12. September 2025 Kulturrat_Logo_72dpi-01

Kulturpolitischer Wochenreport

37. KW: Gesinnungsprüfung für Künstler?


Themen im Newsletter:

  • Gesinnungsprüfung für Künstler?
  • Zu Gast bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag
  • „Alles Pixel?“ auf der Classic Computing am 13.09.25
  • Weite und Enge: Die Vor- und Nachteile des Künstlerlebens auf dem Land
  • Einladung: Podiumsdiskussion mit dem Goethe-Institut am 16. September 2025
  • Kulturmensch Christine Regus
  • „Kultur unter Druck?“ – Kulturgespräch am 18. September
  • Text der Woche: „Stärkere Unterstützung für Filmproduktionen“ von Helmut Hartung
  • Zum Schluss

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

nach der Absage eines Konzertes der Münchner Philharmoniker mit ihrem israelischen Dirigenten Lahav Shani im belgischen Gent wird wieder heftig über das Verhältnis von Kunst und Politik gestritten.

 

Die Konzertabsage reiht sich leider in eine Reihe von Fällen ein, bei denen von Künstlerinnen und Künstler eine politische Pro- oder Contra-Haltung zu dem Staat, in dem sie leben oder in dem sie geboren sind, verlangt wird. Nach dem verbrecherischen Überfall Russlands auf die Ukraine wurden russische Künstlerinnen und Künstler ausgeladen, wenn sie sich nicht klar gegen Russland positioniert haben. Teilweise ging es so weit, dass russische Dichter oder Komponisten nicht mehr gespielt werden sollten – auch wenn es sich gar nicht um Zeitgenossen, sondern um das Erbe handelt.

 

Jetzt geht es um Israel. Eine vollkommen andere politische Situation, die nicht mit dem russischen Angriffskrieg zu vergleichen ist, aber wieder wird von Künstlerinnen und Künstlern eine politische Haltung verlangt, und zwar eine gegen den Staat, in dem sie geboren sind, leben und aktuell arbeiten.

 

Ich halte die Ausladung für absolut falsch!

 

Künstlerinnen und Künstler sind keine Diplomaten oder Politikerinnen. Ihr Arbeitsfeld ist die Kunst. Von Künstlerinnen und Künstlern zu verlangen, dass sie sich für oder gegen den Staat positionieren, in dem sie leben, oder aus dem sie kommen, kommt einer Gesinnungsprüfung gleich. Ich hatte gehofft, solche Zeiten sind überwunden.

 

Mir wurde in der letzten Zeit in Gesprächen von israelischen Künstlerinnen und Künstler immer wieder berichtet, dass von ihnen oft von Kolleginnen und Kollegen erwartet wird, dass sie sich von der Regierung ihres Heimatlandes distanzieren. Das ist in meinen Augen ein nicht hinnehmbarer Übergriff.

Was wir brauchen, ist mehr Differenzierung zwischen Kunst und Politik. Von einem Künstler zu verlangen, dass er sich von der Regierung des Staates distanziert, in dem er lebt, geht eindeutig zu weit. Was soll der nächste Schritt sein, sollen Künstlerinnen und Künstler offenlegen, wen sie gewählt haben, um noch auftreten zu dürfen?

 

Die Kunst ist frei, das ist in Deutschland die grundgesetzliche Maßgabe. Diese Freiheit erstreckt sich auch auf Künstlerinnen und Künstler.

 

Ihr

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des
Deutschen Kulturrates

 



2. Zu Gast bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag

 

Der Ausschuss für Kultur und Medien ist am Mittwoch, 10. September 2025, zu einer öffentlichen Sitzung zusammengekommen. Ich durfte als Vertreter des Deutschen Kulturates fast einerinhalb Stunden in einer öffentlichen Sitzung mit den Ausschussmitgliedern über die zentralen Herausforderungen der Kulturpolitik in dieser Legislaturperiode sprechen. Sie können das Gespräch ab Minute 17:20 hier nachsehen.

 

Der Ausschuss für Kultur und Medien mit seinen 18 Mitgliedern ist auf der Bundesebene für den gesamten Themenkomplex der Kulturpolitik zuständig. So kontrolliert er beispielsweise die kulturpolitische Förderpolitik der Bundesregierung, berät über die Zukunft der Deutschen Welle und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, entscheidet über die nationale Filmförderung mit oder diskutiert die Förderung geschichtlicher Lernorte von nationaler Bedeutung. Er ist einer der wichtigsten Ansprechpartner für den Deutschen Kulturrat.

