4. September 2026 Kulturrat_Logo_72dpi-01

Kulturpolitischer Wochenreport

36. KW: Verantwortung: Wer hat die AfD hofiert?


  1. Verantwortung: Wer hat die AfD hofiert?
  2. NEU! Politik & Kultur 09-10/26
  3. Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit!
  4. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete diesjährigen gamescom congress
  5. Einladung: Gedächtnis der Nation – Die DNB zwischen Kulturerbe, Wissen und Zukunft
  6. Erfolgreiche Veranstaltung zu Digitaler Souveränität mit Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger
  7. Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Prof. Dr. Hermann Parzinger
  8. Veranstaltungstipp: Theaterstück „Empfänger unbekannt“. Berlin-Premiere und Publikumsgespräch
  9. Danach ist davor: Demokratiestark im Schulterschluss für Bildung und Kultur
  10. Text der Woche „Unser Kulturerbe im KI-Zeitalter“ von Gero Dimter und Martin Breuer

 


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

vor ziemlich genau acht Jahren hatte ich die damals sehr umstrittene These aufgestellt, dass die großen Talkshows im Ersten und im ZDF dabei geholfen hätten, die AfD bundestagsfähig zu machen. Meine Empfehlung war, dass die Talkshows im Ersten und im ZDF sich eine einjährige Auszeit nehmen sollten, um ihre Konzeptionen zu überdenken. Die damaligen Proteste gegen meinen zugegebenermaßen provokanten Vorschlag waren heftig. Die Talkshowformate haben sich nicht signifikant geändert, die AfD wurde weiter hofiert.

 

In den bundesweiten Wahlumfragen hat sich die AfD in den vergangenen acht Jahren fast verdoppelt. Wie die Situation wirklich aussieht, werden in diesem Monat die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigen.

 

Nein, die Talkshows waren und sind nicht für den Erfolg dieser rechtsextremen Partei allein verantwortlich, aber sie tragen eine Mitverantwortung, die diskutiert gehört. Verantwortlich sind wir alle!

 

Ja, auch der Kulturbereich hat keine erfolgreiche Strategie entwickelt, wie der Angriff auf die Grundwerte unserer Demokratie verhindert werden kann. Das darf aber nicht bedeuten, dass wir jetzt den Kopf in den Sand stecken und aufgeben.

 

Die nächsten Monate werden voraussichtlich sehr herausfordernd werden. Die Rechtsextremen werden wohl noch einmal an Bedeutung zulegen. Für viele Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturorte wird das Überleben nicht leichter werden, denn die AfD sagt in ihren Wahlprogrammen unverblümt, dass sie an dem Kulturbereich ein Exempel statuieren will. So schreibt die AfD Sachsen-Anhalt in ihrem „Regierungsprogramm“, dass sie die „Identitätsstörung“ unserer Gesellschaft „durch eine neue, patriotische Kulturpolitik heilen“ will. „Da Kultur in der Bundesrepublik Deutschland Ländersache ist“, so die AfD weiter, „verfügen wir nach einem Sieg bei der Landtagswahl 2026 über vielfältige Möglichkeiten, unsere kulturpolitischen Vorstellungen umzusetzen.“ Wir sollten diese Drohung ernst nehmen.

 

Die Bedrängung von Kulturschaffenden in den Hochburgen der Rechtsextremen hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Nicht wenige haben Angst, fühlen sich allein. Zeigen wir ihnen, dass sie nicht allein sind. Unterstützen wir die, die von der extremen Rechten in unserem Land drangsaliert werden.

 

Die Kunstfreiheit in unserem Land hat Verfassungsrang. Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass das so bleibt. Das ist jetzt unsere Verantwortung!

 

Ihr

 

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur

 

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PS. Hören Sie zum Thema auch mein gestriges Gespräch mit Jochen Marmit „Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Was bedeutet sie für die Kultur?“ in SR Kultur. „Eine neue patriotische Kulturpolitik“ – Das ist das Ziel der AfD, sollte sie nach der Wahl am kommenden Sonntag die Regierung in Sachsen-Anhalt stellen. Was bedeutet das konkret, und kann die AfD solche Vorgaben überhaupt durchsetzen?

