- Deponieren, niederlegen, aufbewahren: Wie steht es um unsere Museumsdepots?
- Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien
- NEU! Dossier „Mit der Welt verbunden: Die Deutsche Welle“
- Veranstaltung: AMJ – Chorgespräch „Verein(t) gegen rechts: Was tun gegen antidemokratische Tendenzen in der Kultur?“
- Einladung: Jahreskonferenz der Initiative Gaming for Democracy
- Einladung: Alte Computer, große Leidenschaft: Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns
- Auf dem Weg zum Welterbe: Das Grüne Band
- Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt 2027 – Commitment-Kampagne: Florian Hager
- Kulturmensch Brigitte Fassbaender
- Text der Woche: „Die Wege des Nasreddin“ von Marion Ackermann
- Zum Schluss: Jüdische Akademie in Frankfurt eröffnet
Sehr geehrte Damen und Herren,
der weitaus größte Teil der Museumsbestände lagert in Depots. Deshalb ist die Frage, wie es um die Depots unserer Museen steht, keineswegs nachrangig, sondern vielmehr eine zentrale Frage der Kulturpolitik.
Zu den Kernaufgaben von Museen gehören das Sammeln, das Bewahren, das Erforschen, das Ausstellen und das Vermitteln. Ausstellungen repräsentieren also nur einen Teilbereich des musealen Aufgabenspektrums.
Sammeln ohne Bewahren ist kaum denkbar. Nur durch die adäquate Bewahrung behält eine Sammlung ihren Wert. Den Depots muss mindestens die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt werden wie den Ausstellungsräumen. Denn nur wenn die Objekte sicher, unter klimatisch angemessenen Bedingungen, geordnet, auffindbar und vor Schädlingen geschützt aufbewahrt werden, können sie langfristig erhalten, erforscht und zugänglich gemacht werden.
Ein Depot ist weitaus mehr als ein gut aufgeräumter Keller eines Museums, aus dem bei Bedarf Objekte hervorgeholt werden. Das Depot ist vielmehr das Herzstück eines Museums. Hier wird das kulturelle Erbe bewahrt, das in den Ausstellungen immer nur ausschnittweise sichtbar werden kann. Zur Bewahrung gehört ggf. auch die Restaurierung von Objekten, damit sie langfristig erhalten bleiben und bei Bedarf für eigene Ausstellungen oder den Leihverkehr zur Verfügung gestellt werden können. Die Qualität eines Museums bemisst sich deshalb nicht allein an seinen Ausstellungen, sondern ebenso daran, wie verantwortungsvoll es mit den ihm anvertrauten Sammlungen umgeht.
Für die Forschung bieten die in den Depots bewahrten Sammlungsstücke einen kaum zu überschätzenden Fundus. Die dort aufbewahrten Objekte können erforscht werden, ohne die laufenden Ausstellungen zu beeinträchtigen. Dabei eröffnen sich neue Fragestellungen, wissenschaftliche Methoden und Erkenntnismöglichkeiten.
Traditionell dienen Depots als Reservoir für Ausstellungen – seien es solche im eigenen Museum oder Leihgaben für Ausstellungen anderer Häuser. Dass ein Depot selbst zum Ausstellungsort wird, ist in Deutschland eine vergleichsweise neue Entwicklung. In anderen europäischen Ländern sind Depots schon länger auch Ausstellungsorte. Diese Öffnung bringt neue Herausforderungen für die Präsentation, Aufbewahrung und Zugänglichmachung mit sich.
Der Aspekt der Vermittlung gewinnt im Depot besonders dann an Bedeutung, wenn es – und sei es nur in Teilbereichen – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Denn Depotbestände erschließen sich nicht von selbst.
Die Öffnung von Depots ist eine große Chance für Museen. Die Breite und Qualität des Sammlungsgutes können sichtbar gemacht werden. Das Publikum kann noch näher an das Museum und seine Arbeit herangeführt werden. Neue Möglichkeiten im Bereich der Citizen Science, also der aktiven Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an wissenschaftlicher Forschung, können sich eröffnen. Sie können einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Verankerung der Museen in ihrer Stadt und ihrer Region leisten.
