29. Oktober 2020 Kulturrat_Logo_72dpi-01

Lageeinschätzungen Kulturbereiche

NEUSTART KULTUR: Die Zukunftsprogramme der Kulturförderfonds


Wie werden Kulturschaffende jetzt unterstützt?

Deutscher Literaturfonds

 

Das große Interesse an Autorenlesungen ist ein für den deutschsprachigen Raum eigentümliches Phänomen. Nirgends sonst auf der Welt wird das Besondere der Buchrezeption – die soziale Isolation des Lesers, seine Selbstbestimmung des Lesetempos und der Lesedauer – in vergleichbarem Umfang aufgehoben und durch Lesungen oder moderierte Autorengespräche in soziokulturelle Räume überführt. Diese Räume verschwanden schlagartig in Folge der Maßnahmen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie von der Politik beschlossen und durchgesetzt wurden. Mit ihnen verloren auch viele Autoren eine wichtige Einkommensquelle.

 

Das Kuratorium und die Mitgliedsverbände des Deutschen Literaturfonds – unter ihnen der PEN, der Verband der Schriftstellerinnen und Schriftsteller und der Freie Deutsche Autorenverband – haben daher beschlossen, die von der Bundesregierung bereitgestellten Fördermittel im Rahmen des Programms NEUSTART KULTUR vor allem für ein Strukturförderungsprogramm zur Wiederaufnahme literarischer Veranstaltungen einzusetzen. Das damit verfolgte Ziel war es, „Tausende literarische Begegnungen“ zu initiieren und Autoren wieder die Möglichkeit zu verschaffen, durch Lesungen einen Teil ihres Lebensunterhalts zu verdienen.

 

Das Programm zielte in die Breite des Landes, auch in den ländlichen Raum, und es richtete sich unmittelbar an alle Institutionen und Veranstalter, bei denen Autoren zu Wort kommen können und auf Publikum stoßen: an Bibliotheken und Buchhandlungen, Literaturhäuser und Literaturbüros – insbesondere jene in den kleineren Städten, Kulturhäusern, Lesereihen und Lesebühnen, Museen und Theater, auch literarische Programme an Schulen und Hochschulen.

 

Für deutschsprachige Bühnenautoren, für die sich durch den Ausfall von oder Besucherbeschränkungen bei Vorstellungen in einer im schlechtesten Sinne besonders dramatischen Situation befinden, wurde ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. Darüber hinaus konnten Bibliotheken Anträge zur Finanzierung digitaler interaktiver Programme für Kinder und Jugendliche stellen.

 

Die Resonanz war überwältigend. Schon Anfang Oktober war das bereitgestellte Budget von fünf Millionen Euro ausgeschöpft. Aktuell ist eine Bewerbung daher nicht mehr möglich. Insgesamt erreichten den Literaturfonds 647 Anträge.

 

Über drei Millionen Euro wurden bereits bewilligt. Die durchschnittlichen Antragssummen betragen in den Modulen „Tausende literarische (Wieder-)Begegnungen mit Autorinnen und Autoren“ und „Digitales interaktives Programm für Kinder und Jugendliche“ etwa 10.000 Euro. Von allen Bundesländern wurden die meisten Mittel aus Berlin beantragt: mehr als eine Million Euro bei nur 35 Anträgen. Die meisten Anträge hingegen kamen aus den Flächenländern Nordrhein-Westfalen (82) und Bayern (77) mit Antragsvolumina von rund 520.000 bzw. 950.000 Euro.

 

Insgesamt zeigt sich, dass von der Lesung in der Gemeindebücherei bis hin zum Literaturfestival in der Großstadt alle denkbaren Veranstaltungsformate von dem Förderprogramm NEUSTART KULTUR profitieren.