 


 

2. NEU! Politik & Kultur 09-10/26

 

Die neue Ausgabe richtet den Schwerpunkt auf das Thema Was wir erinnern (wollen). NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes. Die Beiträge zum Thema finden Sie auf den Seiten 15 bis 26.

 

Im Leitartikel „Unser Kulturerbe im KI-Zeitalter“ erläutern Gero Dimter, Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Martin Breuer, Leiter der Geschäftsstelle der Deutschen Digitalen Bibliothek, warum die Deutsche Digitale Bibliothek jetzt zentral für die digitale Infrastrukturpolitik ist.

 

Klimawandel 
Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit: Der Kulturbereich macht es an vielen Stellen und Orten vor. Die Veränderung kann gelingen.

 

Digitale Souveränität 
Was bedeutet digitale Souveränität für Kultureinrichtungen? Und welche Rolle spielen öffentliche digitale Infrastrukturen?

 

Kulturpolitikpreis 2026 
Die Schauspielerin Iris Berben erhält den Deutschen Kulturpolitikpreis für ihr gesellschaftspolitisches Engagement.

 

Ukraine
Wie ist es über vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges um das ukrainische Kulturerbe bestellt?

 

Außerdem: US-amerikanische Buchzensur, Hauptstadtkulturfonds, Zivilgesellschaft: Bedrängungen des bürgerlichen Raums, Bauhaus Manifest, öffentliche Kulturförderung in England, KI: Gerichtsurteile und Entscheidungen von Regulierungsbehörden, Schutz des Kulturerbes im Weltraum, Sicherheit für digitales Kulturerbe, Neustart in Ungarn, ukrainisches Kulturerbe zwischen Trümmern und Hoffnungen sowie Gespräche mit der Künstlerin Gabriele Stötzer, der Opernsängerin Anna Prohaska und dem Pianisten Hans-Peter Stenzl, u.v.m.

 

 

  • Ein Exemplar in Papierform können Sie im Online-Shop versandkostenfrei bestellen
  • Die neue Ausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Was wir erinnern (wollen). NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes“ steht als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit

 

 


 

3. Einladung: Gedächtnis der Nation – Die DNB zwischen Kulturerbe, Wissen und Zukunft

 

Am 15. September stellen wir in Frankfurt am Main unser neues Dossier „Das Magazin der Republik: Die Deutsche Nationalbibliothek“ vor.

 

Das Dossier lädt dazu ein, eine der wichtigsten Wissens- und Gedächtnisinstitutionen Deutschlands näher kennenzulernen. Es beleuchtet Geschichte, Auftrag und Arbeitsweise der Deutschen Nationalbibliothek und richtet zugleich den Blick auf ihre Zukunft.

 

Nach einer Einführung von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber des Dossiers und Frank Scholze, Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek, wird Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, einen Impulsvortrag halten.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion wird die Frage diskutiert, wie die Digitalisierung den Sammel- und Bewahrungsauftrag verändert, welche Verantwortung der Bund für die Zukunft der Deutschen Nationalbibliothek trägt und welche Investitionen und politischen Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren erforderlich sind. Es diskutieren:

 

  • Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
  • Awet Tesfaiesus, Mitglied des Deutschen Bundestags
  • Klaus-Peter Willsch, Mitglied des Deutschen Bundestags
  • Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat
  • Frank Scholze, Deutsche Nationalbibliothek
  • Moderation: Doris Renck, Hessischer Rundfunk

 

Eine Veranstaltung der Deutschen Nationalbibliothek und des Deutschen Kulturrats in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk.

 

 

 


 

4. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete den diesjährigen gamescom congress

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der gamescom, der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele, hat ein deutsches Staatsoberhaupt die Messe besucht: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete den gamescom congress und informierte sich bei einem ausführlichen Rundgang über aktuelle Entwicklungen und Trends der Games-Branche.

 

In seiner Eröffnungsrede betonte Steinmeier die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung von Games. Sie könnten „gute Vermittler von historischem Wissen und politischer Bildung“ sein und einen wichtigen Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur leisten. Wer sich spielerisch in andere Lebensrealitäten hineinversetzt und dabei soziale oder ethische Fragen reflektiert, setze sich möglicherweise auch intensiver mit Werten, Regeln und der Bedeutung von Fairplay für unser Zusammenleben auseinander – offline wie online.

