- Mentoringprogramm: Frauen in Führungspositionen im Kulturbereich
- Reaktionen auf die „Fortschrittsagenda Kultur + KI“
- Veranstaltungstipp: Denkt nach, ehe ihr JA sagt – Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute
- Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Eckart von Hirschhausen
- Einladung zur ersten Jahreskonferenz „Gaming for Democracy“
- Text der Woche: „Der Hauptstadtkulturfonds“ von Hermann Parzinger
- Nur für Nerds: Alte Computer – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns
Sehr geehrte Damen und Herren,
es war ein Paukenschlag, als im Sommer 2016 die Studie »Frauen in Kultur und Medien« des Deutschen Kulturrates veröffentlicht wurde. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte zur Vorstellung der Studie ins Bundeskanzleramt eingeladen. Die Ergebnisse waren erschütternd. Spontan kündigte sie an, einen Dialogprozess zu starten, um Wege zur Verbesserung der Situation zu finden. Daraus entstand ein Runder Tisch, der über ein Jahr lang unter Moderation der Akademie der Künste tagte. Im Juni 2017 lud Monika Grütters erneut ins Bundeskanzleramt ein und nahm Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in die Pflicht, sich konkret für mehr Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Sie setzte damit ein klares Signal: Mehr Geschlechtergerechtigkeit ist machbar, und alle sind gefragt.
Die Studie zeigte u.a., dass bei der Besetzung von Führungspositionen im Kulturbereich noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Bei allen Debatten um mehr Diversität im Kultur- und Medienbereich war die Stärkung von Frauen, die Führungspositionen anstreben, für den Deutschen Kulturrat ein wesentliches Anliegen in den letzten zehn Jahren.
Im Jahr 2017 konnte mit Unterstützung der BKM das Mentoring-Programms »Frauen in Kultur und Medien« des Deutschen Kulturrates starten. Es richtet sich an Frauen, die mindestens zehn Jahre Berufserfahrung haben und eine Führungsposition im Kultur- oder Medienbereich anstreben. In den ersten acht Mentoring-Runden nahmen mehr als 250 Frauen an dem Programm teil. Mehr als 150 Mentorinnen und Mentoren stellten sich ehrenamtlich zur Verfügung, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und Netzwerke zu stärken. Bei jeder Ausschreibung überstieg die Zahl der Bewerbungen die verfügbaren Plätze um ein Vielfaches. Neben dem sechsmonatigen 1:1-Mentoring konnten die Mentees an Fortbildungen, beispielsweise einem Medientraining, teilnehmen. Hinzu kamen Stammtische und weitere Netzwerktreffen.
Mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin ist am Montag nun die neunte Runde des Mentoring-Programms »Frauen in Kultur und Medien« gestartet. Aus mehr als 250 Bewerbungen wurden in einem Juryverfahren 26 Mentees ausgewählt. Beim Auftakt trafen sie sich untereinander und mit ihren Mentorinnen und Mentoren, die sie in den kommenden sechs Monaten bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung begleiten werden. Dank der Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, konnte das Programm in eine neue Runde starten.
Die vergangenen acht erfolgreichen Runden unseres Mentoring-Programms haben eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig diese Unterstützung für Frauen ist, die eine Führungsposition im Kultur- und Medienbereich anstreben. Der erfahrene Blick von außen, für den im Berufsalltag oft der Raum fehlt, kann für die berufliche Entwicklung und den weiteren Karriereweg der Mentees entscheidend sein. Umso mehr freue ich mich, dass das Mentoring-Programm nun in seine neunte Runde gestartet ist. Ich bin überzeugt, dass auch diese Runde einen wichtigen Beitrag dazu leisten wird, mehr Frauen den Weg in Führungspositionen im Kultur- und Medienbereich zu eröffnen.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
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2. Reaktionen auf die „Fortschrittsagenda Kultur + KI“
Im letzten kulturpolitischen Wochenreport wurde das Eckpunktepapier Fortschrittsagenda Kultur + KI von Bund und Ländern von mir kritisch kommentiert. Lesen Sie hier weitere Kommentare:
16.10.2026 | SWR
Plattitüden und Schönfärberei – Bund stellt „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ vor
Während sich die Fähigkeiten von Künstlicher Intelligenz rasant weiterentwickeln, fühlen sich Menschen in der Kultur- und Kreativbranche zunehmend alleingelassen. Jetzt gibt es ein Eckpunktepapier, auf das sich Bund und Länder zum Thema Kultur und Künstliche Intelligenz geeinigt haben: Die „Fortschrittsagenda Kultur + KI“
- Zum Beitrag
15.10.2026: Deutschlandfunk Kultur Fazit
„Fortschrittsagenda Kultur und KI“: Haben Bund und Länder einen Plan?
Im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur erläutere ich, warum die Fortschrittsagenda den Herausforderungen durch KI im Kulturbereich bislang nicht ausreichend gerecht wird.
- Zur Sendung
17.10.2026 | Der Spiegel
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat, im Interview mit Michail Hengstenberg
„Das ist eine Schönfärberei, wie ich sie noch nie erlebt habe“ – Der Einsatz von KI bedroht Jobs in der Kulturbranche, die Bundesregierung reagiert mit einem Eckpunktepapier voller Worthülsen. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, warnt, die Technologie zu unterschätzen.
- Zum Interview
3. Einladung: Denkt nach, ehe ihr JA sagt – Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute
Die Hochschule Merseburg lädt am 3. November 2026 zur wissenschaftlichen Konferenz anlässlich des 50. Todestages von Walter Bauer ein.
