Kulturpolitik muss kräftig und selbstbewusst weiterentwickelt werden

Der Preis ist mir eine große Freude. Die Kultur ist ein wichtiges Element meines persönlichen und meines politischen Lebens. Es ist eines meiner politischen Lebensthemen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist diese Seite von mir oft hinter anderen Themen zurückgetreten. Für die Wiederbelebung dieser Erinnerung, aber auch für das Interesse an meiner kulturpolitischen Arbeit heute bin ich dankbar.

 

Ich bin der 25. Preisträger – und ich möchte gern an den ersten erinnern. Es war Sieghardt von Köckritz. Er war der Leiter der Kulturabteilung des Bundesministeriums des Innern – ein Glücksfall für die deutsche Kulturpolitik. Er hat vieles von dem in Bewegung gesetzt, was heute zur unverzichtbaren Grundlage unserer Kulturpolitik gehört, und war mir ein inspirierender Ratgeber.

 

Nun mein Dank an die Vorredner: Ich danke der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Ihnen, Frau Schneider-Kempf, der Generaldirektorin der Staatsbibliothek. Ja, ich habe den Neubau der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz damals eröffnet. Mir war das gar nicht mehr bewusst.

Auch Ihnen, Herr Parzinger, dem Präsidenten dieser in der Welt einmaligen Vielfalt des Kulturbesitzes, möchte ich danken. Sie haben das Schiff auch durch schwere See erfolgreich gesteuert. Sie erinnerten an die Zeit, als ich Stiftungsratsvorsitzender war. Und in der Tat ist es so, wie Sie sagten: Vieles, was ich damals politisch vertreten habe, ist als Aufgabe geblieben. Dank auch für die Erinnerung an meine Beiträge zur Entwicklung der Stiftung. Es war mir sehr wichtig, das geteilte Berlin als Ort der Kultur zu stärken, wie ich das vorher schon neben Peter Nestler als einer der Vorsitzenden der Berliner Festspiel GmbH getan habe.

 

Ich danke Susanne Keuchel. Ich freue mich, dass Sie zur neuen Präsidentin des Deutschen Kulturrates gewählt wurden. Glückwunsch zu dieser neuen Aufgabe!

 

Aus unseren Debatten im Kulturrat NRW weiß ich: Sie sind sehr kompetent und nah an den aktuellen Themen, vor allem auch mit Ihrem Fachbereich, der kulturellen Bildung. Von Ihnen und Ihren Mitstreitern ist einiges zu erwarten.

 

Dank an Olaf Zimmermann, den Geschäftsführer. Was wäre der Kulturrat ohne ihn und seine Truppe. Er war mir immer ein kundiger, verlässlicher Partner. Wir profitieren alle von den wichtigen Initiativen und Berichten. Beeindruckt bin ich unter anderem von der Initiative kulturelle Integration. Als Bollwerk gegen eine Welt wachsender Ökonomisierung.
Mein besonderer Dank gilt Isabel Pfeiffer-Poensgen für ihre einfühlsame Laudatio.

 

Mit ihr und ihrem Mann Hanfried verbinden meine Frau und mich eine langjährige Freundschaft. Heute kommt die vertrauensvolle Zusammenarbeit in NRW hinzu. NRW hat endlich wieder eine Kulturministerin. Das ist ein Signal. Du bist auf die Kulturszene im Land zugegangen. Wir fühlen uns von dir gut vertreten. Der NRW Kulturrat hat für diese neue NRW-Kulturpolitik lange und hartnäckig gekämpft, und wir werden diesen Kampf gemeinsam fortsetzen. Es bleibt noch viel zu tun! Dass ich noch einmal für den Vorsitz des Kulturrates kandidiert habe – das hat auch mit dir zu tun.

 

Dank an die Musikerin Dorothee Oberlinger. Seit ich Sie vor vielen Jahren zum ersten Mal während des Romanischen Sommers, den meine Frau in Köln gestaltet und organisiert hat, gehört habe, schätze ich Sie als großartige Interpretin alter und neuer Musik. Die von ihr angekündigte „schlimme Mischung“ gibt der Veranstaltung eine besondere Farbe.
Dank schließlich an meine Frau, die mir auch auf den Wegen der Kultur eine immer inspirierende Partnerin ist!

 

Norbert Lammert, der vorjährige Preisträger – er kann heute nicht hier sein – hat mir einen herzlichen Glückwunsch geschickt mit der Bemerkung, die ich nur zitiere, „endlich ist der Groschen gefallen“. Ich schätze ihn als Kulturpolitiker sehr – er ist einer der wenigen – ich danke ihm.

 

Ich habe schon einmal im Dezember eine Rede zur Kulturpolitik gehalten, nämlich vor dem Deutschen Künstlerbund, und zwar fast auf den Tag genau vor 44 Jahren: am 11.12.1975 hier in Berlin.

 

Schon damals ging es um die Themen, die uns heute noch wichtig sind. Ich begrüßte offiziell in meiner Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär und zuständig für die Kultur die Absicht der Berufsverbände, sich zu einem Kulturrat auf Bundesebene zusammenzuschließen. Es war vor allem auch eine Initiative des BMI. Es hat ja dann auch ideelle und finanzielle Geburtshilfe geleistet. Wir können von Glück sagen, dass die Kultur heute gesellschaftlich übergreifend eine starke Lobby hat.

 

Warum Kulturpolitik? Kunst braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um sich entfalten zu können. Sie braucht Planungssicherheit. Bereits 1975 gab es einen Aufruf „Kunst ist kein Luxus“ vieler Prominenter in unserem Lande: Mehr als 100.000 Unterschriften kamen zusammen. In der Tat: Kunst ist keine Sache für Schönwetterzeiten, keine x-beliebige Subvention, die immer mal wieder zur Disposition gestellt werden könnte. Eine Gesellschaft ohne die kreativen Kräfte der Kunst würde veröden, wäre nicht zukunftsfähig. Sie muss feste dauerhafte Strukturen haben und nicht von der Hand in den Mund leben müssen.

 

Kunst braucht Künstlerinnen und Künstler. Sie dürfen nicht zur Selbstausbeutung gezwungen und in prekären Einkommenssituationen allein gelassen werden. Schon 1975 veranlasste die Bundesregierung eine Enquete über die soziale und berufliche Lage der Künstlerinnen und Künstler. Das Bundeskabinett verabschiedete ein Programm zur Verbesserung ihrer sozialen und beruflichen Lage. Die Künstlersozialversicherung war ein Ergebnis dieser neuen Politik.

 

Die Lage hat sich seitdem verbessert – aber noch lange nicht genug. Wir setzen uns in NRW für eine Stärkung der individuellen Künstlerförderung ein.

Gerhart R. Baum
Gerhart R. Baum ist Innenminister a. D. und Preisträger des Kulturgroschens 2019 des Deutschen Kulturrates.
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