 

Zugleich verwies der Bundespräsident darauf, dass Games heute, wie andere Formen populärer Kultur, ein selbstverständlicher Bestandteil des Deutschen Kulturrates seien. Damit unterstrich er die wachsende Bedeutung von Games als Kultur- und Bildungsmedium.

 

Das Handbuch Gameskultur 2.0 mit begleitendem Podcast

Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.

 

Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:

 

  • Warum sind Games Kultur?
  • Können Computerspiele sogar Kunst sein?
  • Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
  • Sind Games immer gewalthaltig?
  • Darf man Erinnerungskultur spielen?
  • Was haben Spiele mit Sport zu tun?
  • Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?

 

Hg. v. Olaf Zimmermann und Felix Falk
Das Handbuch Gameskultur 2.0 
362 Seiten, ISBN: 978-3-947308-70-5

 

Lesestoff für die gamescom: Ausgabe der Zeitung Politik & Kultur 7-8/2025 mit dem Schwerpunkt „Verpixelte Welt – Von alten Computern und neuer Kunst“

 


 

5. Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit!

 

Die Folgen des Klimawandels sind allgegenwärtig und nicht zu übersehen: verheerende Waldbrände in vielen Teilen Europas, anhaltende Hitzewellen und extrem niedrige Wasserstände der Flüsse. Es wird immer deutlicher, wie dringend nachhaltiges Handeln erforderlich ist.
Der Sammelband „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit“ zeigt, wie der Kultur- und Naturbereich gemeinsam die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 voranbringen können.
37 ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Kultur, Umwelt- und Naturschutz, Gewerkschaften, Wirtschaft und Wissenschaft widmen sich dem Thema Nachhaltigkeit und machen deutlich: Nachhaltige Entwicklung gelingt nur im Zusammenspiel von Natur, Kultur und Gesellschaft.
Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit – Wie der Kultur- und Naturbereich gemeinsam die UN-Nachhaltigkeitsziele voranbringen können.

Hg. v. Olaf Zimmermann und Hubert Weiger

978-3-947308-40-8, 256 Seiten, 22,80 Euro

 

Im Sammelband schreibt Prof. Dr. Susanne Schmeier, Professorin für Wasserrecht und Wasserdiplomatie am IHE Delft, über das Nachhaltigkeitsziel Nr. 6:

 

Sauberes Wasser und Sanitäranlagen 

Konfliktpotenzial oder Quelle von Kooperation? Wasser als Politikum in Zeiten des Klimawandels

 

Wasser ist essenziell für menschliches Leben und Überleben, aber auch für die sozioökonomische Entwicklung sowie die politische Stabilität von Städten, Regionen und ganzen Ländern. Dies hat die internationale Gemeinschaft mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel 6 (SDG 6), welches Wasser erstmals als eigenständiges Element nachhaltiger Entwicklung definiert, anerkannt und sich verpflichtet, Wasser- und Sanitärversorgung weltweit zu verbessern, aquatische Ökosysteme und Wasserressourcen besser zu schützen und ihre Qualität zu verbessern, sowie Kooperation zwischen verschiedenen Nutzern zu verbessern. Gleichzeitig ist die Kontrolle über Wasser oftmals auch mit politischem Einfluss oder Macht verbunden. Somit wird Wasser oft zum Politikum – und wird es in Zukunft wohl noch häufiger werden. Vollständiger Beitrag im Sammelband „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit„, S.91.

 

 

 


 

6. Erfolgreiche Veranstaltung zu Digitaler Souveränität mit Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger

 

Gestern haben wir gemeinsam mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und 3sat in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel die Frage diskutiert, wie digitale Souveränität im Kulturbereich gestärkt werden kann. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Kultur, Wissen und kulturelles Erbe sowie die Anforderungen an eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur für den Kultursektor.

