41. KW: Walter Bauer: EINES TAGES WERDEN WIR AUFWACHEN UND WISSEN
- Walter Bauer: EINES TAGES WERDEN WIR AUFWACHEN UND WISSEN
- Einladung: Denkt nach, ehe ihr JA sagt – Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute
- Einladung: Alles hängt zusammen. Und nun? Von Pilzen, Natur und Kultur
- Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Olaf Bandt
- Personennachrichten
- Text der Woche: „Ohne Kunst keine KI“ von Sven Lehmann
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit fällt nichts mehr ein zu den Vorgängen in Sachsen-Anhalt und in anderen Teilen unseres Landes. Ich lasse deshalb Walter Bauer (1904-1976) sprechen:
EINES TAGES WERDEN WIR AUFWACHEN UND WISSEN
Eines Tages werden wir aufwachen und wissen,
Daß wir zuwenig getan haben oder das Falsche,
Wir werden uns sagen, daß wir mehr hätten tun sollen.
Aber was? werden wir fragen – und: wann hätten wir es
tun sollen,
Hatten wir jemals Zeit, uns zu entscheiden?
Und dann werden wir wissen, daß über uns entschieden wurde
Von Anfang an, weil wir es so wollten.
Keine Ausrede mehr: die Zeit ist vertan. Keine Beschönigung
mehr: auf unseren Händen liegt Asche.
Bei jedem Schritt stäubt sie auf. Asche. Asche.
Wir werden uns dann eines Glanzes erinnern,
Der uns blendete vor vielen Jahren, daß wir erschauerten,
Eines Windhauches werden wir dann gedenken, der uns traf,
Uns aufriß und dann zerfloß,
Wir werden dann fragen: Wann war das? Wann der Blitz des Lichtes?
Der Windhauch: wann?
Wir werden uns erinnern, daß da etwas war voller Verheißung,
Aber kaum noch sagen können, was es war und daß es Aussichten gab für uns,
Pfade, für uns allein gemacht –
Nur: daß da etwas war, dem wir nicht folgten –
Und hinzufügen: daß wir keine Zeit hatten, leider –
Weil wir die Zeit vergeudeten in kleiner, abgegriffener Münze.
Und von dem Aufblitzen des Lichtes und dem Windhauch blieb nichts.
Nur Asche.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
LinkedIn
PS. Der kulturpolitische Wochenreport erscheint ausnahmsweise heute, weil ich einige Tage auf Reisen bin. Der nächste erscheint wieder pünktlich am kommenden Freitag.
2. Einladung: Denkt nach, ehe ihr JA sagt – Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute
Die Hochschule Merseburg lädt am 3. November 2026 zur wissenschaftlichen Konferenz anlässlich des 50. Todestages von Walter Bauer ein.
Walter Bauer hat meine politische Sozialisation stark geprägt. Ich freue mich deshalb sehr, dass ich eingeladen wurde, einen Vortrag zu halten: „Denkt nach, ehe ihr JA sagt: Walter Bauer und die Wehrdienstdebatte heute“.
Walter-Bauer-Symposium
- 03.11.2026 10:00 bis 16:00 Uhr
- Hg/A/Hörsaal 2, Hochschule Merseburg, Eberhard-Leibnitz-Str. 2, 06217 Merseburg
Zur Anmeldung zum Walter-Bauer-Symposium
3. Einladung: Alles hängt zusammen. Und nun? Von Pilzen, Natur und Kultur
Was können wir gemeinsam bewegen, wenn wir Natur und Kultur nicht länger getrennt denken? Welche Konsequenzen hat das für Politik und Gesellschaft? Und was können wir Menschen dabei von den Pilzen lernen? Darüber spricht Harald Asel mit seinen Gästen am 14. Oktober um 19 Uhr im Besucherzentrum des Botanischen Gartens.
Der Botanische Garten Berlin, der Deutsche Kulturrat, Matthes & Seitz Berlin und rbb Inforadio laden zu einem Abend ein, der mit einer faszinierenden Begegnung in der Welt der Pilze beginnt und anschließend den Blick auf größere gesellschaftliche und politische Fragen richtet.
Zum Auftakt treffen Benjamin Haag, Germanist, Pilzsachverständiger und Autor des Pilzatlas „Samtfuß, Holzstielchen und Zottelmähne“, und René Jarling, Pilzkustos des Botanischen Gartens Berlin, aufeinander. Aus literarischer und naturwissenschaftlicher Perspektive erkunden sie die erstaunliche Welt der Pilze, ihre Geschichten, Lebensweisen und vielfältigen Verbindungen zu Mensch und Umwelt.
Anschließend wird aus der Frage nach den Verbindungen eine Frage nach den Möglichkeiten. Klimakrise, Artenverlust und gesellschaftliche Transformation verlangen nach neuen Formen des Denkens und der Zusammenarbeit. Wie können Natur- und Kulturinstitutionen dies aufgreifen, ihre Stärken verbinden und gemeinsam gesellschaftliche und ökologische Veränderungen gestalten?
