27. KW: Livekultur ist die Zukunft!
- Livekultur ist die Zukunft!
- Schwerpunkt „Livekultur“ in Politik & Kultur 7-8/26
- Hörempfehlung HEUTE: Teure Tickets für Museen und Konzerte – wird Kultur zum Luxusgut?
- Save the date! Sind wir im Kulturbereich eigentlich noch digital souverän?
- Portrait: Joybrato Mukherjee
- Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zum „Call for Evidence“ der EU-Kommission vom 13. Mai 2026
- Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur
- Text der Woche: Museen in der Migrationsgesellschaft von Dietmar Osses und Sylvia Willkomm
- Zum Schluss: Kölner Dom führt Eintritt ein – ein großer Fehler!
Sehr geehrte Damen und Herren,
wer kennt sie nicht, diese besondere Spannung, die entsteht, kurz bevor der erste Ton erklingt, bevor das erste Wort gesprochen wird. Anspannung, Erwartung, Vorfreude auf das, was gleich beginnen wird. Manchmal auch Skepsis, ob alles so schön wird, wie angekündigt und erwartet. Wenn im Theater das Licht langsam heruntergedimmt wird, wenn im Orchester der Ton angeschlagen wird, wenn im Konzert die Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne kommen, erst der Begrüßungsapplaus, dann verstummt das leise Getuschel, die letzten Bonbons werden gegen den Husten in den Mund gesteckt und dann geht es los: das Liveerlebnis.
Kultur live zu erleben, in „echt“ ist ein besonderes Erlebnis. Keine noch so exzellent aufgezeichnete Aufnahme eines Konzertes, keine noch so raffiniert eingesetzte Kameraführung kann das Liveerlebnis ersetzen. Es geht schon los mit dem Kauf der Karten: allein, als Paar, mit Freundinnen und Freunden oder in der Gruppe. Die Vorfreude beginnt. Dann folgt die Frage, was man anzieht.
Bei der Eras-Tour des Superstars Taylor Swift war der Faktor des Outfits, wie mir berichtet wurde, besonders relevant. Jede Kleidung repräsentierte eine „Era“. Manche nähten monatelang am richtigen Kleid und bastelten zusätzlich allein oder mit anderen an den berühmten Freundschaftsbändern, die dann beim Konzert unter wildfremden Menschen getauscht wurden. Geschenke machen offenbart einen zutiefst vorhandenen Wunsch nach einem Gemeinschaftserlebnis, nach einem Geben und Nehmen, das zumindest bei Taylor Swift fast religiöse Züge annimmt.
Livekultur bedeutet aber nicht nur Superstars, auch wenn sie den größten Teil der Erlöse aus dem Kuchen „Live“ abbekommen. Zur Livekultur gehören ebenso das Straßenkonzert, der Auftritt im Jazzclub, im soziokulturellen Zentrum oder in einem Konzerthaus; es zählen dazu Theateraufführungen in Staats-, Landes- oder Stadttheatern, in Privattheatern oder auch im Gemeindesaal; die Freilichtbühnen wie auch die zahlreichen Festivals sind ebenfalls Teil der Livekultur.
In der Popularmusik erzählen fast alle Künstlerinnen und Künstler, selbst wenn sie jetzt Stadien füllen, davon, wie sie am Anfang ihrer Laufbahn in Jugendzentren oder Clubs spielten und der Zuspruch teilweise – freundlich ausgedrückt – verhalten war. Für die meisten Künstlerinnen und Künstler gehört die Ochsentour zur Karriere und nicht wenige arbeiten in erster Linie im regionalen Kontext – und auch hier gilt es immer wieder sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.
In einem Livekonzert oder einer Aufführung spüren Künstlerinnen und Künstler direkt und unmittelbar, ob sie das Publikum erreichen. Im besten Fall gelingt es und diese einzigartige Magie des Liveerlebnisses entsteht, über die das Publikum noch Tage danach spricht und die als eindrückliches Ereignis im Gedächtnis bleibt.
Am Gelingen dieses besonderen Ereignisses arbeiten viele Menschen. Die Livebranche ist, wenn man den öffentlichen Theater- und Konzertbetrieb einmal beiseitelässt, hauptsächlich privatwirtschaftlich organisiert.
Unternehmen investieren in Künstlerinnen und Künstler, sie gehen in das Risiko, wenn internationale Stars bekunden, in Deutschland auftreten zu wollen. Die Veranstaltungswirtschaft ist ausdifferenziert und kleinteilig.