 

Nach einer Keynote von Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger diskutierten Philipp Amthor MdB, Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, Awet Tesfaiesus MdB, Sprecherin für Kultur und Medien der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, Dr. Elisabeth Böhm, Geschäftsführerin digiCULT, Prof. Dr. Jürgen Döllner, Fachgebietsleiter Computergrafische Systeme am Hasso-Plattner-Institut, Dr. Martin Breuer, Geschäftsführer der Deutschen Digitalen Bibliothek und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, über die Voraussetzungen für einen souveränen und gemeinwohlorientierten digitalen Kulturraum.

 

Deutlich wurde: Digitale Souveränität ist eine zentrale kulturpolitische Aufgabe. Damit kulturelles Erbe auch künftig offen, verlässlich und nachhaltig zugänglich bleibt, braucht es leistungsfähige öffentliche digitale Infrastrukturen, klare rechtliche Rahmenbedingungen und die konsequente Wahrung der Rechte von Urheberinnen und Urhebern. Der Deutsche Kulturrat wird diese Debatte weiterhin aktiv begleiten.

 

Mehr dazu heute Abend bei 3sat Kulturzeit und auf Instagram!

 


 

7. Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band: Prof. Dr. Hermann Parzinger

 

Prof. Dr. Hermann Parzinger, bis 2025 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist Botschafter für den Natur- und Kulturraum Grünes Band.

 

Im Botschaftervideo blickt er auf die europäische Dimension des Natur- und Kulturraums Grünes Band und erinnert sich, wie er den Mauerfall fernab der Heimat in Madrid erlebte: Innerhalb weniger Stunden änderte sich dort das Fernsehprogramm und die gesamte mediale Berichterstattung, und plötzlich schien ein friedliches, geeintes Europa zum Greifen nah.

 

Diese persönliche Erfahrung prägt seine Sicht auf den Natur- und Kulturraum Grünes Band bis heute – als lebendiges Symbol dafür, dass aus Trennung Verbindung werden kann, und als starkes Argument auf dem Weg zur Anerkennung als Welterbe.

 

Im Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe:  Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ von Deutschem Kulturrat und BUND wird der Diskussionsprozess um die Aufnahme der ehemaligen innerdeutschen Grenze einschließlich der Berliner Mauer (Grünes Band) als gemischte Welterbestätte in die UNESCO-Welterbeliste begleitet und unterstützt. Ziel ist die dauerhafte Anerkennung und der Schutz dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfaltet sich mit fast 1.400 Kilometer der längste Biotopverbund Deutschlands, der zugleich eine lebendige Gedächtnislandschaft darstellt, die europäische Geschichte und demokratischen Wandel eindrücklich erfahrbar macht.

 

 


 

8. Veranstaltungstipp: Theaterstück „Empfänger unbekannt“. Berlin-Premiere und Publikumsgespräch

 

Am 5. September 2026 feiert das Theaterstück „Empfänger unbekannt” nach dem Roman „Adress Unknown” von Katherine Kressmann Taylor im Theater im Palais seine Berlin-Premiere. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt mit:

 

  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
  • Axel Pape, Regie und in der Rolle von Max Eisenstein
  • Rainer Appel, in der Rolle von Martin Schulze

„Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen. Diese Geschichte ist meisterhaft, mit unübertrefflicher Spannung gebaut.“ Das sagt Elke Heidenreich über die Geschichte der beiden Freunde Max und Martin, die in San Francisco gemeinsam eine Galerie betreiben, bis Martin 1932 in seine Münchner Heimat zurückkehrt. Der in Amerika verbliebene Jude Max sorgt sich aufgrund der politischen Entwicklung in Deutschland um seine junge Schwester, die als junge Schauspielerin in Berlin arbeitet. Währenddessen entwickelt sich der nach Deutschland zurückgekehrte Martin mehr und mehr zum Bekenner und Profiteur des aufkommenden Regimes. Die Dinge spitzen sich unaufhörlich zu, bis es zur Katastrophe kommt. Da trifft Max eine überraschende Entscheidung, die der Geschichte eine völlig unerwartete Wendung gibt … Die Inszenierung zeigt eine emotionale und fesselnde Geschichte, die ein ebenso brillantes wie zeitloses Zeichen gegen die Entstehung und Gefahren totalitärer Systeme setzt.