Gleichzeitig müssen die schwierigen Rahmenbedingungen im Blick behalten werden. So manches Museum wäre wahrscheinlich schon froh, überhaupt über ein Depot zu verfügen, das gut erreichbar, technisch angemessen ausgestattet und vor allem nicht aus allen Nähten geplatzt ist.
Deshalb darf die berechtigte Begeisterung für öffentlich zugängliche Depots nicht darüber hinwegtäuschen, dass zunächst die grundlegenden Voraussetzungen für die Bewahrung der Sammlungen gesichert werden müssen.
In jedem Fall bin ich fest davon überzeugt, dass den Depots in der Kulturpolitik deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Deshalb haben wir den Schwerpunkt in der neuen Ausgabe von Politik & Kultur dem Thema gewidmet.
Lesen Sie hier: Verborgene Schätze – Was lagert in den Museumsdepots
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
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2. Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien
Am 4. November fand die 30. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien mit einem öffentlichen Fachgespräch zur Buch- und Verlagsbranche statt. Ich durfte den Deutschen Kulturrat vertreten. Außerdem wurden angehört: Jeannette Bauroth, Second Chances Verlag und IG Unabhängige Verlage beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels; Daniel Beskos, Kurt Wolff Stiftung; Sebastian Guggolz, Börsenverein des Deutschen Buchhandels; Christian Kopp, Verlag C.H.Beck
Das Fachgespräch wurde live übertragen und kann in der Mediathek des Deutschen Bundestags nachgeschaut werden. Hier finden Sie die Pressemitteilung des Deutschen Kulturrates dazu.
3. NEU! Dossier „Mit der Welt verbunden: Die Deutsche Welle“
In Kooperation mit der Deutschen Welle hat der Deutsche Kulturrat das Dossier „Mit der Welt verbunden: Die Deutsche Welle“ herausgegeben. Es gibt Einblicke in die Geschichte, den Auftrag und die Arbeitsweise der Deutschen Welle und zeigt ihre Bedeutung für Kultur, Medien und Gesellschaft weltweit.
Die Beiträge spannen einen Bogen von der Gründung der DW über ihre Finanzierung und die Sicherung ihrer journalistischen Unabhängigkeit bis zu ihrer weltweiten Arbeit – auch in von Krisen geprägten Gebieten. Zugleich richtet das Dossier den Blick nach vorn: Wie verändern digitale Innovationen und Künstliche Intelligenz den Journalismus? Und was braucht die DW, um ihren Auftrag auch künftig erfüllen zu können? Stimmen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft sowie Mitarbeitende des Senders eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf diese Fragen.
Mit der Welt verbunden: Die Deutsche Welle
Ein Politik & Kultur-Dossier
Hg. v. Olaf Zimmermann und Theo Geißler
ISBN 978-3-947308-76-7, 72 Seiten. 5,90€
Erscheinungsdatum 01.11.2026
Das Dossier kann zum Preis von 5,90 Euro versandkostenfrei im Online-Shop des Deutschen Kulturrates bestellt werden. Es ist auch über jede Buchhandlung lieferbar.
4. AMJ – Chorgespräch: „Verein(t) gegen rechts: Was tun gegen antidemokratische Tendenzen in der Kultur?“
Online-Talk-Reihe rund um das Singen und die Amateurmusik
Die Sorge wächst: Die Polarisierung der Gesellschaft, lauter werdende Forderungen nach einer „deutschen“ oder „nationalen“ Kultur sowie mehr oder weniger subtiler Druck auf Kultureinrichtungen machen deutlich, wie wichtig es ist, wach zu bleiben und solchen Tendenzen etwas entgegenzusetzen.
Was können und müssen Kultureinrichtungen und insbesondere die Zivilgesellschaft tun, um wirksam gegen Einflussnahme auf künstlerische Inhalte zu kämpfen, um notwendige Freiräume zu erhalten? Sind neue Kooperationen nötig? Neue Aktionen? Müssen wir lauter werden?