Manche Unternehmen sind spezialisiert auf die Vertretung von Künstlerinnen und Künstlern, andere auf das Ticketgeschäft, wiederum andere auf den Bühnenbau und anderes mehr. Die Veranstaltung beginnt mit den Künstlerinnen und Künstlern und endet beim Catering oder den Reinigungskräften. Kaum etwas ist ärgerlicher als lange Schlangen vor den Toiletten, die möglicherweise dazu führen, den Anfang des Konzertes zu verpassen. Dabei ist noch nicht die Rede vom sehr aufwendigen technischen Equipment, das für eine gute Show notwendig ist.
Alle Beteiligten, von denen hier nur einige exemplarisch genannt werden können, müssen an der Liveveranstaltung verdienen. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass am Ende des Jahres mindestens eine schwarze Null und auf lange Sicht ein Gewinn steht. Überleben können nur diejenigen, die am Ende ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können. Gerade in der Musikbranche, in der die Einnahmen aus Aufnahmen, Tonträgern oder Streaming gering sind, sind Livekonzerte überlebensnotwendig.
Umso schwerer hat die Livebranche die Coronapandemie getroffen. Das Geschäftsmodell war nicht mehr möglich. Die Coronahilfen waren unabdingbar, um den Fortbestand der Branche zu sichern. Erst langsam hat sich die Branche von diesem tiefgreifenden Einschnitt erholt. Ein heute noch nachwirkender Kollateralschaden ist, dass Publikum und Veranstalter zunehmend auf Bewährtes setzen. Junge Künstlerinnen und Künstler haben es schwerer, sich auszuprobieren und sich zu etablieren. »Urgesteine« gehen weiter auf Tour. Das Publikum überlegt genau, welche Veranstaltung besucht wird und wofür das hart verdiente Geld ausgegeben wird. Die deutlich gestiegenen Ticketpreise führen dazu, dass vermehrt ausgewählt wird.
Die Coronapandemie bedeutete aber nicht nur einen immensen wirtschaftlichen Einschnitt, sie führte auch dazu, dass das eingangs beschriebene Liveerlebnis nicht möglich war. Der Mensch ist ein »Herdentier«. Er braucht den Austausch. Livekultur gehört zum Menschsein dazu: Sei es im rituellen Kontext oder heute quasireligiös als Liveerlebnis. Das Fehlen dieses gemeinsamen Mit-Fieberns, Mit-Erlebens, Mit-Leidens und der gemeinsamen Freude hat Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, die bis heute nachwirken. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade Gemeinschaftserlebnisse wie die Livekultur bewusst oder unbewusst zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen und ungeachtet aktueller technischer Entwicklungen absolut unersetzlich sind.
Das Publikum will den Menschen auf der Bühne „schwitzen“ sehen und dabei selbst unmittelbarer Teil des Geschehens sein. Der unmittelbare Kontakt der Künstlerinnen und Künstler mit dem Publikum ist die Essenz der Livekultur.
Sicherlich wird Künstliche Intelligenz im Marketing, in der Verwaltung, in der Technik und anderen Gewerken eingesetzt, ganz bestimmt aber wird sie den künstlerischen Akt nicht nur nicht ersetzen, sondern je mehr KI all unsere Lebensbereiche durchdringt, desto stärker wird das Bedürfnis nach Livekultur als Gegenbewegung steigen.
Das ist für den von KI extrem gebeutelten Kulturbereich eine wirklich gute Nachricht: Livekultur ist die Zukunft!
Ihr
Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Herausgeber von Politik & Kultur
2. Schwerpunkt „Livekultur“ in Politik & Kultur 7-8/26
Die neue Ausgabe von Politik & Kultur richtet den Schwerpunkt auf das Thema „Hauptsache live! Konzerte, Festivals, Shows vor und hinter der Bühne„. Passend zur Festivalsaison beleuchtet der Schwerpunkt in Zusammenarbeit mit dem BDKV – Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft die vielfältigen Facetten der Livekultur.
Livekultur ist mehr als kurzweilige Unterhaltung: Sie schafft Begegnung und Gemeinschaft. Sie ist künstlerisches Ereignis, sozialer Raum, Wirtschaftsfaktor und Standortvorteil zugleich. Ob im Club, im Konzertsaal, auf der Festivalwiese, im Theater, in der Arena oder im soziokulturellen Zentrum: Livekultur lebt von Nähe, Präsenz und dem unwiederholbaren Augenblick.
