung Ansprüche in der Rentenversicherung erwerben, können andere sich dort nicht versichern und müssen rein privat vorsorgen. Viele Selbstständige im Kulturbereich können aufgrund geringer Einkommen nur unzureichend privat vorsorgen. Sie sind extrem von Altersarmut betroffen. Es ist wichtig, das Problem endlich zu lösen. Die Empfehlungen der Alterssicherungskommission geben eine Richtung vor, wie sich die Altersvorsorge entwickeln kann. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, die Empfehlungen zu prüfen und in ein Gesetzespaket zu gießen. Der Deutsche Kulturrat wird sich hierzu positionieren und die besondere Situation der Kulturschaffenden deutlich machen.
- Lesen Sie hier die vollständige Pressemitteilung des Deutschen Kulturrates
6. Vorsitz des Beirats der Stiftung Digitale Spielekultur gewählt
Am Mittwoch wurde ich zum wieder zum Vorsitzenden des Beirats der Stiftung Digitale Spielekultur gewählt. Zu meiner Stellvertreterin wurde Prof Dr. Johanna Pirker von der Technische Universität München neu gewählt.
Die im Beirat vertretenen Institutionen sind:
- ARD
- Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Deutsche Gesellschaft für Spielewissenschaft
- Deutscher Kulturrat e. V.
- game – Verband der deutschen Games-Branche e. V.
- GMK – Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e. V.
- Technische Universität München
- Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)
Mehr Infos zu den Mitgliedern und ihren Vertretungen finden Sie hier.
Ich bedanke mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen und freue mich sehr darauf, die digitale Spielekultur als festen Bestandteil der Kultur in Deutschland weiter zu stärken und auszubauen.
7. Text der Woche: Wie frei ist die öffentlich geförderte Kunst? Das prekäre Grundrecht der Kunstfreiheit von Nils Weinberg
In der gegenwärtigen deutschen Kulturpolitik genügt die Einladung einer Künstlerin, um zwei Parlamente und zwei Regierungen zu beschäftigen. Die palästinensische Filmemacherin Basma al-Sharif sprach auf Einladung von Studierenden im Januar in der Kunstakademie Düsseldorf. Das Wissenschaftsministerium und der Kulturausschuss des Landtags bestellten die Akademiedirektorin, Donatella Fioretti, ein. Im Zentrum für zeitgenössische Kunst in Vilnius organisierte das Goethe-Institut eine Ausstellung, in der al-Sharif einen ihrer Filme zeigte. Das Auswärtige Amt rügte das Goethe-Institut für diese Einladung; der für auswärtige Kulturpolitik zuständige Unterausschuss des Deutschen Bundestages will den Vorfall aufarbeiten. Grund für das Handeln von Land und Bund war, dass al-Sharif sich in den sozialen Medien mehrfach antisemitisch geäußert und zum Boykott Israels aufgerufen habe.
Die Kunstakademie und das Goethe-Institut reagierten auf die Kritik durch Regierung und Parlament unterschiedlich: Fioretti verteidigte die Entscheidung, al-Sharif einzuladen, unter Verweis auf die Meinungsfreiheit der Künstlerin und die Wissenschaftsfreiheit der Akademie. Das Goethe-Institut hingegen ließ mitteilen, dass es den Vorfall bedauere. Woher rühren diese unterschiedlichen Reaktionen?
Nils Weinberg ist assoziierter Wissenschaftler am Lehrstuhl für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
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8. Zur Person: Regine Möbius von Stiftung Haus der Geschichte in Bonn verabschiedet
Regine Möbius, die den Deutschen Kulturrat im Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen in der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn über mehr als ein Jahrzehnt vertrat, wurde in der letzten Sitzung des Arbeitskreises verabschiedet. Über mehrer Wahlperioden hat sie als Vorsitzende den Arbeitskreis geleitet. Sie brachte eine besondere ostdeutsche Perspektive in den Beirat ein. In der letzten Sitzung wurde sie mit einem herzlichen Dank verabschiedet. Künftig wird der Präsident des Deutschen Kulturrates Prof. Christian Höppner den Deutschen Kulturrat im Arbeitskreis vertreten. Herzlichen Dank an Regine Möbius!
9. Zum Schluss: Weimers Sinneswandel
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte am vergangenen Dienstag: „Schriftliches Kulturgut ist unverzichtbarer Bestandteil unseres kollektiven Gedächtnisses. Ohne authentische Quellen wäre eine lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur nicht möglich. Gerade in Zeiten, in denen historische Fakten zunehmend infrage gestellt werden, sind Archive, Bibliotheken und Museen als Orte der Überlieferung für unsere Demokratie wichtiger denn je. Es ist unsere gesamtstaatliche Aufgabe, dieses Erbe für kommende Generationen zu bewahren und für die Gesellschaft zugänglich zu machen.“
Ich freue mich sehr über den Sinneswandel des Kulturstaatsministers!
Lesen Sie hier den O-Ton des Kulturstaatsministers.