51. KW: Kulturpolitischer Rückblick und Ausblick
- Kulturpolitischer Rückblick und Ausblick
- Herrenberg-Urteil: Selbstständig oder angestellt im Kulturbereich?
- NEU! Handbuch Gameskultur 2.0 + Podcast + Spielung
- Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
- Text der Woche: „Über das neue Hören – Audionutzung verlässt die Nische“ von Çiğdem Uzunoğlu
Sehr geehrte Damen und Herren,
ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Das Jahr 2025 begann für den Deutschen Kulturrat mit der Veröffentlichung der Wahlprüfsteine und seiner Elf Forderungen zur Bundestagswahl 2025. Der Deutsche Kulturrat hat sich mit Fragen an die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien zu Wort gemeldet und die Antworten veröffentlicht. Nach der Wahl haben wir die Koalitionsverhandlungen begleitet und die Themen des Deutschen Kulturrates mit den Verhandlern diskutiert. Die Stellungnahmen und Positionspapiere aus dem Jahr 2024 waren eine sehr gute Grundlage für diese Gespräche, und auch mit den neugewählten Abgeordneten konnte dank dieser Grundlagen sofort ein Gesprächsfaden aufgenommen werden.
Im März dieses Jahres stand die turnusgemäße Wahl des Vorstands des Deutschen Kulturrates an. In ihren Ämtern bestätigt wurden Prof. Christian Höppner als Präsident (Deutscher Musikrat) und Dagmar Schmidt (Deutscher Kunstrat) als Vizepräsidentin. Neu in den Vorstand wurde Dr. Manfred Nawroth (Rat für Baukultur und Denkmalkultur) gewählt, Boris Kochan (Deutscher Designtag) trat satzungsgemäß nicht noch einmal an. Mit der Vorstandswahl wurden auch die Mitglieder der Fachausschüsse bestätigt. Die Fachausschüsse Arbeit und Soziales sowie Urheberrecht waren besonders gefordert und mussten unmittelbar Stellungnahmen erarbeiten.
Der Deutsche Kulturpolitikpreis wurde im September an Kulturstaatsministerin a.D. Prof. Monika Grütters verliehen. Sie wurde für ihr jahrzehntelanges Engagement für den Kulturbereich – nicht zuletzt auch während der Corona-Pandemie – geehrt. Die Verleihung fand wiederum in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz statt. Die Laudatio hielt Bundestagspräsident a.D. Dr. Wolfgang Thierse. Im vollbesetzten Wilhelm von Humboldt Saal war der große Dank an Monika Grütters deutlich spürbar.
Im Rahmen der vom Deutschen Kulturrat initiierten Initiative Kulturelle Integration präsentierten Schülerinnen und Schüler im Februar in der Hochschule für Musik Hanns Eisler eigene Kompositionen und Texte, in denen sie sich mit den Themen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auseinandersetzen. Der Aufführung ging ein von der Initiative kulturelle Integration und dem Bundesverband Musikunterricht ausgelobter Wettbewerb voraus. Die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler begeisterten das Publikum.
Weiter hat die Initiative kulturelle Integration zusammen mit dem Kulturstaatsminister, mit dem Zentralrat der Juden und dem Antisemitismusbeauftragten im Oktober dieses Jahres einen beeindruckenden kulturellen Abend in der Villa Seligmann in Hannover veranstaltet. Teilnehmende der künstlerischen Wettbewerbe zum jüdischen Leben in Deutschland präsentierten ihre Arbeiten, die ausgezeichneten Bilder des Fotowettbewerbs zum jüdischen Leben waren in einer Ausstellung zu sehen, und in Diskussionsrunden wurde über die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Deutschland debattiert.
Erfreulicherweise konnte im Frühjahr dieses Jahres erneut das Mentoring-Programm für Frauen in Führungspositionen des Deutschen Kulturrates ausgeschrieben werden. Es richtet sich an Frauen, die über zehn Jahre Berufserfahrung verfügen und eine Führungsposition im Kultur- und Medienbereich anstreben. Im Oktober dieses Jahres fand die Auftaktveranstaltung statt. Wiederum haben sich Expertinnen und Experten aus dem Kultur- und Medienbereich, die über Führungserfahrung und Netzwerke verfügen, als Mentorinnen und Mentoren ehrenamtlich zur Verfügung gestellt und geben ihre Erfahrungen weiter.