 

Gunther Nickel ist Lektor und stell-vertretender Geschäftsführer des Deutschen Literaturfonds. Astghik Saribekyan und Lukas Sarvari betreuen im Deutschen Literaturfonds das Sonderprogramm NEUSTART KULTUR

 

 

Fonds Darstellende Künste

 

Mit #TakeThat hat der Fonds Darstellende Künste im Zusammenhang mit NEUSTART KULTUR – das Zukunftsprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – umfangreiche Maßnahmen zusammengestellt, die frei produzierende Einzelkünstlerinnen und -künstler aller Sparten sowie Produktionsorte und Festivals der Freien Szene in dieser herausfordernden Zeit unterstützen. Unser Ziel ist es, abgestimmt auf unterschiedliche Arbeitsweisen und -bedingungen, die Freien Darstellenden Künste in ihrer Vielfalt zu stärken und mit gezielten Förderprogrammen die Fortführung künstlerischer Praxis unter pandemiebedingt neuen Produktionsgegebenheiten zu ermöglichen. Hierbei legte der Fonds besonderen Wert auf die Einbeziehung der Expertisen von Mitgliedsverbänden und weiteren Akteuren der Freien Darstellenden Künste, immer unter dem Aspekt, schnelle Hilfe zu ermöglichen. Für die Umsetzung stehen dem Fonds bis zu 65 Millionen Euro ergänzende Mittel aus dem Maßnahmenpaket für den Kultur- und Medienbereich der BKM zur Verfügung.

 

#TakeThat umfasst insgesamt 11 neue Programme, die in mehreren Antragsfristen ausgeschrieben werden.

 

Das Förderprogramm #TakeAction, das sechs genrespezifische Einzelprogramme beinhaltet, stellt das künstlerische Produzieren und Arbeiten unter Pandemiebedingungen in den Mittelpunkt und befördert Produktionszeiträume.

 

Damit Produktionsorte und Festivals der Freien Szene zukunftsorientierte Konzepte entwickeln können, um den Kunst- und Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und somit den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, wurde die Strukturprojektförderung #TakePlace entwickelt.
#TakeNote fördert den Wissens­transfer und Kooperationsvorhaben in den Freien Darstellenden Künsten und richtet sich an Festivals und Produktionsorte sowie Kulturhäuser und gemeinnützige Vereine.
#TakePart ermöglicht Vorhaben zur Publikumsbindung. Sowohl Künstlerinnen und Künstler als auch Produktionsorte und Festivals der Freien Darstellenden Künste können Modellvorhaben zur Neuausrichtung in Bezug auf das Publikum einreichen.

 

Weitergeführt und ausgebaut wurde das #TakeCare-Programm, das eine produktionsunabhängige stipendienartige Förderung von Recherchevorhaben beinhaltet. In der zweiten Antragsrunde, die am 1. September endete, wurden 445 Vorhaben für eine Förderung ausgewählt und rund 2,1 Millionen Euro für entsprechende Vorhaben in allen Bundesländern vergeben.

 

Ergänzt wird #TakeCare um die Maßnahme #TakeCareResidenzen, welche ergebnisoffene künstlerische Recherchen in Verbindung mit (Online-)Residenzen in einem von rund 40 über das gesamte Bundesgebiet verteilten Produktionsorten fördert.

 

Der Fonds würde gerne mit #Take That noch stärker das Ziel verfolgen, dass freies Produzieren von Kunst mehr Planungssicherheit und damit die Aktiven der freien Theaterlandschaft mehr Sicherheit erfahren können. Hierfür wäre es wichtig, den engen Projektzeitraum von NEUSTART KULTUR deutlich auszuweiten. Damit es auch längerfristig heißt: Die Kunst ist BACK FOR GOOD!

 

Holger Bergmann ist Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste

 

 

Deutscher Übersetzerfonds

 

Auch die Übersetzerszene wird von NEUSTART KULTUR adressiert. Von Monika Grütters aufgefordert, Vorschläge für „alternative, auch digitale Angebote“ zu machen, hat der Deutsche Übersetzerfonds sein Förderportfolio umfänglich erweitert. Die Zuwendungen in Höhe von insgesamt 5 Millionen Euro gehen dabei in unterschiedliche Richtungen.

