34. KW: Veränderung gelingt: Man muss sie nur wollen
- Veränderung gelingt: Man muss sie nur wollen
- Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit!
- Der Deutsche Kulturrat auf der Gamescom 2026
- Demokratie sowieso! Initiative für eine freie Kultur als Puls unserer offenen Gesellschaft
- Bauhaus-Manifest – Breites Bündnis aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen setzt Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität
- Einladung zum Sommerfest „Erinnern!“ der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
- Ankündigung: Dossier „Das Magazin der Republik – Die Deutsche Nationalbibliothek“
- Text der Woche: „Institutionen unter Druck“ von Katarzyna Wielga-Skolimowska
Sehr geehrte Damen und Herren,
wer in den letzten beiden Monaten die Nachrichten verfolgt hat, konnte mutlos werden. Eine schlechte Nachricht reihte sich an die nächste. In Deutschland sind über 10.000 Menschen im Juni und Juli an den Folgen der Hitze verstorben. In Frankreich, in Spanien, in Griechenland, in den Niederlanden, in Belgien und im August in der Eifel, nicht gerade eine Gegend, die für besondere Hitze bekannt ist, führen Waldbrände dazu, dass Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Manche verlieren ihr Hab und Gut.
Die Flüsse und Auen trocknen aus mit starken Folgen für die Flora und Fauna. Das Mittelmeer erreicht Temperaturen von über 30 Grad. Bauernverbände prognostizieren Ernteausfälle. Und als ob dies alles nicht reichen würde, ist ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Iran, um nur zwei besonders markante Kriege zu nennen, überhaupt nicht abzusehen. Viele Menschen schauen mit Sorge auf die im September anstehenden Landtagswahlen und befürchten einen massiven Rechtsruck. Darüber hinaus ist von der Bundesregierung ständig zu hören, dass die „fetten Jahre“ nun wirklich vorbei seien, sich jeder auf Einsparungen, längeres Arbeiten und anderes mehr einstellen müsse. Wer da nicht den Mut verliert, muss schon sehr stabil und widerstandsfähig sein.
Doch hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Es muss vielmehr darum gehen, Mutlosigkeit zu überwinden, um Zukunftsfähigkeit zu gewinnen.
Mitte 2023 erschien beim Deutschen Kulturrat das Buch „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit“. In dem Buch werden die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda durchdekliniert und verdeutlicht, was geschehen muss, um die Nachhaltigkeitsziele und eine lebenswerte Zukunft für alle zu erreichen. In dem Sammelband wird nachdrücklich unterstrichen, dass Nachhaltigkeit nicht ausschließlich ein ökologisches Thema, sondern, wie die 17 Nachhaltigkeitsziele eindrücklich belegen, eine gesellschaftliche Frage ist.
Der Titel „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit“ ist programmatisch gemeint. Er unterstreicht zum einen den erforderlichen Kulturwandel in der Nachhaltigkeitsdiskussion und verdeutlicht, dass von der Kultur wichtige Impulse für Nachhaltigkeit ausgehen.
Der Nachhaltigkeitsdiskurs ist im Kulturbereich präsent, er wird engagiert geführt und die unterschiedlichen Dimensionen der UN-Nachhaltigkeitsagenda werden in den Blick genommen. Umso ärgerlicher ist es, dass bei der Neubesetzung des Rates für nachhaltige Entwicklung im Januar dieses Jahres leider erneut die Chance vertan wurde, Expertise aus dem Kulturbereich in das Gremium zu berufen. Von den 15 berufenen Ratsmitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft und Umwelt- und Naturschutz ist niemand mit einer ausgewiesenen Kulturexpertise vertreten. Doch gerade Kunst und Kultur ermöglichen, Menschen unmittelbar zu erreichen und Reflexionen anzuregen.
Leider endete auch die Projektförderung der Green Culture Anlaufstelle durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im August dieses Jahres. Bereits Monika Grütters hatte als Kulturstaatsministerin unter dem Namen „Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien“ im Jahr 2020 eine Beratungsstelle auf den Weg gebracht, die in der Green Culture Anlaufstelle aufging. Ein wichtiges Ziel der Beratungsstelle war neben der Einzelberatung von Kulturinstitutionen aufzuzeigen, dass Nachhaltigkeit eben nicht in erster Linie mit Verzicht und Einschränkungen einhergeht, sondern neue Chancen für Zusammenarbeit eröffnet und vor allem Spaß macht.
Der Hitzesommer 2026 zeigt, welcher ökologische und vor allem welcher wirtschaftliche Schaden entsteht, wenn dem Klimawandel nicht entschieden entgegengetreten wird. Um das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1,5-Grad-Ziel, also den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau, zu erreichen, müssen jetzt Maßnahmen ergriffen werden. Deutschland ist innovativ. Es darf nicht auf das Gestern gesetzt, sondern muss in die Zukunft investiert werden. Dies stärkt den Standort Deutschland und macht ihn widerstandsfähiger. Der Kulturbereich zeigt, wie es gehen kann.
