Verantwortung
Vor ziemlich genau acht Jahren hatte ich die damals sehr umstrittene These aufgestellt, dass die großen Talkshows im Ersten und im ZDF dabei geholfen hätten, die AfD bundestagsfähig zu machen. Meine Empfehlung war, dass die Talkshows im Ersten und im ZDF sich eine einjährige Auszeit nehmen sollten, um ihre Konzeptionen zu überdenken. Die damaligen Proteste gegen meinen zugegebenermaßen provokanten Vorschlag waren heftig. Die Talkshowformate haben sich nicht signifikant geändert, die AfD wurde immer weiter hofiert.
In den bundesweiten Wahlumfragen hat sich die AfD in den vergangenen acht Jahren fast verdoppelt. Wie die Situation wirklich aussieht, werden in diesem Monat die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigen.
Nein, die Talkshows waren und sind nicht für den Erfolg dieser rechtsextremen Partei allein verantwortlich, aber sie tragen eine Mitverantwortung, die diskutiert gehört. Verantwortlich sind wir alle!
Ja, auch der Kulturbereich hat keine erfolgreiche Strategie entwickelt, wie der Angriff auf die Grundwerte unserer Demokratie verhindert werden kann. Das darf aber nicht bedeuten, dass wir jetzt den Kopf in den Sand stecken und aufgeben.
Die nächsten Monate werden voraussichtlich sehr herausfordernd werden. Die Rechtsextremen werden wohl noch einmal an Bedeutung zulegen. Für viele Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturorte wird das Überleben nicht leichter werden, denn die AfD sagt in ihren Wahlprogrammen unverblümt, dass sie an dem Kulturbereich ein Exempel statuieren will. So schreibt die AfD Sachsen-Anhalt in ihrem „Regierungsprogramm“, dass sie die „Identitätsstörung“ unserer Gesellschaft „durch eine neue, patriotische Kulturpolitik heilen“ will. „Da Kultur in der Bundesrepublik Deutschland Ländersache ist“, so die AfD weiter, „verfügen wir nach einem Sieg bei der Landtagswahl 2026 über vielfältige Möglichkeiten, unsere kulturpolitischen Vorstellungen umzusetzen.“ Wir sollten diese Drohung ernst nehmen.
Die Bedrängung von Kulturschaffenden in den Hochburgen der Rechtsextremen hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Nicht wenige haben Angst, fühlen sich allein. Zeigen wir ihnen, dass sie nicht allein sind. Unterstützen wir die, die von der extremen Rechten in unserem Land drangsaliert werden.
Die Kunstfreiheit in unserem Land hat Verfassungsrang. Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass das so bleibt. Das ist jetzt unsere Verantwortung!
Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9-10/2026
Copyright: Alle Rechte bei Deutscher Kulturrat
