Die Corona Liste

Mit der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen, einer Analogie zu den bekannten „Roten Listen“ bedrohter Tier- und Pflanzenfamilien, wurden bis zur Ausgabe 2/2018 sechs Jahre lang in jeder Ausgabe von Politik & Kultur gefährdete Kulturinstitutionen, -vereine und -programme vorgestellt. Ziel der Roten Liste war es stets, auf den Wert einzelner Kultureinrichtungen und Initiativen hinzuweisen. Zuletzt hatte sich die Situation der Kultureinrichtungen zum Positiven gewandelt – die gesamtdeutsche Kulturlandschaft blühte, daher wurde die Rote Liste 2018 eingestellt. Ein Erfolg für die Kultur! Doch dann kam im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie. Heute sind wieder zahlreiche Kulturinstitutionen, -vereine und -programme bedroht. Daher führt Politik & Kultur „Die Corona Liste“ in Analogie zur Roten Liste wieder ein – mit der Änderung, dass auf ihr nur durch Corona bedrohte Kultur aufgenommen werden kann. Politik & Kultur stellt dazu die Arbeit einzelner Einrichtungen vor und teilt sie ein in Gefährdungskategorien von 0 bis 4. Ob und welche Veränderungen für die vorgestellten Einrichtungen eintreten, darüber werden wir Sie fortlaufend informieren.

 

Benachrichtigen Sie uns über die Lage Ihnen bekannter Kultureinrichtungen! Senden Sie uns dazu Ihre Vorschläge an ten.r1601117031utluk1601117031dnuki1601117031tilop1601117031@ofni1601117031.

Kategorie 4: Gefährdung aufgehoben/ungefährdet

Kategorie 3: Vorwarnliste

Kategorie 2: gefährdet

Kategorie 1: von Schließung bedroht

Kategorie 0: geschlossen

Die Listen

Kammeroper Köln, Nordrhein-Westfalen

  • Gründung: 1996
  • Tätigkeitsfeld: Musiktheater
  • Finanzierung: Eintrittseinnahmen, Gastspiele
  • Homepage: www.kammeroper-koeln.de
Kammeroper Köln im Walzwerk Pulheim_01

Die Kammeroper Köln bietet Musiktheater in all seinen Formen: Oper, Operette, große Musicalproduktionen sowie Kinderopern und Konzerte stehen auf dem Spielplan. Doch ist zurzeit ungewiss, ob das lebendige und publikumsnahe Musiktheater auch zukünftig noch seine Gäste begeistern kann. Etliche Veranstaltungen mussten aufgrund der Coronakrise abgesagt werden. Der Saalplan ist aktuell an die derzeit gültigen Corona-Vorschriften angepasst und auf 100 Sitzplätze reduziert, anstelle der regulären 348 Plätze. Das bedeutet hohe Einnahmeeinbußen. Als Privattheater ohne staatliche oder städtische Unterstützung ist die Kammeroper Köln hart von der Pandemie getroffen. Nicht nur durch fehlende Einnahmen für den Zeitraum der Schließung, sondern auch durch laufende Fixkosten wie Miete und Teile der Mitarbeitergehälter. Doch Geld zur Unterstützung floss bisher keines, weder durch das NRW-Programm, noch ist absehbar, wann mit Mitteln aus dem Rettungs- und Zukunftsprogramm der Bundesregierung NEUSTART KULTUR gerechnet werden kann. Für den September mussten bereits alle Veranstaltungen abgesagt werden, ein Großteil der Gastspiele wurde bereits bis Februar 2021 durch die Gastspielorte gecancelt. Die Zukunft: ungewiss.

