Heimat ist für mich …

Ausgewählte Statements

Politik & Kultur hat Personen gebeten, den Satz „Heimat ist für
mich …“ zu beenden. Eine Auswahl der Antworten lesen Sie hier.
Weitere folgen in der kommenden Ausgabe 3/2019.

 

… ein Ort, nein, jeder Ort, an dem ich als Mensch bedingungslos leben kann, weil ich von anderen Menschen umgeben bin, deren Sprachen ich spreche und die weder an meiner Haut-, Haar- oder Augenfarbe noch an meinem Namen, meinem Alter, meinem Geschlecht, meinem Beruf, meiner Bonitätsprognose, meinem Glauben, meinen Weltanschauungen oder meiner körperlichen und geistigen Verfassung Anstoß nehmen. … jeder Ort, an dem ich geborgen bin.
Jens R. Nielsen, Zeichner und Publizist

 

… Herkunft und Identität und kann in dieser bewegten Zeit auch Sicherheit und Rückzugsmöglichkeit geben.
Rüdiger Kelm, Steinzeitpark Dithmarschen

 

… in mir selbst zu ruhen – überall auf der Welt.
Elisabeth Mayer, Autorin und Regisseurin

 

Heimaten sind für mich Sprache, Landschaft der Kindheit, Jahreszeiten in Norddeutschland und dort, wo meine Wahlfamilie ist.
Andrea Ehlert, Programmleiterin Kulturmanagement der Bundes-akademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

 

… das Gefühl geschützt, geborgen und verstanden zu sein; das Gefühl dazu- und herzugehören; das Gefühl ein Teil der Landschaft, der Kultur und der Menschen mit ihren regional besonderen Eigenarten zu sein.
Uwe Brandl, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

 

… der Duft von Boskop-Äpfeln, gurgelndes Wasser unter Weiden, Häuser aus rotem Sandstein, ein Satz in breitem Fränkisch, der Blick vom Berggipfel, Dampfnudeln, eine Bachpartita. All das erinnert mich daran, wie ich geworden bin. Da fühle ich mich zu Hause.
Eva Leipprand, Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller

 

… Freiheit sich schöpferisch entfalten zu können!
Annebarbe Kau, Vorstand des Deutschen Künstlerbundes

 

…, wenn die Wände und Straßen von Kindheit sprechen.
Arne Upmeier, Universitätsbibliothek Ilmenau

 

… kein Ort, sondern ein Zustand. Heimat ist da, wo man aufgenommen ist, wo man sich wechselseitig bestärkt, sich wechselseitig unterstützt, sich wechselseitig hilft, sich wechselseitig versteht, wie auch immer, sich wechselseitig lobt, sich gemeinsam freut, gemeinsam lacht. Kurzum, Heimat ist da, wo man sich gerne aufhält und sich entfalten kann.
Lorenz Mueller-Morenius, Bundesvorsitzender der Fachgruppe Bildende Kunst in ver.di.

 

… da, wo ich Vertrautes spüre, Menschen, Gebäude, Landschaft, Töne, wo meine Familie ist und wo Anonymität ein Fremdwort ist.
Ernst Burgbacher, parlamentarischer Staatssekretär a.D. und Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände

 

… aufgrund meiner Herkunft und als überzeugter Weltbürger ein schwieriger Begriff, auch wenn Bayern mir zur Heimat geworden ist. Für mich als Christ gelten die Gebetsworte Johann Philipp Neumanns in der 2. Strophe des Eingangslieds von Schuberts deutscher Messe von 1826:

„Ach wenn ich Dich nicht hätte, was wär’ mir Erd’ und Himmel?

Ein Bannort jede Stätte, ich selbst in Zufalls Hand.

Du bist’s, der meinen Wegen ein sich’res Ziel verleihet
Und Erd’ und Himmel weihet zu süßem Heimatland.“
Rupert Graf Strachwitz, Vorsitzender des Vorstandes der Maecenata Stiftung

 

Dass Berlin meine Heimat geworden ist, habe ich vor einigen Jahren bemerkt, als ich mal wieder, trotz des Wochen vorher im Internet vereinbarten Termins, über eine Stunde im sogenannten Bürgeramt warten musste und dann noch schön berlinerisch von der Sachbearbeiterin angepflaumt wurde. Meine lautstarke Erwiderung hat das Problem zwar nicht gelöst, aber von diesem Zeitpunkt an wusste ich, es ist meine Stadt, meine Heimat. Heimat ist auch dort, wo es mir nicht egal ist, wie es ist.
Olaf Zimmermann, Geschäfts-führer des Deutschen Kulturrates

 

… ein lebenslanger Sehnsuchtsbegriff. Auf der einen Seite hat Heimat mit Herkunft zu tun, mit der Prägung der eigenen Identität, auf der anderen Seite ist sie aber auch transitorisch wie das Leben selbst: Heimat verändert sich, weil sich der Blick zurück wandelt und die zunehmende Vergangenheit immer neue existenzielle Eindrücke ablagert. Leben verändert Heimat, somit ist sie wohl unendlich zuwachsoffen.
Tobias J. Knoblich, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft

 

… Vertrautheit.
Colin Hoffmann, Deutsche Welle

 

… die Region bzw. das Land, in dem ich aufgewachsen bin, Schleswig-Holstein, das Land zwischen den Meeren mit seinen Sprachprägungen Niederdeutsch, Friesisch und Dänisch. Zuhause ist demgegenüber für mich der Ort, wo sich regelmäßig die Familie, Freunde und Bekannte treffen.
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung

 

… ein sehr schwieriges Wort. Heimat ist für mich der Ort, an dem ich täglich heimkehre und meine Freunde und Familie um mich habe. Da Heimat für mich aber kein fester Ort ist, ist Heimat für mich viel mehr eine Kombination aus Ritualen, Gerüchen, Speisen und Geräuschen.
Miriam Horn-Klimmek, Inhaberin der Agentur Formlos Berlin

 

… die deutsche Sprache, geschrieben und gesprochen! – Kein Ort und keine Landschaft, denn in meiner Kindheit und Jugend musste meine Familie dorthin, wo es (Industrie-)Arbeit gab, also in den 1950er und 1960er Jahren nach NRW, in den 1970ern dann in den Süden unserer Republik.
Klaus Ulrich Werner, Leiter des Bibliotheksbereiches und Leiter der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin

 

…, immer wieder auf der Suche zu sein und zu wissen, dass es an mir liegt, den Ort der Heimat zu bestimmen.
Thomas Bade, Geschäftsführer des Instituts für Universal Design

 

… der Ort, an dem ich immer willkommen bin.
Anette Rein, 1. Vorsitzende des Bundesverbandes freiberuflicher Ethnolog_innen

 

„Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde.“ (Karl Jaspers) – Diesem Zitat habe ich nichts hinzuzufügen – es trifft auf alle Menschen gleichermaßen zu, die in unserem Land leben.
Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates

 

… nicht nur zu reduzieren auf „ubi bene, ibi patria“, sondern darüber hinaus ein eher mentaler Ort des Zusammenlebens in einer Gesellschaft, die sich einer grundsätzlichen Solidarität und Offenheit verpflichtet fühlt.
Werner Schaub, Bundesvorsitzender des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler

 

…, wo ich zu mir finde in der Begegnung: mit Menschen, mit Orten, mit Musik, mit Geist, mit Gott.
Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates

 

… ein manchmal überstrapazierter Begriff, Heimat kann nur selbstbestimmt und gleichberechtigt für jede und jeden sein. Heimat ist die Vielfalt an Menschen um mich herum, ein demokratisches gesellschaftliches Miteinander und Zusammenwirken in allen Bereichen. Heimat kann an vielen Orten sein, verändert und wandelt sich, ist offen und frei für alle.
Barbara Seifen, Sprecherin im Rat für Baukultur und Denkmalkultur des Deutschen Kulturrates

 

… kein physischer Raum, sondern vielmehr ein geistiger Denk- und Austauschraum, der viel Platz lässt für Ideen wie wir in Zukunft (kultur-)politische, wirtschaftliche und soziale Strukturen schaffen können, die wirklich uns Menschen und nicht einem absurden System dienen, unter dem wir zunehmend vielfältig leiden.
Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin und Geschäftsführerin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

 

… da, wo mir das Herz aufgeht.
Gregor Hitzfeld, Generalsekretär von ICOMOS

 

… die Erde, da ich als Mensch nicht in der Lage bin, auf einem anderen Planeten zu leben.
Hans-Jürgen Blinn, Ministerium für Bildung des Landes
Rheinland-Pfalz

 

… mehr als der Ort in dem ich zu Hause bin. Für mich sind das viele Orte in Europa, an denen ich mich wohl fühle und mit denen ich mich identifizieren kann. Das sind Orte deren Kultur und Leben ich entdecken konnte, die ich kennenlernen konnte und zu deren Entdeckung ich andere Menschen gerne einlade.
Uwe Koch, Ministerialrat, Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

 

… die Erinnerung an den Ort meiner Kindheit und Jugend, an mein Elternhaus, an die Schulzeit und die ersten Versuche der Identitätsfindung. Im Laufe der Jahre wurde die Heimat ersetzt durch ein Zuhause, das nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist.
Hartmut Karmeier, Sprecher des Deutschen Musikrates beim Deutschen Kulturrat

 

Meine Heimat ist in mir, sie entwickelt und verändert sich kontinuierlich. Ich nehme sie mit auf Reisen und entdecke mich unterwegs immer wieder neu. Heimat ist Vision und Erinnerung, bindet zusammen ein weites Reich von Zeichen und Figuren, von Bildern und Gesten, und ja, auch von Bewegungen. Trotz der Momente des Schmeckens, des Riechens, bleibt die Heimat immer schwankend zwischen Realität und Vorstellung. Sie korrigiert sich ungern an der Wirklichkeit.
Boris Kochan, Präsident des Deutschen Designtages

 

… ein Begriff der politischen Rechten.
Axel Ahrens, Illustrator

 

Diese Statements sind zuerst erschienen in Politik & Kultur 01-02/2019.

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