Zugleich steht die Livebranche unter erheblichem Druck: Gestiegene Produktions-, Personal- und Energiekosten, verändertes Publikumsverhalten, hohe Ticketpreise, Sicherheitsanforderungen, Nachwuchsförderung, Betrug und Wucher auf dem Ticketzweitmarkt sowie die Zukunft kleiner und mittlerer Veranstaltungsunternehmen und Spielstätten sind zentrale Themen des Schwerpunkts.
Im Schwerpunkt „Hauptsache live! Konzerte, Festivals, Shows vor und hinter der Bühne“ kommen folgende Autorinnen und Autoren bzw. Interviewpartnerinnen und -partner zu Wort:
- Christopher Annen, Musiker, Gründungsmitglied von AnnenMayKantereit und Co-Vorsitzender von Pro Musik
- Sophia Blochowitz, Redaktionsassistentin bei Politik & Kultur
- Theresa Brüheim, Chefin vom Dienst von Politik & Kultur
- Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche Deutschland
- Bernd Dicks, Initiator und Leiter von Parookaville
- Dennis Eichenbrenner, Vorsitzender des Bundesverbands Veranstaltungssicherheit und Inhaber von EVS Safety
- Sophie G. Einwächter, Medienwissenschaftlerin und Professurvertretung an der Philipps-Universität Marburg
- Johannes Everke, Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV)
- Mario Graute, Co-Geschäftsführer von Pro Musik
- Ludwig Greven, Publizist
- Daniel Hope, Violinist, Moderator und Autor
- Phillip Jacob-Pahl, Gründer und Director Live der Budde Talent Agency
- Verena Krämer, Inhaberin der Agentur kulturkraemer, Vorständin des BDKV und Gründerin von Female Voice
- Martina Marschalk, Projektmanagerin für Awareness für die Projektagentur Kopf & Steine
- Gabriele Maurer, Jazz-Sängerin, Saxofonistin und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Jazzunion
- Uschi Neuss, Geschäftsführerin von Stage Entertainment Deutschland
- Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission
- Michael Roslon, Professor für Eventmanagement und Kommunikation an der Hochschule Fresenius
- Behrang Samsami, freier Journalist
- Rilana Sandelmann, Co-Geschäftsführerin von Undercover
- Michael Schacke, Co-Geschäftsführer von Undercover
- Heinrich Schafmeister, Schauspieler
- Ulrike Schirrmacher, Inhaberin der Agentur Rampensau und Mitglied des BDKV sowie von Female Voice
- Berthold Seliger, Konzertagent, Tourneeveranstalter und Publizist
- Arnold Simmenauer, Managing Director des Impresariats Simmenauer
- Sonia Simmenauer, Konzertagentin und Gründerin des Impresariats Simmenauer
- Sandra Winzer, freie Journalistin
- Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur
Alle Artikel des Schwerpunkts können Sie hier online lesen.
Ein Printexemplar können Sie hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellen, die Ausgabe steht außerdem als E-Paper (PDF-Datei) zum Herunterladen bereit.
3. Hörempfehlung HEUTE: Teure Tickets für Museen und Konzerte – wird Kultur zum Luxusgut?
Passend zum Schwerpunkt „Livekultur“ der aktuellen Politik & Kultur wird in der heutigen Deutschlandfunk-Sendung „Lebenszeit“ über steigende Eintrittspreise von kulturellen Angeboten und ihre Folgen für die kulturelle Teilhabe diskutiert.
Im Mittelpunkt stehen die Ursachen steigender Ticketpreise, die Finanzierung von Kultur sowie die Auswirkungen der Preisentwicklung auf das Publikum. Die dialogisch aufgebaute Sendung bezieht Hörerinnen und Hörer aktiv ein, mit Anrufen und Zuschriften, die in die Diskussion einfließen.
Es diskutieren: Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV – Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur und Veranstaltungswirtschaft.
- Die Sendung ist heute von 10:08 bis 11:30 Uhr live im Deutschlandfunk zu hören und anschließend hier zum Nachhören verfügbar.
4. Save the date! Sind wir im Kulturbereich eigentlich noch digital souverän?
Die Kultur und das KI-Zeitalter. Wird der Traum vom niedrigschwelligen Zugang zu Bibliotheken, Archiven und Museen nun Realität? Was bedeutet dies für Urheberinnen und Urheber sowie andere Rechtsinhaber? Wo liegen die Chancen und wo liegen die Risiken der Transformation der Digitalität? Wie reagieren Bund und Länder auf diese Herausforderungen?