 

Zum einen in den Ausbau des bestehenden Stipendienangebots um mindestens 160 Stipendien bis Ende 2021. Dabei werden erstmals auch die hier lebenden Übersetzerinnen und Übersetzer deutschsprachiger Literatur in andere Sprachen berücksichtigt. Das neue Programm „extensiv initiativ“ aktiviert Übersetzer als Initiatoren neuer Übersetzungsprojekte und bezieht die Verlage als Partner mit ein. Gefördert werden beide Seiten: die Übersetzerin bzw. der Übersetzer durch ein Stipendium und der Verlag durch die Bezuschussung der Übersetzungskosten und die damit einhergehende Erleichterung der verlegerischen Kalkulation. Ziel der Förderung ist ein starker Impuls für die lebendige Vermittlung der Literaturen der Welt im deutschsprachigen Raum. Was offensichtlich funktioniert: 95 Anträge aus allen Genres inklusive Kinder- und Jugendbuch, Lyrik, Essay, Graphic Novel und Theater gingen unlängst zur ersten von drei Ausschreibungen ein.

 

Ein mit 1,5 Millionen Euro ausgestatteter Projektfonds unterstützt neue Angebote von Kultureinrichtungen und Initiativen der freien Szene, die sich dem literarischen Übersetzen und seinen Protagonisten widmen. Förderziele sind die Etablierung, Sichtbarmachung und Vermittlung von literarischer Übersetzung im kulturellen Leben wie auch auf dem Feld der kulturellen Bildung, und damit einhergehend: die projektbezogene Vergabe von Aufträgen an Akteure im Bereich Literaturübersetzung sowie der Aufbau von digitaler Infrastruktur. Das Antragsvolumen der ersten von drei Ausschreibungsrunden summiert sich auf mehr als eine Million Euro; darunter viele Initiativen mit stark digitalen Komponenten. Diese stehen auch im Mittelpunkt der Projekte in Eigenregie des Deutschen Übersetzerfonds: eine bis Ende 2021 aufzubauende Onlineplattform wird innovative Formen der Sicherung und Vermittlung übersetzerischen Wissens entwickeln. Gestärkt werden zudem die Aktivitäten des TOLEDO-Programms, das neue Veranstaltungsformate erprobt und die internationale Vernetzung voranbringt. Zu dieser digitalen „Ausweitung der Übersetzerzone“ gehören unter anderem die Erprobung von „social translating“ und die Gründung einer virtuellen „Republik der Übersetzer·innen“.

 

Unsere erste Zwischenbilanz fällt sehr erfreulich aus: Für die erheblich gestiegene Nachfrage nach individueller Förderung stehen Mittel bereit. Viele innovative Projekte werden realisiert werden können. Die Resonanz stimmt; erste Förderentscheidungen treffen die Mitte November tagenden Jurys.

 

Jürgen Jakob Becker ist Geschäftsführer des Deutschen Übersetzerfonds

 

 

Fonds Soziokultur

 

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vergibt der Fonds Soziokultur regulär in drei unterschiedlichen Förderprogrammen jährlich rund 2 Millionen Euro an Initiativen, Einrichtungen und Kulturakteurinnen und -akteure in Städten, auf dem Lande, in der Peripherie. Auf dieser Basis setzt er nun im Rahmen von NEUSTART KULTUR der BKM mit zusätzlichen 10 Millionen Euro ein Sonderförderprogramm mit drei wesentlichen Elementen um:
• Förderung soziokultureller Projektarbeit
• Re:Vision – Online-Programm für Projektakteurinnen und -akteure
• Evaluation, Auswertung und Transfer von Erkenntnissen

 

Der klare Schwerpunkt liegt auf der finanziellen Projektförderung. „Re:Vision“ zielt darauf ab, durch Praxistransfer und Reflexion die Beteiligten zu stärken sowie sinnvolle Formate unter anderem im Digitalen zu verbreiten und anzuregen. Die wissenschaftliche Evaluation wird darüber hinaus für die Kultur- und Förderpraxis wichtige Erkenntnisse liefern. Insgesamt geht es neben der notwendigen Unterstützung auch um eine qualitative Weiterentwicklung, die über 2021 hinausweist.

