40. KW: Der Kulturrat NRW wurde 30 Jahre alt, ein Grund zum Feiern

  1. Der Kulturrat NRW wurde 30 Jahre alt, ein Grund zum Feiern
  2. Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu den Vorschlägen der Alterssicherungskommission
  3. Startschuss für den nächsten Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt am 21. Mai 2027
  4. Auf der Bühne und in der Bundespolitik: Kulturporträt Johanna Schneider
  5. Save the date: Alles hängt zusammen. Und nun? Von Pilzen, Natur und Kultur
  6. Botschafterin für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Monika Grütters
  7. Text der Woche von Johann Hinrich Claussen
  8. Zum Schluss: Herzlichen Glückwunsch, Kulturrat NRW

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Kulturrat NRW hat mich in dieser Woche eingeladen, die Festrede zu seinem 30-jährigen Bestehen zu halten. Das war mir eine große Freude und Ehre.

 

Seit seiner Gründung im Jahr 1996 hat der Kulturrat NRW sich dafür eingesetzt, Kunst und Kultur in Nordrhein-Westfalen mehr Geltung zu verschaffen, ihre Entwicklung zu fördern und die Interessen der unterschiedlichen Kultursparten zu bündeln. Von Beginn an war seine besondere Stärke, dass kleine und große Institutionen, Verbände und Initiativen gemeinsam kulturpolitische Positionen entwickelten.

 

Die Gründung des Kulturrats NRW fiel in eine Zeit, in der Kulturpolitik vor allem Sache der Länder war. Auf der Bundesebene gab es weder einen eigenständigen Ausschuss für Kultur und Medien noch einen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Erst nach dem Regierungswechsel 1998 gewann die Bundeskulturpolitik deutlich an Bedeutung. Mit dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin im Jahr 1999 verlagerte sich zugleich der politische und damit auch kulturpolitische Fokus zunehmend in die Hauptstadt.

 

Nordrhein-Westfalen blieb dennoch ein wichtiges kulturpolitisches Labor. Mit der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 setzte das Land international ein starkes Zeichen. Das Kulturfördergesetz NRW und später das Kulturgesetzbuch schufen neue Strukturen und stärkten die Verlässlichkeit der Kulturförderung. Die Einführung von Honoraruntergrenzen war ein weiterer wichtiger Schritt, der nicht zuletzt durch die Erfahrungen der Corona-Pandemie an Bedeutung gewann. Gerade während der Pandemie zeigte sich, wie prekär die wirtschaftliche Lage vieler Künstlerinnen und Künstler ist. Der Kulturrat NRW wurde in dieser Situation zu einer wichtigen Anlaufstelle.

 

Auch bei neuen Herausforderungen bringt sich der Kulturrat NRW aktiv ein. In den 1990er Jahren standen die Auswirkungen der sogenannten Neuen Medien auf Kunst und Kultur im Mittelpunkt. Heute geht es um Künstliche Intelligenz, Urheberrecht, neue Produktionsbedingungen und die Frage, wie künstlerische Arbeit künftig wirtschaftlich abgesichert werden kann. Der Kulturrat NRW beteiligt sich an diesen Debatten und macht damit deutlich, dass Landeskulturpolitik weit mehr ist als die Verteilung von Fördermitteln.

 

Eine besondere Bedeutung hat inzwischen die Vernetzung der Landeskulturräte. Der frühere Vorsitzende Gerhart Baum hatte diesen Austausch maßgeblich vorangetrieben. Im Oktober 2025 wurde schließlich die Kultur-Länderkonferenz gegründet. Inzwischen gibt es in zwölf von 16 Bundesländern Landeskulturräte oder vergleichbare Zusammenschlüsse. Sie tauschen sich regelmäßig aus und suchen verstärkt den Kontakt zum Deutschen Kulturrat.

