Mentoring-Programm

Im Rahmen der dreijährigen Projektlaufzeit werden insgesamt drei 1:1-Mentoring-Runden durchgeführt. Das Programm richtet sich an Frauen mit einem interessanten Lebenslauf, die eine Führungsposition im Kultur- und Medienbereich anstreben und auf mindestens zehn Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Das Programm ist ein Modellprojekt, das im Juni 2020 ausläuft. Mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die das Projektbüro finanziert, steht der Kulturrat in gutem Austausch. Vielleicht ist eine Verlängerung möglich.

Erfahrene Mentorinnen und Mentoren aus den Bereichen Design, Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Tanz, Museum, Stiftungen, Kulturverwaltung- und Politik, Wirtschaft, Medien und Film stehen den Mentees pro Mentoring-Runde zur Verfügung. Sie alle sind Expertinnen und Experten in ihrem jeweiligen Feld und möchten dazu beitragen, dass qualifizierte Frauen aus Kultur & Medien ihren Weg in Führungspositionen finden.

 

Der persönliche Austausch zwischen Mentee und Mentorin oder Mentor steht im Mittelpunkt des Programms. Wobei jedes Tandem immer dann am besten funktioniert, wenn auch die Mentorin oder der Mentor von ihrer Mentee fasziniert sind und sich für den Blick der nachkommenden Generation interessieren. Es geht um Erfahrungstransfer, eins zu eins, analog und leibhaftig. Dass diese Idee aufgeht, demonstrieren die Impressionen einer Mentee und einer Mentorin aus der gerade abgeschlossenen zweiten Runde des Programms.

 

Neben dem 1:1-Mentoring ist der Austausch aller Mentoren und Mentees untereinander Teil des Programms. Deshalb beginnt jede Runde mit einem Netzwerktreffen, denn Mentoring ist Kommunikation: Mentees sollen durch Gespräche mit erfahrenen Berufskolleginnen und -kollegen sowie untereinander die Herausforderungen ihrer je individuellen Berufswege ordnen können, Schwierigkeiten ansprechen, Ziele priorisieren oder auch verwerfen. In diesem Zusammenhang ist der Blick von außen so wichtig, weil er im Berufsalltag selten gegeben, für das Finden des eigenen Weges aber entscheidend ist.

 

Insgesamt betreut das Projektbüro 67 Tandems: 13 aus der ersten Runde, 24 aus der zweiten und 30 aus der dritten Runde. Für diese drei Durchgänge gingen mehr als 550 Bewerbungen ein, einige der am Programm interessierten Frauen bewarben sich auch mehrmals. Aber nicht nur die Mentees bewarben sich zahlreich. Da das Programm mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad hat, suchten auch potentielle Mentorinnen den Kontakt zum Projektbüro, um für diese ehrenamtliche Tätigkeit ihr Interesse zu bekunden – die meisten mit dem Hinweis, dass sie sich ein solches Programm auch für ihren Karriereweg gewünscht hätten.

 

In der Regel aber werden Mentorinnen und Mentoren gezielt vom Projektbüro angesprochen, um sowohl alle Kultursparten zu berücksichtigen als auch eine Verteilung im gesamten Bundesgebiet im Programm gewährleisten zu können. Erfreulich ist, dass es keiner großen Überredungskünste bedarf, auch die profiliertesten und viel beschäftigten Mentorinnen und Mentoren zu gewinnen. Denn die Sinnhaftigkeit eines Mentoring für ambitionierte Frauen, die bereits einen interessanten Karriereweg zurückgelegt haben und nun den professionellen Blick von außen brauchen, wird sofort verstanden.

 

 

Konzeption & Umsetzung

 

Ziele des Programms sind strategische Karriereberatung, praxisbezogene Unterstützung, die Verortung der Mentees in der Kultur-Community sowie der Aufbau eines – möglichst fortbestehenden – Alumni-Netzwerkes. Die Mentees sollen vom Erfahrungsschatz und Netzwerk profilierter Berufskollegen profitieren, damit langfristig mehr Frauen an den Schaltstellen von Kultur- und Medienwirtschaft bzw. -politik vertreten sind.

 

Die Mentorinnen und Mentoren, Künstlerinnen und Künstler sowie Akteure der Kreativwirtschaft oder anderer Kultureinrichtungen, setzen sich aus unterschiedlichen Sparten zusammen und sind in verschiedenen Bundesländern tätig. Sie sind in ihrem Fach exzellent, im Markt oder dem jeweiligen Bereich erfolgreich tätig, verfügen über ein weit gespanntes Netzwerk, haben eine starke Persönlichkeit und können zuhören. Es geht nicht primär darum, als Mentorin oder Mentor Vorbild zu sein, sondern die richtigen Fragen zu stellen und der Mentee einen realistischen Blick auf sich selbst und ihren Karriereweg zu ermöglichen, sowie ihr das eigene Netzwerk zur Verfügung zu stellen.

 

Die Mentees sollen sehr gut ausgebildet sein und hiernach entweder bereits mindestens 10 Jahre lang anspruchsvolle Berufsstationen im gemeinnützigen oder privatwirtschaftlichen Kultur- und Medienbereich absolviert haben oder entsprechende Ausstellungen, Projekte oder Auszeichnungen vorweisen können. Sie alle zeichnen sich zudem dadurch aus, dass sie eine Führungsposition anstreben.