 

Die NEUSTART-Mittel werden in bislang fünf zeitlich und bis März 2021 gestaffelten Ausschreibungen und mit Befassung durch ein Kuratorium vergeben. Sie zielen auf zentrale Herausforderungen: stabile Netzwerke, Kinder und Jugendliche als Ko-Produzentinnen, Diversität und Digitalität. Wichtig dabei: Welche Modelle tragen zur Verbesserung einer „Kultur für alle“ bei und wie sieht diese zukünftig aus? Seit Mitte Oktober 2020 können die ersten 224 geförderten Projekte mit einem Fördervolumen von rund 4,3 Millionen Euro mit der Umsetzung beginnen. Dabei ist das Gesamtvolumen allein dieser Projekte derzeit mit rund 7,6 Millionen weitaus höher, Drittmittel und Eigenanteile (43 Prozent) verstärken dank des Einsatzes der Antragstellenden in erheblichem Maß die Wirkung der NEUSTART-Mittel.

 

Bereits Anfang April 2020 hatte der Fonds Soziokultur aus seinem Basishaushalt ein eigenes Nothilfeprogramm im Schnellverfahren umgesetzt. Mit dem Programm „Inter-Aktion“ im Umfang von zunächst 250.000 Euro, aufgrund des Rücklaufs dann 350.000 Euro sind innerhalb kürzester Zeit letztlich 75 Projekte gefördert worden. Beantragt hatten jedoch 800 freie Institutionen der Kulturarbeit. Der Bedarf war erschreckend, die Widerständigkeit in der Krise kontaktloser Soziokultur hingegen überwältigend. Gefördert wurden Formate, die über neue analoge, digitale oder hybride Wege künstlerisch mit Gesellschaft in Beziehung traten. Die ausgeschütteten Mittel von „Inter-Aktion“ muten aus heutiger Sicht wie ein gut gemeinter Tropfen auf einen gebirgsähnlichen heißen Stein an. Diese Erfahrung jedoch bildet jetzt das fachliche Rückgrat für das Sonderprogramm NEUSTART KULTUR.

 

Das herausragende kulturpolitische Potenzial der soziokulturellen Projekte besteht einerseits in der außerordentlichen Nähe zu Fragen aus der Gesellschaft und andererseits darin, mit unterschiedlichen Ressorts und künstlerischen Sparten zu agieren. Die zahlreichen Kulturinitiativen verlagern Aktivitäten auf öffentliche Plätze, gehen mobil in die Peripherie, um Kultur gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten.

 

Die Akteure kümmern sich nicht nur um den Neustart, sondern auch um das mutige Ausleuchten von Demokratie, Teilhabe, Nachhaltigkeit oder Diversität mit Mitteln von Kunst und Kultur.

 

Mit Blick auf die Zukunft, wenn die Konjunkturpakete und Sonderprogramme ausgelaufen sind: Wir dürfen genau jetzt den Moment nicht verpassen, gemeinsam mit Verantwortlichen aus Politik, Förder- und Kulturszene neue Realitäten, mutige Visionen und vor allem deren organisatorische wie finanzielle Umsetzung anzugehen.