 

Damit gewinnt die Kulturpolitik der Länder wieder an Gewicht. Die politische Entwicklung in den Ländern zeigt, wie wichtig funktionierende kulturpolitische Strukturen und starke Verbände sind. Gleichzeitig verliert die Kulturpolitik des Bundes gegenüber der Phase seit Ende der 1990er Jahre wieder an Bedeutung. Das kulturpolitische Pendel bewegt sich damit erneut stärker in Richtung Länder und Föderalismus.

 

Der Kulturrat NRW gehört zu den treibenden Kräften dieser Entwicklung. Seine 30-jährige Geschichte zeigt, wie wichtig Kontinuität, Vernetzung und die Zusammenarbeit über Sparten- und Landesgrenzen hinweg sind. Die nächste Aufgabe wird darin bestehen, die Kooperation der Landeskulturräte weiter auszubauen und ihre Stimme auch auf Bundesebene stärker einzubringen. Denkbar ist sogar, dass die Kultur-Länderkonferenz eines Tages als eigene Sektion Teil des Deutschen Kulturrates wird und damit die Verbindung zwischen Länder- und Bundeskulturpolitik weiter stärkt.

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
LinkedIn

 

PS. Hier finden Sie den Text der gesamten Rede.

 


 

2. Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu den Vorschlägen der Alterssicherungskommission

 

Der Deutsche Kulturrat positioniert sich mit dieser Stellungnahme zu den Empfehlungen der Alterssicherungskommission und begrüßt, dass die Alterssicherungskommission ein umfassendes Konzept zur Reform der Rentenversicherung vorgelegt hat und sich nicht nur auf Teilbereiche konzentriert.

 

Der Deutsche Kulturrat positioniert sich nachfolgend zu den Empfehlungen, die für den Kultur- und Medienbereich besonders relevant sind und formuliert dringenden Konkretisierungsbedarf:

  • Empfehlung 13: Abschaffung der Altersteilzeit im Blockmodell
  • Empfehlung 19: Freibetrag für Rentnerinnen und Rentner, die Grundsicherung beziehen
  • Empfehlungen 21 und 22: Einbeziehung aller Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Empfehlung 26: Abschaffung des sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus der geringfügigen Beschäftigung
  • Empfehlung 27: Einführung kapitalgedeckter Elemente in die Alterssicherung

 

Lesen Sie hier die Stellungnahme zu den Empfehlungen der Alterssicherungskommission

 


 

3. Startschuss für den nächsten Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt am 21. Mai 2027

 

Die Initiative kulturelle Integration lädt herzlich dazu ein, sich am Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt rund um den 21. Mai 2027, dem UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt, zu beteiligen. Ab sofort steht die Aktions-Website wieder für Ihre Aktionen bereit!

 

 

Alles, was sich unter dem Motto „Zusammenhalt in Vielfalt“ vereinen lässt, ist willkommen: von einer Diskussionsrunde oder einem Sportevent über eine Kunstperformance, einem interreligiösen Fest bis hin zu einem kulinarischen Abend. Lassen Sie sich auch von den über 450 Aktionen des Aktionstags 2026 inspirieren, die Sie im Veranstaltungskalender finden.

 

Ziel des Aktionstags ist es, breite Aufmerksamkeit für das Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“ zu schaffen und gerade in Zeiten politischen und gesellschaftlichen Umbruchs gemeinsam sichtbare Zeichen dafür zu setzen. Die 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“ der Initiative kulturelle Integration bieten dafür die Grundlage.

 


 

4. Auf der Bühne und in der Bundespolitik: Kulturporträt Johanna Schneider

 

Johanna Schneider singt, komponiert und gehört zu den wichtigsten kulturpolitischen Stimmen der deutschen Jazzszene

 

Musik war für Johanna Schneider nie nur ein Beruf, sondern von klein auf Teil ihres Lebens.

 

Aufgewachsen in Bamberg in einer musikalischen Familie, sang sie bereits als Kind in Chören und Bands, spielte Geige, tanzte Ballett und Jazz Dance und stand schon früh auf der Bühne. „Es war nicht die Frage, ob ich ein Instrument spiele, sondern welches“, erzählt sie im Interview.