Diese und andere Fragen diskutieren
- Theresa Demandt, Geschäftsführerin des Bundesmusikverbands Chor & Orchester (BMCO)
- Ulrike Nemson, Geschäftsführerin des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats
Moderation: Barbara Haack, Generalsekretärin Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ)
- 2. Dezember 2026, 16 bis 17 Uhr
- Zur Anmeldung
5. Einladung: Jahreskonferenz der Initiative Gaming for Democracy
Am 1. und 2. Dezember 2026 lädt die Initiative Gaming for Democracy zu ihrer ersten Jahreskonferenz auf den Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn ein. Sie bringt Menschen aus dem Games-Ökosystem, der Zivilgesellschaft, Bildung und Wissenschaft zusammen, die in dieser Zusammensetzung bislang nur selten miteinander ins Gespräch kommen.
Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie Games und Gaming-Communitys zu demokratischer Teilhabe, Engagement und gesellschaftlichem Zusammenhalt beitragen können. Der Deutsche Kulturrat ist mit dabei.
01.12.2026 12:00 Uhr – 02.12.2026 12:00 Uhr
Bildungscampus 1, 74076 Heilbronn, Baden-Württemberg
Jetzt anmelden bis zum 27. November 2026
6. Einladung: Alte Computer, große Leidenschaft – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns
Warum sammeln Menschen alte Computer – aus Nostalgie, Technikbegeisterung, Jagdtrieb oder Interesse an ihrem Wert? Was macht einen ausrangierten Rechner zum begehrten Sammlungsstück?
Der Deutsche Kulturrat und das Computerspielemuseum in Berlin laden Sie herzlich zu einem Abend über die Faszination historischer Computer und das Sammeln als grundlegende Kulturtechnik ein.
Dienstag, 15. Dezember 2026, 19:30 Uhr
Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93a, 10243 Berlin
Nach einer Begrüßung von Martin Görlich, Geschäftsführer des Computerspielemuseums, verbindet Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, in seinem Vortrag „Alte Computer – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns“ persönliche Sammelleidenschaft mit Fragen der Technikgeschichte, Kunst und Ästhetik.
Im Anschluss an den Vortrag freuen wir uns auf die Diskussion mit Ihnen. Bei Getränken und Brezeln lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen.
Anmeldung & weitere Informationen zur Veranstaltung
7. Auf dem Weg zum Welterbe: Das Grüne Band
Sieben Botschafterinnen und Botschafter des Grünen Bandes berichten in kurzen Filmen vom Mauerfall und erklären, warum sie sich für die Aufnahme des Grünen Bandes in die UNESCO-Welterbeliste einsetzen.
Schauen Sie sich hier die Statements auf YouTube an:
- Olaf Bandt
- Katrin Budde
- Monika Grütters
- Eckart von Hirschhausen
- Prof. Christian Höppner
- Sebastian Krumbiegel
- Prof. Dr. Hermann Parzinger
Im Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe: Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ von Deutschem Kulturrat und BUND wird der Diskussionsprozess um die Aufnahme der ehemaligen innerdeutschen Grenze einschließlich der Berliner Mauer (Grünes Band) als gemischte Welterbestätte in die UNESCO-Welterbeliste begleitet und unterstützt.
Veranstaltungstipp: Wo einst die Grenze verlief – Szenische Lesung und Gespräch am Grünen Band in Dömitz
Auf den Tag genau 37 Jahre nach dem Mauerfall lädt der BUND in Kooperation mit dem Deutschen Kulturrat (DKR) zu einem besonderen Abend ein. Um 19 Uhr geht es im KADE – Kulturort an der Elbe um die Frage, wie die innerdeutsche Grenze Wege, Landschaften und Lebensgeschichten verändert hat.