 

Mechthild Eickhoff ist Geschäftsführerin des Fonds Soziokultur

 

 

Musikfonds

 

Als Antwort auf die bedrohliche Situation der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler der aktuellen Musikszene hat die Bundesregierung auch den Musikfonds mit erheblich mehr Mitteln ausgestattet. Zu den in normalen Zeiten jährlich zur Verfügung stehenden 2 Millionen Euro kamen im Juli 2020 Sondermittel in der Höhe von 10 Millionen Euro hinzu. Diese Sondermittel gibt der Musikfonds zum überwiegenden Teil in Form von Stipendien aus – für uns eine neue Form der Förderung des freien künstlerischen Schaffens. Ziel des Stipendienprogramms ist es, Musikschaffenden der freien Szene schnell und unbürokratisch unter die Arme zu greifen. Wir wollen ihnen eine Perspektive geben, damit sie ihre künstlerische Tätigkeit nicht aufgeben. Die Stipendien schaffen in der Krise einen Freiraum, sie ermöglichen eine neue Ausrichtung und Verortung musikalischer Konzepte und Werke.

 

Bis Mitte August 2020 wurden fast 3.000 Anträge auf Stipendien eingereicht – etwas weniger als die Hälfte der Anträge konnten bewilligt werden. Rund 8,3 Millionen Euro sind demnach bereits mit den knapp 1.400 bewilligten Stipendien vergeben. Jedes Stipendium ist mit 6.000 Euro dotiert und wird für sechs Monate gewährt. Die ersten Stipendiatinnen und Stipendiaten treten ihr Stipendium im November 2020 an, die letzten im Januar 2021. Zurzeit stimmen wir letzte Details bezüglich der Verwendungsnachweisführung ab. Sobald diese Fragen geklärt sind, werden die Stipendienverträge geschlossen, die Auszahlung erfolgt in monatlichen Raten.

 

Das Stipendienprogramm erreichte im Vergleich zur regulären Projektförderung des Musikfonds eine ungewöhnlich hohe Förderquote – denn da mehr Mittel zur Verfügung standen, konnten auch mehr Anträge bewilligt werden. Entsprechend haben uns zahlreiche Dankesschreiben von geförderten Musikerinnen, Komponisten, Klangkünstlerinnen und Musikperformern der experimentellen Musikszene erreicht. Viele haben uns mitgeteilt, dass das Stipendium existenziell wichtig ist, um sich in den kommenden Monaten finanziell über Wasser zu halten.

 

Trotzdem: Es konnte nicht einmal die Hälfte der Anträge bewilligt werden. Klar ist, dass dieses erste Stipendienprogramm des Musikfonds nicht ausreichen wird, um die Vielfalt der im Fokus stehenden Musikszene langfristig, über die sich leider in die Länge ziehende Krise hinaus, zu erhalten. Außerdem halten wir es für dringend notwendig, dass auch die traditionellen, nicht als experimentell geltenden Musikgenres, die laut Fördergrundsätzen nicht vom Musikfonds berücksichtigt werden können, mit ähnlichen Hilfsprogrammen gestützt werden. Uns haben viele Beschwerden aus dem klassischen Musikbereich oder dem Bereich der alten Musik erreicht – obwohl sich die eigens für das Stipendienprogramm neu berufene, 15-köpfige Jury durchaus auf eine großzügige Auslegung geeinigt hatte und auch Stipendiatinnen und Stipendiaten zur Förderung ausgewählt hat, die musikalisch nicht per se zur Zielgruppe des Musikfonds zählen und im Rahmen der Projektförderung wenig Chancen auf Förderung hätten.

 

Mit den verbleibenden ca. 1,3 Millionen Euro werden auch die aktuell laufende, dritte Förderrunde in 2020 und die erste Förderrunde in 2021 aufgestockt. Das bedeutet eine Verdopplung der regulär zur Verfügung stehenden Mittel: anstatt rund einer halben Million Euro stehen jetzt für diese beiden Förderrunden jeweils ca. 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Zur Antragsfrist am 30.09.2020 erreichten uns ca. 350 Anträge, mit einem Gesamtantragsvolumen von über 7 Millionen Euro – damit ist der Fonds wieder schmerzhaft überzeichnet, die Förderquote wird in der dritten Förderrunde 2020 trotz der beträchtlichen Aufstockung der Mittel wieder deutlich unter 20 Prozent liegen.