 

Berlin-Premiere und Publikumsgespräch

 

Passend zum Thema: der aktuelle Schwerpunkt in Politik & Kultur: „Was wir erinnern (wollen): NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes“. Die Beiträge zum Schwerpunkt finden Sie auf den Seiten 17 bis 28.

 


 

9. Danach ist davor: Demokratiestark im Schulterschluss für Bildung und Kultur

 

Vernetzung, Austausch und Solidarität! Kurz nach der Wahl in Sachsen-Anhalt laden der Bundesverband Soziokultur, der Deutsche Bibliotheksverband, der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Museumsbund, der Deutsche Volkshochschul-Verband und der Landesverband der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt zu einem Online-Austausch ein.

 

  • Mittwoch, 9. September
  • 14:00–15:30 Uhr
  • Online via Zoom
  • Teilnahme ist kostenfrei

Es soll ein gemeinsamer Raum für gegenseitige Ermutigung und geteilte Erfahrungen geöffnet werden. Für das gemeinsame Innehalten und Wieder-Aufbrechen. Hier geht es nicht um fertige Strategien, das Gründen eines neuen Bündnisses oder die Verabschiedung von Positionen.
Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Menschen, die in Bildung und Kultur wirken, aber auch an alle anderen Interessierten in der Zivilgesellschaft – sowohl in Sachsen-Anhalt als auch bundesweit. Alle sind herzlich eingeladen.

 

Referent Max Schneller ist 17 Jahre alt und einer der jüngsten und reichweitenstärksten politischen Aktivisten aus Ostdeutschland. Im April 2025 ist er viral gegangen, als er auf einer Querdenken-Demo in seiner Heimatstadt Bad Dürrenberg gesprochen hat und den dortigen Demo-Teilnehmenden eine ganz andere Meinung geliefert hat, als sie hören wollten. Seitdem ist er in der Öffentlichkeit präsent.

 

Pia Lamberty ist promovierte Psychologin mit Schwerpunkt Sozialpsychologie. Sie beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie gesellschaftliche Krisen, Desinformation und Verschwörungserzählungen das Denken, Erleben und Handeln von Menschen beeinflussen. Sie ist Mitgründerin des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS).

 

 


 

10.  Text der Woche „Unser Kulturerbe im KI-Zeitalter“ von Gero Dimter und Martin Breuer

 

Warum die Deutsche Digitale Bibliothek jetzt digitale Infrastrukturpolitik ist

 

Wer heute bei Google „digitalisierte Zeitungen Volltextsuche“ eingibt, landet beim Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek. Mit wenigen Klicks werden historische Zeitungen aus vier Jahrhunderten durchsuchbar – Quellen, die bislang nur im Lesesaal zugänglich waren, sind plötzlich zentral und von überall frei recherchierbar.

 

Das wirkt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn während wir uns daran gewöhnen, unser Kulturerbe virtuell zu nutzen, verändert sich im Hintergrund kontinuierlich die digitale Architektur unserer Wissensordnung. Informationen erreichen uns zunehmend über Suchmaschinen, Plattformen und generative KI-Systeme. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht nur: Was können wir finden? Sondern vielmehr auch: Woher stammt die Information? Ist sie überprüfbar? Wer entscheidet über ihre Zugänglichkeit?

 

Im Zeitalter generativer KI werden diese Fragen zur demokratischen Grundsatzangelegenheit. KI-Systeme erzeugen Texte, Bilder und Zusammenfassungen auf Basis großer Datenmengen. Sie sind auf strukturierte, maschinenlesbare und zugängliche Datenbestände angewiesen. Doch wer aggregiert diese Daten? Wer kuratiert sie? Und unter welchen Bedingungen werden sie genutzt? Wenn kulturelles Wissen im digitalen Raum sichtbar bleiben soll, muss es so organisiert sein, dass es frei auffindbar, transparent nachvollziehbar und verantwortungsvoll nutzbar bleibt.

 

Gero Dimter ist Sprecher des Vorstands der Deutschen Digitalen Bibliothek und Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Martin Breuer ist Leiter der Geschäftsstelle der Deutschen Digitalen Bibliothek.

 

 

 

 


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