 

Dass sie Musikerin werden wollte, stand früh fest. Nicht unbedingt Jazzsängerin – auch Musical oder Schauspiel kamen infrage. Den entscheidenden Impuls erhielt sie im Jazzclub Bamberg.

 

Dort arbeitete sie als Jugendliche an der Kasse oder hinter der Bar, sang auf den monatlichen Sessions mit lokalen Vorbildern wie Torsten Goods, Norbert Schramm und Sebastian Strempel, hörte internationale Größen und interviewte Musikerinnen und Musiker über deren Berufsalltag. „Ich habe die ersten Feldforschungen betrieben“, so Schneider. Sie wollte wissen, „wie die ihren Lebensunterhalt bestreiten, ob das möglich ist und wie der Alltag aussieht.“ Aus diesen Gesprächen heraus verfestigte sich ihr Berufswunsch Jazzsängerin.

 

Autorin des Kulturporträts ist Ursula Gaisa,

Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung (nmz)

 


 

5. Save the date: Alles hängt zusammen. Und nun? Von Pilzen, Natur und Kultur

 

Was können wir gemeinsam bewegen, wenn wir Natur und Kultur nicht länger getrennt denken? Welche Konsequenzen hat das für Politik und Gesellschaft? Und was können wir Menschen dabei von den Pilzen lernen? Darüber spricht Harald Asel mit seinen Gästen am 14. Oktober um 19 Uhr im Besucherzentrum des Botanischen Gartens.

 

Der Botanische Garten Berlin, der Deutsche Kulturrat, Matthes & Seitz Berlin und rbb Inforadio laden zu einem Abend ein, der mit einer faszinierenden Begegnung in der Welt der Pilze beginnt und anschließend den Blick auf größere gesellschaftliche und politische Fragen richtet.

 

Zum Auftakt treffen Benjamin Haag, Germanist, Pilzsachverständiger und Autor des Pilzatlas „Samtfuß, Holzstielchen und Zottelmähne“, und René Jarling, Pilzkustos des Botanischen Gartens Berlin, aufeinander. Aus literarischer und naturwissenschaftlicher Perspektive erkunden sie die erstaunliche Welt der Pilze, ihre Geschichten, Lebensweisen und vielfältigen Verbindungen zu Mensch und Umwelt.

 

Anschließend wird aus der Frage nach den Verbindungen eine Frage nach den Möglichkeiten. Klimakrise, Artenverlust und gesellschaftliche Transformation verlangen nach neuen Formen des Denkens und der Zusammenarbeit. Wie können Natur- und Kulturinstitutionen dies aufgreifen, ihre Stärken verbinden und gemeinsam gesellschaftliche und ökologische Veränderungen gestalten?

 

Darüber diskutieren:

 

  • Luiza Bengtsson, Leiterin der Abteilung Museum und Gesellschaft im Botanischen Garten Berlin
  • Andreas Rötzer, Verleger von Matthes & Seitz Berlin
  • Judith Schalansky, Autorin und Künstlerin und Herausgeberin der „Naturkunden“
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
  • Moderation: Harald Asel, rbb24 Inforadio

 

14.10.2026, 19:00 Uhr

Besuchszentrum Königin Luise Platz, Botanischer Garten Berlin,

Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin

Zur Anmeldung

 

Mit dem Veranstaltungsticket erhalten Sie im Oktober einmalig ermäßigten Eintritt in den Botanischen Garten Berlin.

 

Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Reihe „Forum“ im rbb24 Inforadio ausgestrahlt.

 


 

6. Botschafterin für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Monika Grütters

 

Monika Grütters, ehemalige Staatsministerin für Kultur und Medien, ist Botschafterin für den Natur- und Kulturraum Grünes Band.