 

Gregor Hotz ist Geschäftsführer des Musikfonds

 

 

Stiftung Kunstfonds

 

efühlt eine Ewigkeit, doch nur ein gutes halbes Jahr ist es her, seitdem der Kunstbetrieb abrupt zum Stillstand kam. Ausstellungen wurden abgesagt, Eröffnungen verschoben, Galerien geschlossen. Projektaufträge blieben aus, die Umsätze brachen massiv ein, Investitionen verpufften mit der Folge verheerender Einkommensverluste, die binnen wenigen Wochen existenzbedrohend wurden.

 

Dank der von Deutschem Bundestag und Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit NEUSTART KULTUR für die Belange des Kunstbetriebs bereitgestellten Fördermittel konnte die Stiftung Kunstfonds binnen kürzester Zeit folgende Förderprogramme im Gesamtumfang von 26 Millionen Euro konzipieren, ausschreiben und qualitätsorientierte Juryverfahren installieren:

 

• Stipendium für bildende Künst-ler*innen mit Kindern unter 7 Jahren: Die Ausschreibung richtete sich an in Deutschland lebende, freiberufliche bildende Künstlerinnen und Künstler, die Kinder unter 7 Jahren betreuen.
Sie trifft die Coronakrise besonders hart, weil sie nicht nur Einkommensverluste kompensieren, sondern gleichzeitig auch die Betreuung ihrer Kinder im Vorschulalter leisten müssen.

Ein künstlerisches Arbeiten unter diesen Bedingungen ist nur schwer möglich. Aus den 824 gültigen Bewerbungen hat die 16-köpfige Jury 94 Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgewählt. Die ersten Raten des jeweils mit 12.000 Euro dotierten halbjährlichen Stipendiums wurden bereits im September ausgezahlt.

 

• Stipendium für bildende Künstler* innen: Das Stipendium will die prekäre Lage qualifizierter in Deutschland lebender bildender Künstlerinnen und Künstler mildern, damit sie künstlerische Ideen und Initiativen zum Durchstarten in der Krise entwickeln können. 4.776 Künstlerinnen und Künstler haben sich um dieses Stipendium beworben. Die Jury hat in mehrwöchiger intensiver und gründlicher Prüfung kürzlich 581 für ein halbjährliches Stipendium von je 9.000 Euro ausgewählt.

 

• Projektförderung für kunstvermittelnde Akteure: Ziel dieses Programms ist es, die Vermittlung und den Konsum von bildender Kunst nachhaltig mit innovativen und unkonventionellen Ideen anzuregen und an der Kunst teilhaben zu lassen.

1.203 Produzentengalerien, Kunstvereine, Projekträume und soloselbständige Kunstvermittler haben sich um einen Projektzuschuss von bis zu 50.000 Euro beworben. Die Jury prüft derzeit alle Anträge und entscheidet voraussichtlich Mitte November über die Förderungen.

 

• Förderung von Galerien: Noch bis zum 31. Oktober können sich kommerzielle Galerien und Produzentengalerien für eine Förderung bis zu 35.000 Euro für Ausstellungsprojekte von Januar bis Mai 2021 bewerben. Das Programm ist mit 16 Millionen Euro ausgestattet.

 

Der Löwenanteil der ersten drei Programmteile, für die insgesamt 10 Millionen Euro bereitstehen, geht mit 6.357.000 Euro als Stipendien an bildende Künstlerinnen und Künstler. Trotzdem liegt die Förderquote nur bei 11,9 Prozent.

 

Viele spannende und hochqualifizierte Ideen bleiben unrealisiert, weil die Sorge um den Lebensunterhalt die Kreativität erstickt. Entsprechend verzweifelt sind auch die Kommentare der Künstlerinnen und Künstler, die einmal mehr belegen, wie prekär deren Lage ist. Ein Nachschlag wäre dringend geboten!

 

Karin Lingl ist Geschäftsführerin der Stiftung Kunstfonds


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