 

Das Projektbüro verspricht sich von dieser Konstellation größtmögliche Hebelwirkung, da es im Kultur- und Medienbereich bisher kaum Förderprogramme für Frauen gibt, die explizit in Führungspositionen vorstoßen möchten. – Ausnahme bilden Programme für angehende Professorinnen. – Zudem ist diese Lebensphase besonders wichtig für den weiteren Karriereweg. Denn in diesen Jahren müssen strategisch wichtige Positionen ausgefüllt und ggf. in die Familienplanung integriert werden. Hier sind Tipps von außen enorm hilfreich, im normalen Berufsalltag aber selten zu bekommen.

 

Der Beratungszeitraum erstreckt sich jeweils auf ein halbes Jahr, in dem sich die Mentorinnen insgesamt mindestens 8 bis 10 Stunden mit den Mentees besprechen. Das erste Gespräch soll ein persönliches Kennenlernen sein, die weiteren Kontakte können auch per Skype oder Telefon stattfinden. Neben Gesprächen können gegenseitig die Wirkungsbereiche besucht oder Termine mit Dritten und gemeinsame Veranstaltungs-Teilnahmen vereinbart werden. Die beiderseitige Vertraulichkeit ist Grundvoraussetzung.

 

Natürlich steht es jedem Tandem frei, auch nach den sechs Monaten in Kontakt zu bleiben. Die ersten beiden Runden haben gezeigt, dass viele Tandems eine gute Grundlage gefunden haben und beiderseitig am weiteren Austausch interessiert sind.

 

Erfreulich ist zudem, dass sich in den ersten beiden Runden bereits positive Karriereentwicklungen ergeben haben: angestrebte Stellenwechsel wurden von den Mentoren aktiv begleitet und waren von Erfolg gekrönt, Schritte in die Selbstständigkeit wurden erfolgreich vollzogen, gemeinsame Projekte gestartet, das Verhandlungsgeschick gestärkt und praktikable Tipps für die Vereinbarkeit von Kind und Karriere gegeben.

 

 

Selbstverständnis der Mentorin/des Mentors

 

  • versetzt sich in die Lage der Mentee und macht sich ein Bild von ihren Vorhaben
  • gibt Ratschläge und ist emotionaler Beistand in beruflichen Belangen
  • agiert für die Mentee nur nach vorheriger Absprache
  • stellt auf Wunsch vorhandene berufliche Kontakte zur Verfügung
  • findet die richtigen Worte, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen, und gibt gleichzeitig konstruktive Empfehlungen
  • fungiert als wohlwollend kritische Begleitung, natürlich mit dem gebotenen Respekt vor der persönlichen Leistung und dem Wissen der Mentee

 

Mentee als aktive Treiberin in der Mentoring-Beziehung

 

  • sie formuliert ihre Karriere- und anderen Ziele vorab schriftlich
  • bereitet sich auf die Gespräche vor und fertigt nachher ein Kurzprotokoll an
  • ist gewillt, die eigenen Probleme und Sorgen offen anzusprechen
  • nutzt die Zeit der Mentorin effizient
  • gibt der Mentorin/ dem Mentor Feedback
  • hält den Kontakt im verabredeten Zeitrahmen

 

Umsetzung

 

Das Projektbüro des Deutschen Kulturates sucht für jeden der drei Durchgänge geeignete Mentorinnen und Mentoren aus. Die öffentliche Ausschreibung für die Mentees erscheint auf der Website des Deutschen Kulturrates sowie weiterer Multiplikatoren – ohne namentliche Nennung der Mentorinnen und Mentoren, dafür mit Auflistung von Sparte/ Berufsbezeichnung/ Ort.

 

Die Mentees sind aufgerufen, neben der Einreichung üblicher Bewerbungsunterlagen, auch ihrerseits Erwartungen an das Programm zu formulieren, um die Passgenauigkeit des Tandems zu optimieren. Die Mentorinnen und Mentoren wählen aus einer kleinen Auswahl schließlich die jeweils zu ihr/ihm passende Mentee aus.

 

Jedes Tandem formuliert eine individuelle Zielvereinbarung bezüglich des präferierten Formats der Kontakte, deren Häufigkeit sowie persönlicher Erwartungen und inhaltlicher Ziele. Je nach Bedarf wird das Tandems vom Projektbüro begleitet. Beim ersten Treffen des Tandems ist die Vertreterin des Projektbüros immer anwesend.

 

Zum Ende jeder der drei Mentoring-Runden evaluieren Mentorin und Mentee jeweils ihren inhaltlichen Austausch sowie den organisatorischen Rahmen des Programms. Die anonyme Auswertung dient als Grundlage für die Justierung der folgenden Mentoring-Runden.

 

 

Das Mentoring-Programm wird unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

Kontakt:

Dr. Cornelie Kunkat, Referentin für Frauen in Kultur & Medien

ed.ta1575850895rrutl1575850895uk@ta1575850895knuk.1575850895c1575850895     FON: 030 – 22605 2812

 

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