 

Aufnahme

1

 

 

Gretchen, Berlin

  • Gründung: 2011
  • Tätigkeitsfeld: Musikspielstätte
  • Finanzierung: Einnahmen
  • Homepage: www.gretchen-club.de
Gretchen

Während andere Institutionen und Unternehmen langsam zur Normalität zurückkehren können, sind die Clubs noch immer geschlossen. Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung ist ungewiss. Seit dem 13. März muss auch das Gretchen, das sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände mitten in Berlin-Kreuzberg befindet, aufgrund der Corona-Pandemie sein Programm bis auf Weiteres aussetzen. Dadurch erzielen die Betreiber völlig überraschend keinerlei Einnahmen, um anfallende Fixkosten wie Miete, Strom und Versicherungen bezahlen zu können. Zwar hat der Club über Hilfsprogramme des Berliner Senats 15.000 Euro sowie über Spenden ca. 30.000 Euro erhalten, doch ohne weitere Unterstützung ist die Zukunft ungewiss. Aktuell macht der Club hohe Schulden, die ohne staatliche Zuschüsse nicht getilgt werden können. Seit über 20 Jahren arbeitet das Betreiberduo wirtschaftlich und ohne Förderungen – und hat so Tausenden Künstlern eine Bühne gegeben. Ihr kuratiert geführter Club wirft aber nicht ausreichend Gewinne ab, um Rücklagen bilden oder Kredite abzahlen zu können. Exemplarisch steht das Gretchen damit für die gesamte Clubkultur, die besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen und auf schnelle Hilfen angewiesen ist.

 

Aufnahme

1

Theater Lindenhof, Baden-Württemberg

  • Gründung: 1981
  • Tätigkeitsfeld: Theater
  • Finanzierung: 60 % Kartenverkauf und Gastspielverkauf; 40 % über Zuschüsse vom Land Baden-Württemberg, den Landkreisen Zollernalb, Reutlingen, Tübingen und der Sitzgemeinde Burladingen; zudem Förderung von über 20 Partnerstädten
  • Homepage: www.theater-lindenhof.de
Theater_Lindenhof

Einen Weg durch die Coronakrise zu finden versucht auch das Theater Lindenhof – ein Freies Theater auf der Schwäbischen Alb in Melchingen, das fernab der Metropole zum Inbegriff für ein besonderes Heimattheater geworden ist. Durch die Pandemie und die damit verbundene Pause im Spielbetrieb und des Tourneegeschäfts sind dem Privattheater über 60 Prozent des Gesamtetats weggebrochen. Durch Sanierung und einem gerade fertig gestellten Erweiterungsbau sind alle Reserven aufgebraucht, Sparmaßnahmen und Kurzarbeit wurden sofort eingeläutet. Durch Unterstützung, unter anderem von der Stadt Tübingen und dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie durch den Erwerb von Solidaritäts-Abos und durch Spenden des Theaterpublikums, konnte das Theater die größten finanziellen Engpässe während der Coronakrise überwinden. Am 11. September ist Spielzeiteröffnung in einer Außenspielstätte, einer großen Industriebrache. Der Theaterbetrieb muss nun neu gedacht werden. Doch die längerfristige Perspektive des Theaters ist und bleibt auf ökonomischer Ebene unsicher. Zu viele externe Faktoren spielen eine Rolle.

 

Aufnahme

3

 

 

MACHmit! Museum für Kinder gGmbH, Berlin

  • Gründung: 1992
  • Tätigkeitsfeld: Kindermuseum
  • Tätigkeitsfeld: Eintrittsgelder, Projektförderung
  • Homepage: www.machmitmuseum.de
Machmit!Museum

Das Kindermuseum in Berlin-Pankow entwickelt seit 28 Jahren interaktive Ausstellungen von, für und mit Kindern. Seit dem 14. März musste das Museum in der entwidmeten, ehemals protestantischen Eliaskirche im Helmholzkiez coronabedingt seinen Betrieb einstellen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die finanzielle Lage ist prekär. Dank des Corona-Soforthilfepaketes IV, Projektfördermittel und Spenden konnten die ersten Monate zwar überbrückt werden, doch die monatlichen Kosten, die bei voller Besetzung anfallen, sind ohne weitere Unterstützungen zukünftig kaum zu tragen. In absehbarer Zeit sind alle Rücklagen aufgebraucht. Am 3. September startet das MACHmit! Museum den Versuch, unter den geltenden Hygienevorschriften, die Türen wieder zu öffnen. Doch noch ist vieles ungewiss. Da sich die Besucherzahl – normalerweise 80.000 pro Jahr – aufgrund der Maßnahmen stark reduzieren wird, ist nicht klar, ob die Eintrittsgelder laufende Kosten ansatzweise abdecken können. Weitere finanzielle Unterstützung ist dringend erforderlich.

 

Aufnahme

1