Viele Entwicklungen können einen verzagen lassen. Umso wichtiger ist es jetzt, das Gelingende nach vorne zu stellen, die Resilienz zu stärken und damit die UN-Nachhaltigkeitsagenda mit Leben zu füllen. Die UN-Nachhaltigkeitsagenda hat das Jahr 2030 als Zielmarke. Konkret bedeutet dies, dass in den nächsten vier Jahren Gas gegeben werden muss, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Der Kulturbereich macht es an vielen Stellen und Orten vor: Die Veränderung kann gelingen. Viele kleine Schritte tragen dazu bei, die Nachhaltigkeitsagenda bekannt zu machen und vor allem sie umzusetzen. Diese Schritte machen Mut, dass Veränderung gelingt; man muss sie nur wollen.
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur
PS. In der kommenden Woche erscheint mein kulturpolitischer Wochenreport nicht, da ich auf der Gamescom in Köln bin. Hier können Sie, um mein Interesse an Computerspielen zu verstehen, einen Blick in meine kleine digitale Welt werfen.
2. Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit!
Die Folgen des Klimawandels sind allgegenwärtig und nicht zu übersehen: verheerende Waldbrände in vielen Teilen Europas, anhaltende Hitzewellen und extrem niedrige Wasserstände der Flüsse. Es wird immer deutlicher, wie dringend nachhaltiges Handeln erforderlich ist.
Der Sammelband „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit“ zeigt, wie der Kultur- und Naturbereich gemeinsam die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 voranbringen können.
37 ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Kultur, Umwelt- und Naturschutz, Gewerkschaften, Wirtschaft und Wissenschaft widmen sich dem Thema Nachhaltigkeit und machen deutlich: Nachhaltige Entwicklung gelingt nur im Zusammenspiel von Natur, Kultur und Gesellschaft.
Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit – Wie der Kultur- und Naturbereich gemeinsam die UN-Nachhaltigkeitsziele voranbringen können.
Hg. v. Olaf Zimmermann und Hubert Weiger
978-3-947308-40-8, 256 Seiten, 22,80 Euro
Im Sammelband „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit“ schreibt Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin bei Helmholtz Munich und Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltmedizin an der Universität Augsburg, über das Nachhaltigkeitsziel Nr. 3:
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
Wir alle müssen die Transformation gestalten
„Gesundheit und Wohlergehen!“ Das ist kein guter Wunsch zum Geburtstag und nicht das „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ eines Märchens. „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten“ – auch das klingt nach Utopie und ist doch das, was mich als Forscherin und Ärztin antreibt. Ich möchte Ärzte arbeitslos machen. Doch welcher Schritte bedarf es, um diesem Ziel näher zu kommen? Wie können wir jeden Tag nachhaltiger und gesünder leben? In unserer krisengeschüttelten Zeit erscheinen die Herausforderungen größer denn je. Unsere Welt ist eben erst dabei, die Folgen der Corona-Pandemie zu verdauen, und steckt doch bereits mitten in der vielleicht größten Krise, der die Menschheit bisher gegenüberstand: dem Klimawandel. Unser Planet hat Fieber, die menschengemachte Klimakrise gefährdet nicht sofort und per se jegliches Leben auf unserem Planeten, aber definitiv das, das wir bislang kennen und vor allem das unserer zwar hoch anpassungsfähigen, aber dennoch sehr vulnerablen Spezies.
- Vollständiger Beitrag im Sammelband „Ohne Kultur keine Nachhaltigkeit„, S.50
- Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie den Sammelband bestellen
- Hier können Sie einen Blick in die kostenfreie Online-Version werfen
3. Der Deutsche Kulturrat auf der gamescom 2026
Vom 26. bis 30. August 2026 findet die gamescom in Köln statt. Der Deutsche Kulturrat wird auf drei Veranstaltungen beim gamescom congress vertreten sein:
Eröffnung: Games und Demokratie | 10:00-11:15 Uhr | gamescom congress, Opening Stage
Der gamescom-Kongress 2026 wird mit einem Schwerpunkt auf das Thema „Spiele und Demokratie” eröffnet. Zum ersten Mal wird mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein deutsches Staatsoberhaupt an der gamescom teilnehmen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion „Spiele für die Demokratie: Was sie leisten können und was nicht” untersuchen
- Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, internationale Angelegenheiten und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen,
- Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur, und
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats
wie Spiele die politische Teilhabe und die demokratische Widerstandsfähigkeit stärken und wo ihre Grenzen liegen.