Walter Bauer hat meine politische Sozialisation stark geprägt. Ich freue mich deshalb sehr, dass ich eingeladen wurde, einen Vortrag zu halten: „Denkt nach, ehe ihr JA sagt: Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute“.
Walter-Bauer-Symposium
03.11.2026 10:00 bis 16:00 Uhr
Hg/A/Hörsaal 2, Hochschule Merseburg, Eberhard-Leibnitz-Str. 2, 06217 Merseburg
Zur Anmeldung zum Walter-Bauer-Symposium
4. Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Eckart von Hirschhausen
Eckart von Hirschhausen, Stiftung Gesunde Erde – Gesunder Mensch, ist Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band.
Er verweist angesichts von Klimawandel und globalen Krisen auf die besondere Verantwortung, die mit dem Schutz der Natur verbunden ist. Sein Blick auf das Welterbe ist dabei bewusst persönlich: Jeder Mensch, so seine Überzeugung, trägt Verantwortung für eine Erde, die wir nicht besitzen, sondern nur für kommende Generationen bewahren können. Das Grüne Band steht für ihn sinnbildlich für diesen Gedanken – als Landschaft, in der sich Natur, Geschichte und die Frage nach unserer Verantwortung für die Zukunft verbinden.
Im Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe: Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ vom Deutschen Kulturrat und BUND wird der Diskussionsprozess um die Aufnahme der ehemaligen innerdeutschen Grenze einschließlich der Berliner Mauer (Grünes Band) als gemischte Welterbestätte in die UNESCO-Welterbeliste begleitet und unterstützt. Ziel ist die dauerhafte Anerkennung und der Schutz dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfaltet sich mit fast 1.400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands, der zugleich eine lebendige Gedächtnislandschaft darstellt, die europäische Geschichte und demokratischen Wandel eindrücklich erfahrbar macht.
5. Einladung zur ersten Jahreskonferenz „Gaming for Democracy“
Am 1. und 2. Dezember 2026 lädt die Initiative Gaming for Democracy zu ihrer ersten Jahreskonferenz auf den Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn ein. Sie bringt Menschen aus dem Games-Ökosystem, der Zivilgesellschaft, Bildung und Wissenschaft zusammen, die in dieser Zusammensetzung bislang nur selten miteinander ins Gespräch kommen.
Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie Games und Gaming-Communitys zu demokratischer Teilhabe, Engagement und gesellschaftlichem Zusammenhalt beitragen können. Der Deutsche Kulturrat ist mit dabei.
01.12.2026 12:00 Uhr – 02.12.2026 12:00 Uhr
Bildungscampus 1, 74076 Heilbronn, Baden-Württemberg
Jetzt anmelden bis zum 27. November 2026
6. Text der Woche: „Der Hauptstadtkulturfonds“ von Hermann Parzinger
Eine Frage des kulturellen Selbstverständnisses unseres Landes
Seit bald 30 Jahren fördert der Hauptstadtkulturfonds (HKF) kultur- und kunstbezogene Projekte, die zur nationalen und internationalen Strahlkraft Berlins beitragen. 1999 gegründet, gilt er gemeinhin als kulturpolitisches Projekt der ersten rot-grünen Bundesregierung. Die Anfänge reichen aber bis in das Jahr 1995 zurück: Auf Vermittlung des CDU-Kulturpolitikers und Kohl-Vertrauten Christoph Stölzl fand der Rat der Künste Berlin zu jener legendären Runde mit dem damaligen Bundeskanzler zusammen. Aus einer 30-minütigen Begegnung wurde eine dreistündige Sitzung, anschließend lud Helmut Kohl die Teilnehmer zum Abendessen ein. So war das mal!
Kulturschaffende, Kulturpolitiker und Bundeskanzler waren sich damals schnell einig, dass die Rolle Berlins eine spezielle Förderung erforderte, um die nationale und internationale Strahlkraft der Bundeshauptstadt und damit Deutschlands insgesamt zu stärken. Das wiedervereinigte Land und seine Regierung setzten dabei auf das enorme kulturelle und künstlerische Potenzial Berlins, um Neues entstehen zu lassen.
Hermann Parzinger, bis 2025 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist Kurator des Hauptstadtkulturfonds
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7. Nur für Nerds: Alte Computer – Vom wunderbaren Wahnsinn des Sammelns
Ein kleiner Vortrag von mir auf der Classic Computing 2026 in Celle am 10. Oktober 2026, für alle die einen Blick in eine eher unbekannte Welt werfen wollen, das Sammeln alter Computer.
Sammeln als Kulturtechnik
Warum sammeln Menschen wie ich alte Computer – aus Nostalgie, Technikbegeisterung, Jagdtrieb oder Wertinteresse? Der Vortrag zeigt das Sammeln als grundlegende Kulturtechnik und verbindet Technikgeschichte, Kunst und Ästhetik.
Zwischen dem Sammeln von Kunst und dem Sammeln historischer Computer gibt es erstaunlich viele Gemeinsamkeiten: Beide richten den Blick auf Schönheit, Seltenheit sowie handwerkliche und technische Raffinesse.
Bewahren von Geräten, Software und Wissen
Der Vortrag beleuchtet die Obsession der Sammler ebenso wie ihre wichtige Rolle beim Erhalt kulturellen Wissens. Gesammelt werden alte Computer, CPUs, Drucker und Speichergeräte, ebenso aber auch technische Anleitungen, Programmcode und die Kunstwerke, die mit diesen alten Rechnern damals wie heute geschaffen werden.
Boom, Preise und Zukunft der Sammlungen
Zugleich geht es um den gegenwärtigen Boom historischer Computer, stark steigende Preise und die schwierige Frage: Was geschieht mit einer Sammlung, wenn ihr Besitzer stirbt?