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Deutsche Kulturrat und 3sat laden zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein, die sich mit der Frage befasst, wie eine zukunftsfähige nationale Kulturdateninfrastruktur ausgestaltet sein sollte.
- Die Keynote hält Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung.
Im Anschluss diskutieren Awet Tesfaiesus, Sprecherin für Kultur und Medien der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, Dr. Elisabeth Böhm, Geschäftsführerin von digiCULT-Verbund, Prof. Dr. Jürgen Döllner, Fachgebietsleiter Computergrafische Systeme am Hasso Plattner Institut, Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft sowie für Wirtschaft, Technologie und Digitalisierung der SPD-Bundestagsfraktion (angefragt) und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates.
Moderation: Vivian Perkovic, 3sat Kulturzeit
- Zeit: Donnerstag, 3. September 2026, 17 Uhr
- Ort: James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel
- Zur Anmeldung
5. Portrait: Joybrato Mukherjee und der DAAD
Geboren 1973 in Düren als Kind indischer Einwanderer, ist Joybrato Mukherjee Rheinländer mit allem, was dazugehört: Er ist Mitglied beim Traditionskorps Altstädter Köln 1922, neben einer klassischen Musikausbildung pflegt er entsprechende karnevalistisch-musikalische Vorlieben, er versteht etwas vom rheinländischen „Leben und leben lassen“ und er ist seiner Kölner Heimat sehr verbunden. Nur der Name passt auf den ersten Blick nicht ins Bild. Nähern wir uns daher dem DAAD-Präsidenten und Rektor der Universität zu Köln versuchsweise einmal etymologisch an:
Joybrato Mukherjees Nachname ist die anglisierte Kurzform des ursprünglichen brahmanischen Sanskrit-Namens Mukhopadhyaya, der sich aus zwei altindischen Begriffen zusammensetzt: Mukhya bedeutet „Haupt“, „führend“ oder „vorstehend“ und Upadhyaya bedeutet „Lehrer“ oder „Gelehrter“. Vereinfacht lässt sich der Name als „Oberster Lehrer“ übersetzen. Historisch wurde dieser Titel ehrenhalber an vedische Gelehrte und Priester verliehen – heute ist es ein sehr gebräuchlicher Name in Indien, wie es bei Wikipedia heißt.
Tatsächlich ist Mukherjee seit vielen Jahren in führenden Positionen der akademischen Welt tätig – unter anderem als Präsident der Universität Gießen, als Rektor der Universität zu Köln und eben als Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Neben ausgeprägten Führungsqualitäten besitzt er auch eine große Leidenschaft für das pädagogische Tun: „Es war seit jeher mein Traumberuf, Lehrer zu werden. Genauer gesagt: Nachdem ich mich im letzten Moment gegen die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule entschied, auf die ich mich jahrelang vorbereitet hatte, ergriff ich meinen zweiten Traumjob: Ich studierte Lehramt für Englisch und Biologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.“
Autor des Porträts ist Andreas Kolb, Redakteur von Politik & Kultur
- Lesen Sie hier das vollständige Porträt über Joybrato Mukherjee
6. Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zum „Call for Evidence“ der EU-Kommission vom 13. Mai 2026
Der Deutsche Kulturrat hat zum „Call for Evidence“ der Europäischen Kommission zu Künstlicher Intelligenz und Urheberrecht Stellung genommen.
Darin wird eine deutliche Stärkung der Rechte von Urheberinnen und Urhebern sowie von sonstigen Rechtsinhabern in Bezug auf die Nutzung ihrer Werke für KI-Zwecke auf europäischer Ebene gefordert. Im Mittelpunkt stehen eine klar geregelte Erlaubnispflicht für KI-Nutzungen, umsetzbare Lizenzlösungen, mehr Transparenz über die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke sowie eine angemessene Vergütung der Rechtsinhaber.
Darüber hinaus spricht sich der Deutsche Kulturrat für einen wirksamen Schutz vor KI-generierten Nachahmungen persönlicher Merkmale und Darbietungen sowie im Fall von Rechtsverletzungen für einen angemessenen Schadensausgleich und eine effektivere Bekämpfung von Online-Piraterie aus.