Panel: Kunst und KI als Innovationstreiber von Games | 11:30-12:30 Uhr | gamescom congress, Bühne C
Was treibt die Entwicklung von Games an? Sind es die Nachfrage und der Markt oder nicht viel mehr Kunst und KI, die die Weiterentwicklung von Games vorantreiben. Neue technische Innovationen erlauben, künstlerische Ideen umzusetzen, neue künstlerische Ideen verlangen nach technischen Innovationen. Es diskutieren:
- Prof. Lena Falkenhagen, Games-Autorin, Professorin an der Hochschule der Bildenden Künste Essen und Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller
- Prof. Dr. Johanna Pirker, Professorin an der TU München und an der TU Graz sowie Mitglied des österreichischen Rates für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber des Handbuchs Gameskultur
Die Diskussion wird moderiert von Dr. Anna Grebe, Beraterin und Speakerin.
Die Regeln, die unsere freie und demokratische Gesellschaft bestimmen, werden als „freiheitliche demokratische Grundordnung“ bezeichnet. Doch wer darf sich daran beteiligen? Können positive politische Kampagnen in Form von Spielen gesellschaftliche Veränderungen bewirken – und wenn ja, wie? Es diskutieren:
- Prof. Dr. Linda Breitlauch, Professorin und Game Designerin, Hochschule Trier, Skilltree GmbH
- Mai Huyen Võ Diệu, Game Designerin, Playing History
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats
Die Diskussion wird moderiert von Prof. Lena Falkenhagen, Hochschule für Bildende Künste Essen.
Das Handbuch Gameskultur 2.0 mit begleitendem Podcast
Alle Beiträge aus der 1. Auflage wurden von den Autorinnen und Autoren überarbeitet und an den aktuellen Stand der Diskussionen angepasst und das Themenfeld wurde erweitert.
Das Buch behandelt unter anderem folgende Fragen:
- Warum sind Games Kultur?
- Können Computerspiele sogar Kunst sein?
- Was haben Computerspiele mit bildender Kunst, Theater, Musik, Literatur, Film zu tun?
- Sind Games immer gewalthaltig?
- Darf man Erinnerungskultur spielen?
- Was haben Spiele mit Sport zu tun?
- Und macht die Gamesbranche wirklich so viel Umsatz wie Hollywood?
Das Handbuch Gameskultur 2.0
362 Seiten, ISBN: 978-3-947308-70-5
- Im Shop des Deutschen Kulturrates können Sie das Buch bestellen
- Hier können Sie einen Blick in das Handbuch Gameskultur 2.0 werfen
- Hier können Sie in den Podcast zum Buch reinhören
Lesestoff für die gamescom: Ausgabe der Zeitung Politik & Kultur 7-8/2025 mit dem Schwerpunkt „Verpixelte Welt – Von alten Computern und neuer Kunst“
4. Demokratie sowieso! Initiative für eine freie Kultur als Puls unserer offenen Gesellschaft
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September 2026 greifen radikale Kräfte die Freiheit der Kunst gezielt an, schüren Verunsicherung, propagieren Ausgrenzung und stellen demokratische Grundwerte zunehmend infrage.
Der Deutsche Kulturrat unterstützt die Initiative „Demokratie sowieso!„, die der Deutsche Musikrat gemeinsam mit zahlreichen weiteren Partnerinnen und Partnern initiiert hat. Damit wird eine klare Botschaft für eine freie Kultur als Puls unserer offenen Gesellschaft gesetzt.
Die Initiative läuft vom 10. August 2026 bis Anfang Oktober. Unterstützung ist auf vielfältige Weise möglich: digital über Social Media und eigene Beiträge, vor Ort mit kostenfreien Plakaten, Stickern und Postkarten sowie als Organisation durch die sichtbare Beteiligung am Bündnis.
- Weitere Informationen und Materialien auf musikrat.de/sowieso und über sowieso@musikrat.de
5. Bauhaus-Manifest – Breites Bündnis aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen setzt Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität
Vor hundert Jahren revolutionierten moderne Bewegungen die Welt. Das Bauhaus war einer der wesentlichen Akteure. Die neuartige Verbindung von Kunst und Handwerk, Gestaltung und Technik, von Design und Architektur, von gesellschaftlicher Verantwortung und ästhetischer Innovation wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Projekte der Moderne.
Auf Initiative von Staatsminister Wolfram Weimer hat der Deutsche Kulturrat gemeinsam mit weiteren Verbänden und Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur sowie Kirchen das Bauhaus-Manifest 2026 unterzeichnet.
Das Manifest versteht sich als ein aktuelles kultur- und gesellschaftspolitisches Bekenntnis zu den Prinzipien, die das Bauhaus bis heute zu einer weltweit prägenden kulturellen Ikone machen: Die Freiheit des künstlerischen Denkens, Offenheit gegenüber neuen Ideen, die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und die Überzeugung, dass kulturelle Innovation einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft leisten kann.