 


 

3. Einladung: „Alles Pixel?“ auf der Classic Computing am 13.09.25

 

Auf der Classic Computing 2025 laden wir Sie herzlich zu unserer Podiumsdiskussion „Alles Pixel! Was hat Retro-Computing mit Kunst zu tun?“ im Format „JaAberUnd“ ein.

 

Gemeinsam mit Hans Hübner, Vorsitzender Verein zum Erhalt klassischer Computer e.V. und Clemens Krause, Computermuseum Stuttgart, spreche ich über alte Computer als Kulturgut, über Reparieren statt Wegwerfen und über neue Kunst mit alten Computern, z.B. die Demoszene, kurz: über Schnittstellen zwischen Retrocomputing und Kunst und Kultur.

 

Moderation: Barbara Haack, Leitung Kommunikation Deutscher Kulturrat

 

 

 

  • Hier geht es zu allen Artikeln aus dem Schwerpunkt „Von alten Computer und neuer Kunst“ der Juli-August-Ausgabe Politk & Kultur
  • Hier kann die Diskussion „Kulturgeschichte: Computer in der DDR“ von der gamescom 2025 nachgehört werden

 


 

4. Weite und Enge: Die Vor- und Nachteile des Künstlerlebens auf dem Land

 

Gemeinsam mit der Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern Bettina MartinClaudia Kapellusch vom Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler M-VDavid Adler vom Kulturlandbüro und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) haben wir im Atelier von Michael Heckert über das Thema „Kunst und Kultur abseits der Metropolen – Chancen, Hürden und Perspektiven in ländlichen Räumen” diskutiert.

 

Die spannende Diskussion kann man hier nachschauen und -hören:

 

 

  • Hier können Sie alle Artikel aus dem Schwerpunkt „Raus aufs Land!? – Kunst und Kultur auf dem Land“ der Mai-Ausgabe von Politik & Kultur lesen.

 


 

5. Einladung: Podiumsdiskussion mit dem Goethe-Institut am 16. September 2025 

 

Ich lade Sie herzlich zur gemeinsamen Veranstaltung des Goethe-Instituts und des Deutschen Kulturrats zum Thema „Bedeutung und Ausrichtung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in der 21. Legislaturperiode“ ein. Neben der Vorstellung unseres Schwerpunkts in der neuen September-Ausgabe von Politik & Kultur dreht sich alles um die Fragen, welche Ziele und Schwerpunkte die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) für Deutschland künftig verfolgen sollte? Welche Allianzen, Akteure und Strukturen braucht eine zukunftsgerichtete AKBP in Deutschland und der Welt?

 

 

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Gesche Joost, Präsidentin des Goethe-Instituts, und dem Präsidenten des Deutschen Kulturrates Prof. Christian Höppner folgt ein Impuls von Staatsministerin Serap Güler, MdB, zu „Sicherheit, Freiheit, Wohlstand – Chancen und Aufgaben deutscher Kulturdiplomatie im aktuellen Umfeld“.

 

Im Anschluss diskutieren auf dem Podium:

  • Johannes Volkmann, MdB (CDU/CSU)
  • Nancy Faeser, MdB (SPD)
  • Claudia Roth, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Maren Kaminski, MdB (Die Linke)

 

Abschließend sprechen Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates über Erkenntnisse und Ausblicke.

 

Moderation: Vladimir Balzer (Deutschlandfunk).

 

 

  • Termin: Dienstag, 16. September 2025, 18.30 Uhr
  • Ort: Mediothek des Goethe-Instituts Berlin (Neue Schönhauser Straße 20, 10178 Berlin)

 

  • Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 9. September 2025 verbindlich per E-Mail an: hauptstadtbuero@goethe.de. Die Zahl der Plätze ist sehr begrenzt; die Vergabe erfolgt nach Reihenfolge der Anmeldungen.

 


 

6. Kulturmensch Christine Regus

 

Christine Regus wird neue Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder. Sie folgt – voraussichtlich Anfang November 2025 – auf Markus Hilgert, der an die Spitze der Universität der Künste Berlin wechselte. Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat die Personalie auf seiner Sitzung im Juni in Chemnitz einstimmig beschlossen.

 

Regus studierte Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Soziologie an der Universität zu Köln und der Freien Universität Berlin und schloss ein Studium im Kultur- und Medienmanagement an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler an.