Die Zeitung Politik & Kultur erschien auch im Jahr 2025 zehn Mal. Das Themenspektrum reichte von Kulturgut Spielzeug über Teilhabe an Kunst und Kultur, Münzen, Kunst im ländlichen Raum, Weltkulturerbe, alte Computer und neue Kunst, Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, Wertewandel 1989-2025, Wohn-Kultur bis zu Zusammenhalt in Vielfalt. Es erschien ferner ein Dossier zur Arbeit des Bundesarchivs sowie eine Publikation zur Präsenz von Frauen in Führungspositionen im Kulturbereich und zur Partizipation an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung und das Handbuch Gameskultur ist in einer vollkommen überarbeiteten und ergänzten Fassung erschienen.
Darüber hinaus fanden fünf Diskussionen im Rahmen des Debattenformats „JaAberUnd“ statt, die auf der Website des Deutschen Kulturrates abrufbar sind.
Im kommenden Jahr wird die Initiative kulturelle Integration am 21. Mai, dem Tag der kulturellen Vielfalt, einen Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ durchführen. Ziel ist es, an diesem Tag zu zeigen, dass Zusammenhalt in Vielfalt Tag für Tag gelebt wird und gelingt. Wir wünschen uns, dass sich möglichst viele Einrichtungen, Vereine oder Initiativen an diesem Tag beteiligen. Die einfachste Form des Engagements ist es, als Botschafterin oder Botschafter des Aktionstag Gesicht zu zeigen. Hierfür brauchen Sie nur ein Foto zu senden, das auf der Website unter veröffentlicht wird. Wenn Sie für den 21.05.2026 eine Veranstaltung, eine Aufführung, eine Diskussion, eine Ausstellung oder anderes planen, die zu der Überschrift „Zusammenhalt in Vielfalt“ passt, können Sie diese gerne melden und wir nehmen sie in den Kalender des Aktionstags auf. Selbstverständlich freuen wir uns besonders über Aktionen, die extra für diesen Tag geplant und an diesem Tag oder am Wochenende davor bzw. danach durchgeführt werden.
Und natürlich sind wir weiter beim Natur- und Kulturraum Grünes Band, mit unserem Büro gemeinsamen mit dem BUND, auf dem Weg zum Welterbe.
In diesem Jahr wurden außerdem 8 umfangreiche Stellungnahmen und Positionspapiere verabschiedet und veröffentlicht.
Sehr geehrte Damen und Herren, das Jahr 2026 wird sicherlich wieder viele Herausforderungen bereithalten. Nutzen wir die ruhigeren Tage, um Kraft zu tanken. Der kulturpolitische Wochenreport pausiert über die Feiertage und erscheint wieder am 09. Januar 2026.
Ich selbst werde mich meinen Leidenschaften, den Schleimpilzen und den alten Computern widmen.
Für die Feiertage und den Jahreswechsel wünschen ich Ihnen und Ihren Familien alles Gute und vor allem bleiben Sie gesund!
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates +
Sprecher der Initiative kulturelle Integration
2. Herrenberg-Urteil: Selbstständig oder angestellt im Kulturbereich?
Der Deutsche Kulturrat legt mit seiner neuen Stellungnahme „Selbstständige Tätigkeit im Kultur- und Medienbereich rechtssicher und bürokratiearm gewährleisten – Scheinselbstständigkeit entschieden entgegentreten“ Eckpunkte für die Definition selbstständiger Tätigkeit vor.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales plant, auch als Antwort auf das Herrenberg-Urteil im kommenden Jahr eine Definition selbstständiger Arbeit im Sozialgesetzbuch IV (SGB IV) vorzunehmen. Bislang ist dort lediglich eine Definition für abhängige Beschäftigung definiert.
- Die Stellungnahme finden Sie hier.
Sowohl die abhängige Beschäftigung, die Selbstständigkeit als auch die hybride Erwerbstätigkeit sind für den Kultur- und Medienbereich konstitutiv. Eine angemessene Vergütung muss für alle Erwerbsformen selbstverständlich sein. Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geplante Definition selbstständiger Tätigkeit muss der Erwerbsarbeit in einer modernen Wissensgesellschaft gerecht werden und sie muss insbesondere Rechtssicherheit bieten und bürokratriearm umsetzbar sein. Der Deutsche Kulturrat ist mit seiner Stellungnahme jetzt in Vorleistung gegangen. Wir sind gespannt auf den Gesetzesvorschlag aus dem Bundesarbeitsministerium und hoffen nach den Verunsicherungen durch das Herrenberg-Urteil auf Rechtsicherheit und Klarheit.
3. NEU! Handbuch Gameskultur 2.0 + Podcast + Spielung
Das erfolgreiche Handbuch Gameskultur des Deutschen Kulturrates erscheint endlich in einer aktualisierten und erweiterten zweiten Auflage: Das Handbuch Gameskultur 2.0. Passend dazu gibt es einen begleitenden Podcast.
Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.
Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:
- Warum sind Games Kultur?
- Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
- Sind Games immer gewalthaltig?
- Darf man Erinnerungskultur spielen?
- Was haben Spiele mit Sport zu tun?
- Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?
Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0
362 Seiten, ISBN:978-3-947308-70-5, 24.80 €
„Handbuch Gameskultur: Der Podcast“ ist eine gemeinsame Produktion des Deutschen Kulturrats und des game zum Handbuch Gameskultur 2.0. Die Folgen richten sich an alle, die verstehen möchten, warum Games heute ein zentraler Teil unserer Kultur sind.
In der ersten Folge spricht Hörfunkjournalist Tobias Nowak mit den beiden Herausgebern Olaf Zimmermann und Felix Falk über die Frage, warum es einen Sammelband zur Games-Kultur braucht. Jetzt abonnieren und keine Folge verpassen!
- Hier reinhören und den Podcast abonnieren
Save the date: Veranstaltung zur Gameskultur – Einladung im nächsten kulturpolitischen Wochenreport
Am 28. Januar 2026, 18 Uhr, wird das neu erschienene „Handbuch Gameskultur 2.0“ in einer Veranstaltung in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, James-Simon-Galerie, in Berlin präsentiert. Die Stiftung Digitale Spielekultur zeigt den Besucherinnen und Besuchern in einer Spielung beispielhaft, wie Games mit wichtigen gesellschaftlichen Themen umgehen. Die Gäste können hier live erleben, wie spannend, unterhaltsam und informativ Computerspiele sind.
In einer anschließenden Diskussion geht es um die kulturelle Bedeutung der Computerspiele, die längst die Nische verlassen haben und in ihrer Vielfalt als Kultur- und Bildungsgut anerkannt sind. Podiumsgäste sind u.a. Lukas Krieger, MdB (CDU/CSU), Holger Mann, MdB (SPD), Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche, Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur.
4. Jetzt beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ mitmachen!
Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2026 rufen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration – ein einzigartiges Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag auf.
Im Umfeld des Welttags der kulturellen Vielfalt sollen möglichst zahlreiche Aktionen von unterschiedlichen Organisationen, Bündnissen oder auch Einzelpersonen durchgeführt und so vielfältige Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und vielfältigen Gesellschaft gesetzt werden.
Unter den hochgeladenen künstlerischen Beiträgen erhalten die besten Einreichungen eine besondere Würdigung bei der Veranstaltung der Initiative kulturelle Integration und des Deutschen Kulturrates am 21. Mai 2026 in Berlin.
Informationen zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt
- Erfahren Sie hier alles zum Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt und laden Sie Ihren Beitrag hoch.
- Hier kommen Sie zu den Botschafterinnen und Botschaftern des Aktionstags und können auch Ihr Bild einreichen.
- Hier kommen Sie zu den 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“
5. Text der Woche: „Über das neue Hören – Audionutzung verlässt die Nische“ von Çiğdem Uzunoğlu
Ich bin viel unterwegs in diesen Tagen, der Herbst ist enorm »veranstaltungsintensiv«! Was mich dabei vielfach begleitet: Radio. Aber eigentlich muss ich sagen: Audio.
Womit wir beim Thema wären: Die (digitale) Audionutzung befindet sich gerade im Umbruch – das zeigt die jüngste ARD/ZDF-Medienstudie 2025 eindrücklich. Gleichzeitig verweisen Auszeichnungen wie unser Grimme Online Award (GOA) und der Deutsche Radiopreis (DR) darauf, wie Podcasts und Audioformate inhaltlich aufsteigen – vom Nischenmedium zum relevanten Bestandteil der Medienlandschaft.
Die ARD/ZDF Medienstudie 2025 liefert hierbei klare Befunde: Lineares Radio verliert demnach nur leicht und zeigt sich insgesamt recht stabil. Die Tagesreichweite sinkt nur minimal, ebenso die durchschnittliche Nutzungsdauer. Vermutlich hätte man es anders erwartet. Parallel dazu wächst Streaming-Audio, das meint insbesondere Podcasts. Bei den 14- bis 29-Jährigen hören sie bereits 48 Prozent regelmäßig. Gleichzeitig holen die älteren Generationen auf: Bei den 50- bis 69-Jährigen stieg der Anteil regelmäßiger Podcast-Hörerinnen und -Hörer auf 25 Prozent, bei den über 70-Jährigen auf 14 Prozent.
- Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.
Copyright: Alle Rechte bei Deutscher Kulturrat