Gleichzeitig ist das Manifest ein Plädoyer dafür, die Prinzipien des Bauhauses gegen demokratiefeindliche Angriffe zu verteidigen.
6. Einladung zum Sommerfest „Erinnern!“ der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn am 22.08.2026
30 Jahre Erinnerung an Teilung und Einheit
Zum 30. Gründungstag feiert die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn nicht nur 30 Jahre erfolgreiche Arbeit – sie feiert, dass das Ende der DDR-Diktatur es möglich machte, aus einem Ort der Kontrolle und Gewalt einen Ort der Erinnerung, Vermittlung und Begegnung zu schaffen.
Aus diesem Anlass präsentieren sich neben dem Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe – Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“ vom Deutschen Kulturrat und BUND auch Initiativen, Einrichtungen und Akteurinnen und Akteure im Bereich der Erinnerungskultur, der Demokratiebildung, der Menschenrechtsarbeit und der Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen.
Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bieten persönliche Einblicke in die Geschichte der Deutschen Teilung.
Auf der Bühne wird unter anderem der bekannte Liedermacher Stephan Krawczyk spielen.
- Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Autobahn 2, 39365 Harbke
- 22. August 2026, ab 12 Uhr
- Weitere Informationen
7. Ankündigung: Dossier „Das Magazin der Republik – Die Deutsche Nationalbibliothek“
Am 1. September erscheint die neue Ausgabe von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrats. Beigelegt ist das umfangreiche Dossier „Das Magazin der Republik – die Deutsche Nationalbibliothek„.
Die Deutsche Nationalbibliothek ist der Wissenspeicher der Bundesrepublik. Täglich erreichen mehr als 13.000 Veröffentlichungen die Einrichtungen in Leipzig und Frankfurt am Main. Dort werden sie gesammelt, inhaltlich sowie formal erschlossen und für kommende Generationen bewahrt. Mittlerweile sind über 57 Millionen Werke im Bestand.
Das neue Dossier gibt Einblicke in Geschichte, Auftrag und Zukunft dieser zentralen Gedächtnisinstitution und lädt dazu ein, eine der wichtigsten Wissenseinrichtungen Deutschlands kennenzulernen.
Das Magazin der Republik – die Deutsche Nationalbibliothek
Herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler
2026 – 88 Seiten – 5,90 Euro – ISBN 978-3-947308-74-3
- Im Shop des Deutschen Kulturrats können Sie ab dem 01. September 2026 die Ausgabe 9-10/26 von Politik & Kultur mit dem beigelegten Dossier bestellen
- Auf der Website von Politik & Kultur können ebenfalls ab dem 01. September das Dossier online lesen
8. Text der Woche „Institutionen unter Druck“ von Katarzyna Wielga-Skolimowska
Wie können Kultureinrichtungen Räume für echte Auseinandersetzungen offen halten?
Wenn die US-Regierung Museen auffordert, bestimmte Kunstwerke nicht mehr auszustellen, um so ein „patriotisches Narrativ“ zu befördern, wenn ein italienischer Kulturminister alle Opern- und Symphonieorchester des Landes einer „künstlerischen Überprüfung“ unterzieht, oder sein polnischer Amtskollege ins kuratorische Konzept eingreift und eine fertige Ausstellung ändern lässt, ist allen sofort klar: Hier geht es um staatliche Einflussnahme auf die Kultur und ihre Institutionen. Die Kunstfreiheit steht auf dem Spiel. Diese Fälle erfahren weltweit viel Aufmerksamkeit. Durch sie allein lässt sich aber der Druck nicht beschreiben, den derzeit Leiterinnen und Leiter von Kulturinstitutionen in Deutschland und international spüren und formulieren.
2025 veröffentlichte der niederländische Rat für Kultur eine Studie unter dem Titel „Schaffen ohne/unter Druck? – Künstlerische Freiheit als demokratisches Fundament“. Ausgangspunkt der Studie war die Beobachtung, dass gesellschaftliche Konflikte und digitale Empörungsdynamiken den Druck auf kulturelle und erinnerungspolitische Institutionen ebenso stark verändert haben wie geopolitische Krisen.
Diese Veränderung versucht die Studie anhand von Beispielen zu analysieren und kommt zu einer Unterscheidung von zwei Kategorien: dem vertikalen und dem horizontalen Druck. Der vertikale Druck wird sichtbar in direkten wie indirekten staatlichen Eingriffen in kulturelle Institutionen, etwa durch Entlassungen von Leitungspersonal, Überprüfung von Ausstellungen oder Entfernung künstlerischer oder historischer Inhalte.
Katarzyna Wielga-Skolimowska ist Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes
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