Zu folgenden Aspekten des Call for Evidence nimmt der Deutsche Kulturrat Stellung:
- Lizenzierung, Kontrolle und Vergütung bei der Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken für generative KI
- KI-generierte Nachahmungen von persönlichen Merkmalen und Darbietungen ausübender Künstler
- Online-Piraterie
- Fragen der Inländergleichbehandlung und Gegenseitigkeitsvorbehalte bei der Vergütung von Tonträgerherstellern und ausübenden Künstlern
- Wissenschaftsschranke in der InfoSoc-RL und Zweitveröffentlichungsrecht im Wissenschaftsbereich
Lesen Sie hier die vollständige Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu Künstlicher Intelligenz und Urheberrecht
7. Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur
Wie es um die Kunstfreiheit bestellt ist, diese Frage wird in Beiträgen von 107 Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Dimensionen beleuchtet. Das Themenspektrum reicht vom Streitfall Kunstfreiheit, dem Spannungsfeld von Kunstfreiheit und Recht, dem Bogen von Einschüchterung bis Zensur sowie Ausgrenzung und Boykott. In den Blick genommen werden Fragen des Jugendschutzes und der Selbstkontrolle, der Sonderfall Religion sowie Bedrohungen von rechts und von links. Es geht um Hass im Netz sowie um Grenzüberschreitungen in der Popkultur – etwa beim Gangsta Rap. Reflektiert wird das Thema kulturelle Aneignung und wie Postkolonialismus und Antisemitismus zusammenhängen.
- Blick ins Buch
- Das Buch kann hier im Online-Shop versandkostenfrei bestellt werden
Kunstfreiheit – Zehn Jahre Debatten in Politik & Kultur
Herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler, Redaktion Gabriele Schulz
320 Seiten, ISBN-13 978-3-947308-64-4, Preis 20,80 Euro.
8. Text der Woche: Museen in der Migrationsgesellschaft von Dietmar Osses und Sylvia Willkomm
Migration prägt unsere Gesellschaft. Mehr als jede vierte Person in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Für viele weitere Menschen gehören familiäre Migrationsgeschichten und transnationale Lebenswirklichkeiten zum Alltag. Diese Realität wirkt auch auf die Museen und ihre Aufgaben. Als Institutionen im Dienst der Gesellschaft sind sie nicht nur Orte des Sammelns, Bewahrens und Vermittelns, sondern auch Orte der Deutung: Sie prägen mit, welche Geschichten erzählt werden, welche Perspektiven sichtbar sind und was als erinnerungswürdig gilt.
Dass diese Fragen aktuell mit Dringlichkeit verhandelt werden, zeigt nicht zuletzt die diesjährige Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes unter dem Titel „Museen öffnen! Vielfalt als Chance“. Wie können Museen in einer zunehmend pluralen Gesellschaft auf berechtigte Forderungen nach Sichtbarkeit und Repräsentation reagieren? Wie können sie die plurale Gesellschaft sowohl intern in der Museumsarbeit als auch extern in ihren Angeboten angemessen abbilden? Und wie bleiben sie in Zeiten wachsender Polarisierung und populistischer Zuspitzung handlungsfähig? Museen sind heute mehr denn je gefordert, Antworten auf diese Fragen zu finden, Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu bauen, Diskursräume zu öffnen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Mit dem neuen Leitfaden „Museen in der Migrationsgesellschaft“ setzt der Deutsche Museumsbund einen fachlichen Impuls für eine Debatte, die viele Häuser bereits beschäftigt und zugleich kontrovers bleibt. Denn Öffnung, Teilhabe und Diversität sind für die einen längst selbstverständlicher Teil professioneller Museumsarbeit, für andere wirken sie wie eine politische Überforderung oder wie ein Eingriff in tradierte institutionelle Selbstverständnisse.
Dietmar Osses ist Sprecher des Arbeitskreises Migration im Deutschen Museumsbund und leitet das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum
Sylvia Willkomm ist Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes
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9. Zum Schluss: Kölner Dom führt Eintritt ein – ein großer Fehler!
Für den Besuch des Kölner Doms wird künftig Eintritt verlangt. Begründet wird der Schritt mit steigenden Kosten für Schutz und Betrieb der Kirche, Beten ist in einem abgegrenzten Bereich des Doms weiterhin kostenlos möglich.
Dass in der Zukunft zum Besuch der wichtigsten Kirche in Deutschland ein Eintritt fällig wird, ist in mehrfacher Hinsicht ein großer Fehler. Der Dom ist Kirche, nicht Museum!
Ich habe der Deutschen Welle meine Position hier erläutert.
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