Montag, 9. November 2026
19 Uhr KADE – Kulturort an der Elbe
Elbstraße 14, 19303 Dömitz
Eintritt frei
„Auf dem Weg zum Welterbe: Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ heißt die Veranstaltungsreihe, die den Diskussionsprozes um die Nominierung der Berliner Mauer und des früheren Grenzstreifens als UNESCO-Welterbe begleitet. In Dömitz steht der Schwerpunkt „Infrastruktur – unterbrochene Wege und Biografien, geteiltes Land“ im Mittelpunkt.
8. Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt 2027 – Commitment-Kampagne: Florian Hager
Florian Hager ist Vorsitzender der ARD und Intendant des hr. Die ARD ist Mitglied der Initiative kulturelle Integration – mit der Commitment-Kampagne „Jedes Statement ein Bekenntnis“ rufen wir zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt 2027 auf. Im Umfeld des UNESCO-Welttags der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2027 sollen wieder zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Einrichtungen oder Einzelpersonen durchgeführt und so möglichst viele Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.
9. Kulturmensch Brigitte Fassbaender
Zum Orden pour le Mérite, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik, dem Echo Klassik und anderen bedeutenden Auszeichnungen mehr kommt nun für die Sängerin, Regisseurin, Gesangspädagogin und Intendantin Brigitte Fassbaender eine weitere hinzu: Sie erhält den Deutschen Theaterpreis DER FAUST für ihr Lebenswerk. Bei einer großen Gala am 14. November 2026 im Hessischen Staatstheater Wiesbaden wird die Preisträgerin ausgezeichnet. Mehr als verdient!
Fassbaender, geboren 1939 in Berlin, studierte Gesang bei ihrem Vater, dem Kammersänger Willi Domgraf-Fassbaender. Mit 21 Jahren debütierte sie an der Bayerischen Staatsoper in München. Es folgten internationale Stationen. Eine Mezzosopranistin von Weltklasse, die auch viel für die Gleichberechtigung in ihrem Fach getan hat: Als erste Frau nahm sie die drei großen Liederzyklen von Franz Schubert auf. Nach ihrer aktiven Gesangskarriere profilierte sie sich als Musiktheater-Regisseurin und Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck (1999–2012). Sie habe „das Musiktheater geprägt wie kaum eine Sängerin ihrer Generation. Als Mezzosopranistin brillierte sie mit ihren Hosenrollen – etwa Octavian im ‚Rosenkavalier‘, Cherubino im ‚Figaro‘ oder Orlofsky in der ‚Fledermaus‘ – auf zahlreichen Bühnen weltweit. Auch ihr Wechsel ins Regiefach und später ihre langjährige Intendanz des Tiroler Landestheaters wurden zur Inspiration und zum Vorbild für viele Frauen, sich in diesen damals noch stark männlich dominierten Beruf zu wagen“, so die Preisjury.
10. Text der Woche: „Die Wege des Nasreddin“ von Marion Ackermann
In vielen Ländern der legendären Seidenstraße – heute als geopolitisches Großprojekt der „Neuen Seidenstraße“ wieder im Gespräch – weisen Denkmäler auf die tiefe Verankerung einer besonderen Figur hin: Nasreddin Hodscha. Er, der auch andere Namen trägt, gilt wohl als der berühmteste Schelm der islamischen Welt. Seine Geschichten, voll von einer Mischung aus Ironie und Weisheit, verbinden seit Jahrhunderten die Gesellschaften vom Balkan über die Türkei und den Kaukasus bis hin nach Zentralasien. 2022 nahm die UNESCO die Erzähltradition der Nasreddin-Anekdoten in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Marion Ackermann ist Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
- Lesen Sie hier den vollständigen Artikel
11. Zum Schluss: Jüdische Akademie in Frankfurt eröffnet
Es gibt auch noch die wirklich guten Nachrichten: Die Jüdische Akademie in Frankfurt ist mit einer sehr schönen Feier am Montagabend eröffnet worden und mein Freund Doron Kiesel (rechts auf dem Foto) hat sich als Direktor der Akademie seinen Lebenstraum verwirklicht. Schön! Sehr schön!