 

Im Video unterstreicht sie die Bedeutung authentischer Orte. Das rund 1.400 Kilometer lange ehemalige innerdeutsche Grenzgebiet mache Geschichte bis heute unmittelbar erfahrbar. Grütters erinnert an den Mut der Bürgerinnen und Bürger der DDR, die sich gegen das autoritäre Regime auflehnten. Ihr Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibe eine Mahnung – gerade auch angesichts neuer totalitärer Tendenzen.

 

Im Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe:  Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ von Deutschen Kulturrat und BUND wird der Diskussionsprozess um die Aufnahme der ehemaligen innerdeutschen Grenze einschließlich der Berliner Mauer (Grünes Band) als gemischte Welterbestätte in die UNESCO-Welterbeliste begleitet und unterstützt. Ziel ist die dauerhafte Anerkennung und der Schutz dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfaltet sich mit fast 1.400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands, der zugleich eine lebendige Gedächtnislandschaft darstellt, die europäische Geschichte und demokratischen Wandel eindrücklich erfahrbar macht.

 

 

Veranstaltungshinweis: Der Natur- und Kulturraum Grünes Band – Auf dem Weg zum Welterbe beim Tag der Deutschen Einheit 2026 in Bremen

 

Über Jahrzehnte haben sich entlang der einstigen Grenze Lebensräume für seltene und bedrohte Arten entwickelt, geschützt vor Landwirtschaft und Bebauung. Gleichzeitig ist die Region eine Gedächtnislandschaft: Grenztürme, Kolonnenwege, Reste der Sperranlagen. Naturschutz und Zeitgeschichte liegen hier buchstäblich Seite an Seite.

 

Bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit vom 2. bis 4. Oktober 2026 in Bremen präsentiert sich das Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe – Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ mit einem Infostand und einer szenischen Lesung – getragen von einer Kooperation aus BUND und Deutschem Kulturrat.

 

Die friedliche Revolution und das Ende der Teilung sind keine rein ostdeutsche Erzählung. Sie gehören allen Deutschen. Am Grünen Band lässt sich das anschaulich zeigen: aus einer Linie, die trennen sollte, ist ein Band geworden, das verbindet – Natur, Geschichte, Erinnerung. Der Tag der Deutschen Einheit ist deshalb ein naheliegender Moment, um genau darauf hinzuweisen.

 

4. Oktober 2026, 13:00 bis 14:00 Uhr

Einheitsforum Osterdeich 70 B, 28205 Bremen

Informationen zur Veranstaltung

 


 

7. Text der Woche: „Der Geburtsort der estnischen Nation – Die Marienkirche in Tartu“ von Johann Hinrich Claussen

 

Es begann mit einer kleinen Peinlichkeit, wurde aber schnell zu einer schönen Begegnung, die uns nicht nur ein Licht aufsteckte. An einem späten Sonntagvormittag im August standen wir vor einer offenen Kirchentür in Tartu, dem ehemaligen Dorpat. Neugierig schauten wir in die St. Marienkirche, schreckten aber gleich zurück. Denn drinnen wurde noch Gottesdienst gefeiert. Da wollten wir natürlich nicht stören.

 

Doch sofort kam ein Mann der Gemeinde zu uns und bat uns auf Deutsch und Englisch hinein. Er wollte uns unbedingt den offensichtlich frisch sanierten Turm zeigen. Da konnten wir nicht Nein sagen. Von außen ist er ein weißer, klassizistischer Leuchtturm evangelischen Lebens mitten in der Universitätsstadt Estlands. Ihn so wiederherzurichten, ist eine immense Leistung.

 

Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

 


 

8. Zum Schluss: Herzlichen Glückwunsch, Kulturrat NRW!

 

Am Dienstag feierte der Kulturrat NRW auf seinem Mitgliederforum in Köln sein 30-jähriges Bestehen. Ich durfte die Festrede halten. Siehe mein Editorial in diesem Kulturpolitischen Wochenreport.

Vorheriger Artikel39. KW: Die Verleihung des Deutschen Kulturpolitikpreises 2026