 

2007 promovierte sie an der Freien Universität Berlin. In den folgenden beruflichen Stationen erwarb sie umfassende Erfahrungen in den Bereichen Erwerb, Erhalt, Präsentation und Vermittlung von Kunst und Kulturgut sowie Management und Öffentlichkeitsarbeit. Drei Jahre lang war sie Pressereferentin des Hauses der Kulturen Berlin, bevor sie 2006 als Pressesprecherin ins Hauptstadtbüro des Goethe-Instituts wechselte. Nächste Station ihrer Karriere war die Senatsverwaltung Berlin. Hier wurde sie im Jahr 2012 Leiterin des Referats Einrichtungsförderung Archive, Bibliotheken, Gedenkstätten, Museen, Bildende Kunst. Im September 2024 übernahm sie kommissarisch die Leitung der Abteilung I »Kultur« bei der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. U. a. vereint die Abteilung die Referate für die Förderung von Künstlerinnen, Künstlern, Projekten und Freien Gruppen, für Bühnen, Orchester, Tanz, Literatur und Interdisziplinäre Einrichtungen sowie für Gedenkstätten, Museen, und Bildende Kunst unter ihrem Dach.

 

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt und viel Erfolg bei den neuen Aufgaben!

 


 

7. „Kultur unter Druck?“ – Kulturgespräch am 18. September

 

Am 18. September 2025 lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Zuge der digitalen Reihe „Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025“ zur neunten Ausgabe ein.

Unter dem Titel „Kultur unter Druck? Verschiedene Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen“ diskutiere ich gemeinsam mit Guido Kohlenbach (LVR) und Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL) darüber, welche Aufgaben Kultureinrichtungen in Zeiten antidemokratischer Bewegungen übernehmen können – und welche Antworten wir auf aktuelle Herausforderungen finden müssen.

Die Diskussion wird von Shelly Kupferberg moderiert.

 

  • Start: 18.09.2025 um 11:30 Uhr via Zoom
  • Hier anmelden

 

„Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025“ ist eine digitale Veranstaltungsreihe der Kulturdezernate des LWL und LVR. In einstündigen Zoom-Meetings werden im Frühjahr und Herbst 2025 Vorträge, Diskussionsforen und Praxisgespräche angeboten. Mehr Informationen zur Reihe gibt es hier.

 


8. Text der Woche: „Stärkere Unterstützung für Filmproduktionen“ von Helmut Hartung
In Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, haben Anfang August die Dreharbeiten zur neuen ZDF-Serie »Hohenfelden« begonnen. Die bekannte Autorin Juli Zeh ist die TV-Autorin und Creative Producerin der sechsteiligen Serie aus dem Bereich des Pferdesports. Diese neue Staffel für das Abendprogramm des ZDF ist nicht der einzige TV-Film, den die öffentlich-rechtlichen Sender außerhalb Deutschlands produzieren lassen.

 

Allein in der österreichischen Metropole Wien haben im ersten Halbjahr beide gebührenfinanzierte Sendergruppen als Auftraggeber sechs Serien durch österreichische Produktionsfirmen realisieren lassen: Neben den Dauerbrennern »SoKo Wien« und »Tatort Wien« sind es »Der Wien Krimi – Blind ermittelt«, »Wiener Blut«, »Mord in Wien« und nicht zuletzt die nach dem Falco-Song benannte Serie »Vienna Calling«. Es ist vielleicht noch nachvollziehbar, dass Filme, die an der Donau spielen, auch dort gedreht werden, doch bei anderen Stoffen, wie bei »Hohenfelden«, ist keine regionale Präsenz verpflichtend. Ob in Lissabon, Zürich, Barcelona, Kroatien, Amsterdam, Istanbul oder zuletzt in Griechenland (»Der Kreta-Krimi«) – überall in Europa ermitteln im ARD-Auftrag Krimi-Teams.

 

»Die deutschen Film- und Fernsehdienstleister können als Zaungäste nur staunend beobachten, wie im europäischen Ausland nicht zuletzt wegen der Aufträge von ARD und ZDF die Film- und Fernsehindustrien wachsen und gedeihen, während der hiesige Markt darbt.

 

Helmut Hartung ist Chefredakteur von medienpolitik.net

 

  • Hier lesen Sie den ganzen Beitrag.

 


 

9. Zum Schluss

 

Anfang der Woche hat sich der Deutsche Kulturrat mit Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland getroffen und aktuelle Herausforderungen in Kultur und Kirche besprochen.

 

Vielen Dank für dieses produktive Gespräch!

 


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