Darüber diskutieren:
- Luiza Bengtsson, Leiterin der Abteilung Museum und Gesellschaft im Botanischen Garten Berlin
- Andreas Rötzer, Verleger von Matthes & Seitz Berlin
- Judith Schalansky, Autorin und Künstlerin und Herausgeberin der „Naturkunden“
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
- Moderation: Harald Asel, rbb24 Inforadio
14.10.2026, 19:00 Uhr
Besuchszentrum Königin Luise Platz, Botanischer Garten Berlin,
Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
Mit dem Veranstaltungsticket erhalten Sie im Oktober einmalig ermäßigten Eintritt in den Botanischen Garten Berlin.
Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Reihe „Forum“ im rbb24 Inforadio ausgestrahlt.
4. Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Olaf Bandt
Olaf Bandt, Bundesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ist Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band.
Im Video berichtet er, wie er den Mauerfall als Student erlebte. Die Proteste und die Friedensbewegung in der DDR beeindruckten ihn nachhaltig und bestärkten ihn darin, selbst politisch aktiv zu werden. Das Grüne Band steht für ihn bis heute für die gewonnene Freiheit – in Ost wie in West – und für die Verbindung von Naturschutz, gesellschaftlichem Engagement und Demokratie.
Im Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe: Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ von Deutschen Kulturrat und BUND wird der Diskussionsprozess um die Aufnahme der ehemaligen innerdeutschen Grenze einschließlich der Berliner Mauer (Grünes Band) als gemischte Welterbestätte in die UNESCO-Welterbeliste begleitet und unterstützt. Ziel ist die dauerhafte Anerkennung und der Schutz dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfaltet sich mit fast 1.400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands, der zugleich eine lebendige Gedächtnislandschaft darstellt, die europäische Geschichte und demokratischen Wandel eindrücklich erfahrbar macht.
5. Personennachrichten
Dorlis Blume ist die neue Direktorin der Abteilung Ausstellungen des Deutschen Historischen Museums
Seit Mitte Juli 2026 ist die Historikerin Dorlis Blume die neue Direktorin der Abteilung Ausstellungen des Deutschen Historischen Museums (DHM). Blume ist dem DHM seit 1996 verbunden. Nach Stationen am Haus der Geschichte in Bonn, bei der Bundeszentrale für politische Bildung und im Deutschen Bundestag kehrte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin zurück. Seit 2015 leitete sie den Fachbereich Wechselausstellungen und Projekte, war stellvertretende Direktorin der Abteilung Ausstellungen und ist zudem Gleichstellungsbeauftragte des DHM.
Iris Edenheiser übernimmt die Leitung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig
Das Kuratorium der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat Iris Edenheiser zur neuen Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig berufen. Die Sozial- und Kulturanthropologin wird die Leitung des Hauses Ende 2026 übernehmen. Edenheiser leitet derzeit noch das Deutsche Hygiene-Museum Dresden. Zuvor war sie unter anderem für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie die Staatlichen Museen zu Berlin tätig. Darüber hinaus gehört sie dem Vorstand des Deutschen Museumsbundes an.
Philipp Küppers wird Generalsekretär des ifa
Philipp Küppers ist vom Präsidium des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen zum neuen Generalsekretär ernannt worden. Er tritt sein Amt am 1. September 2026 an. Küppers leitet derzeit das Goethe-Institut in Marokko. Er war zuvor unter anderem in Afghanistan, Brasilien, Kolumbien und Tansania tätig und arbeitete von 2011 bis 2015 am Lehrstuhl für Transcultural Music Studies der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. In den vergangenen zehn Jahren leitete Küppers die Goethe-Institute u. a. in Bangladesch und im Senegal.
Dietmar Osses ist neuer Direktor des Ruhr Museums
Der Stiftungsrat der Stiftung Zollverein hat Dietmar Osses zum neuen Direktor des Ruhr Museums ernannt. Er übernahm die Leitung des Museums auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zum 1. Juli 2026, nachdem er das Museum bereits seit April kommissarisch geführt hatte. Der Historiker und Museumsexperte war seit 2024 stellvertretender Direktor und Leiter der Ausstellungen des Ruhr Museums. Zuvor leitete er das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen sowie das LWL-Museum Zeche Hannover in Bochum.
6. Text der Woche: „Ohne Kunst keine KI“ von Sven Lehmann
Welche kulturpolitische Aufgabe uns die rasante Verbreitung der Künstlichen Intelligenz stellt
Die Folgen der Verbreitung Künstlicher Intelligenz sind keine abstrakten Technologiefragen, sondern eine massive kulturpolitische Herausforderung. Denn KI entsteht nicht aus dem Nichts. Sie basiert auf Milliarden von Büchern, Filmen, Songs, Texten, Bildern und anderen kreativen Werken. Die Fragen, die sich hieraus ergeben, sind grundlegend: Es geht um kulturelle Werte und geistiges Eigentum. Es geht um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Auseinandersetzungen. Und letztlich geht es um die Grundlagen unserer Demokratie.
Produkte, Dienstleistungen und Infrastrukturen, die in Europa genutzt werden, stammen von außerhalb Europas. Jahr für Jahr fließen Hunderte Milliarden Euro für digitale Dienstleistungen in die USA. Gleichzeitig erleben wir eine immer stärkere Konzentration wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Macht. Plattformen prägen öffentliche Debatten. Internationale Digitalkonzerne kontrollieren deutsche und europäische Werbemärkte.
Sven Lehmann MdB (Bündnis 90/Die Grünen) ist Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag.
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